lügendetektor

11. August 2011

Danone: „Bescheidenerer“ wäre besser

Der Lebensmittelkonzern Danone gibt sich in seiner neuesten Werbekampagne wortklauberisch: „Umweltfreundlicherer Becher“ druckt er millionenfach auf Joghurts seiner Marke Activia, deren Verpackung aus Mais hergestellt wird. Das ist recht pfiffig, denn das doppelte „...er“ am Ende des Wortes klingt nach Steigerung, relativiert aber bei genauerem Hinsehen den Werbeclaim. Weil es ganz offensichtlich Quatsch wäre, einen Kunststoffbecher als „umweltfreundlich“ zu bezeichnen, nennt man ihn halt etwas bescheidener „umweltfreundlicher“. Was allerdings – Wortklauberei können wir auch – immer noch Unsinn ist, denn streng genommen kann der neue Becher höchstens „weniger umweltschädlich“ sein als sein Vorgänger. Kann. Aber nicht mal das ist er. Und deshalb hat Danone ein Problem.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat angekündigt, den Lebensmittelkonzern wegen „irreführender Werbung“ zu verklagen. Die „gezielt verzerrende Kommunikatiosstrategie“ sei ein Musterbeispiel von Greenwashing, kritisiert die Organisation. Danone Deutschland erklärt nun trotzig, alle getroffenen Aussagen seien absolut korrekt, schließlich habe der WWF („Partner für umweltfreundlichere Verpackung“) die Ergebnisse für gut befunden, man weise die Vorwürfe „vollumfänglich“ zurück. Wie sind die widersprüchlichen Auffassungen zu erklären?

Die nötigen Informationen dafür liefert Danone selbst: Auf der Internetseite natuerlicher-verpackt.de kann man eine Studie zur Ökobilanz der neuen Mais-Becher herunterladen, die der Konzern vom Institut für Umwelt- und Energieforschung (IFEU) anfertigen ließ. Detailliert vergleichen die Heidelberger Wissenschaftler darin die Umweltauswirkungen der Herstellung der Becher aus dem „Bio“-Kunststoff PLA mit der Produktion herkömmlicher Plastikbecher. Anschließend bewerten sie ihre Ergebnisse mithilfe von zwei unterschiedlichen „Auswertungsstrategien“: Eine umfasst nur die von Danone selbst definierten Umweltziele Klimaschutz und Schutz der fossilen Ressourcen. Die andere bezieht alle relevanten Umweltfaktoren mit ein, um eine ganzheitliche Ökobilanz zu ermöglichen. Dummerweise kommt man auf beiden Wegen zu unterschiedlichen Ergebnissen. 

Nimmt man nur die Danone-Ziele als Maßstab, ist das Ergebnis durchaus positiv: Die IFEU-Berechnungen ergeben für die neuen Mais-Becher immerhin einen um 25 Prozent geringeren Klimaeffekt und einen um 43 Prozent niedrigeren Verbrauch fossiler Ressourcen. Danone sieht damit die „verbesserte Umweltfreundlichkeit“ belegt. 

Doch leider schneiden die PLA-Verpackungen in anderen Bereichen schlechter ab als normale Plastikbecher, zum Beispiel bei der Feinstaubbildung, beim Versauerungspotenzial und bei der Eutrophierung von Gewässern und Landflächen. Probleme der Landnutzungsänderungen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. „Insgesamt ergibt der Vergleich (...) keinen eindeutigen Vor- oder Nachteil für eines der beiden Systeme“, bilanzieren die Umweltforscher. Und ihrem Auftraggeber Danone empfehlen sie explizit eine „Differenzierung bei der Kommunikation der Ergebnisse der Studie und der daraus gewonnenen Erkenntnisse“.

Das ficht Danone und den WWF jedoch nicht an, und Werbeleuten ist „Differenzierung“ bekanntermaßen völlig fremd. So erklärt sich vielleicht auch, dass Danone auf der Rückseite der Joghurtbecher dazu auffordert, sie über den gelben Sack zu entsorgen, damit sie „optimal verwertet bzw. recycelt“ werden können. Das klingt zwar schön, täuscht aber darüber hinweg, dass die PLA-Becher bisher in der Regel verbrannt werden, weil sich die Aussortierung erst ab einer viel größeren Menge lohnen würde. „Die Einführung von Bioplastikverpackungen ohne Kreislaufführung katapultiert Danone in die Steinzeit der Recyclingwirtschaft“, urteilt die DUH.

