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kinder 1. Juni 2012
Beutezug der VerführerIndem sich die deutsche Spielwarenbranche den „Internationalen Kindertag“ einverleibt, hofft sie ihren Umsatz in die Höhe zu treiben. Doch die Kommerzialisierung des Unicef-Feiertages hat mit den echten Bedürfnissen von Kindern nichts zu tun.Spielwarenhersteller und Händler in Deutschland haben am 1. Juni den „Internationalen Kindertag“ ausgerufen – an diesem Tag, meint die Industrie, sollen Kindern Geschenke gemacht werden. In einer Werbekampagne beziehen sie sich deshalb auf den 1954 in der UN-Vollversammlung beschlossenen Weltkindertag. In Wirklichkeit hatten die Vereinten Nationen damals aber anderes im Sinn, als die Umsätze der weltweiten Spielzeugwirtschaft zu steigern: der in jedem Jahr am 20. September von Unicef ausgerichtete Weltkindertag soll auf die prekären Situationen von Kindern in der ganzen Welt aufmerksam machen. Darüber hinaus gibt es den ‚Universal Childrens Day’ am 20. November, der an die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1989 erinnert. Der von deutschen Herstellern und Händlern lancierte 1. Juni dagegen hat nur in der DDR und damit heute in Teilen Ostdeutschlands sowie in anderen ehemaligen sozialistischen Ländern Tradition. Auf seiner Homepage behauptet der Verband der Spielwarenindustrie, dass seit der Wiedervereinigung „heute auch die alten Bundesländer zunehmend die Tradition übernehmen“. Doch das ist übertrieben: Die Internetseite des Verbandes wird von nur neun deutschen Gemeinden unterstützt – aber dafür von 85 Spielzeugherstellern und -händlern. Führend bei der Kommerzialisierung des Weltkindertages sind Konsumtempel wie das Einkaufszentrum Schönhauser Allee Arcaden in Berlin. Am Eingang lädt ein Foto mit dem knallgelben Schriftzug „Spielzeugland“ Kinder und Eltern zum Verweilen ein. Darunter steht der hilfreiche Vorschlag: „Warum nicht einmal die Kinder den Tag organisieren und gestalten lassen? Wichtig ist, den Kindern das Gefühl zu geben, dass sie ihren Eltern wichtig sind und dass ihre Bedürfnisse und Freizeitwünsche ernst genommen werden. Im Spielzeugland finden Sie viele Dinge für die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder.“ Doch Kinder können nicht allein durch Spielzeuggeschenke glücklich gemacht werden. Sie benötigen persönliche Zuwendung – und das nicht nur an einem Tag im Jahr. Das Motto des von Unicef organisierten Weltkindertages am 20. September lautet denn auch nicht „Kinder brauchen Spielzeug“. Sondern „Kinder brauchen Zeit!“ ESTHER WIDMANN Kinder können an der frischen Luft und ohne Spielzeug auch Spaß haben – ein Plädoyer dafür lesen Sie in Heft 2.11, das Sie hier bestellen können. Ausführlicher wird das Thema in dem Buch „Mehr Matsch“ behandelt. |
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