Der Frieden braucht neue Formen

Greenpeace Magazin

Ausgabe 2.17

Der Frieden braucht neue Formen

Text: Sarah A. Topol / Illustration: Javier Jaén

Vergessen Sie Drohnen und dystopische Science-Fiction-Szenarien: Eine furchterregende neue Generation autonomer Waffen wartet auf ihren Einsatz. Damit es nicht dazu kommt, tritt eine kleine Gruppe leidenschaftlicher Optimisten gegen skrupellose Regierungen und zähe Bürokratien an. Ihr Ziel ist das Verbot der Mordautomaten – um die Menschheit vor sich selbst zu retten

Mary Wareham lacht viel. Ihr heiteres Kichern, das die Neuseeländerin kaum unterdrücken kann, klingt immer gleich und sprudelt bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten heraus. Wareham lacht, wenn Dinge lustig oder unangenehm sind oder wenn sie anderer Meinung ist als ihr Gesprächspartner. Und sie lacht, wenn etwas richtig übel ist. Etwa, wenn man sich mit ihr darüber unterhält, dass die Menschheit bald von Killerrobotern vernichtet werden könnte – und die Welt nichts dagegen unternimmt.

An einem Tag im vergangenen Frühling sitze ich bei den Vereinten Nationen in Genf hinter Wareham in einem großen holzgetäfelten Raum mit beigefarbenem Teppichboden, wo die Convention on Certain Conventional Weapons (CCW) tagt. Diese Gruppe von 121 Ländern hat das Übereinkommen über das Verbot oder die Beschränkung bestimmter konventioneller Waffen unterzeichnet, die „übermäßige Leiden verursachen oder unterschiedslos wirken können“ – mit anderen Worten: Waffen, die selbst für den Einsatz in Kriegen zu grausam sind.

Wareham leitet die Waffenabteilung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Sie koordiniert die Kampagne „Stop Killer Robots“, hinter der 61 internationale Nichtregierungsorganisationen stehen. Anders als bei den Drohnen, die erst als Aufklärer über die Schlachtfelder flogen und später zu Waffen umfunktioniert wurden, wollen die Aktivisten „tödliche autonome Waffensysteme“ (lethal autonomous weapons systems, LAWS) verbieten lassen, bevor sie tatsächlich eingesetzt werden.

Während der fünftägigen Sitzung soll über LAWS diskutiert werden: Waffen, die eigenständig Ziele auswählen und angreifen, Maschinen, die entscheiden können, dass Menschen getötet werden. Also Killerroboter.

Bei den Vereinten Nationen geht es immer nur im Schneckentempo voran – und die CCW ist besonders langsam. Jeder Vertragsstaat muss hier zustimmen, damit überhaupt etwas passiert. (Ihr letztes – und bislang einziges – erfolgreiches Waffenverbot beschloss die Konferenz 1995. Damals ging es um Blendlaser). Die ersten militärischen Angriffe mit Drohnen hat die Welt verschlafen. Wird das bei LAWS genauso sein? Kriegführung mit Drohnen ist mittlerweile alltäglich – mindestens zehn Länder setzen die unbemannten Fluggeräte inzwischen dafür ein.

Aber um Drohnen geht es hier nicht mehr. Auch nicht um von Menschen ferngelenkte Roboter wie jenen, den die Polizei in Dallas im Juli 2016 mit Sprengstoff bestückte, um einen Heckenschützen zu töten, der während einer Protestkundgebung Polizisten angegriffen hatte. Bei den autonomen Waffensystemen gibt der Mensch nur noch die Parameter für den Angriff vor – ohne das genaue Ziel zu kennen. Die Waffe sucht dann selbständig nach allem, was diese Parameter aufweist, richtet sich darauf aus und schießt oder detoniert. (...)

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