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Ein Krankenhaus auf fünf Achsen

Greenpeace Magazin Ausgabe 3.17

Ein Krankenhaus auf fünf Achsen

Text: Carsten Jasner Foto: Heinrich Holtgreve

Die Klinik im Lkw soll in Syrien Leben retten

Unter einem Berliner S-Bahn-Viadukt stehen zwei Lkws und ein Anhänger, frisch lackiert in Hilfskonvoi-Weiß. In einer der Fahrerkabinen gleißen Blitze – Chris, 29, schweißt ein Regal für Schlafsäcke und Taschen. Im Anhänger montiert Thomas, 37, Fächer für Verbandszeug und Medikamente. Miriam, 36, kriecht zwischen die Räder und überlegt, wo sie die Batterie der Solaranlage anbringen könnte. Sie werden Strom brauchen im Operationszelt, für Lampen, Beatmungsmaschine und Elektrokardiogramm.

In drei Wochen wollen sie starten, erst in den Irak, dann nach Syrien. „Wir fahren dahin, wo es weh tut“, sagt Sebastian Jünemann, ein stämmiger Kerl mit freundlichem Blick und energischem Kinn. Auf einem ausrangierten Bürosessel in einem Winkel der Werkstatt bearbeitet er sein Smartphone. Ein Foto poppt auf. Es zeigt einen jungen Mann mit wallenden Haaren und glasigem Blick. Er hockt auf dem Boden eines zerschossenen Hauses, in seiner Wange steckt ein Granatsplitter. „Der ist vom IS“, sagt Jünemann. Eine Frau mit Kopftuch verbindet die Wunden. „Jamila, eine Kurdin – ich habe sie letztes Jahr zur Sanitäterin ausgebildet.“ Würde er auch Kämpfer des „Islamischen Staats“ verarzten? „Selbstverständlich. Auch Arschlöcher brauchen Hilfe.“

Trotzdem möchten die meisten seiner Mitstreiter ihre Nachnamen nicht preisgeben. „Es gibt Leute, die uns nicht wohlgesonnen sind“, sagt Kris. „Der IS liest auch deutsche Medien.“ Der Politologiestudent hat in der Region gelebt und spricht arabisch. Jetzt telefoniert und skypt der 29-Jährige an drei Tagen pro Woche, um den Einsatz in Syrien vorzubereiten.

Vor zweieinhalb Jahren beschlossen Jünemann und eine Handvoll Leute, eine Hilfsorganisation zu gründen. Sie sollte anders sein als die anderen. Ohne „paternalistisches und kolonialistisches Gehabe“. Weniger hierarchisch, stattdessen kooperativ, innovativ und flexibel. Rund dreißig Mitglieder zählt der Verein „Cadus“. Der Name ist abgeleitet von der widerstandsfähigen Distel, die im Norden Syriens überall wächst und auch inmitten von Krieg und Zerstörung blüht. Zehn Mitglieder arbeiten mehrere Tage pro Woche ehrenamtlich. Sie sind zwischen Mitte zwanzig und Anfang vierzig, bezeichnen sich als „bunter Haufen“ – Mechaniker, Politologen, Tischler, Fotografen, Mediziner –, deutschlandweit unterstützt von „Punks und Hippies“ aus der „linken Subkultur“. Sie kennen sich aus besetzten Häusern, aus Soli-Projekten und von alternativen Festivals. Sie haben gelernt, mit wenig Mitteln etwas Besonderes zu schaffen. (...)

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