lügendetektor

16. Dezember 2010

Lekker Energie: Nur 56 Prozent Ökostrom

Mit dem Slogan „lekker Strom“ stürmte vor ein paar Jahren der holländische Energiekonzern Nuon auf den deutschen Markt, durchaus mit Erfolg. Bald hatte das Unternehmen hierzulande knapp 300.000 Kunden und außerdem ein freches Image. 2009 schluckte Vattenfall die ganze Firma. Auf Druck der EU-Wettbewerbsbehörde musste der schwedische Energieriese aber das deutsche Nuon-Geschäft verkaufen. Es gehört nun der Enervie-Gruppe aus NRW (Anteilseigner u.a. RWE) und tritt unter dem Firmennamen „lekker Energie“ auf.

 

„Ich bin lekker“ steht auf den Plakaten der aktuellen Werbekampagne. Dazu Fotos von (gutaussehenden) Kunden. Und jeweils ein Satz, der mit „Weil ich...“ beginnt. „Weil ich mitdenke“, sagt da etwa eine junge Frau. „Weil mir die Zukunft wichtig ist“, erklärt eine etwas ältere. Daneben prangt als Versprechen „100 % Ökostrom“ bzw. „100 % atomstromfrei“.

 

 

Auf der Firmenwebsite werden diese Zusagen wiederholt. Doch wer genau liest, der stolpert. Für den Tarif „lekker Strom“ beispielsweise wird nirgends erwähnt, woher die Energie stammt. Man kaufe dafür lediglich RECS-Zertifikate ein, räumt auf Nachfrage die Firmensprecherin ein – die aber sind unter Umwelt- und Verbraucherschützern sehr umstritten. Der Tarif „geniaale Strom“ hingegen ist mit dem renommierten „o.k. power“-Label zertifiziert, weshalb sich nachvollziehen lässt, dass dieser Strom aus drei norwegischen Wasserkraftwerken stammt.

 

Wirklich stutzig aber macht ein Blick auf die gesetzlich vorgeschriebene Stromkennzeichnung. Groß und signalgelb unterlegt steht da für alle Produkte „100 % Erneuerbare Energien“. Unauffällig unter der Tabelle jedoch finden sich Angaben zum Gesamt-Strommix der Firma:

 

 

Wie kann das sein? Alle Tarife enthalten 100 Prozent Ökoenergie, für die gesamte Firma beträgt die Grünstrom-Quote aber nur 56 Prozent? Die Antwort findet sich im Geschäftskundenbereich der Firmenwebsite:

 

 

Großabnehmer können bei lekker Energie nicht nur Ökostrom beziehen, sondern auch dreckigen Kohle- oder riskanten Atomstrom. Der Geschäftskundentarif „dekkel Strom“ ist alles andere als „100 % atomstromfrei“, sondern enthält mit 30 Prozent sogar mehr Kernkraft als der bundesweite Durchschnittsmix. „Industriekunden bekommen bei uns, was sie haben wollen“, erklärt Firmensprecherin Heike Klumpe. Und das sei „leider nicht immer“ Ökostrom.

 

Was stand nochmal auf den Plakaten? „Weil mir die Zukunft wichtig ist“. Wem die Zukunft so wichtig ist, dass er einen Energieversorger wählt, der wirklich nur Ökostrom vertreibt, für den ist lekker Energie gar nicht lecker.

 

Danke für den Hinweis an Christian B.

Schlagworte: RECS, Nuon, lekker Energie, Vattenfall, Ökostrom
7. Dezember 2010

Holger Krahmer (FDP): Unsinn zum Klimawandel

Holger Krahmer ist ein junger FDP-Europaabgeordneter aus Leipzig. Als eines seiner politischen Ziele nennt er „pragmatischen, ideologiefreien Umweltschutz“, und seinen Blick auf den Klimawandel findet er vermutlich auch sehr pragmatisch und ideologiefrei. In Wissenschaft und Politik grassiere eine „Klimahysterie“, glaubt Krahmer, die Berichte des Weltklimarates IPCC nennt er „politisch motivierte Übertreibungen“, und sowieso ist nach Überzeugung des gelernten Bankkaufmanns erst „wenig“ über die Ursachen von Klimaveränderungen bekannt.

