Greenpeace Magazin

Ausgabe 3.17

Grenzen für Gülle

Dänemark: Wo das Trinkwasser konsequent vor zu hoher Nitratbelastung geschützt wird

Grenzen für Gülle

Dänische Landluft stinkt nicht. Denn Bauern dürfen Gülle nicht verspritzen, sondern müssen sie direkt in den Boden einbringen, um hohe Ammoniakwerte zu vermeiden. Außerdem geht die Regierung seit mehr als 15 Jahren konsequent gegen die Nitratbelastung im Grundwasser vor: Gülle darf nur bis zur Erntezeit ausgebracht werden. Je nach Pflanzenart gibt es Düngungsobergrenzen. Alle Landwirte müssen ihre Stickstoff- und Phosphateinträge verpflichtend registrieren, und es gibt strenge Kontrollen und Strafen. Der Erfolg: Grundwasser ist nicht mehr mit 70, sondern nur noch mit durchschnittlich 40 Milligramm Nitrat pro Liter belastet. In Deutschland gibt es dagegen laut einem aktuellen Bericht der Bundesregierung „keine wesentlichen Veränderungen“. An 28 Prozent der Messstellen wird der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Weil Berlin die Reform der Düngeverordnung seit Jahren verschleppt, verklagt die EU-Kommission die Bundesrepublik vor dem Europäischen Gerichtshof. Auch die jetzt endlich geplanten Maßnahmen seien unzureichend, kritisiert das Umweltbundesamt. Die deutsche Wasserwirtschaft warnt, Trinkwasser könne sich durch aufwendige Verfahren zur Entfernung des gesundheitsschädlichen Nitrats in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent verteuern.

Niederlande/Schweden: Tattoo fürs Obst
Natürliche Label sollen die Verpackung von Bio-Obst überflüssig machen: Ein Laserstrahl entfernt die Pigmente auf der äußersten Schale, so können Biosiegel, Ursprungsland und Kontrollnummer auf Avocado oder Süßkartoffel tätowiert werden. Seit Anfang des Jahres erprobt das niederländische Biohandelsunternehmen „Nature & More“ das Verfahren mit der schwedischen Supermarktkette ICA. Nun will auch die Rewe-Gruppe das Licht-Labelling in 800 nordrhein-westfälischen Filialen testen.

Irland: Keine Kohle für Kohle
Die grüne Insel macht Ernst mit dem Klimaschutz: Als erstes Land weltweit will Irland alle staatlichen Investitionen in Unternehmen verbieten, die ihr Geld hauptsächlich mit Kohle, Öl oder Gas verdienen. Nach dem Gesetzesvorhaben mit dem Titel „Fossil Fuel Divestment Bill 2016“ wäre der rund acht Milliarden Euro schwere staatliche Fonds verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren sämtliche fossilen Investitionen zu beenden.

Tallinn: Gratis Busfahren
Die estnische Hauptstadt bleibt Pionierin: 2013 führte sie als erste europäische Kapitale den Nulltarif für den öffentlichen Nahverkehr ein. Seit einigen Monaten dürfen die Tallinner innerhalb des Stadtgebietes auch mit der Staatsbahn umsonst fahren, und ab 2018 sollen nun auch Tickets für die Überlandbusse nichts mehr kosten. Nicht gratis, aber günstig ist der Nahverkehr übrigens auch in Wien: Eine Jahreskarte kostet derzeit nur 365 Euro, also einen Euro pro Tag. Die Verkaufszahlen steigen rasant. Zum Vergleich: Berlin verlangt 728 Euro.