klimakonferenz

11. Dezember 2011

Durban: Gipfel beendet, Unklarheit bleibt

Vom 28. November bis 9. Dezember fand im südafrikanischen Durban die 17. Weltklimakonferenz statt. Der Gipfel sollte den Durchbruch in den stockenden Verhandlungen für ein Kyoto-Folgeabkommen bringen. Wir fassen hier die Ergebnisse, Entwicklungen und Hintergrundinformationen zusammen.

VON KURT STUKENBERG

Gipfel beendet, aber es bleiben viele Unklarheiten

11. Dezember  Mit gut 36-stündiger Verspätung ist die 17. Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban am heutigen frühen Sonntagmorgen zu Ende gegangen. Es sieht zunächst so aus, als habe sich die EU mit ihren Forderungen weitgehend durchgesetzt. Bei genauerem Hinsehen wird aber deutlich, dass viele Punkte nach wie vor ungeklärt sind. Als eines der wichtigsten Ergebnisse wird die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls gewertet. Der 2012 auslaufende Klimaschutz-Vertrag für Industrieländer wird bis 2017 oder bis 2020 verlängert – die genaue Ausgestaltung soll beim nächsten Klimagipfel 2012 beschlossen werden. Allerdings haben sich Kanada, Japan, Russland und Neuseeland von Kyoto verabschiedet und werden an der Fortsetzung des Protokolls nicht teilnehmen, wie schon vor einer Woche bekannt wurde.

Die Staatengemeinschaft einigte sich außerdem darauf, parallel zum Kyoto-Protokoll bis 2015 ein neues internationales Klimaabkommen auszuhandeln, das 2020 in Kraft treten soll. Das sieht zunächst nach einem großen Durchbruch aus, da zum ersten Mal auch Staaten wie die USA, China und Indien in einen Fahrplan zum Klimaschutz eingebunden werden sollen. Allerdings bliebt die wichtige Frage der Rechtsverbindlichkeit auch nach Ende des Gipfels offen. Um ein durchsetzungsfähiges Instrument zum Klimaschutz zu schaffen, muss ein neuer internationaler Vertrag wie das Kyoto-Protokoll völkerrechtlich bindend sein, sagen Experten. Im Abschlussdokument steht nun die Formulierung, Ziel sei „eine für alle gültige Regelung mit Rechtskraft“. Über die Interpretation dieser Formulierung gehen die Meinungen auseinander.

Vor allem Inselstaaten und Entwicklungsländer begrüßten den Beschluss zum „Green Climate Fund“. Die Delegierten stellten eine Startsumme von 30 Milliarden Dollar in Aussicht und beschlossen erste Maßnahmen, um den Fonds arbeitsfähig zu machen. Allerdings ist die wichtigste Frage, wie die jährlich benötigten Finanzmittel von 100 Milliarden Dollar zusammenkommen sollen, noch immer ungeklärt. Ab 2013 soll diese Summe an ärmere Staaten zur Bekämpfung des Klimawandels ausgezahlt werden.

Umweltverbände kritisierten die Ergebnisse des Gipfels unisono als nicht weitgehend genug. „Der unter Druck von Indien und den USA entstandene Kompromiss wird nicht zu einem verbindlichen Abkommen, sondern nur zu einem losen Vertrag führen“, kommentierte Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser. Die Entwicklungsorganisation Germanwatch kritisierte, dass der neue Klimavertrag erst ab 2020 in Kraft treten soll – mit den jetzt getroffenen Verabredungen sei es nicht möglich, die Erderwärmung unter der wichtigen Marke von zwei Grad Celsius zu halten. „Die Welt verdient einen besseren Deal als den lauwarmen Kompromiss von Durban“, zeigt sich auch der WWF enttäuscht.

Die 18. Weltklimakonferenz wird 2012 im Emirat Katar im Nordosten der arabischen Halbinsel stattfinden. Die Bewohner des Wüstenstaates haben mit 40,1 Tonnen pro Kopf und Jahr (in Deutschland sind es etwa neun Tonnen) übrigens den höchsten Kohlendioxidausstoß der Welt.

 

„Vor dem letzten Gefecht“
10. Dezember  Die Verhandlungen über ein Abschlussdokument der Klimakonferenz in Durban dauern zur Stunde (23:00 Uhr MEZ) noch immer an. „Wir stehen jetzt vor dem letzten Gefecht“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) per Liveschaltung in den Tagesthemen. Nicht nur auf dem Gipfel selber, der eigentlich schon am Freitag beendet sein sollte, renne die Zeit davon. „Wir hinken insgesamt hinterher, denn in vielen Ländern werden die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt spürbar“, sagte der Minister und mahnte noch einmal zur Eile. Deshalb sei es so wichtig, dass die Staatengemeinschaft nun endlich handele und keine faulen Kompromisse eingehe. „Wir sind hier, um zu handeln, nicht um das Gesicht zu wahren“, so Röttgen.

Zur Zeit beraten die Verhandlungsteilnehmer über den neuesten Abschlussentwurf der südafrikanischen Verhandlungsführung (siehe unten). Bis vor ein paar Stunden habe es so ausgesehen, dass der Weg zu einem neuen Abkommen frei sei, da sich alle relevanten Staaten bewegt hätten. Das habe sich aber nun am späten Abend noch einmal geändert, sagte der CDU-Politiker. Demnach habe Indien in letzter Minute einen Passus in den Text eingebracht, der die Rechtsverbindlichkeit eines neuen Klimaabkommens in Frage stellte, sagte Röttgen. Nun muss noch dieser letzte Bremsklotz aus dem Weg geräumt werden, um die Verhandlungen abschließen zu können.

 

Neuer Entwurf verspricht Hoffnung

10. Dezember  Am heutigen Samstagabend gegen 20:00 Uhr wurde bekannt, dass ein neuer Entwurf für ein Abschlussdokument der Klimakonferenz in Durban vorliegt. Demnach sollen sich alle Staaten bis 2015 auf ein neues Abkommen verständigen, das 2020 in Kraft treten soll. Das alte Kyoto-Protokoll soll bis 2015 verlängert werden. Bis die Kuh vom Eis ist, könnte es allerdings noch dauern, denn das Dokument ist noch nicht unterzeichnet und einige Staaten melden schon Bedenken an: Nach Medienberichten zögern Venezuela und Saudi-Arabien, den Vorschlag zu akzeptieren, und die russische Delegation fordere großzügigere Emissionsrechte für ihr Land, heißt es. Unterdessen sind mehrere Minister bereits abgereist, auf dem Konferenzgipfel begann am Abend das große Aufräumen: Zelte und Pavillons von Regierungsvertretern und NGOs wurden abgebaut.

Mit ihrem Auftritt im Klima-Konferenzcenter sorgte sie für Furore: Als letzte Rednerin betrat die Studentin Anjali Appadurai die Bühne auf dem längsten Klimagipfel aller Zeiten. Später sagte der südafrikanische Konferenzpräsident, sie hätte die Erste sein sollen. Ihre beeindruckende Rede sehen Sie in diesem Video. 

