GUTES LEBEN GARANTIERT
Neues Lebensmittel-Label soll Tierschutz stärken
An Fleischtheken und Kühlregalen driften Anspruch und Wirklichkeit der Deutschen weit auseinander: Tierquälerische Massentierhaltung lehnt beinahe jeder ab, aber nicht einmal ein Prozent der verkauften Fleischprodukte ist „bio“. Denn der Preisabstand zu konventionell erzeugten Produkten ist hier besonders groß. Um die Lücke zu schließen, planen Tierschutzbund und Handelsunternehmen ein neues Siegel.
Forscher der „Initiative Tierwohl-Label“ an der Uni Göttingen haben jetzt Vorschläge dafür präsentiert. Geplant ist ein zweistufiges Siegel, zunächst für Hähnchen- und Schweinefleisch, später auch für andere Produkte. Ein „Silber-Standard“ soll strengere Regeln für die Tierzahl pro Quadratmeter, Transporte und Schlachtung vorschreiben. Schweine müssen im Stroh wühlen und sich in trockenen, weichen Liege-zonen ausruhen können. Anhand einfach zu überprüfender Grenzwerte soll zudem regelmäßig die Gesundheit der Tiere kontrolliert werden: Erkranken oder sterben während eines Mastdurchgangs zu viele Hähnchen, verliert der Betrieb das Zertifikat. Der „Gold-Standard“ soll zusätzlich Auslauf im Freien garantieren.
Auch das Thema „Qualzucht“ bei Masthähnchen soll eine Rolle spielen. Diskutiert wird eine Obergrenze für die tägliche Gewichtszunahme der Tiere von 40 Gramm – Turbo-Hähnchen wachsen deutlich rascher. „Das schnelle Brustwachstum ist Ursache vieler Gesundheitsprobleme wie Beinfehlstellungen und Lahmheit“, erklärt Ute Knierim von der Universität Kassel. „Es macht keinen Sinn, den Tieren Sitzstangen und Auslauf anzubieten, wenn sie das dann gar nicht nutzen können.“
www.uni-goettingen.de/de/189455.html
HERMANNSDORFER LANDWERKSTÄTTEN
www.herrmannsdorfer.de
www.schweinsbraeu.de
Hermannsdorf 7,
85625 Glonn
Auf dem Gut bei München leben außer „Zweinutzungshühnern“, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern, auch glückliche Schweine: Der Ex-Wurstfabrikant Karl Ludwig Schweisfurth gründete hier 1986 Deutschlands erste Bio-Schweinehaltung. Die Landwerkstätten erzeugen in Metzgerei, Gärtnerei, Bäckerei, Käserei und Brauerei Lebensmittel vom Feinsten und verkaufen sie ab Hof und in elf Münchner Filialen.
BAUCKHOF KLEIN-SÜSTEDT
www.bauckhof.de
Der Hof in der Lüneburger Heide zieht auch männliche Küken von Legerassen groß. Diese „Legehennenbrüder“ würden sonst nach dem Schlüpfen getötet. Bald werden auch Zweinutzungshühner eingestallt. Für seine mobilen Legehennenställe erhielt der Hof den „Förderpreis für artgerechte Nutztierhaltung“. Im Hofladen gibt es unter anderem Demeter-Eier und -Fleisch.
EBL-MÄRKTE
www.ebl-naturkost.de
Die Nürnberger vermarkten das Fleisch von Legehennenbrüdern, derzeit wird es zu Geflügelwurst verarbeitet. Die Eier werden testweise gegen einen Aufpreis verkauft. Auf Hinweise achten!
DIREKT VOM ERZEUGER
www.bioland.de/kunden?www.demeter.de?www.naturland.de/einkauf
Vor allem Rindfleisch vermarkten viele Biobauern selbst: Am Schlachttag holen sich die Kunden die vorbestellte Ware zum Beispiel in Fünf-Kilo-Säcken am Hof ab, manche Landwirte liefern auch an die Haustür. Beide Seiten profitieren: Der Kunde erhält bestes, aber günstiges Fleisch für die Tiefkühltruhe, und der Bauer erzielt einen guten Preis. Recherchieren Sie in den Datenbanken der Bio-Verbände.
GLÜCKLICHE TIERE
www.neuland-fleisch.de
Immer Auslauf, Stroh statt Spaltenböden, Tageslicht im Stall: Nach den Neuland-Richtlinien für „besonders artgerechte Tierhaltung“ leben Schweine, Rinder und Hühner gut. Die Standards sind teils strenger als bei „bio“, aber weil das Futter nicht ökologisch angebaut wird, ist die Ware günstiger. Halten Sie nach Neuland-Metzgern in ihrer Nähe Ausschau! In Berlin gibt es sogar Imbisse mit Neuland-Döner und -Currywurst.
PAKET VOLL RIND
www.mycow.de
Sie stammen aus Frankreich oder Schottland. Zu haben sind Charolais-, Galloway-, oder Angus-Rinder aber auch vom Biobauern aus der Region – zumindest, wenn man in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Berlin wohnt. Denn die Tiere, deren Fleisch der Internetversand „mycow“ verschickt, grasen auf Wiesen an der Müritz. mycow schickt Braten, Rouladen und andere Teile in Fünf-Kilo-Paketen auf die Reise. Manko: Mit der Ware gibt‘s auch viel Verpackungsmüll.
RASSE STATT MASSE
www.g-e-h.de
www.arche-warder.de
Viele Nutztierrassen sind bedroht, weil sie in der Turbo-landwirtschaft nicht mithalten können. Die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ führt eine Rote Liste und hat 1995 das Schutzprojekt „Arche“ ins Leben gerufen. Die meisten Arche-Höfe freuen sich über Ihren Besuch – auch der Greenpeace-Tierpark „Arche Warder“ bei Kiel!
GLÜCKSZAHL: O
www.tierschutzbund.de/kampagne_kein-ei-aus-quaelerei.html
Ach, wär‘s doch immer so einfach wie beim Ei: An der ersten Ziffer im Aufdruck kann jeder ablesen, wie gut es der Henne ging, die es gelegt hat. Tabu ist die „3“: Das Ei stammt aus Käfighaltung. Zwar sind Legebatterien seit 2010 verboten, doch die „Kleingruppenhaltung“ ist nicht viel besser. Viele Supermärkte verkaufen keine Käfigeier mehr, sie verstecken sich aber noch in Keksen, Likör und Fertigprodukten – etwa von Bahlsen, Verpoorten und Kraft (aktuelle Liste beim Tierschutzbund). Schon besser ist die „2“: Bei der Bodenhaltung bleiben die Hennen aber zeitlebens im Stall, neun Tiere pro Quadratmeter. Okay ist die „1“: Die Freilandhaltung garantiert den Hennen viel Auslauf, sie können im Sand baden, scharren und picken. Am besten ist die „0“: Das Bio-Ei. Das Futter muss zu 80 Prozent ökologisch erzeugt sein, Gen-Soja aus Südamerika ist tabu, die Ställe sind größer. Was noch fehlt: die Nummer fürs Zweinutzungshuhn! Vielleicht: „0+“?