 

All dies steht in einer Broschüre, die Krahmer kürzlich veröffentlicht hat. Darin versucht er – ganz auf Linie mit konservativ-libertären Klima„skeptikern“ in den USA –, eine marktradikale Abneigung gegen Umweltauflagen durch Zweifel an der Erderwärmung pseudowissenschaftlich zu untermauern. „Unbequeme Wahrheiten“ und „Anregungen für neue liberale Grundsätze“, verspricht er. Doch die unbequeme Wahrheit für Krahmer ist, dass seine Broschüre voller Fehler, Irreführungen und offensichtlichem Unsinn steckt.

Das beginnt schon bei einfachsten Fakten. So mokiert sich Krahmer über die milliardenschweren Solarsubventionen in Deutschland und behauptet, mit dieser Förderung werde

 

 

In Wahrheit hat die Fotovoltaik, so weist es die renommierte AG Energiebilanzen aus, bereits im Jahr 2009 rund 1,1 Prozent des deutschen Stroms produziert. An anderer Stelle schreibt Krahmer:

 

 

Auch hier ist offenbar der Wunsch Vater seines Gedanken: In Wahrheit haben sich die „Skandale“, die vor etwa einem Jahr durch den Blätterwald rauschten, fast völlig in Luft aufgelöst. Die Fälschungs- und Manipulationsvorwürfe gegen britische Klimaforscher wurden von mehreren Untersuchungskommissionen widerlegt, und reihenweise haben Zeitungen wie die Sunday Times, der Sunday Telegraph oder auch die Frankfurter Rundschau Artikel zurückgezogen.

 

Als Co-Autoren seiner 24-seitigen Broschüre hat Krahmer zwei promovierte Wissenschaftler gewonnen – allerdings beides auch keine Klimaforscher. Einen Kommentar zum Kopenhagener Klimagipfel hat Benny Peiser beigesteuert, Kulturwissenschaftler an der Fakultät für Sport- und Trainingswissenschaften der John-Moores-Universität in Liverpool. Peiser gilt unter Klima„skeptikern“ als Held, weil er angeblich eine vielzitierte Studie über den Konsens von Klimaforschern zum Klimawandel widerlegt habe – doch inzwischen hat Peiser eingeräumt, dass er dabei selbst falsch lag.

 

Der zweite Gastartikel stammt von Arman Nyilas, einem Metallurgen und Werkstoffwissenschaftler. Und sein Beitrag ist ein Lehrstück dafür, wie Klima„skeptiker“-Beiträge häufig funktionieren: Er raunt über „Scharlatanerie“ und „bewusste oder unwissentliche“ Fälschungen – und versucht dann selbst eine (wohl eher bewusste als unwissentliche) Täuschung des Lesers: Beispielsweise versucht Nyilas, die üblichen Forschungserkenntnisse über den CO2-Gehalt der Atmosphäre anzuzweifeln und beruft sich dabei auf

 

 

Doch überprüft man die zugehörige Fußnote, stößt man auf einen (!) Aufsatz des klima„skeptischen“ Biologielehrers Ernst-Georg Beck, der lediglich einzelne, bodennahe CO2-Messungen ausgewertet und sich in folgenden Forschungen selbst widerlegt hat.

 

Sodann bemüht Nyilas eine der beliebtesten Behauptungen der Szene: Seit 1998 gebe es beim Klimawandel

 

 

Wie sooft bei den Klima„skeptikern“ und -leugnern werden hier Wetter und Klima vermischt. Bekanntlich werden aus den Wetterdaten einzelner Jahre in der Klimawissenschaft langfristige Trends ermittelt, üblicherweise betrachtet man dafür 30-Jahres-Perioden. Der Zeitraum seit 1998 ist deshalb viel zu kurz für generalisierende Aussagen, und dass auf ein tatsächlich außergewöhnlich heißes Jahr 1998 einige kühlere Jahre folgten, ist wegen der natürlichen Schwankungsbreite wenig überraschend. Der langfristige Klimatrend ist dadurch mitnichten gebrochen, die Dekade 2000 bis 2009 war in Wahrheit die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 

 

Nyilas' zentrales „Argument“ ist eine Zickzack-Kurve von Temperaturdaten in Zentral-Grönland, welche Wissenschaftler anhand von Eisbohrkernen rekonstruiert haben.