 

Die Verlängerung geht in die Verlängerung

10. Dezember  Der Abschluss des Klimagipfels in Durban droht im Chaos zu versinken: Freitagabend hatten die Europäische Union und mehrere Inselstaaten einen ersten Entwurf für ein Abschlussdokument als nicht ambitioniert genug abgelehnt (siehe unten). Daraufhin legten die südafrikanischen Gastgeber gegen Mitternacht einen zweiten Entwurf vor, über den seit Samstagmorgen diskutiert wird. Inzwischen treffen sich die Delegierten in den verschiedensten Konstellationen: Die EU mit den Inselstaaten, China mit Indien oder die wichtigsten 30 Staaten auf Ministerebene. Eigentlich sollte der Gipfel am Freitagabend zu Ende gehen, doch um ein Scheitern zu verhindern, entschieden sich verschiedene Staaten, weiter zu verhandeln. Es wird damit gerechnet, dass das Plenum frühestens am heutigen Samstag am späten Nachmittag noch einmal zusammentritt. Welche Minister dann überhaupt noch vor Ort sind, ist aber unklar, da für viele Vertreter die Zeit bis zur Abreise drängt.

Derzeit gelten nach Medienberichten drei verschiedene Ausgänge des Durban-Gipfels als möglich. Erstens der nach jetzigem Stand noch erreichbare bestmögliche Verlauf: Es gelingt der Gruppe aus EU, den Inselstaaten und einigen Entwicklungs- und Schwellenländern, ihr Ziel durchzusetzen und das Kyoto-Protokoll bis Ende 2017 zu verlängern. Außerdem würde die Vereinbarung geschlossen, ein neues, international bindendes Klimaabkommen für alle Staaten bis 2015 auszuhandeln.

Zweitens die Kompromisslösung: Es wird formal vereinbart, dass ein neues Klimaabkommen für alle Länder angestrebt wird, aber der Zeitpunkt des Inkrafttretens sowie der Verhandlungszeitpunkt werden bewusst offen gelassen, damit Staaten wie USA, China und Indien zustimmen können. Drittens der Verhandlungsstopp: Sollten sich die Delegierten heute nicht einigen, könnten sie die Fortsetzung vertagen. Heute Morgen hieß es dazu, man könne die Gespräche 2013 in Bonn fortsetzen.

Da die EU bereits mehrmals deutlich gemacht hat, dass sie um jeden Preis das Kyoto-Protokoll retten und weitere Staaten zu einem Fahrplan für ein neues Abkommen gewinnen will, gilt die Kompromisslösung als am unwahrscheinlichsten.

 

Alles oder nichts

10. Dezember  Formelkompromisse wird es auf keinen Fall geben. Das hat die EU am Freitagabend erneut deutlich gemacht. Südafrika hatte einen ersten Entwurf für ein Abschlussdokument vorgelegt, das allerdings von zahlreichen Staaten und der EU als nicht ambitioniert genug kritisiert wurde. Obwohl die Konferenz eigentlich am Freitagabend enden sollte, wurde kurzerhand ein neuer Entwurf eingefordert. Die deutsche Delegation und die zahlreicher anderer Länder verhandelten die ganze Nacht – dennoch lag am heutigen Samstagvormittag (9:30 Uhr MEZ) noch kein Abschlussdokument vor. In einem letzten großen Plenum wird zur Stunde versucht, ein solches beschlussreifes Papier doch noch zustande zu bringen. Sollte der Versuch scheitern, wird inzwischen ganz offen darüber diskutiert, sich zu vertagen und den Gipfel in einem Jahr in Bonn fortzusetzen. 

 

Hunderte protestieren im Konferenzzentrum von Durban

9. Dezember – Unter dem Motto „Occupy Durban“ drangen am Freitagnachmittag hunderte Menschen in das Gebäude der UN-Klimakonferenz ein. Die Protestler nahmen sich ein Beispiel an Initiativen wie „Occupy Wallstreet“ und besetzen nach einem Flashmob die Halle vor dem zentralen Konferenzsaal. Wie auf einem Livestream des Kampagnennetzwerkes Avaaz.org zu sehen ist, hält die Besetzung zur Stunde (17:00 Uhr) noch an. Ob die südafrikanische Polizei das Gelände räumen lassen wird, ist bislang unklar.

Nach dem Flashmob besetzen hunderte Menschen die Halle vor dem zentralen Konferenzsaal

„Wir sind alle Afrikaner und wir sind alle Bewohner kleiner Inselstaaten“, sagte Kumi Naidoo, der in Durban geborene Chef von Greenpeace International, während der Besetzung. Er wandte sich in einer kurzen Rede direkt an US-Präsident Obama und forderte ihn auf, nicht auf die Chefs der großen Ölkonzerne in seinem Land, sondern auf die Menschen zu hören. Ein Scheitern des internationalen Klimaschutzes koste Millionen Menschen das Leben, die von Überschwemmungen, Dürre und Hunger betroffen sein werden, so die Initiative 350.org. Die Besetzung der Konferenzhalle sei ein Ausdruck der Solidarität mit den am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Inselstaaten und Entwicklungsländern.

 

In den letzten Stunden der Klimakonferenz entsteht plötzlich Bewegung

9. Dezember  Die letzten entscheidenden 24 Stunden der Klimakonferenz in Durban sind angebrochen. Während nach den ersten acht Tagen alles dafür sprach, dass der südafrikanische Gipfel völlig ergebnislos zu Ende geht, entstand in den vergangenen Tagen erstaunlich viel Bewegung auf dem Verhandlungsparkett: Nach übereinstimmenden Medienberichten bestehen gute Chancen, dass der Green Climate Fund nun doch noch kommt. In den Topf sollen reiche Staaten ab nächstem Jahr Geld einzahlen, das ab 2013 an ärmere Staaten für Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels verteilt werden soll. Für die Entwicklungsländer war der Fonds von Anfang an das zentrale Anliegen in Durban. Bis zuletzt schien die Ausfinanzierung aber unklar. Nun äußerte sich sogar US-Chefunterhändler Todd Stern zuversichtlich, es müssten nur noch kleinere Details geklärt werden, um eine Finanzierungsgrundlage für den GCF zu präsentieren. Neben den reichen Staaten als Finanziers ist außerdem im Gespräch, die Einnahmen einer möglichen Finanztransaktionssteuer in den Fonds fließen zu lassen.

Der gestern von der EU geschlossene Pakt mit 120 Staaten hat offenbar eine große Dynamik entfaltet. Gestern verkündete Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Europa habe ein Bündnis mit Inselstaaten und Entwicklungsländern geschlossen, die sich gemeinsam für ein bindendes internationales Klimaabkommen aussprechen. Die Initiative führte dazu, dass der Block der BASIC-Staaten (Brasilien, Südafrika, Indien und China) – der bisher sehr darauf bedacht war, mit einer Stimme zu sprechen – auseinandergebrochen ist. EU-Kommissarin Connie Hedegaard verkündete, dass Südafrika und Brasilien sich den Forderungen des Bündnisses angeschlossen haben: erstens die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels, zweitens eine zweite Verpflichtungsperiode zum Kyoto-Protokolls, drittens ein Verhandlungsmandat für ein neues Klimaabkommen, das alle Staaten mit Reduktionspflichten belegt.

