co2-ausstoß

12. April 2012

Deutschland droht mit Klimaschutzziel zu scheitern

Das Tempo bei der Minderung der Kohlendioxidausstöße reicht nach Ansicht eines Regierungsberaters nicht aus, um tatsächlich bis 2020 eine Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu schaffen.

„Mit den bisherigen Maßnahmen kann das Ziel nicht erreicht werden“, sagte Hans-Joachim Ziesing der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und berät die Bundesregierung bei der Energiewende. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) wies diese Einschätzung scharf zurück.


Röttgen betonte, dass Deutschland allein mit den bis Mitte 2011 getroffenen Maßnahmen die Emissionen bis 2020 um 35 Prozent reduzieren könne. Dabei habe die Energiewende gerade erst begonnen. „Deutschland ist auf einem guten Weg, sein Klimaziel nicht trotz, sondern aufgrund der Energiewende zu erreichen.“


Bis 2010 war der Ausstoß um 25 Prozent zurückgegangen. Auch das Umweltbundesamt (UBA) betonte am Mittwoch, dass weitere Maßnahmen nötig seien, etwa zur Minderung des CO2-Ausstoßes im Verkehr und zur Ausweitung der Gebäudesanierung. Hilfreich könnte auch die Anhebung des EU-Klimaziels von 20 auf 30 Prozent weniger Emissionen sein, sagte ein UBA-Sprecher. Dadurch würde wohl der EU-weite Handel mit Verschmutzungsrechten verschärft und der Druck durch teurere CO2-Zertifikate zum Einsparen von Emissionen erhöht.


Regierungsberater Ziesing betonte, da im vergangenen Jahr die Emissionen – um Schwankungen der Temperatur und damit der Energienachfrage bereinigt – wieder gestiegen seien, habe sich die Bundesregierung von ihrem CO2-Ziel „wieder etwas entfernt“. Ziesing widersprach damit Angaben des Umweltbundesamtes, wonach sich die Minderung der CO2-Emissionen trotz sehr starker Konjunktur und des Atomausstiegs 2011 weiter fortgesetzt habe. Allerdings bezogen sich diese Angaben nur auf die rund 1640 Energie- und Industrieanlagen in Deutschland, die dem Emissionshandel unterliegen.


Röttgen wertete die Klimabilanz des Jahres 2011 insgesamt als „großen Erfolg“, da die deutsche Wirtschaft vergangenes Jahr beachtlich gewachsen sei. Prognosen, die einen deutlichen Anstieg der Treibhausgasemissionen wegen der Abschaltung mehrerer Atommeiler vorhergesagt hatten, hätten sich als falsch erwiesen. „Die in der Energiewende angelegten Maßnahmen werden weiter dazu führen, dass Deutschland seine Emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 reduziert. An diesem Ziel halten wir fest, und wir werden es auch erreichen.“

 

DPA


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