Wir finden: Die Suche nach alternativen Verpackungsmaterialien ist löblich. Sich mit voreiliger und irreführender Werbung Wettbewerbsvorteile zu verschaffen aber nicht.

PS: Danone hat inzwischen erklärt, die umstrittene Werbeaussage zurückzuziehen, die PLA-Becher seien „umweltfreundlicher“.

Schlagworte: Joghurtbecher, Verpackung, Ökobilanz, Danone, Activia, DUH, IFEU
23. Juni 2011

Porsche: Batteriebetriebener Irrsinn

Elektromobilität ist grad unglaublich in. Es gibt eine „Nationale Plattform Elektromobilität“, jede Menge Modellregionen und den Regierungsplan, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen zu lassen. Dafür werden etliche Milliarden Euro Steuergelder bereitgestellt, denn es gibt noch viel zu erforschen.

Zum Beispiel bei Porsche: Die schnellen Schwaben haben jetzt mit dem Boxster E ein rollendes Forschungslabor auf die Straße gebracht. Offiziell gehören die drei Autos diesen Typs zum Forschungsprogramm „Modellregion Elektromobilität Region Stuttgart“, weshalb die Bundesregierung einen Teil der sechs Millionen Euro Entwicklungskosten übernommen hat.

 

Getestet hat den Elektro-Porsche Benjamin Bessinger für die Springer-Zeitung Die Welt. Unter der Überschrift „Lautes Vorspiel im Elektro-Porsche“ kommt der Tester zu dem Schluss, dass bei der ersten Ausfahrt die Mundwinkel mit jedem Meter weiter nach oben gehen:

 

Die Begeisterung des Testers hat folgenden Grund: „Gut 200 PS beschleunigen den leisen Batterie-Boliden in 5,5 Sekunden auf Tempo 100.“

Und dann kommt der Tester so richtig ins Schwärmen: „Mit 200 km/h verteidigt der Stromer auch den angestammten Porsche-Platz in der Highway-Hierarchie“, heißt es im Testbericht weiter. Gemeint ist natürlich die linke Überholspur. Und der Tester spricht ein Problem an, was jedem Porsche-Kunden nun wirklich große Akzeptanzsorgen bereiten dürfte: Bei einem Sportwagen mache der Ton die Musik, Motorengedröhn gehöre zum Gesamterlebnis dazu und – tja, leider, leider verströmt der Elektro-Porsche nichts als „himmlische Ruhe“ .

Aber natürlich arbeiten die Porsche-Entwickler auch daran: Sie integrierten ein spezielles Soundsystem. „Auf Knopfdruck meldet sich – synthetisch erzeugt und elektronisch verstärkt – das vertraute Geräusch eines Verbrenners. Nur, dass der Stromer dann nach einem amerikanischen V8 und nicht nach einem schwäbischen Sechszylinder klingt, daran müssen die Entwickler noch arbeiten.“

200 PS im Elektroauto? Mit Soundsystem? Entwicklungsauftrag: Sechszylindersound? Gefördert vom Steuerzahler? Gehts noch?

Nicht, wenns nach der SPD geht. Die hatte Mitte Mai ein Energiekonzept vorgelegt, das Deutschland fit für den Kampf gegen die Erderwärmung machen soll. Im ziemlich detaillierten Sofortprogramm heißt es als Schritt 24 (von 50):

 

 

Dass dies längst an der Zeit ist, beweist eine kleine Weltrecherche: Seitdem Ruanda 2001 ein Tempolimit eingeführt hat, gibt es weltweit nur noch elf Staaten ohne ein solches. Es sind Afghanistan, Bhutan, Burundi, Haiti, Libanon, Mauretanien, Myanmar, Nepal, Nordkorea, Somalia – und Deutschland.

Um also der Steuergeldverschwendung einen Riegel vorzuschieben, dem PS-Irrsinn ein Ende zu bereiten und das Land wieder zukunftsfähig zu machen, müssen jetzt nur noch die Sozialdemokraten an die Macht gewählt werden. 

Schlagworte: Elektromobilität, Porsche, Die Welt, SPD, Tempolimit
22. Juni 2011

WWF: Tierwelt in Hochglanz

Was haben Pinzettfisch, Kaiserskorpion, Seestern und Tigersalamander gemeinsam? Richtig ist die Antwort: Der WWF schmeißt sie den Supermarkt-Kunden dieser Tage hinterher. Jeder, der für mehr als 10 Euro in einer der 3300 REWE-Filialen einkauft, bekommt ein „Tier-Abenteuer“-Päckchen mit fünf  Stickern dazu. 180 verschiedene Motive gibt es, aufkleben kann man die in einem Sammelalbum, das 2,50 Euro kostet.