Die neu gewonnene Führungskraft veranlasste die EU am Freitagmorgen, eine riskante Strategie zu fahren. Wie die Deutsche Presseagentur aus Delegationskreisen erfuhr, droht Europa damit, den Gipfel komplett scheitern zu lassen, wenn sich die bisherigen Blockiererstaaten wie die USA, China und Indien nicht bewegen. Da die EU nun mit 120 Staaten die Mehrheit der 193 in Durban vertretenen Länder hinter sich weiß und mit Südafrika und Brasilien außerdem zwei einstige Partner Chinas und Indiens in den Verhandlungen für sich gewonnen hat, steigt der Druck auf die Asiaten enorm. Am letzten Tag der Klimaverhandlungen in Durban ist also vieles noch völlig offen. Es wird erwartet, dass mit einer endgültigen Entscheidung über die zentralen Punkte erst am Samstagvormittag zu rechnen ist.

 

Allianz gegen die Blockierer

8. Dezember – Erstmals hat die EU einen breiten Schulterschluss mit kleinen Inselstaaten und Entwicklungsländern geschlossen, um gemeinsam für ein neues Klimaabkommen zu kämpfen. Insgesamt gehören dem Kartell 120 Staaten und damit eine deutliche Mehrheit der 193 in Durban vertretenen Länder an. Man gehe mit ärmeren Staaten Seite an Seite, um in Durban etwas zu erreichen, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am frühen Donnerstagabend am Rande des Gipfels in Südafrika. „Wir können nicht mehr zehn Jahre warten und gar nichts tun“, begründete der deutsche Minister die Initiative. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Blockierer – namentlich China, Indien, Russland und die USA – zum Handeln zu bewegen. Der Klimagipfel endet planmäßig am Freitag, allerdings ist eine Fortsetzung der Gespräche bis Samstagmorgen wahrscheinlich.

 

Klimafonds: Umweltschützer loben Röttgen

8. Dezember – Die vergangene Nacht war hart. Als Norbert Röttgen (CDU) heute morgen in Durban ein Interview gab, sah man ihm das deutlich an. Bis tief in die Nacht hat der Bundesumweltminister mit den sogenannten BASIC-Staaten (Brasilien, Südafrika, Indien und China) gerungen, um Schwung in die stockenden Klimaverhandlungen zu bringen. Leider sei noch „keine wirkliche Bewegung der Schwellenländer in Sicht“, die darauf hindeute, dass sie sich daran beteiligen wollen, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen, so Röttgen.

Dafür brachte Röttgen an anderer Stelle die Verhandlungen voran: Bisher galten die Beratungen über die Ausfinanzierung des wichtigen „Green Climate Fund“ als festgefahren. Er soll Entwicklungsländern Geld zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung stellen. Der Bundesumweltminister möchte den Sitz des Fonds nun nach Deutschland holen, wie er gestern vor dem Plenum in Durban ankündigte. Außerdem versprach der CDU-Politiker, Deutschland werde in den nächsten beiden Jahren 40 Millionen Euro in den Fonds einzahlen. „Weiter so!“ kommentiert Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser die Arbeit Röttgens. Die Finanzierungszusagen an den Klimafonds seien ein „wichtiges Signal, dass Deutschland die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika am Ende der Konferenz nicht im Regen stehen lassen will“, sagte Kaiser.

 

Südafrikas Jugend fordert Mut in den Klimaverhandlungen

8. Dezember – Zwischen 1500 und 2000 Kinder versammelten sich gestern am frühen Abend am Strand von Durban und positionierten sich so, dass sie mit ihren Körpern einen gigantischen, brüllenden Löwenkopf bildeten.

Südafrikanische Grundschüler brüllten gestern am Strand von Durban wie ein Löwe © Shayne Robinson / Greenpeace

Damit wollten sie die Delegierten im benachbarten Konferenzzentrum zu einem Durchbruch in den Verhandlungen für ein neues Klimaabkommen auffordern. „Wir haben uns für einen Löwen entschieden, weil ein Löwe großen Mut hat“, sagt eine neunjährige Südafrikanerin aus der Grundschule in Durban. Dieser Mut solle sich jetzt auf die Minister und Staatschefs übertragen, die auf ihrem Weg, den Planeten zu rette,n noch immer nicht substanziell vorangekommen sind – zwei Tage bleibt den Erwachsenen jetzt noch Zeit.

Die Kinder sind sich der Bedrohung durch die Erderwärmung bewusst: Während der Vorbereitungen auf ihre Aktion erzählen sie, was sie über den Klimawandel wissen.

 

Avaaz: „Drei Tage um den Planeten zu retten“

7. Dezember – „Nächstes Jahr läuft das Kyoto-Protokoll aus. Und ein gieriges, US-geführtes Bündnis versucht es für immer zu beerdigen. Die Länder stellen kurzfristige Profite über das Überleben unseres Planeten.“ Mit diesen markigen Worten fordert das Kampagnennetzwerk Avaaz die Menschen weltweit zum Handeln auf: Die Online-Plattform startete eine E-Mail Aktion, an der bislang über 250.000 Menschen teilgenommen haben. Darin werde die Staatsschefs von Brasilien, China und Europa zur Stärkung des Kyoto-Protokolls und zur Verhandlung über ein neues Klimaabkommen bis 2015 aufgefordert. Avaaz appelliert an die drei Schwergewichte in den internationalen Verhandlungen, sich nicht von den USA dominieren zu lassen, sondern für den Klimaschutz einzutreten: „Unsere Zukunft hängt von ihrer Führung ab.“

Klimawandel geht uns alle an: In dieser Videoserie erzählen ein Winzer, ein Virologe, ein Landwirt, eine Halligbewohnerin, ein Förster und ein Bergführer, wie sich die Erderwärmung in Deutschland auswirkt.

 

Indien präsentiert sich als Hardliner

7. Dezember – Indien versetzte Dienstagabend den europäischen Bemühungen, in Durban einen Fahrplan für ein neues Klimaabkommen zu verabschieden, einen deutlichen Dämpfer. Bevor ein neuer Vertrag verhandelt werden könne, an dem auch Schwellenländer teilnehmen, müssten reiche Staaten zunächst das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll weiterführen. Außerdem sollten sie ihre Finanzzusagen im Rahmen des „Green Climate Fund“ einhalten, forderte die indische Umweltministerin Jayanti Natarajan. Da es nach dem Ausscheiden von Russland, Japan und Kanada aus den Kyoto II-Verhandlungen derzeit überhaupt nicht danach aussieht, als würde dieses Ziel erreicht, bedeuten Natarajans Forderungen de facto eine Absage Indiens an den internationalen Klimaschutz.
Nach Medienberichten soll Natarajan gestern zudem gesagt haben, es sei falsch, von den Entwicklungsländern Emissionsreduktionen zu verlangen, „weil wir keine Emissionen verursachen“. Indien liegt inzwischen auf Platz drei der größten CO2-Sünder weltweit – was die Ministerin genau gemeint hat, bleibt also unklar. Außerdem soll sie ihr Land noch immer als Entwicklungsland bezeichnet haben. In einem neuen Klimaabkommen solle Indien demnach denselben Status wie bei der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls 1997 erhalten – also nicht zu weniger Kohlendioxidausstoß gedrängt werden können. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Indiens blendet Natarajan damit völlig aus.

„Wird Indien als eine führende Wirtschaftsmacht die Verantwortung anerkennen und ein klares Signal zur künftigen Teilnahme an einem Klimaabkommen senden? Das ist die Frage, die hier in Durban dringend geklärt werden muss“, sagte denn auch Isaac Valero Ladron, Sprecher von EU-Umweltkommissarin Connie Hedegaard. 

