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weltenergie 6. Juni 2012
Öl-Ausstieg ist möglichUnsere Abhängigkeit vom Öl könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Das ist das optimistische Ergebnis der neuen Greenpeace-Studie „Energie [R]Evolution: Ein nachhaltiger Weltenergieausblick“. Niklas Schinerl, Energie-Experte von Greenpeace, erklärt, wie das möglich ist.Der Ausstieg aus dem Öl ist möglich, so ist das Ergebnis Ihrer Studie. Was steckt dahinter? Durch die permanent steigende Nachfrage stellt sich die Frage: Wann enden die Ressourcen? Deshalb suchen die Ölfirmen nach neuen Quellen. Außerdem ist der Ölpreis rasant gestiegen und seit Monaten auf einem hohen Niveau. Je größer die Nachfrage und je höher der Ölpreis, desto attraktiver werden Alternativen wie Ölsand oder Tiefseebohrungen, die teuer sind und großen ökologischen Schaden anrichten. Die zentrale Idee des neuen Szenarios ist deshalb der schnellere Ausstieg aus dem Öl, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Wie stellt Greenpeace sich die Umsetzung vor? Der wichtigste Ansatzpunkt ist die Einschränkung des globalen Energiebedarfs. Das geht nur durch eine Effizienzsteigerung der Stromnutzung, noch mehr aber des Heizens. Um den Energiebedarf der Industrie einzudämmen, müssen Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß entkoppelt werden. Dazu muss man sowohl politische als auch wirtschaftliche Anreize schaffen. Wäre der Ausstieg aus dem Öl nicht mit extrem hohen Kosten verbunden? Nein. In Deutschland gibt es nach wie vor eine Debatte darüber, wer die Energiewende bezahlen soll. Studien zeigen aber, dass die Strompreise in Deutschland auch ohne Energiewende fast genauso stark gestiegen wären. Natürlich werden die Produktionskosten zunächst leicht ansteigen. Aber in 15 bis 20 Jahren wird der Strompreis durch immer mehr erneuerbare Energien immer billiger, wir werden unabhängig von Kohle und Öl. Außer zum Heizen und für die Industrie brauchen die Deutschen auch jede Menge Treibstoff für ihre Autos. Das ist ein zentraler Punkt in unserer Studie. Wir müssen den Ölverbrauch im Verkehr unter Kontrolle bringen. Er wird immer weiter steigen, weil auch in den Entwicklungsländern immer mehr Menschen Auto fahren. Deshalb brauchen wir sparsamere Fahrzeuge, das heißt kleinere und leichtere. Dazu kommen Elektroautos, wobei hier entscheidend ist, dass die dann mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Das hätte auch für den Verbraucher Vorteile: effiziente Autos sind billiger als SUVs! Wie realistisch ist das Szenario denn wirklich? Seit wir 2007 unser erstes globales Energiekonzept vorgestellt haben, ist es zu einem der meist zitierten Szenarien in diesem Bereich geworden. Es ist keine Spinnerei, sondern wird ernst genommen. Natürlich hängt vieles von der Marktentwicklung und von politischen Entscheidungen ab. Der Markt ist unglaublich dynamisch, bei der Menge der installierten Windkraft wurde unsere Prognose sogar übertroffen! Deutschland ist volkswirtschaftlich für einen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern sehr gut aufgestellt. Wenn die staatliche Förderung in Richtung erneuerbare Energien geht, dann ist das Szenario realistisch. Wir sind auf einem sehr guten Weg. INTERVIEW: ESTHER WIDMANN |
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