REWE – Eigenwerbung: „Jeden Tag ein bisschen besser“ – teilt weiterhin mit: „An den so genannten Jokertagen erhalten diejenigen Kunden, die einen Einkaufswert von mindestens 50 Euro erreichen, ein WWF-Tierquartett gratis.“ Der WWF liefert also einen guten Grund, den Einkaufskorb mal wieder richtig voll zu packen. Und dann sind da ja auch noch die Glitzersticker:

 

„Der Umwelt zuliebe“, das ist der Slogan des WWF. Eine Million Sammelalben wurden gedruckt, mindestens 180 Millionen Sammelbilder – und zwar in China. Zur REWE-Aktion gibt es diverse Devotionalien: das Tierglas-Set, Stückpreis 1,99 Euro, WWF-Platzdeckchen im 2er-Set zu 1,99 Eutro, der WWF-Panda – „total flauschig“ – zum Aktionspreis von 8,99 Euro und, und, und.

„Uns geht es darum, Kinder für ein Thema zu begeistern, das in ihrer Lebenswelt nicht unbedingt vorkommt“, erläutert WWF- Sprecher Christian Plaep. Naturschutz ist gemeint, also der Schutz der natürlichen Ressourcen.

Mit billigem Ramsch  ‚Made in China‘?

„Sie müssten mal die Begeisterung der Kinder erleben“, sagt der WWF-Sprecher. Nein, komplett durchgerechnet habe man die Umweltbilanz der Aktion seines Wissens nicht. Aber selbstverständlich stamme das verwendete Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft und sei FSC-zertifiziert. Von der zuständigen Fachfrau Annette Herr wird versichert: Die Ware würde des Klimas zu Liebe nicht aus China eingeflogen, man habe sich das ebenso vertraglich festschreiben lassen, wie den Einsatz von FSC-Papier bei der ganzen Aktion.

Dumm nur, wenn die Umweltschützer das nicht nachprüfen. Mitnichten ist beispielsweise das Papier des Werbeblatts, den das REWE-Marketing hunderttausendfach verteilt hat, FSC-zertifiziert.

Aufgefallen war das dem WWF noch nicht, und so steht zu befürchten, dass die anderen Umweltstandards, die sich der WWF vertraglich sichern wollte, auch noch nicht überprüft worden sind.

Aber vielleicht liegt das auch daran, dass der WWF selbst ein blendendes Geschäft mit der Aktion macht: 50 Cent von jedem Sammelheftchen gehen an die Umweltschützer – macht eine halbe Million Euro. Fachfrau Annette Herr findet nichts dabei, mit Konsum die Verbandsarbeit zu finanzieren: „REWE hätte die Aktion in jedem Fall gemacht. Und da ist es doch pädagogisch besser, sie mit Tieren zu machen, statt beispielsweise mit Fußballern.“

Eine halbe Million Euro – mit diesem Geld kann der WWF dann Tipps zum klimafreundlichen Konsum geben. Zum Beispiel:  „Achten Sie auf wenig Verpackung, kaufen Sie bevorzugt Recycling-Produkte.“ Oder: Kaufen Sie Produkte mit Umwelt-Gütesiegeln wie Blauer Engel oder FSC. Und natürlich: Lange Transportwege vermeiden, beim Bier genauso wie bei den Birnen.

Schlagworte: WWF, FSC-Siegel, Konsum, Rewe
24. Mai 2011

Öko-Test: „Geniaal daneben“

„Guter Rat ist teuer“, lautet ein altes Sprichwort. Zum Glück haben sich die Zeiten geändert, guter Rat kostet heute nur 5,90 Euro, zumindest wenn er von der hochseriösen Zeitschrift Öko-Test kommt. Zum Beispiel, wenn es um die Energiewende geht: Nie war das Interesse am persönlichen Atomausstieg größer als derzeit, nie die Bereitschaft, den Stromanbieter zu wechseln, verbreiteter. Allerdings gab es auch noch nie so viele Anbieter von Strom, der angeblich die Energiewende befördert. Deshalb also lag es nahe, dass sich die Öko-Tester mit dem vielfältigen Angebot auseinandersetzen:

 

Zunächst liefern die Zeitschriftenmacher dem Leser eine theoretische Abhandlung. „Der Begriff Öko-Strom ist rechtlich nicht definiert“, sagt darin Peter Kafke, Energieexperte der Verbraucherzentralen, und warnt: „Diese Grauzone nutzen viele Energieanbieter und schichten lediglich vorhandene Strommengen um.“ Das ist natürlich wenig sinnvoll, soll doch die persönliche Energiewende dazu beitragen, dass weitere, neue Grünstrom-Kraftwerke gebaut werden.