Der weltgrößte Emittent China, der am Montag mit einem überraschenden Bekenntnis zum Klimaschutz positiv aufgefallen war, relativierte seine Aussage: Bis 2020 werde sich das Land an keinerlei Reduktionsverpflichtungen beteiligen – sollte danach ein internationales Abkommen zustande kommen, werde China aber nur „vielleicht“ daran teilnehmen.

 

Klimaschutz wird immer teurer

6. Dezember – Sollten die Staaten ihre Bemühungen zum Schutz des Klimas nicht verstärken, wird die globale Temperatur langfristig um etwa 3,5 Grad Celsius ansteigen. Das ist das Ergebnis des neuen „Climate Action Tracker“, einer Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, des Umweltberatungsunternehmens Ecofys und der Organisation Climate Analytics.

Der Climate Action Tracker untersucht die weltweiten CO2-Emissionen und vergleicht sie mit den zugesagten Klimaschutzmaßnahmen der Länder. Forscher gehen davon aus, dass sich die Erde um höchstens zwei Grad Celsius im Vergleich zur globalen Temperatur vor Beginn der Industrialisierung erwärmen darf, damit der Klimawandel noch einigermaßen beherrschbar bleibt.

„Je länger mit ambitionierten Maßnahmen gewartet wird, desto teurer wird der Klimaschutz“, sagte Niklas Höhne von Ecofys anlässlich der am heutigen Dienstag veröffentlichten Untersuchung. Lässt sich die Weltgemeinschaft zu viel Zeit, müssen die Emissionen später um so drastischer sinken ­– das treibt den Preis in die Höhe. Zu diesem Ergebnis kommt auch der World Energy Outlook 2011 der Internationalen Energieagentur (IEA): Jeder Dollar, der vor 2020 zur Emissionsreduzierung im Energiesektor eingesetzt wird, ist gut angelegt. Denn um dieselbe Reduzierung nach 2020 zu erreichen, wären 4,30 Dollar nötig, heißt es dort.

Wenn wir unsere Anstrengungen beim Klimaschutz nicht verstärken, wird die globale Temperatur um etwa 3,5 Grad Celsius ansteigen. Das zeigt das Thermometer des „Climate Action Tracker“ © Ecofys

Zurücklehnen kann sich übrigens niemand: Es gibt weltweit nicht ein einziges Land, das genug unternimmt, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern, sagt die Organisation Germanwatch. Das geht aus ihrem ebenfalls heute veröffentlichten Klimaschutz-Index hervor. Wie in den Vorjahren bleiben deshalb die ersten drei Plätze des Rankings frei. Die nächsten Plätze gehen an Schweden, Großbritannien und Deutschland. Unter den 58 untersuchten Staaten, die für mehr als 90 Prozent der weltweiten energiebezogenen Emissionen verantwortlich sind, engagieren sich diese europäischen Länder am meisten für den Schutz des Klimas. Die letzten Plätze belegen Saudi-Arabien, Iran und Kasachstan. Germanwatch untersucht für das Ranking Emissionsniveau und -trend sowie die Klimapolitik des Landes.

 

„Chinesischer Vorstoß könnte Verhandlungen voranbringen“

6. Dezember – Gestern signalisierte China überraschend seine Zustimmung zu einem neuen internationalen Klimaabkommen (siehe unten, Meldung vom 5. Dezember). Da das Reich der Mitte bei vorangegangenen Klimagipfeln in Kopenhagen und Cancún vor allem durch Totalblockade aufgefallen war, ist unklar, ob der Vorstoß nur ein verhandlungstaktischer Schachzug ist. Wir sprachen mit Sven Harmeling, dem Leiter der internationalen Klimapolitik bei der Entwicklungsorganisation Germanwatch, der in Durban vor Ort ist.

greenpeace-magazin.de: China hatte seine mögliche Zustimmung zu einem internationalen Klimaabkommen gestern an Bedingungen geknüpft. Worum geht es dabei genau?

Sven Harmeling: China fordert von der EU und anderen Staaten, die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen des Kyoto-Protokolls fortzusetzen, also im Grunde einen Kyoto II-Vertrag zu schließen. Welche Länder der chinesische Verhandlungsführer Xie Zhenua mit „anderen Staaten“ genau meinte, ist aber nicht klar. Sollten damit auch Russland, Japan und Kanada gemeint sein, wird es schwierig, weil diese Länder schon deutlich gemacht haben, dass eine Fortsetzung des alten Vertragswerks für sie nicht in Frage kommt. Als weitere Bedingung nennt China die Ausfinanzierung des „Green Climate Fund“. Dieser soll Gelder für die Bekämpfung des Klimawandels in armen Staaten zur Verfügung stellen. Außerdem wird die unabhängige Überprüfung der bisherigen Anstrengungen der Industrienationen beim Klimaschutz gefordert.

Pocht China nach wie vor auf die historische Verantwortung hoch entwickelter Länder für die CO2-Emissionen der vergangenen Jahrzehnte?
Ja. In den Bedingungen ist von einer „gerechten“ Ausgestaltung eines neuen Klimaabkommens die Rede. Dabei soll auch berücksichtigt werden, dass der Westen schon seit Beginn der Industrialisierung Kohlendioxid in die Luft bläst, während die Schwellenländer an allem in der Atmosphäre befindlichen CO2 nur einen vergleichsweise geringen Anteil haben. Mit diesem Passus könnte die EU Probleme haben. Allerdings ist auch hier wieder entscheidend, wie die Formulierung genau gemeint ist. Wenn die „historische Schuld“ erst ab 1990 herangezogen wird – das Basisjahr, das in der Klimadiplomatie ohnehin für alle Verhandlungen anerkannt ist – könnte Europa die Forderung unterschreiben.
Ist das Angebot vielleicht nur ein Trick, um den Westen bloßzustellen?

Ausschließen kann man das nicht. Die US-Delegation behauptet beispielsweise, der Grund für die chinesische Offerte bestünde darin, nach einem ergebnislosen Durban-Gipfel von sich sagen zu können, man habe sich bewegt. Damit könnte China das Scheitern eines neuen Klimavertrages komplett den anderen Ländern in die Schuhe schieben. Ich teile diese einseitige Sichtweise allerdings nichts. Natürlich spielt Verhandlungstaktik immer auch eine Rolle, aber das Angebot könnte die Verhandlungen deutlich voranbringen. Zumindest steht eines fest: Die Chinesen haben sich seit gestern wesentlich konstruktiver eingebracht als viele andere Länder, und sie sind weiter als die USA.

 

Forscher fordern neue Bewertung der CO2-Emissionen

5. Dezember – Europa gilt zwischen Bremsern und Zögerern in Durban einmal mehr als Musterschüler in Sachen Klimaschutz: Die EU hat ihre Kohlendioxidemissionen um rund ein Sechstel gegenüber 1990 gesenkt und setzt sich in den Verhandlungen für ein Kyoto-Folgeabkommen ein. Forscher des Münchner Ifo-Instituts kratzen nun allerdings an dem europäischen Saubermann-Image. In einer neuen Studie fordern sie, bei der Bewertung des CO2-Ausstoßes neue Maßstäbe anzulegen.

