Das Ende der Eiszeit

Greenpeace Magazin

Ausgabe 1.17

Das Ende der Eiszeit

Text: Andreas Weber / Foto: Manfred Jarisch

Einst stießen die Grindelwaldgletscher so weit ins Tal vor, dass sie Bäume und Weiden unter sich begruben. Ihre bizarren Formen wurden zum beliebten Motiv romantischer Landschaftsmaler. Ein Berner Professor hat die alten Gemälde als Forschungsquelle entdeckt. Und wurde dann selbst zum Augenzeugen eines beispiellosen Wandels

Wenn Heinz Zumbühl mit der Zahnradbahn nach Grindelwald hinauffährt, geht es ihm wie einem Maler, dessen Lieblingswerk verhunzt wurde. Von den fast mediterranen Ufern des Thuner und Brienzer Sees in der Ebene von Interlaken kurvt der Schmalspurzug ins Berner Oberland hinauf, durch grüne Matten mit wohlverteilten Chalets und Heuschobern, hoch zur Nordflanke des 3970 Meter hohen Eigers, die sich beim Näherkommen wie eine graue Wand vor den Himmel schiebt.

Der hagere Zumbühl, dessen Augen hinter der schwarzgerandeten Brille flink die Umgebung abzusuchen scheinen, ist emeritierter Geografie-Professor der Uni Bern. Die Landschaft, durch die der Zug langsam bergan schaukelt, bildet den Fluchtpunkt seines langen Gelehrtenlebens. Doch das Sujet, um das dieses Leben kreiste, hat sich weitgehend aufgelöst.

Zumbühl, 73, hat seine Karriere mit der Erforschung des Oberen und Unteren Grindelwaldgletschers zugebracht. Die beiden Eismassen, deren Einzugsbereich auf mehr als 3500 Metern Höhe unter den Gipfeln des Eigers, der Jungfrau und des Schreckhorns beginnt, waren in der Eiswelt der Alpen eine Besonderheit: Über viele Jahrhunderte stießen sie bis ins Tal unterhalb des Alpendorfes Grindelwald vor. Bauern ließen ihre Kühe zwischen den Ausläufern der Gletscherzungen grasen, die ihre Dutzende Meter hohen gezackten Schweife zwischen Nussbäumen und Heustadeln ausstreckten.

Als der Alpentourismus Mitte des 18. Jahrhunderts begann, konnten Reisende in Grindelwald den Inbegriff jener eisigen Höhen, die sie mit einer Mischung aus Scheu und Hingerissensein besuchten, mit den Händen berühren. Eisgrotten, von Einheimischen mit dem Pickel verbreitert und mit Planken ausgelegt, erlaubten den Zugang quasi ins Innere der Berge.

Dieses Erlebnis, mit dem Grindelwald seine Karriere als Urlaubsort begonnen hatte, war am Oberen Gletscher noch bis in die Mitte der 1990er-Jahre möglich. Zumbühl, vor seiner Berufung zum Professor als Gymnasiallehrer tätig, führte oft Schulklassen von Bern hinauf, um den Gletscher zu bewundern.

Dann aber setzte das große Tauen ein. Mit einer Geschwindigkeit, die selbst pessimistische Klimaforscher nicht für möglich gehalten hätten, begannen sich die großen Alpengletscher aufzulösen. Sie ziehen sich aus den Tälern zurück und hinterlassen, wie bei Grindelwald, hunderte Meter tiefe Schluchten. (...)

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