Öko-Test weist auch auf einen alten Trick hin, mit denen die großen Energiekonzerne die Energiewende zu bremsen versuchen: sogenannte RECS-Zertifikate. In ihrem Ratgeber „Bauen, Wohnen & Renovieren“ heißt es auf Seite 110: „Diese Zertifikate gelten als Herkunftsnachweis für erneuerbare Energien und stammen überwiegend von Wasserkraftwerken aus Skandinavien und den Alpenländern.“ Und die Tester zitieren noch einmal den Verbraucherexperten Kafke: „So lässt sich deutscher Kohle- oder Atomstrom ganz legal in Öko-Strom umetikettieren.“ Zu Wort kommt dann auch noch Professor Uwe Leprich, der die zahlreichen Gütesiegel für Strom beleuchtet und die ernüchternde Aussage trifft: „Kein Kunde kann heute sicher sein, dass er grünen Strom fördert, wenn er grünen Strom bezahlt.“

So langsam wird man ungeduldig, schließlich wollte der Leser doch einfach nur wissen, zu welchem Ökostromanbieter er am besten wechselt, um die Energiewende voranzutreiben. „Der beste Öko-Strom ist der Strom, der gar nicht verbraucht wird“, schreiben die Tester – und wenn man jetzt ob solcher Platitüden verzweifelt und einfach umblättert, ist man endlich am Ziel: Eines der besten Öko-Angebote sei der „Geniaale Strom“ von Lekker-Energie. Natürlich stutzt jetzt der geneigte Leser, Lekker-Energie war doch erst kürzlich vom Lügendetekor geprüft worden – mit negativem Ergebnis. Trotzdem findet sich auf Zeile 4 der Tabelle der „Geniaale Strom“ – in schmeichelhafter Nachbarschaft mit Ökostrom-Pionieren wie Lichtblick, Greenpeace Energy oder Naturstrom.

 

Anruf also bei der Redaktion, vielleicht handelt es sich bei der Empfehlung ja um einen bedauerlichen Fehler, der korrigiert werden muss. Die Anfrage sei schriftlich einzureichen, und in der Antwort von Chefredakteur Jürgen Stellpflug heißt es knapp: „Die Testkriterien sind im Heft veröffentlicht.“

Also lesen wir noch einmal im Öko-Test-Ratgeber nach:

Äh, Moment: Bei Lekker-Energie heißt es in der Selbstauskunft zum „Unternehmensmix über alle Produkte“:  28 Prozent fossiler Strom, 16 Prozent Atomstrom.

Die Zeiten haben sich also doch noch nicht geändert: Guter Rat ist teuer – jedenfalls ist er für 5,90 bei Öko-Test „Bauen, Wohnen & Renovieren“ nicht zu haben.

Schlagworte: Öko-Test, Ökostrom, Lekker-Energie
9. März 2011

FAZ: Prominenter Platz für Klima"skeptiker"

Herrje, heute sind die sogenannten „Klimaskeptiker“ im deutschen Bürgertum angekommen. Dieter Ameling, einst Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl und inzwischen Berater des bizarren Jenaer Klima"skeptiker"-Vereins EIKE, darf im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Das Klima kann man nicht schützen“ zusammenfassen, was die Gemeinde so glaubt.

 

 

Schon früher als Industrielobbyist griff Ameling gern Klimaschutz-Instrumente wie den EU-Emissionshandel an. Von ihm ist zudem überliefert, dass er seinen Dienstwagen, einen 7er BMW, gern schnell fuhr, nämlich „zehn Prozent unter Höchstgeschwindigkeit“, was doch „ein guter Kompromiss“ sei. Und nun, im Ruhestand, zieht der Herr durch die Lande (unter anderem sprach er vergangenen Dezember auf einer „Skeptiker“-Tagung in Berlin) und versucht, dem Klimaschutz jegliche Grundlage zu entziehen – indem er auf eine vermeintlich wackelige wissenschaftliche Faktenbasis verweist. Nichts an Amelings Artikel ist neu oder spannend – neu ist lediglich, dass ein seriöses Blatt wie die FAZ ihm so viel Platz für so viel Quatsch einräumt.