Statt wie bisher nur zu berücksichtigen, wie viele Emissionen innerhalb der Grenzen eines Landes anfallen, sollte die CO2-Bilanz aller im Land verbrauchten Waren herangezogen werden. So würde auch das CO2 in Gütern zu berücksichtigt, die ein Land importiert. Denn viele energieintensive Produkte importieren hochentwickelte Länder wie Deutschland inzwischen beispielsweise aus China.

Auch CO2 aus importierten Gütern solle in die Bilanz eines Landes einfließen, fordert eine neue Studie. Containerschiff auf der Nordsee © Oliver Tjaden/laif

Für die neue Studie untersuchten die Autoren Rahel Aichele und Gabriel Felbermayr die CO2-Bilanz einzelner Branchen und glichen sie mit den weltweiten Handelsströmen ab. Deutschlands Emissionen lägen nach der neuen Rechnung etwa neun Prozent über den derzeitigen Werten. Für die Schweiz wirkt sich das Modell noch drastischer aus: Die für den Schweizer Konsum anfallenden CO2-Emissionen betragen 140 Prozent ihres landesweiten Ausstoßes. 

Was Ländern wie Deutschland die Klimabilanz verhagelt, kommt beispielsweise China zugute: Nach dem Ifo-Modell würde der asiatische Riese nur noch auf Platz zwei der größten CO2-Sünder liegen, da mehr als 27 Prozent des Kohlendioxids in Waren gebunden ins Ausland wandern.

 

Brasilien kündigt massive Urwaldzerstörung an

5. Dezember – „Während die Welt auf dem Klimagipfel in Durban noch über die Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch die Abholzung der Wälder diskutiert, droht in Brasilien ein neuer gewaltiger Kahlschlag“, sagt WWF-Waldreferent Roberto Maldonado. Das Land plant ein neues Waldgesetz, mit dem alte, vormals illegale Rodungen, nachträglich legalisiert werden sollen und neuer Kahlschlag erlaubt würde. Betroffen wäre eine Fläche von 76,5 Millionen Hektar Regenwald – das entspricht der Größe von Deutschland, Österreich und Italien zusammen. Die Vernichtung des wertvollen Regenwaldes würde nicht nur die durch den Klimawandel ohnehin beeinträchtigte Artenvielfalt massiv schädigen, sondern auch große Mengen Kohlendioxid freisetzen. Selbst offizielle Schätzungen der brasilianischen Regierung gingen davon aus, dass zusätzliche Emissionen von 28 Milliarden Tonnen CO2 anfielen, so der WWF. So viel des klimaschädlichen Gases setzt Deutschland etwa in drei Jahrzehnten frei.

Die Umweltschutzorganisation hat nun eine Online-Notrufaktion zum Stopp der Gesetzesinitiative gestartet. Der Appell richtet sich direkt an die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff – die letzte Chance, den Kahlschlag noch zu verhindern, so der WWF. Die Zeit drängt: Schon am morgigen Dienstag ist eine erste Gesetzesabstimmung im Senat geplant.

 

China signalisiert Zustimmung zu einem Klimaabkommen

5. Dezember – Überraschend signalisiert China auf der Konferenz in Durban eine mögliche Zustimmung zu einem internationalen Klimaabkommen. Bisher hatte der weltgrößte CO2-Emittent verpflichtende Maßnahmen gegen die Erderwärmung kategorisch ausgeschlossen. Damit sein Land einem entsprechenden Vertragswerk zustimmen könne, müssten aber bestimmte Bedingungen erfüllt werden, so der chinesische Verhandlungsführer Xie Zhenua. So sei unerlässlich, dass sich die reichen Länder zu weiteren Emissionsminderungszielen bekennen sowie kurz- und langfristige finanzielle Hilfen für ärmere Länder zur Anpassung an den Klimawandel bereitstellen.

Seit dem Wochenende liegt den Delegationen in Durban erstmals ein umfassendes Verhandlungsdokument vor. Das 131 Seiten starke Schriftstück behandele verschiedene Optionen aller wichtigen Fragen, die Teil eines künftigen Klimaabkommens sein müssen, meldet die Süddeutsche Zeitung. Ab dem heutigen Montag reisen die Minister und einige Staatschefs nach Durban und läuten damit die heiße Phase der Verhandlungen ein. Der nun vorgelegte Entwurf dient als Basis für die Verhandlungen auf Ministerebene. 

Die Apologeten einer unbeweglichen Klimadiplomatie werden angesichts der chinesischen Initiative nun eines Besseren belehrt, und die USA stehen als notorischer Neinsager nun besonders blamiert da. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der die Bundesregierung diese Woche in Durban vertritt, muss daher nun „die Ärmel hochkrempeln“ und mit seinen europäischen Amtskollegen an einem bindenden Vertrag bis 2015 arbeiten, fordert Greenpeace.

Greenpeace forderte am Wochenende in Durban von den Verhandlungsdelegationen: „Hört auf die Menschen, nicht auf die Verschmutzer“ © Shayne Robinson / Greenpeace

Anlässlich des „World Action Day“, der am Samstag im südafrikanischen Durban zehntausende Demonstranten auf die Straßen trieb, forderte Greenpeace, dass ein Folgevertrag bis 2018 in Kraft treten soll. Bis dahin solle der bisherige Kyoto-Vertrag fortgeführt werden, so die Umweltschützer.

Zu den Demonstrationen hatten zahlreiche Umweltverbände, kirchliche Organisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen. Unter Slogans wie „Hört auf die Menschen, nicht auf die Verschmutzer“, wurde die Staatengemeinschaft zum Handeln aufgefordert.

 

Merkel: „Keine Fortschritte zu erwarten

3. Dezember – Ab Montag beginnt die heiße Phase bei den Klimaverhandlungen im südafrikanischen Durban. Dann reisen die Minister aus 192 Staaten an, unter ihnen der deutsche Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Allerdings dämpfte Bundeskanzlerin Merkel in einer am heutigen Samstag veröffentlichten Videobotschaft die Erwartungen an die zweite Woche des Gipfels deutlich: Bei Themen wie den Finanzierungsmaßnahmen für arme Staaten zur Anpassung an den Klimawandel sowie Vorhaben zum Schutz der Wälder könnten Erfolge erzielt werden, jedoch „leider nicht in der wichtigen Frage der Verlängerung des Kyoto-Protokolls“, so Merkel.

Die Absage an ein international verbindliches Klimaabkommen wollen die Demonstranten beim „Global Action Day“ nicht akzeptieren: Wie bei jedem Gipfel findet kurz vor Beginn der zweiten Verhandlungswoche eine Großdemonstration statt, bei der zivilgesellschaftliche Gruppen die Staatengemeinschaft an ihre Verantwortung erinnern. Für den heutigen Samstag werden mehr als 15.000 Demonstranten in Durban erwartet.

 

Zwischenbilanz und Diskussion über Geoengineering

2. Dezember – Die erste Verhandlungswoche auf der Klimakonferenz in Durban lieferte bislang nur mäßige Ergebnisse: Die Finanzierung des wichtigen „Green Climate Fund“, in den Industrieländer Geld zur Bekämpfung des Klimawandels in ärmeren Staaten einzahlen sollen, ist nicht vorangekommen. Stattdessen schockierte Kanada die Staatengemeinschaft mit der Ankündigung, für ein zweites Kyoto-Abkommen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Auch die großen Emittenten USA und China bewegten sich gar nicht bis wenig. Die Verhandlungen verliefen insgesamt zu langsam, kritisierte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke in einer Zwischenbilanz. Zudem lägen für einen Kyoto-Folgevertrag „noch immer Regelungen auf dem Verhandlungstisch, mit denen die Emissionen aus intensiver Forstwirtschaft oder der Zerstörung von Mooren einfach ignoriert werden können“, sagte Tschimpke.