 

 

Die Grafik zeigt, dass es abrupte Klimaänderungen schon immer gab und es in der Erdgeschichte auch schon wärmer war als heute – beides ist allerdings unter Klimaforschern völlig unumstritten. Und anders als Krahmer wie Nyilas offenbar glauben, ist die gezeigte Kurve völlig unbrauchbar, um den Kenntnisstand der Klimaforschung zu widerlegen. Denn erstens zeigt sie den Temperaturverlauf an einem einzigen Ort – weil das Klima sich jedoch regional ganz unterschiedlich wandelt, rekonstruieren seriöse Wissenschaftlter die Erdmitteltemperatur aus Daten, die an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Methoden gewonnen wurden. Zweitens endet die gezeigte Kurve im Jahr 1920, denn neuere Daten liefert der  Bohrkern nicht. Der menschengemachte Klimawandel, um den sich Politik und Forschung drehen, kam aber erst danach richtig in Schwung. Völlig verkehrt ist deshalb Nyilas' Satz:

 

 

Dies kann aus der gezeigten Grafik gar nicht abgeleitet werden – wie gesagt: weil die Kurve schon 1920 endet und außerdem nur die Temperaturen an einem Punkt Grönlands zeigt.

 

Aber so geht das weiter und weiter in Nyilas' Text. Er schimpft, der IPCC zeige in seinen Berichten keine Temperaturkurven für die Zeit vor 1880 – dies ist kompletter Blödsinn, der 2007er IPCC-Report enthält ein ganzes Kapitel mit etlichen Grafiken zur Paläoklimatologie. Und auch Nyilas Aussagen zur Kontroverse um die berühmte „Hockeyschläger-Kurve“ von Michael Mann sind falsch: Die sei „bewusst manipuliert“ und schließlich 2007 vom IPCC aus seinem Bericht „entfernt“ worden. Die Quelle für Nyilas' erste Behauptung ist ein Text auf einer US-Website für Hobby-Lokalreporter, die zweite Behauptung kann wiederum Kategorie: Politik, Forschung

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Schlagworte: Holger Krahmer, FDP, Benny Peiser, Arman Nyilas, Klimaskeptiker
30. November 2010

Focus: Können die kein Englisch?

Eigentlich war ja klar, dass der Focus diese Woche mit einem solchen Titel erscheint: Ein Eisbär ist darauf zu sehen mit (schlecht aufretuschierter) Sonnenbrille – und unter der Schlagzeile „Prima Klima!“ die Behauptung: „Die globale Erwärmung ist gut für uns“. Wieso man sich das hatte denken können? Nun, der neue Chefredakteur Wolfram Weimer hat Ende September als Ressortleiter „Forschung & Technik“ ausgerechnet Michael Miersch berufen, jenen Journalisten, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dirk Maxeiner schon seit vielen Jahren davon lebt, provokante Thesen zum Beispiel über (vermeintliche) „Öko-Irrtümer“ in flotten Worten aufzuschreiben.

 

In der Woche, in der in Cancún der nächste UN-Klimagipfel beginnt, kann man bei der konservativen Focus-Leserschaft (und sicherlich weit darüber hinaus) mit einer klimaskeptischen Cover-Story bestimmt Auflage machen. Wie schon vor knapp einem Jahr verbirgt sich dahinter aber ein halbgewalkter Text, der die vollmundige Titelankündigung nicht deckt. Die globale Erwärmung sei „gut für uns“, steht dort pauschal. Bereits auf Seite 4 im Inhaltsverzeichnis wird diese Allgemeinbehauptung relativiert:

 

 

Und auf Seite 78 im Vorspann des zugehörigen Artikels heißt es:

 

 

Schaut man sich den folgenden Text näher an, so verkauft er (bei Weglassen anderer, wichtiger Fakten) lediglich eine Binsenweisheit in sensationsheischenden Worten. Denn selbstverständlich gibt es weltweit AUCH Gegenden, die von der Erderwärmung profitieren – die Klimaforschung hat daraus nie einen Hehl gemacht. Deshalb hätte der Focus bzw. Artikelautor Christian Pantle auch keine „neuen Studien“ zitieren müssen. Wir jedenfalls brauchten gerade dreieinhalb Minuten, um im letzten IPCC-Sachstandsbericht von 2007 zwei Stellen zu finden (es gibt unzählige weitere!), in denen der Weltklimarat begrenzte Vorteile der Erderwärmung benennt. Dies ist ein Auszug aus Teil 2 des IPCC-Reports, Kapitel 9.4.4 zu Afrika:

