Greenpeace Magazin

Ausgabe 2.17

2.17 – Vorneweg

Schön, dass Sie da sind, liebe Leserinnen und Leser!

An einem Samstag im Januar kehrte der Kalte Krieg zurück. Zumindest fühlte es sich ein bisschen so an: In Bremerhaven, wo in den Siebzigerjahren 20.000 US-Soldaten stationiert waren, machte ein Transportschiff mit schwerem Kampfgerät fest: 4000 Uniformierte werden von hier aus weiter nach Osteuropa verlegt. Sie folgen dem Marschbefehl der Operation „Atlantic Resolve“. Auch wenn die Zahlen geringer sind, gibt es Parallelen: Wieder gelten die Truppen einem potenziellen russischen Feind, wieder wird Säbelrasseln aus dem Osten mit Säbelrasseln aus dem Westen beantwortet – und einige der Friedensaktivisten von damals demonstrierten auch diesmal wieder gegen das Aufgebot der US-Armee.

Die Gleichzeitigkeit von gestern und heute erlebte auch Dirk Gieselmann bei seinem Besuch in Berlin. Der „Reporterpreis“-Gewinner, der ab diesem Jahr zu unserem journalistischen Team gehört, besuchte die deutsche Sektion der Anti-Atomwaffen-Initiative ICAN. Sie stemmt sich gegen ein neues atomares Wettrüsten – und damit gegen die Renaissance eines Kriegsinstruments der Vergangenheit. Noch schwieriger ist der Kampf gegen Waffen, die es noch gar nicht gibt: Die US-Autorin Sarah A.Topol begleitete den Einsatz einer Gruppe leidenschaftlicher Optimisten gegen die Entwicklung autonomer Kampfroboter.

Über die katastrophalen Konsequenzen von „Fake News“ wird in der Öffentlichkeit spätestens seit dem Wahlsieg von Donald Trump diskutiert. An die Botschaften wahrheitsverzerrender Werbung scheint man sich dagegen gewöhnt zu haben. In jeder Ausgabe wirken wir auf der letzten Seite diesen „alternativen Fakten“ persiflierend entgegen. Das gefällt nicht jedem. Unsere Satire aus der letzten Ausgabe zum Schneekanonen-Tourismus im österreichischen Zillertal führte sogar zu einer TV-Diskussion im ORF. Wie es da zu der überraschenden Erkenntnis kam, Schneekanonen hätten mit dem Klimawandel nicht das Geringste zu tun, können Sie hier nachlesen: greenpeace-magazin.de/kunstschnee

Obwohl das Greenpeace Magazin inzwischen auch als App erscheint und auf Tablets und Smartphones noch lebendiger wird, sind wir immer noch große Liebhaber des gedruckten Wortes. Das Rascheln der Seiten zwischen den Fingern, das feine Knacken des Einbandes, wenn man ein Buch zum ersten Mal aufschlägt, der sanfte Luftdruck, mit dem die Seiten beim Zuschlagen wieder zusammensinken – die Digitalisierung hat viele Vorteile, aber die Sinnlichkeit der Bücher kann sie nie ersetzen. Und wo ließe sich dieser Leidenschaft besser frönen als in einer Buchhandlung, am besten nachts, wenn niemand anders da ist? Genau das tat unsere Redaktion eines dunklen Winterabends in der Hamburger Kunstbuchhandlung Sautter + Lackmann. Wir ließen uns einschließen, streunten durch menschenleere Regalreihen, entdeckten ungekannte Schätze, ließen uns inspirieren und diskutierten über unsere Fundstücke. Ein Abend allein in einer Buchhandlung: Wir können es nur empfehlen.

Eine inspirierende Lektüre wünschen Ihnen die Chefredakteure
Kerstin Leesch und Kurt Stukenberg

PS: Das Greenpeace Magazin ist seit 24 Jahren zu 100 Prozent leserfinanziert, frei von Werbung und erhält keine Mittel von Greenpeace