 

Der Text ist eine Sammlung ebenso altbekannter wie längst widerlegter Thesen der „Klimaskeptiker“, allerdings rhetorisch durchaus geschickt aufbereitet. So schreibt Ameling beispielsweise:

 

 

Die Aussage ist ja durchaus korrekt. Nur dient sie Ameling dazu, den erdgeschichtlichen mit dem heutigen Klimawandel gleichzusetzen. Dabei vollzieht sich die gegenwärtige Erwärmung viel schneller als frühere, und vor allem ist sie nachweislich durch den Menschen verursacht. Amelings These ist zwar eingängig, aber ein Fehlschluss: Mit derselben Logik könnte man bestreiten, dass es Brandstifter gibt, nur weil es schon immer auch natürliche Waldbrände gab.

 

Dasselbe rhetorische Muster findet sich in diesem Satz:

 

 

Streng genommen stimmt auch er. Allerdings ist unter (seriösen) Forschern nur strittig, ob – salopp gesagt – der menschliche Einfluss groß, sehr groß oder sehr, sehr groß ist.

 

So geht das über insgesamt fünf FAZ-Spalten. Das Perfide an Amelings Text ist, dass man für jeden Satz ein Vielfaches an Platz bräuchte, um ihn richtigzustellen. Genau dies ist der strategische Nachteil, den Klimatologen in der öffentlichen Debatte gegenüber „Skeptikern“ haben: Deren Thesen sind meist prägnant und kurz – ernsthafte Forscher hingegen formulieren kompliziert und langatmig. Aber weiter im Text:

 

 

Über all die natürlichen Klimafaktoren, die Ameling hier nennt, zerbricht sich die Wissenschaft seit Jahrzehnten den Kopf – dass sie in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielen, hat einen einfachen Grund: Diese Faktoren können den in den letzten Jahrzehnten beobachteten Temperaturanstieg auf der Erde einfach nicht erklären. Am beliebtesten unter Klima„skeptikern“ ist der Verweis auf die Sonne. Diese ist tatsächlich ein wichtiger Klimafaktor – aber er wird in jüngster Zeit immer mehr durch menschliche Einflüsse überlagert, etwa den anthropogenen CO2-Ausstoß oder die Vernichtung der Regenwälder. Im übrigen ist die Sonnenaktivität gerade auf einem historischen Tiefpunkt – und trotzdem war 2010 eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen.

 

Ein letztes Beispiel:

 

 

Mag ja sein, dass man in der Wirtschaft nur in Vier-Jahres-Rhythmen denkt – beim Klima aber geht es um längere Trends, mindestens um 30-Jahres-Zeiträume. Und langfristig betrachtet schmilzt das arktische Meereis dramatischDas von Ameling erwähnte Jahr 2007 war ein historischer Tiefststand – dass darauf ein paar Jahre folgten, die weniger katastrophal waren, liegt in der natürlichen Variationsbreite. Doch selbst in diesen „besseren“ Jahren war der Eispanzer auf dem Nordmeer kleiner als im langjährigen Mittel.

 

Am Schluss seines Textes fordert Ameling,

 

 

Das ist keine schlechte Idee – weshalb sie auch schon viele Leute vor ihm hatten. George W. Bush beispielsweise ließ 2001 den Dritten Sachstandsbericht des Weltklimarats von der US-Akademie der Wissenschaften überprüfen – sie bestätigte die Befunde. Im vergangenen Jahr schaute sich der Weltverband der Akademien, das InterAcademy Council, im Auftrag der UN den IPCC genauer an – Ergebnis: Die Arbeit ist im Grundsatz in Ordnung, allerdings sollte das Management und die Kommunikation des Weltklimarats verbessert werden. Wenn Ameling nun noch einmal eine Überprüfung verlangt, ist das Motiv durchschaubar: Jede Verzögerung beim Klimaschutz bedeutet beispielsweise für die Stahlwirtschaft, dass sie länger Profite auf Kosten des Klimas machen kann.

Schlagworte: EIKE, Klimaskeptiker, Dieter Ameling, Wirtschaftsvereinigung Stahl, FAZ
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