Hüter der verborgenen Vielfalt

Greenpeace Magazin

Ausgabe 3.17

Hüter der verborgenen Vielfalt

Text: Gero Günther / Foto: Jens Schwarz

Hoch oben in den Bündner Alpen kultivieren Marcel und Sabina Heinrich Dutzende alte Kartoffelsorten. Anfangs fanden ihre eigenwilligen Knollen kaum Abnehmer. Doch dann lernten Spitzenköche das Aroma der Berge zu schätzen

Im kräftigen Grün des Kartoffelkrauts schimmert es rosa, blass-violett und weiß wie Watte. „Schau, wie schön sie blühen“, sagt Marcel Heinrich, stolz auf die prächtigen, fast hüfthohen Pflanzen, die auf seinen Äckern gedeihen. Zügig stapft der 48-Jährige durch das taufeuchte Gras. Besonders gut gefallen ihm die zarten Blüten der Weißen Lötschentaler mit ihrem honiggelben Stempel. Wer Heinrichs Felder einmal in der Blütezeit im Juni erlebt hat, versteht, warum Kartoffeln einst in den Ziergärten des Adels und der reichen Bürger wuchsen.

42 Sorten Bergkartoffeln bauen Marcel und seine Frau Sabina auf ihrem Hof im Schweizer Kanton Graubünden an. Eine Vielfalt, die kaum ein anderer Landwirt in Mitteleuropa zu bieten hat. Nicht im Flachland und schon gar nicht im Gebirge. Die meisten von seinen Kartoffeln oder „Härdöpfeln“, wie die Schweizer sagen, gehören zu alten Sorten, die durch das Raster der modernen Agrarindustrie gefallen sind. „Andere Sorten sind eben ertragreicher, leichter zu ernten, weniger krumm und buckelig“, erklärt Heinrich. Und so gerieten sie in Vergessenheit – Raritäten wie Parli oder Baselbieter Müsli, King Edward oder Blaugelber Stein. Dabei sind die charakterstarken Knollen echte Delikatessen.

Inzwischen sind Heinrichs bunte Sonderlinge heiß begehrt in der Schweiz, und der Graubündener ist längst zu einem Botschafter geworden. Nicht nur für seine Bergkartoffeln, sondern auch für innovative und nachhaltige Wege in der Landwirtschaft. „Die Produkte von uns Bauern sollten wieder mehr geschätzt werden“, sagt er. „Wir wollen keine Billigproduzenten eines normierten Einerlei sein.“

Tausend Meter über dem Meeresspiegel liegt der Biobetrieb der Heinrichs. 34 Rinder hält die Familie, eine Herde Ziegen, dazu Hühner, Enten – und sogar Lamas. Über die Autodächer und die Mäuerchen, die die Töchter mit bunten Blumen bemalt haben, stolzieren zwei Pfauen. Aber das Herzstück des Betriebs sind die fünf Kartoffeläcker mit ihren raren Knollen. (...)

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