Mensch-Tier-Interaktion 22.Jul 2016

Dieser afrikanische Vogel kann mit Menschen kommunizieren

In Südostafrika arbeiten Mensch und Tier auf ganz besondere Art und Weise zusammen – beim Honigsammeln

Der Stamm der Yao lebt rund um den Malawisee in Südostafrika. Die Stammesangehörigen ernähren sich von wildem Honig, den sie aus Bienenstöcken in der Region sammeln. Die Suche nach dem Honig ist jedoch schwierig: Oft liegen die Bienenstöcke hoch oben oder in Bäumen versteckt.

Seit Generationen machen die Yao sich deshalb selten alleine auf die Suche nach Honigwaben. Der „Große Honiganzeiger“ – eine mittelgroße Spechtart, die sich mitunter von Bienenwachs ernährt – hilft ihnen. Mit trillerndem Gesang und auffälligem Flugverhalten führt der Vogel sie zu versteckten Bienenstöcken. Und nicht nur das: Der Große Honiganzeiger lässt sich von einem speziellen Ruf der Yao-Stammesangehörigen anlocken. Zu dieser Erkenntnis kam eine Studie, die diese Woche in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. 


Der Große Honiganzeiger macht seinem Namen alle Ehre und führt Menschen zu Bienenstöcken​.  Foto: picture alliance / AP Photo

Das Team um die britische Evolutionsbiologin Dr. Claire Spottiswoode untersuchte in Südostafrika, ob die Vögel generell auf den Menschen reagieren oder auf ein spezielles Kommando. Dafür testeten sie drei verschiedene Rufe: Tierlaute, murmelnde Stimmen sowie den traditionellen „Brrr-Hmm”-Laut der Yao. Die ersten beiden Varianten führten nur in 25 Prozent der Versuche dazu, dass der Große Honiganzeiger sie zu Bienenstöcken führte. Als die Forscher Aufzeichnungen des „Brrr-Hmm“-Rufs der Yao abspielten, half der Vogel ihnen in 66 Prozent der Versuche. Der Ruf wird im Yao-Stamm von Generation zu Generation weitergegeben und speziell benutzt, um den Honiganzeiger anzulocken. 

„Es scheint eine Zwei-Wege-Kommunikation zwischen unserer Spezies und den wilden Tieren zu sein, von der beide profitieren“, erklärt Dr. Spottiswoode gegenüber BBC. Hat der Vogel die Yao erfolgreich zu einem Bienenstock geführt, räuchern sie zunächst den Baum aus, um alle Bienen zu vertreiben. Dann wird die Honigwabe mit Äxten und Messern aus dem Inneren der Bäume herausgeholt. Nachdem die Yao den Honig gesammelt oder gegessen haben, legen sie die leere Wabe auf ein Bett aus frischen Blättern, damit der Große Honiganzeiger das Wachs fressen kann – eine clevere Zusammenarbeit, denn der Vogel wäre alleine nur schwer an das Bienenwachs gekommen.

„Der Honiganzeiger versteht buchstäblich, was der Mensch sagt“, ergänzte Stuart West, Evolutionsbiologe an der Universität in Oxford. „Alles deutet darauf hin, dass das Verhalten des Honiganzeigers und des Menschen sich im Einklang miteinander weiterentwickelt haben.“ Noch nicht erforscht ist, wie Jungvögel lernen, den Ruf der Yao zu erkennen. Genau wie der Kuckuck legt der Honiganzeiger seine Eier in fremde Nester. Sie werden also nicht von ihren Eltern großgezogen.

Anica Beuerbach

Service 22.Jul 2016

So einfach können Sie bald alte Elektrogeräte entsorgen

Ab Montag sind große Onlinehändler gesetzlich dazu verpflichtet, alte Elektrogeräte zurückzunehmen – kostenlos und ohne Kassenbon. Wir erklären, wie's funktioniert.

Es ist alt, hat einen Stecker oder Batterien und soll weg. Okay. Nur wohin? Für ausgediente kleinere Elektrogeräte gibt es eine Alternative zum Wertstoffhof: Der Internethandel lässt an Paketstationen Geräte einsammeln. Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist neu?