Die Experten sind sich weitgehend einig, dass der Welt die Zeit davonläuft, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Daher wird nun erneut über einen möglichen Plan B diskutiert. Dieser sähe beispielsweise vor, das CO2 künstlich wieder aus der Atmosphäre zu entfernen oder, mithilfe technischer Mittel wie dem Reflektieren von Sonnenlicht, den Planeten herunterzukühlen. Die Rede ist vom sogenannten „Geoengineering“. Am Donnerstag wurde ein neuer Report über möglichen technischen Klimaschutz in London vorgestellt, der am Freitag auch auf dem Gipfel in Durban diskutiert wird. Würde schon eine kleine Menge Sonnenlicht gezielt zurück in den Weltraum reflektiert, bevor es die Erde aufheizen kann, hätte das deutliche Effekte: Demnach wäre es theoretisch möglich, die globale Temperatur innerhalb weniger Jahre auf ein vorindustrielles Niveau herunterzukühlen, so der Report. Allerdings sind die Nebenwirkungen eines solchen Verfahrens völlig unklar. Zudem bestünde auch im Fall von Geoengineering ein grundlegendes Problem weiterhin: Wie bei internationalen Klimaverhandlungen müsste sich die Staatengemeinschaft einigen, wann und wo welche Maßnahmen ergriffen werden – denn wenn jeder Staat selbstständig in das Erdklima eingreifen würde, wären die Folgen verheerend. 

 

Forscher: Klima-Abkommen nur noch mit G20 aushandeln

2. Dezember – Die Klimaverhandlungen in Durban sind in eine Sackgasse geraten, sagt Klimaforscher Ottmar Edenhofer. In der jetzigen Form, in der die Verhandlungen geführt werden, könne man nicht darauf hoffen, dass es in den nächsten Jahren zu einem effektiven und gerechten Klimaschutz kommen werde, sagt der stellvertretende Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Er plädiert daher dafür, ein neues internationales Klimaabkommen nur noch im Rahmen eines G20-Treffens der größten Industrie- und Schwellenländer auszuhandeln. „Wenn Sie sich vorstellen, dass 20 Länder auf diesem Planeten 80 Prozent aller Emissionen verursachen, dann ist es einfach nicht sinnvoll, dass man Verhandlungen mit 194 Staaten führt“, sagte Edenhofer am Freitag in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur. Es bestehe in einer kleineren Gruppe eher die Möglichkeit, erste Fortschritte zu erzielen – wie beispielsweise beim Abbau umweltschädlicher Subventionen. Am vergangenen Dienstag hatte sich bereits der EU-Chefunterhändler auf dem Klimagipfel in Südafrika, Artur Runge-Metzger, dafür ausgesprochen, im Falle des Scheiterns von Durban „Klimaverhandlungen mit weniger Staaten“ zu führen.

 

Bundestag: Aktuelle Stunde zur Klimakonferenz

2. Dezember – „Unser Ziel ist es, die großen Emittenten, die großen Schwellenländer und die USA auf einen verbindlichen Fahrplan zu verpflichten“, sagte Norbert Röttgen (CDU) am Donnerstagnachmittag während einer aktuellen Stunde des Bundestages zur Klimakonferenz in Durban. Der Bundesumweltminister machte allerdings auch darauf aufmerksam, dass ein Kyoto-Folgevertrag mit den bisherigen Unterzeichnerstaaten nur noch etwa 15 Prozent der weltweiten Emissionen erfassen würde, da Staaten wie Russland, Kanada und Japan bereits erklärt haben, ein solches Abkommen nicht unterzeichenen zu wollen – CO2-Giganten wie die USA und China waren schon bei Kyoto I nicht dabei. Ein solcher Klimaschutzvertrag ohne neue Mitglieder würde die „Unzulänglichkeiten der internationalen Bemühungen nur zementieren“. Damit machte Röttgen klar, worum es Deutschland und der EU bei den Verhandlungen in Südafrika geht: Die bereits signalisierte Bereitschaft Europas, einer Neuauflage des Kyoto-Protokolls grundsätzlich zuzustimmen, geht einher mit der Forderung, dass sich andere Länder zumindest an einem Fahrplan für ein neues, bindendes Abkommen bis 2015 beteiligen. Ob die europäische Delegation ihre Zustimmung zu Kyoto II revidieren wird, falls es in Durban zu keiner internationalen Verabredung bis 2015 kommt, ist nicht klar.

Der stellvertretende umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Frank Schwabe, warf der Bundesregierung vor, ihre ehemalige Vorreiterrolle beim Klimaschutz einzubüßen und nahm vor allem Wirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) aufs Korn, der eine weitere Deckelung der Solarförderung vorantreibt. Die Vorsitzende des Umweltausschusses, Eva Bulling-Schröter (Linke), erinnerte die Abgeordneten an die historische Klimaschuld der Industrieländer: Es nütze nichts, China zu kritisieren, da die Pro-Kopf-Emissionen in der EU und den USA noch immer deutlich höher seien als die der Chinesen.

 

Greenpeace heißt Ölindustrie willkommen

1. Dezember  Das Treffen hochrangiger Vertreter der Ölindustrie mit Greenpeace in Kopenhagen hat zwar nicht unmittelbar etwas mit der Klimakonferenz in Durban zu tun, ist uns aber trotzdem eine Meldung wert: Für den heutigen Donnerstag hatte das dänische staatliche „Bureau of Minerals and Petroleum“ Delegationen führender Ölkonzerne wie Shell, BP und Statoil zu einem Treffen in den fünften Stock des Nordatlantikhauses in Kopenhagen eingeladen. Anlass des Treffens: In der Kanumas-Region vor der Küste Nordostgrönlands werden große Ölvorkommen vermutet. Die Firmen sollten nun mit allen relevanten Informationen versorgt werden, um zu entscheiden, ob sie bei der Vergabe von Vorlizenzen, die eine Ölsuche erlauben, mitbieten wollen. Rein „zufällig“ fand gleichzeitig im vierten Stock an derselben Adresse eine Greenpeace-Veranstaltung statt. In „Yes-Men-Manier“ half Greenpeace den Konzernvertretern, die „richtige“ Veranstaltung zu finden. Dort erwartete die Öllobby ein fachkundiger Vortrag mit vielen guten Gründen gegen Ölbohrungen in der Arktis.

Seit elf Jahren führen Mike Bonanno und Andy Bichlbaum als „The Yes Men“ die Mächtigen der Welt vor: Sie schlüpfen in fremde Rollen und versprechen beispielsweise als falsche Konzernvertreter Umweltentschädigungen in Milliardenhöhe – wie in diesem Video als Vertreter des Milliardenkonzerns Dow Chemical. Das Greenpeace Magazin war übrigens einmal bei einer Aktion live dabei.

