greenpeace magazin 4.11

Bienen in Berlin

Hobbyimkern will gelernt sein – Einsteigerkurse kosten rund 100 Euro


„Tun Sie nichts, was ein Bär tun würde“, rät Marc-Wilhelm Kohfink den angehenden Imkern, die sich hinter einem Bauwagen im Berliner Stadtteil Hellersdorf auf weiße Plastikstühle gesetzt haben. Dabei wirkt er selbst ein bisschen wie ein Bär. Von kerniger Gestalt, gelassen und ein bisschen behäbig steht er vor ihnen und erklärt, was Bienen hassen: wenn Imker lange Haare haben wie ein zotteliges Tier. Wenn sie sich hastig bewegen. Wenn sie nach Alkohol riechen, müffeln oder besonders intensiv duften.


Ein gutes Dutzend Berliner ist zu Kohfinks Stadtimkerkurs gekommen, aus unterschiedlichen Gründen: Ein Unternehmer will die Bienenzucht lernen, weil er gehört hat, dass man dabei zur Ruhe kommt. Ein junger Mann, weil er aktiver werden will. Und eine Mutter, weil ihre Tochter sich das gewünscht hat.


Kohfink ist promovierter Verwaltungswissenschaftler, Buchautor und Imker. Er hat Bienenvölker in einem Kreuzberger Hinterhof und auf dem Dach des Hotels Westin Grand in Berlin-Mitte stehen. Große Städte können für Bienen ein Paradies sein, jedenfalls solange Stadtparks, Grünufer, Friedhöfe und Alleen in der Nähe sind. Es ist meist wärmer als auf dem Land. Es gibt keine Bauern, die Pestizide ausbringen. Und die Blütenvielfalt ist größer als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten, sodass die Tiere die ganze Saison über sammeln können. Für den Imker hat das den Vorteil, dass er nicht mit seinen Bienen umherziehen muss und erst spät im Jahr Zuckerwasser zu füttern braucht.


Wer in der Stadt wohnt und sich Bienen zulegen möchte, sollte unbedingt zuerst einen Kurs belegen. Zwar braucht man, anders als fürs Angeln oder Jagen, keine Prüfung und keine Lizenz dazu. Aber das Imkern ist mehr als ein Freizeitspaß, man muss es ernst nehmen. Denn Honigbienen, so robust sie sind, gedeihen nur, wenn man sich gut um sie kümmert. Es erfordert Zeit, Wissen und Erfahrung, um bei Schädlingsbefall den richtigen Zeitpunkt, das richtige Mittel und die richtige Dosierung zur Behandlung zu finden. Der Großstädter, der gern ein Volk auf Dach, Terrasse, Balkon oder Garten halten möchte, sollte daher wissen, dass er im Sommer am besten nicht vor August in Urlaub geht – denn bis dahin brauchen ihn seine Tiere.


Ein Einsteigerkurs kostet etwa 100 Euro, die Ausrüstung samt Bienenkasten, Werkzeugen und Schutzbekleidung etwa 400 und ein Volk um die 100 Euro. Wenn alles gut läuft, kann sich der Nachwuchsimker auf 35 Kilo Honig pro Jahr freuen.
Allerdings sollte man ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn 
haben. Spätestens wenn ein Volk anfängt zu schwärmen und sich ausgerechnet auf Nachbars Balkon niederlässt, werden dessen 
Nerven beansprucht. Ein, zwei Gläser Honig als Geschenk empfehlen sich als Vorsorgemaßnahme.     

 

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Text: Andreas Unger



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