greenpeace magazin 3.08

...von DEBRIV

 

»Um das miese Image der Braunkohle zu retten, pumpen wir Millionen in unseriöse Werbung.«

 

Leider wissen inzwischen fast alle, dass die Braunkohle der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger ist und ihr Abbau Landschaften und Dörfer zerstört. Aber natürlich wollen wir trotzdem weiter mit ihr Profite machen. Also haben wir uns etwas einfallen lassen.

 

Man könnte doch ausnutzen, so dachten wir vom Deutschen Braunkohlen-Industrie-Verein (DEBRIV) uns, dass die Menschen das Kleingedruckte – wenn überhaupt – nur flüchtig lesen. Und so beauftragten wir unsere Werbeagentur mit einer Imagekampagne. Die Idee: Anzeigen, die wir im Wochentakt in „Spiegel“, „Zeit“, „SZ“ und vielen anderen Medien schalten, erscheinen auf den ersten Blick seriös und informativ. Wir lassen darin willfährige oder gutgläubige Wissenschaftler in „Expertenbeiträgen“ irgendetwas zum Thema Energie sagen. Jeweils einen Satz – der uns gut in den Kram passt – reißen wir aus dem Kontext und drucken ihn richtig groß. Und dann wollen wir mal sehen, ob irgendjemandem auffällt, wie wir dabei manipulieren.

 

In der ersten Annonce ließen wir Professor Achim Bechem erklären, wir bräuchten für „den Übergang vom Ölzeitalter zu regenerativen Energien“ einen Mix aller Energiequellen. Dass kein Land der Welt so viel Braunkohle verfeuert wie Deutschland mit seinem extrem kohlelastigen Energiemix – davon kein Wort. Eine Woche später durfte sich „Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. F.-W. Wellmer“ über die Endlichkeit der Bodenschätze auslassen – egal, dass das mit der deutschen Braunkohle, um die es hier geht, nur am Rande zu tun hat. In der dritten Anzeige warnte Professor Georg Erdmann davor, dass die Braunkohlewirtschaft „dem Klimaschutz geopfert“ werde – und erklärte die Kohleverflüssigung, eine Horrorvision aller Klimaforscher, zur „klimafreundlichen Kohletechnologie“.

 

Der Höhepunkt der Kampagne war dann Anzeige Nummer vier: Wir zeigten einfach den renommierten US-Klimaschutzexperten Professor Robert Socolow und legten ihm (im „Spiegel“) den Satz in den Mund: „Kohlekraftwerke ließen sich z.B. schon heute durch effizientere Anlagen ersetzen und in Zukunft mit Systemen für die Abtrennung von Kohlendioxid ausrüsten.“ Dummerweise war Socolow damit gar nicht einverstanden. Er dementierte den Satz und forderte darüber hinaus, dass sein Name aus der Kampagne zurückgezogen wird. Denn in Wirklichkeit ist er strikt gegen neue Kohlekraftwerke ohne CO2-Abscheidung (die übrigens frühestens 2020 marktreif ist). Wenige Tage später erschien die Anzeige in „SZ“ und „Zeit“ mit korrigiertem Text. Das kriegt ja eh keiner mit, dachten wir uns, denn das Kleingedruckte liest ja keiner. Oder etwa doch?

 

www.braunkohle-forum.de

 

BRAUNKOHLE. WAS IST DRECKIGER?

 

Kein Beitrag von Dipl.-Ing. Matthias Hartung, Vorsitzender des DEBRIV und Vorstandsmitglied der RWE Power AG

 



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