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greenpeace magazin 3.99
Der Kriegist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, schrieb vor 170 Jahren der preußische General und Militärtheoretiker Carl von Clausewitz und forderte, daß auch im Falle eines Krieges die politische Karte parallel weitergespielt werden müsse.
Da es keine stringente Kosovo-Politik des Westens gibt und gab — und dies, obwohl jahrelang alles auf eine Konfrontation zwischen Serben und Albanern hinauslief —, blieb nur die militärische Option. Der Krieg auf dem Balkan, und das ist das Furchtbare an diesem Drama, ist nicht im Clausewitz’schen Sinne die Fortsetzung einer Politik. Er ist deren ratloser Ersatz.
Natürlich ist der Umgang mit gerissenen Machtpolitikern vom Typ Milosevic nicht einfach. Aber spätestens, seit der Despot den Bosnien-Krieg vom Zaun brach, allerspätestens seit dem Abkommen von Dayton vor vier Jahren, hätte der Westen sich der immer gefährlicher zuspitzenden Kosovo-Krise ernsthaft und energisch annehmen müssen. Die Konferenz von Rambouillet kam viel zu spät, kam erst, als alle Konfliktparteien bereits ihre Waffen ölten.
Organisationen, die Kriege abwenden könnten, wie zum Beispiel die UN oder die OSZE, werden finanziell kurz und damit politisch klein gehalten. Milliarden Dollar jedoch stehen bereit, um Tarnkappenbomber und Cruise Missiles zu entwickeln. Am Ende des von Kriegen geschüttelten 20. Jahrhunderts stellt sich erneut die Frage nach einer Politik wirksamer Konfliktprävention. Dazu müßten wir bereit sein, ein paar Stealth-Bomber weniger zu bauen und stattdessen in einflußreiche Denkfabriken für vorausschauende und friedensstiftende Politik zu investieren (s. Interview S. 7).
Präsident Clinton und der Westen, so schrieb Anfang April die „Washington Post“, hätten nicht die nebelhafteste Vorstellung, wie es auf dem Balkan politisch weitergehen werde, könne und sollte. Zu diesem Zeitpunkt fielen in Jugoslawien bereits die ersten Bomben.
Welches Vertrauen sollen wir noch in solch hilflose Politiker setzen, wenn deren einziges politisches Mittel der Marschbefehl für das Militär bleibt.
Mit freundlichen Grüßen Jochen Schildt, Chefredakteur |
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