Ausgediente kleine Elektrogeräte müssen ab dem 25. Juli auch von Online-Händlern zurückgenommen werden – kostenlos und ohne Kassenbon. Dann greift auch für sie ein Gesetz, das für mehr Recycling sorgen und die Umwelt entlasten soll. Für den stationären Einzelhandel gilt das Gesetz auch, aber viele Geschäfte nahmen Elektrogeräte sowieso schon freiwillig zurück. Zum Beispiel, um neue Kunden zu gewinnen.

Wie läuft die neue Rückgabemöglichkeit in der Praxis ab?

Dienstleister helfen den Händlern, die Rücknahme zu organisieren. Etwa European Recycling Plattform (ERP): Altgeräte bis 31,5 Kilogramm und Kantenlängen von höchstens 120 mal 60 mal 60 Zentimetern können bei mehr als 50.000 Filialen eines Paketdienstes kostenlos abgegeben werden. Dafür stellt der Online-Händler im Internet einen Link zur Verfügung, über den die Verbraucher den nötigen Paketaufkleber ausdrucken. Für alles Größere und Schwerere gebe es „individuelle Abhol- und Entsorgungslösungen“. Auch der Anbieter WEEE Return bietet Abgabe- und Versandstellen an. Für die Kunden ist es letztlich wohl nicht so wichtig, mit wem sein Händler zusammenarbeitet.

Wie kann man Elektroschrott sonst noch loswerden?

Üblich sind die kommunalen Sammelstellen, oft Wertstoffhof genannt. Der Einzelhandel muss Altgeräte auch zurücknehmen – kleinere einfach so, größere dann, wenn ein neues Gerät gekauft wird. Einen Kassenbon muss man dazu nicht mitbringen. Aber auch Entsorgungsfachbetriebe sind in dem Kreislauf dabei, sie bieten teils sogar Prämien für die Rückgabe an und holen größere Mengen Elektroschrott auch direkt aus Unternehmen ab.

Warum soll der Elektroschrott nicht einfach im Müll landen?

Um die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen. Beispiel Kühlschrank: Da muss ein Gemisch aus Kühlmittel und Öl abgesaugt werden. In alten Geräten steckt oft auch noch das klimaschädliche Gas FCKW. Handys, Computer und Co. enthalten zudem wertvolle Metalle wie Gold, Kupfer und Silber - und Fachbetriebe holen sie aus Bauteilen wieder heraus. Die Firma Robert Doormann aus Hannover etwa berichtet, dass für nur ein Gramm Gold in afrikanischen Minen rund zwei Tonnen Gestein aus großer Tiefe gefördert und aufbereitet werden müssen. Alternativ lasse sich das mit etwa fünf ausgedienten PCs erreichen.

Steckt da auch ein Geschäft dahinter?

Klar, das lohnt sich. Doormann zufolge ist Wiederverwertung „eine ernstzunehmende Alternative und Ergänzung zur bergmännischen Förderung“ der Metalle. Die Industrie setzt heute laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sogar schon High-Tech-Textilien ein, die wertvolle Materialien in Staubkorngröße aus den Abwässern der Fabriken filtern.

Welcher Grundgedanke steht dahinter?

Die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung geht auf die 1990er Jahre zurück. Schon damals brachte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Konzept auf den Weg, bei dem die Hersteller für Produkte zuständig sind bis zum Lebensende – also bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung. Diese Bürde sollten nicht länger Verbraucher oder Staaten tragen müssen. Ausrangierte Rasierer, Bohrmaschinen, Computermäuse und so weiter einfach in den Restmüll zu werfen, ist schon seit 2006 verboten. In die Wertstofftonne gehört Elektroschrott übrigens auch nicht.

Bringt die Neuerung einen großen Schub für das Recycling?

Die Branche zweifelt. „Wir halten das Gesetz für unsinnig, weil wir glauben, dass es einen Zusatznutzen nur in homöopathischen Dosen bringt“, sagt der Chef des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, Christoph Wenk-Fischer. Denn nach wie vor nähmen ja auch die zumindest in größeren Städten oft nahen Recyclinghöfe Altgeräte an.

dpa

umweltschutz 22.Jul 2016

Immer mehr Verbraucher verzichten auf Plastiktüten

Seit einiger Zeit verlangen viele Geschäfte eine Gebühr für Plastiktüten. Eine Umfrage zeigt: Der Verbraucher kommt auch ohne die umweltschädlichen Kunststofftaschen aus.