 

 

Und hier aus Kapitel 12.4.7.1 zu Europa:

 

 

Hier steht Schwarz auf Weiß (und unter Verweis auf bis zu acht Jahre alte Studien), dass etwa in Teilen Afrikas und Europas die Landwirtschaft auch profitiert und beispielsweise Weizen- oder Zuckerrübenerträge wachsen. Verstehen Redakteure, Ressortleiter und Chefredakteure beim Focus etwa kein Englisch? Oder welche (noch schlimmeren) Annahmen können erklären, dass sich zu Beginn des „Prima Klima!“-Textes dieser Absatz findet:

 

Donnerwetter! Den IPCC-Bericht von 2007 (siehe oben) haben wohl „Provokateure“ geschrieben? Oder wie? Oder was?

 

Nein, der zitierte Focus-Absatz ist natürlich Blödsinn – nur braucht ihn das Magazin, um über elf Seiten eine Pseudosensationsgeschichte stricken zu können. Der Hauptgrund, warum Klimaforscher, Politiker und (seriöse) Medien nicht so sehr auf die Vorzüge des Klimawandels schauen, ist nämlich ganz einfach: Bei einer vernünftigen Gesamtbetrachtung fallen die Nachteile der Erderwärmung schlicht stärker ins Gewicht als ihre Vorteile. So mag es ja sein, dass der Klimawandel die Weizenerträge in Europa oder Asien steigen lässt – nur sinken sie gleichzeitig in Afrika viel stärker, just dort, wo schon heute die Hungersnöte am größten sind (was im Focus-Text denn auch beiläufig zugegeben wird). Bezeichnend für das Niveau des Gesamtartikels aber ist der Umstand, dass als Fachmann für künftige Verschiebungen der menschlichen Siedlungsgebiete nicht etwa ein Klimatologe oder Geograf zitiert wird, sondern ein Physik-Professor, dessen Spezialgebiet Nanotechnologie ist und der keinerlei Fachveröffentlichungen zum Klima vorweisen kann.

 

Dieser Focus-Artikel liegt also schon in seiner Grundthese gründlich daneben – weshalb wir keine Lust haben, im Text noch nach Detailquatsch zu suchen. Aber wenn Sie mögen, liebe Leserinnen und Leser, schicken Sie uns Ihre Fundstücke! Wir veröffentlichen sie gern. (Tipp: Garantiert fündig werden Sie auf den Seiten 81, 84, 86 und 89.)

 

Danke an Franz K. für den Hinweis

Schlagworte: Focus, Wolfram Weimer, Michael Miersch, Christian Pantle, IPCC
24. November 2010

REWE/toom: Nachhaltige Startschwierigkeiten

Das Hauptmotiv der neuen Anzeigenkampagne der Rewe-Handelsgruppe ist ganz hübsch: Eine Kleinfamilie steht da mit ihrem gefüllten Einkaufswagen auf einem Waldweg, vor ihr ein großer Holzlaster, die Trucker gucken verblüfft: „Unsere Kunden bewegen mehr als ihren Einkaufswagen“, lautet der Slogan dazu. Der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands will sich so als Adresse für „verantwortungsvollen Einkauf“ empfehlen. Nachhaltigkeit, heißt es auf der Firmenwebsite, sei bei Rewe „fest in der Unternehmensphilosophie“ verankert.

 

Im Anzeigentext erfährt man dann leider, dass die „verantwortungsvollen“ Produkte nur einen Teil des Sortiments ausmachen. An einem neuen Label namens „Pro Planet“ sollen sie bei Rewe, toom und Penny ab sofort zu erkennen sein, es geht beispielsweise um Schreibblöcke aus Recyclingpapier oder Wandfarben ohne Lösungsmittel. „Dabei kombinieren wir Imagewerbung intelligent mit Verkaufsimpulsen“, erklärte Rewe-Vorstandschef Alain Caparros.

 

Die Realität bei Rewe sieht allerdings nicht ganz so glänzend aus wie die von der Edel-Agentur Scholz&Friends betreute PR-Kampagne. So wählte man als Partner für die Elektroauto-Ladestationen in Berliner Märkten ausgerechnet Vattenfall – jenen Konzern, dessen Braunkohlekraftwerke Unmengen von Kohlendioxid ausstoßen und der mit 890 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde laut Greenpeace „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist.