 

Report: Die Blockierer in den Konzernzentralen

1. Dezember  Während der Klimawandel für die Weltbevölkerung eine immense Bedrohung darstellt und Probleme wie Armut, Hunger und Flucht vergrößert, verdient eine Elite von Konzernen seit Jahrzehnten an der kostenlosen Verschmutzung der Atmosphäre. Vor allem die Öl- und Kohleindustrie sieht ihr Geschäftsmodell bedroht, sollten neue internationale Emissionsminderungsziele verabschiedet werden. Wie Greenpeace International anlässlich der Konferenz in Durban nun in einem aktuellen Report darstellt, versuchen die Unternehmen gezielt einen neuen Klimaschutzvertrag zu verhindern. Der „World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)“ vertrete auf aggressive Weise die Interessen der Energieindustrie und platziere dafür gezielt Lobbyisten bei den Unterzeichnerstaaten des ersten Kyoto-Vertrages, um eine Neuauflage des Abkommens zu verhindern, so Greenpeace.

Doch nicht nur die Konzerne verdienen an der Zerstörung des Klimas, auch der Bankensektor kassiert ab: Die Organisation Urgewald hat in einem neuen Ranking die 93 Banken aufgelistet, die am stärksten in die Kohlekraft investieren. Mit einem Kohleportfolio von 16,5 Milliarden US-Dollar landete JP Morgan Chase auf dem ersten Platz. Auf den sechsten Platz schaffte es die Deutsche Bank, die stolze 11,5 Milliarden Euro für die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung bereitstellte. 

 

Staaten blockieren Anpassungsfonds für arme Länder

1. Dezember  Der Aufbau eines „Green Climate Fund“, der ärmeren Ländern Geld zur Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung stellen soll, ist ins Stocken geraten. Der bisherige Entwurf sei „übereilt“ und enthalte „Fehler und Widersprüche“, sagte der US-Verhandlungsführer in Durban, Jonathan Pershing, am Mittwochabend. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 hatte sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt, einen entsprechenden Fonds aufzulegen, in den reiche Staaten jährlich 100 Milliarden Dollar einzahlen sollen. Aus welchen Quellen das Geld genau stammen soll, ist bislang allerdings ebenso unklar wie die Frage, an wen und wofür die Finanzen ausgezahlt werden sollen. Umweltverbände und zivilgesellschaftliche Gruppen hatten im Vorfeld der Durban-Konferenz die konkrete Ausgestaltung des Klima-Fonds als eine der wichtigsten Aufgaben des Gipfels bezeichnet.

Doch nun haben nicht nur die USA Bedenken angemeldet: Venezuela kritisiert die tragende Rolle der Weltbank, die diese bei der Verteilung der Gelder laut Entwurf übernehmen soll, und Saudi-Arabien möchte, dass der Fonds kein privates Geld annimmt, sondern ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

 

Von Pflanzendünger, kosmischer Strahlung und Vulkanen

30. November  CO2 ist nur ein Pflanzendünger, die kosmische Strahlung verursacht den Klimawandel und Vulkane setzen mehr Kohlendioxid frei als die Menschen: Diese und viele weitere Thesen, die an den Ursachen und Folgen der Erderwärmung Zweifel schüren, halten sich vor allem im Internet hartnäckig. Klimaskeptiker stellen nicht nur die Rechengrundlage der Klimamodelle in Frage, sondern wittern hinter Institutionen wie dem Weltklimarat IPCC mitunter gar eine große Verschwörung zur Durchsetzung einer Ökodiktatur. Vor wenigen Tagen stellten Zweifler zum zweiten Mal große Mengen privater E-Mails von Klimaforschern ins Netz, die ihre Behauptungen stützen sollten.

Das Portal klimafakten.de hat die 18 populärsten Thesen der Klimaskeptiker zusammengetragen und liefert klar verständliche und fundierte Antworten – mit eindeutiger Quellenangabe. Betrieben wird die Seite von der European Climate Foundation (ECF), unterstützt durch einen wissenschaftlichen Beirat.

 

Studie: Deutschland gibt weltweit am meisten für Klimaschutz aus

30. November  Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young gibt Deutschland mit 23,5 Milliarden Dollar weltweit am meisten für den Klimaschutz aus. 1,6 Prozent aller deutschen Staatsausgaben seien für den Klimaschutz bestimmt. Der Zweitplatzierte, Südkorea, investiere nur ein Prozent seiner Ausgaben. Die USA seien mit 15,9 Milliarden Dollar für den Klimaschutz Schlusslicht der zehn aufgelisteten Industrieländer: Nur 0,3 Prozent des Staatsetats würden für den Kampf gegen die Erderwärmung ausgegeben.
Die Studie basiert auf Berechnungen des Forschungsinstituts Oxford Economics; zusätzlich wurden in 50 Ländern 300 Spitzenmanager großer Konzerne befragt.

Unterdessen führe die hohe Verschuldung vieler Staaten und die internationale Finanzkrise in vielen Ländern zu drastischen Einsparungen beim Umwelt- und Klimaschutz, so die Autoren der Studie. Bis 2012 werden weltweit „im schlimmsten Fall 45 Milliarden US Dollar (etwa 33,2 Milliarden Euro) weniger als geplant für Umweltschutzmaßnahmen ausgegeben“ werden, heißt es.
Allein die schon bereits beschlossenen Sparmaßnahmen hätten weltweit eine Finanzierungslücke von 22,5 Milliarden US-Dollar geschaffen. Deutschland werde aufgrund seiner Sparbeschlüsse bis 2015 etwa 1,5 Milliarden Euro weniger als ursprünglich geplant für den Kampf gegen den Klimawandel ausgeben. Spanien (5,1 Milliarden Dollar) und Großbritannien (4,2 Milliarden Dollar) sparten derzeit beim Klimaschutz am meisten.
 
 

WMO: Grenze von zwei Grad Erderwärmung wird wahrscheinlich überschritten

30. November  Die Weltorganisation für Meteorologie (World Meterological Organization, kurz WMO) hat in Durban ihre vorläufigen Daten der Wetterbeobachtungen für das Jahr 2011 präsentiert. Demnach zählt auch dieses Jahr zu den zehn wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1850. Die WMO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und wertet unter anderem Daten der Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) der USA sowie der NASA aus. Auch die Menge an Kohlendioxid in der Atmosphäre gibt Anlass zur Sorge: „Die Konzentration nähert sich sehr schnell einem Level, das einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von weltweit zwei bis 2,4 Grad Celsius bewirken wird“, so Jeremiah Lengoasa, stellvertretender Generalsekretär der WMO.

Klimawissenschaftler gehen davon aus, dass der Klimawandel bei einer Erderwärmung von zwei Grad Celsius gerade noch beherrschbar bleibt, ohne dass sich Effekte gegenseitig verstärken und Klimaschutzmaßnahmen zwecklos werden. Nach den neuen Daten der WMO sieht es allerdings nicht danach aus, als wenn dieses Ziel noch zu erreichen wäre.

