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Lenkwaffen auf Abwegen

Greenpeace Magazin Ausgabe 3.17

Lenkwaffen auf Abwegen

Text: Hauke Friederichs

Seit 2014 unterstützt die Bundesrepublik kurdische Peschmerga bei ihrem Kampf gegen Islamisten mit Panzerabwehrraketen vom Typ „Milan“. Doch Terrormilizen in aller Welt setzen die Lenkwaffe mit deutscher Technik ebenso ein. Ein altes deutsch-französisches Abkommen sorgt dafür, dass der Hersteller mit Firmensitz in Paris die Raketen ohne Genehmigung der Bundesregierung ausführen kann – eine Lücke, die bald auch der Produzent der Leopard-Panzer für seine Exporte nutzen könnte

Das Ziel nähert sich auf einer staubigen Straße: Zwei israelische Militärjeeps sind ins Fadenkreuz einer tödlichen Waffe geraten. Als sie auf den Zaun am Grenzübergang Karni zum Gaza-Streifen zusteuern, rast ein Lichtpunkt auf sie zu. Dann die Explosion, dunkelgrauer Rauch steigt auf – eines der Fahrzeuge liegt in Trümmern. Angreifer haben aus dem Hinterhalt eine Panzerabwehrrakete abgefeuert.

Zu sehen ist dieser Anschlag auf eine Patrouille der israelischen Streitkräfte (IDF) in einem Film auf der Plattform Live Leak. Vier Soldaten werden am 10. November 2012 verletzt, einer von ihnen schwer. Der Angriff ist Teil einer Attentatsserie, die zum zweiten Gaza-Krieg führt, zur Tat bekennt sich die „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP). Zuvor haben die Al-Nasser-Salah-al-Deen-Brigaden, der militärische Arm der Volksfront, bereits im Internet mit Raketen vom Typ „Missile d’Infanterie léger antichar“ geprahlt. Das Geschoss ist besser bekannt unter dem Kürzel „Milan“.

Sie trägt zwar einen französischen Namen, in der Anfang der Siebzigerjahre vom deutsch-französischen Konsortium Euromissile entwickelten Rakete steckt aber vor allem deutsche Technik. Inzwischen fertigt Europas führender Raketenhersteller MDBA die Milan – auch an Standorten in Deutschland. Airbus zählt zu den führenden Anteilseignern.

Die Boden-Boden-Lenkwaffe ist seit fast 43 Jahren im Einsatz. Sie kann von zwei Soldaten getragen werden, das Abschussgerät samt Rakete wiegt rund 24 Kilogramm. Das Geschoss wird über einen Draht ins Ziel gelenkt, der sich während des Flugs abspult, und durchschlägt bis zu 700 Millimeter Stahl. Das reicht für schwere Panzer wie den deutschen Leopard oder den israelischen Merkava.

Milan-Systeme gehören zum Arsenal von 44 regulären Armeen. 2014 beschloss die Regierung in Berlin, die kurdischen Peschmerga mit Raketen aus Bundeswehrbeständen auszurüsten, um sie in ihrem Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) zu unterstützen. (...)

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