 

Zudem ging bei Rewes Baumarkttochter toom der Start der Öko-Offensive gründlich daneben, dort hat man Imagewerbung und Kaufimpulse tatsächlich sehr intelligent miteinander verbunden. Mit billigen Energiesparlampen lockte toom Kunden in die Filialen, schaltete dazu auf Seite 1 der Bild eine große Annonce. Für 99 Cent wurden da Lampen aus „Energieeffizienzklasse A“ angepriesen – doch tatsächlich zeigte und verkaufte toom schlechtere Energiesparlampen der Klasse B. Daraufhin ging die Deutsche Umwelthilfe (DUH) juristisch gegen Rewe und die Bild vor. „Mit falschen Angaben wurden die Verbraucher getäuscht und zum Kauf niederwertiger Energiesparlampen verleitet“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wird mit solchen Aktionen eine grundsätzlich positive Technologie wie die Energiesparlampe diskreditiert.“

 

Vor einigen Tagen fiel toom zum zweiten Mal negativ auf: Die Kette verkaufte Energiesparlampen mit überhöhten Quecksilberwerten. Bereits seit Juli 2006 beschränkt die RoHS-Richtlinie der EU die Menge dieses gefährlichen Schwermetalls auf höchstens fünf Milligramm pro Lampe, die DUH fand bei Testkäufen jedoch 5,7 und 6,35 Milligramm. Rewe rechtfertigte das gegenüber der DUH mit den Worten, man habe die beanstandeten Lampen schon im Mai 2002 eingekauft – dieses Datum sei juristisch der Zeitpunkt des Inverkehrbringens, mithin fielen die fraglichen Lampen auch heute noch nicht unter den EU-Grenzwert. Nachhaltig sei bei Rewe, so DUH-Mann Resch, „nur das Streben nach Gewinnmaximierung, notfalls auch zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt“.

 

„Das ist zweimal wirklich blöd gelaufen“, sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer hörbar zerknirscht. Im ersten Fall sei einem Mitarbeiter der Werbeabteilung schlicht ein Fehler passiert, im zweiten Fall habe es sich um „eine minimale Restmenge“ alter Lampen gehandelt – und die Antwort des Firmenjuristen sei mit der Unternehmensspitze nicht abgestimmt gewesen. Krämer versichert, dass man es tatsächlich ernst meine mit dem Nachhaltigkeitsengagement. Die Vorfälle seien Rewe bzw. toom „wirklich unangenehm“ – und sollten nicht nochmal vorkommen.

 

Nun, wir werden ein Auge drauf haben.

 

Danke an Christian B. und Christoph S. für die Hinweise

Schlagworte: Rewe, toom, DUH, Scholz&Friends
15. November 2010

Wer wird „Schlimmster Klima-Lobbyist 2010“?

„Tausende Lobbyisten streifen durch die Gänge der Macht in Brüssel“, schreiben vier europäische Organisationen, darunter Friends of the Earth und Lobbycontrol, in einem Aufruf. „Sie arbeiten außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit, und viele zögern nicht, problematische Methoden anzuwenden. Sie täuschen vor, besorgte Umweltschützer zu sein, paralysieren die EU durch Panikmache, sichern sich privilegierte Zugänge zu Entscheidungsträgern.“

Seit 2005 loben die Organisationen regelmäßig den „Worst EU Lobbying Award“ aus. Mit diesem Preis soll auf „irreführende und manipulierende“ Werbung und Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen werden. In diesem Jahr gibt es sogar eine eigene Kategorie „Klima“. Nominiert sind hier der Energieriese RWE, der im grünen Mäntelchen Lobbyarbeit für dreckige Kohlekraftwerke betreibe. Außerdem der Stahlkonzern ArcelorMittal, der erfolgreich und zum eigenen Vorteil den EU-Emissionshandel aufgeweicht habe. Sowie der Unternehmens-Dachverband Business Europe, der vehement gegen ambitionierte Klimaziele kämpfe.

 

Noch bis zum 26. November können Stimmen für „Europas schlimmsten Lobbyisten 2010“ abgegeben werdenklicken Sie hier.

 

Ein kleines Filmchen auf YouTube zeigt bereits Aktivisten des „Lobby Awards“, wie sie das Business-Europe-Büro besuchen – oder es zumindest versuchen ...

Schlagworte: Worst Lobby Award, RWE, ArcelorMittal, Business Europe
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