Wie drastisch die Konzentration des klimaschädlichen COin der Atmosphäre im Vergleich der letzten Jahrzehnte und Jahrtausende zugenommen hat, zeigt anschaulich dieses Youtube-Video

 

Kanada lässt die Katze aus dem Sack

30. November  „Wir werden uns nicht an einem Kyoto-Folgeabkommen beteiligen“, lässt sich Kanadas Umweltminister Peter Kent zitieren. Nachdem sich bereits Russland und Japan deutlich von einer zweiten Kyoto-Runde distanziert hatten, scheidet nun ein weiteres Industrieland de facto aus den Verhandlungen aus. Dennoch wolle sich Kanada weiter „konstruktiv“ in Durban einbringen, um eine neue internationale Klimaschutzvereinbarung auf den Weg zu bringen, der – anders als bei Kyoto – auch China, Indien und die USA angehören sollen. Diese Vereinbarung solle „eventuell bindend“ sein, so Kent. Wie Greenpeace International berichtet, setzte der Umweltminister sogar noch einen drauf und versprach, die Durban-Delegation seines Landes werde sich für die Anerkennung „ethisch korrekten Öls aus Teersanden“ einsetzen. Umweltschützer sind entsetzt, denn die Ausbeutung von Teersanden gehört zu den dreckigsten und klimaschädlichsten Verfahren der Ölgewinnung.

Für sein zweifelhaftes Engagement wurde Kanada am Dienstag mit dem „fossil of the day“ ausgezeichnet. Diesen Negativpreis vergibt die Organisation „Climate Action Network“ täglich an den größten Bremser in Sachen Klimaschutz.

 

„Notfalls auch ohne die USA“

 29. November – Greenpeace fordert von den Verhandlungssteilnehmern, einen neuen Klimavertrag notfalls auch ohne die USA auszuhandeln. „Die Staatengemeinschaft muss sich in Durban entscheiden, wie lange sie sich noch von Blockiererstaaten wie den USA abhängig machen will“, sagte Martin Kaiser, der als Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace vor Ort ist. Angesichts erschreckender Prognosen zur Erwärmung der Erdatmosphäre könne sich die Welt eine weitere Blockade durch den zweitgrößten CO2-Emittenten nicht mehr länger leisten.

„Voreingenommen? Obama... höre auf die Menschen, nicht auf die Verschmutzer." ©Greenpeace

Auch China ist bislang nicht bereit, sich verpflichtenden Emissionsminderungszielen zu unterwerfen. Entsprechend fordert Hermann Ott, Klimaexperte der Grünen, wenn nötig auch China bei einem Abkommen außen vor zu lassen. Denkbar sei eine „Klimapolitik der zwei Geschwindigkeiten“, die es ermögliche, ein Kyoto-Folgeabkommen mit den 150 bereitwilligen Staaten zu verabschieden und die USA und China später dazuzuholen, so Ott. „Das war bisher für sehr, sehr viele undenkbar“, sagte Ott dem Deutschlandfunk, „aber gerade das ist doch erforderlich, denn man gibt den USA ein ungeheures Verhinderungspotenzial, wenn man sie unbedingt mit im Boot haben muss.“ 

Wie wirksam ein Abkommen ohne die USA und China sein kann, bleibt allerdings zweifelhaft: Zusammen erzeugen China (24 Prozent) und die USA (18 Prozent) derzeit fast die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen. 

 

Klimarisiko-Index vorgestellt

29. November – Die Organisation Germanwatch hat heute auf der Konferenz in Durban ihren jährlichen Klimarisiko-Index vorgestellt, der zeigt, welche Länder am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Das Ergebnis: Im Jahr 2010 führten Pakistan, Guatemala und Kolumbien die Liste der am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Regionen an. In Pakistan ist dafür vor allem die verheerende Flutkatastrophe im Juli und August verantwortlich, die mehr als 1500 Todesopfer forderte. In Guatemala haben Hurrikans Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Russland liegt in der Wertung auf Platz vier, vor allem aufgrund der extremen Hitzewelle, die nach Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent eine Folge des Klimawandels war. 

Der Klimarisiko-Index basiert auf Daten des Münchner Rückversicherers MunichRe und des Internationalen Währungsfonds. Germanwatch analysiert die Informationen zu Wetterkatastrophen und gewichtet sie nach Einwohnerzahl und Bruttoinlandsprodukt der Länder, um so die Belastung für einzelne Staaten durch die Folgen des Klimawandels vergleichbar zu machen.

Auch im langjährigen Klimarisiko-Index, der die Jahre von 1991 und 2010 einbezieht, liegen mit Bangladesch, Myanmar, Honduras und Nicaragua vor allem Entwicklungsländer vorne. 

 

Dunkle Wolken über Durban

29. November – Pünktlich zum Beginn der 17. Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban brach in der Nacht zu Montag ein gewaltiges Unwetter über der Stadt am Indischen Ozean herein. Nach Medienberichten sind nicht nur ein hoher Sachschaden, sondern auch mehrere Todesopfer zu beklagen. „Das Dach des Konferenzzentrums hat einwandfrei standgehalten“, beruhigte die UN-Chefdiplomatin Christiana Figueres am nächsten Morgen.

Die Laune der Natur kann als Mahnung an die knapp 20.000 Teilnehmer aus 194 Staaten gelesen werden, die bis zum 9. Dezember über die Zukunft des Klimaschutzes beraten. Denn nach den gescheiterten Gipfeln in Kopenhagen 2009 und im mexikanischen Cancún im vergangenen Jahr geht es nun um alles. 2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus, das bislang verbindliche CO2-Minderungsziele für Industrienationen vorschrieb. Ist bis dahin kein Nachfolgeabkommen oder zumindest ein verbindlicher Fahrplan verabschiedet, droht der Kampf gegen den Klimawandel endgültig zu scheitern.

Zum Gipfelauftakt warnte Südafrikas Präsident Jacob Zuma, für Afrika sei der Klimawandel „eine Frage von Leben und Tod“. Der Kontinent wird zu den am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffenen Regionen der Welt zählen. Erste Auswirkungen wie häufigere Dürren, Nahrungsmittelknappheit und erhöhte Flüchtlingsströme lassen sich schon heute mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Deshalb müssten die Staaten ihre nationalen Interessen hintanstellen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, so Zuma.

Klimaexperten und die meisten Politiker erwarten derzeit allerdings, dass sein Appell ungehört verhallen wird. „In vielen Ländern sinkt die Bereitschaft, verpflichtende Vorgaben für den Klimaschutz zu akzeptieren – gleichzeitig schreitet der Klimawandel voran“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dem „Spiegel“. Der Klimagipfel werde voraussichtlich kein neues Klimaabkommen bringen, befürchtet auch Klaus Töpfer, ehemaliger Chef des UN-Umweltprogramms und frühere Bundesumweltminister. Und Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor der Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, erklärt: „Nüchtern betrachtet, wird Durban der Versuch sein, die globale Klimagemeinschaft zusammenzuhalten und einen Zusammenbruch der Klimadiplomatie zu vermeiden.“ Demnach könnten sich einige Staaten lediglich dazu verabreden, die Gespräche nicht völlig abzubrechen, ein „Endspiel“ der Klimapolitik könnte dann 2015 stattfinden. 

Der Wolkenbruch von Durban war nur ein einzelnes Ereignis, aber er passt ins Bild der globalen Veränderungen, die mit der Klimaerwärmung auf uns zukommen. Kurz vor der Konferenz veröffentlichte der Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht zum Thema Extremwetter: In vielen Regionen der Welt drohen Dürren, Stürme und Überflutungen in den nächsten Jahrzehnten zuzunehmen. 

 


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