greenpeace magazin 1.06

16 Geben sie der Sonne Kredit

 

Altersvorsorge muss sein. Zum Glück werfen ethische Geldanlagen heute erstklassige Renditen ab – zum Beispiel klassische Ökofonds mit Wind- und Solaraktien, aber auch Fonds mit Aktien herkömmlicher Firmen, die innerhalb ihrer Branche Vorreiter im Umweltschutz sind.

 

Der Herr des grünen Geldes
Das Bankhaus Sarasin empfängt den Besucher genau so, wie es dem Klischee einer Schweizer Privatbank entspricht: ledergepolsterter Aufzug, holzgetäfelter Besprechungsraum mit Blick über Basel, schwere Sessel, an den Wänden Kunst. Auf den ersten Blick passt Andreas Knörzer perfekt in dieses Ambiente: grauer Anzug, hellblaues Hemd. Eine Brille mit dünnem Rand umrahmt freundlich-blaue Augen.
Folgt man dem Senior Vice President aber in sein Büro, scheint man in eine andere Welt zu geraten: wuchernde Zimmerpflanzen, Familienfotos und leere Kaffeetassen auf dem Schreibtisch, bunte Kinderzeichnungen an der Pinnwand. Auch Knörzers Job entspricht nicht dem typischen Profil eines Schweizer Bankiers: Der 45-Jährige leitet die Abteilung „Sustainable Investment“ für nachhaltige Geldanlagen. Und Nachhaltigkeit bedeutet im Hause Sarasin nicht nur gute Renditen, sondern tatsächlich Nachhaltigkeit im ökologischen und sozialen Sinn.
Geldanlage und gutes Gewissen – für viele umweltbewusste Zeitgenossen ist das immer noch ein Widerspruch. Doch längst haben Pioniere wie Sarasin und andere kleine Banken gezeigt, dass beides durchaus zusammengehen kann. Und Andreas Knörzer ist ein Motor dieser Entwicklung.
„Unsere Innovation war es, auf die Ökoeffizienz der Unternehmen zu achten“, erklärt der Finanzfachmann. Denn Sarasin bietet nicht nur klassische Ökofonds an, die Aktien von Umweltdienstleistern oder Solarfirmen enthalten, sondern investiert zudem in Unternehmen verschiedenster Branchen, die überdurchschnittlich hohe Umwelt- und Sozialstandards befolgen. Im Gegensatz zum „ethischen Investment“, einem Begriff aus dem angelsächsischen Raum, orientiert sich die „nachhaltige Geldanlage“ also nicht allein an Ausschlusskriterien, sondern stellt positive Anforderungen – und hat somit das Potenzial, Unternehmen zu einer grüneren Wirtschaftsweise zu ermuntern. Bestimmte Branchen sind gleichwohl tabu, darunter Atomkraft, Waffen- und Tabakindustrie, Pornografie oder Grüne Gentechnik.
Ein Vermögen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro verwaltet Sarasin derzeit nach nachhaltigen Kriterien. Das macht etwa 20 Prozent des Geldes aus, das institutionelle Anleger wie Stiftungen oder Pensionskassen der Bank anvertraut haben. In Deutschland entfallen sogar 80 Prozent des Geschäfts von Sarasin auf diese Sparte. Ein bemerkenswerter Erfolg, zumal es sich um eine vergleichsweise junge Anlageform handelt.
1989 war Knörzer direkt nach dem Studium der Betriebswirtschaft zu Sarasin gekommen. Abgesehen davon, dass er Mitglied des WWF war und sich gerne draußen in der Natur aufhielt, hatte der junge Analyst mit Ökologie wenig im Sinn. Der Zufall wollte es, dass sein erster Auftrag von ihm verlangte, eine Studie über die Entsorgungsbranche in den USA zu schreiben. So begann er, sich mit Umweltdienstleistungen zu befassen. Schnell begriff er, dass Öko-Investment nicht nur eine sinnvolle Sache war, sondern auch ein Geschäft mit Zukunft.
Kurz zuvor hatte der Chemieunfall bei Sandoz, der den Rhein giftig rot färbte und abertausende Fische tötete, die Schweiz aufgerüttelt. Knörzers Analysen stießen auf Interesse, nicht nur in seiner Bank, die sich als Schweizer Traditionsunternehmen dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt, sondern auch in der Öffentlichkeit. 1994 legte Sarasin den ersten Ökoeffizienz-Fonds auf, drei Jahre später begann man unter dem Eindruck der Globalisierungsdebatte, auch soziale Aspekte zu beachten.
Heute leitet Knörzer einen Stab von 18 Fachleuten, die Informationen über Konzerne und ganze Branchen sammeln. „Bei uns arbeiten Geografen, Biologen, Ingenieure“, sagt er, „alle haben was Ordentliches gelernt. Nur ich bin Betriebswirt.“ Welche Pharmafirmen forschen an Medikamenten für Entwicklungsländer? Wie unabhängig ist ein Medienkonzern? Solchen Fragen gehen die Analysten nach, und am Ende der Studien steht eine Matrix, welche die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bezogen auf die ganze Branche darstellt. Nur wer ganz oben landet, hat den Aufstieg in Sarasins „Anlageuniversum“ geschafft.
Auch wenn es dieser pompöse Begriff nahelegt, so sieht sich Knörzer keineswegs als „nachhaltiger Weltenlenker“. Dazu sei er zu realistisch. Dennoch: „Wenn viele Anleger investieren und ein großer Fonds zusammenkommt, bleibt das zumindest bei kleinen oder mittleren Unternehmen nicht ohne Wirkung.“ Ein Großkonzern wie IBM lasse sich davon aber kaum beeindrucken.
Und wie steht es um die Nachhaltigkeit im Hause Knörzer? Es gibt ein Auto, ja, aber der Familienvater fährt meist mit der Tram zur Arbeit. Der Durchfluss der Wasserhähne ist gedrosselt, und Knörzer geht mit seinen Söhnen lieber auf den Bolzplatz, als ihnen elektronischen Schnickschnack zu kaufen. Ein Asket oder gar Fundamentalist sei er deshalb noch lange nicht, betont der Banker: „Ich habe einfach von meinen Eltern gelernt, dass man mit Gütern sorgfältig umgeht.“   

Wer sein Geld nachhaltig investieren will, muss hartnäckig sein. Bankberater versuchen gern, den Kunden Öko-Fonds auszureden und stattdessen die eigenen Standardprodukte aufzuschwatzen. Deshalb: Nicht abwimmeln lassen! Leichter haben es Anleger, die bereits etwas von Investment verstehen – sie finden im Internet umfassende Informationen: www.ecoreporter.de  (nur zum Teil gratis zugänglich), www.nachhaltiges-investment.org
Eine ganz andere Form ethischer Geldanlage bietet die Bewegungsstiftung an: Um Protestkampagnen zu finanzieren, offeriert sie sichere Sparbriefe. Die Anleger
verzichten auf ihre Zinsen und entscheiden mit, in welche Projekte und Aktionen die Erlöse fließen: www.protestsparen.de oder Tel. 04231/957540




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