Über Jahrzehnte gehörte sie zum Einkauf ganz selbstverständlich dazu: Die kostenlose Plastiktüte, mit der Kunden die neuerworbene Hose aus dem Kaufhaus, den aktuellen Roman aus dem Buchladen oder das Medikament aus der Apotheke bequem nach Hause tragen konnten. Doch das ist Vergangenheit.

Denn immer mehr Handelsunternehmen in Deutschland verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen eine Gebühr oder haben sie sogar ganz aus ihren Läden verbannt. Die Zahl der Handelsunternehmen, die sich verpflichtet haben, in Zukunft für die umweltschädlichen Tragetaschen Geld zu verlangen, erhöhte sich nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) allein in den vergangenen drei Monaten von 260 auf rund 350. „Da ist richtig Bewegung drin“, sagt Kai Falk, Sprecher des Einzelhandelsverbandes Deutschland (HDE), der Deutschen Presse-Agentur.

Der Handelsverband Textil (BTE) geht sogar davon aus, dass deutlich mehr Unternehmen bei der Aktion mitmachen als auf der offiziellen Liste des HDE auftauchen. Einigen Händlern seien die mit der Selbstverpflichtung verbundenen Meldeauflagen einfach zu groß, meint BTE-Sprecher Axel Augustin. Deshalb verzichteten sie auf die formelle Anmeldung.

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung will der Handel eine EU-Richtlinie umsetzen, wonach der jährliche Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 von zuletzt 71 auf höchstens 40 Tüten pro Kopf sinken soll. Die Vereinbarung war im April von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser unterzeichnet worden.

Die ersten Erfahrungen der Unternehmen zeigten, dass mit der Einführung einer Gebühr die Nachfrage nach Plastiktüten deutlich sinke, betont HDE-Sprecher Falk. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Reduzierungsziele erreichen.“

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter teilnehmenden Unternehmen scheint das zu bestätigen. Die Elektronikkette Saturn, die bereits 2015 die kostenlose Plastiktüte abschaffte, berichtet, der Tütenverbrauch sei danach um 90 Prozent zurückgegangen. „Die meisten Kunden verzichten komplett auf eine Tüte. Aber die Produkte sind bei uns in der Regel ja auch gut verpackt“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Der Textilhändler C&A berichtet von einer Halbierung der Zahl der ausgegebenen Tragetaschen nach der Einführung der Plastiktütengebühr. „Die Kunden bringen ihre Tragetaschen mit, und wir packen dann die Sachen dazu“, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Auch der Kaufhof betont, die Nachfrage nach Plastiktüten sei „merklich gesunken“, seitdem man im Mai begonnen habe, eine Gebühr von 10 bis 25 Cent pro Tüte zu kassieren.

Viele Apotheken haben inzwischen ebenfalls der Plastiktüte den Kampf angesagt. Nach einer Branchenumfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) haben bereits mehr als die Hälfte der Apotheken eine Gebühr eingeführt oder planen diesen Schritt. Doch unumstritten ist dieses Vorgehen in der Branche nicht. Jeder vierte Apotheker sei der Meinung, dass Plastiktüten wesentlich zur Diskretion beim Medikamentenkauf beitrügen und daher nicht kostenpflichtig sein sollten, heißt es in der Studie.

Wie man den Kampf gegen die umweltschädlichen Kunststofftaschen mit sozialem Engagement verbinden kann, zeigt unterdessen das Modehaus Baltz in Bochum. Das 1827 gegründete Unternehmen will den Erlös aus der Plastiktütengebühr nicht in die eigene Tasche stecken. Deshalb bittet es stattdessen um eine freiwillige Spende in Höhe von 20 Cent pro Plastiktüte. Der Erlös soll in diesem Jahr dem Deutschen Kinderschutzbund zugute kommen.

dpa

verbraucherschutz 21.Jul 2016

Linke fordern Mindestlaufzeit für Elektrogeräte

Ob Wackelkontakt oder lädierter Akku – Handys und andere Elektrogeräte gehen manchmal schneller kaputt als gedacht. Die Linksfraktion im Bundestag fordert nun eine Mindesthaltbarkeit für elektronische Geräte.

Einen Joghurt kann man laut Mindesthaltbarkeitsdatum noch nach Wochen bedenkenlos essen. Eine Tüte Zucker noch nach mehreren Jahren. Doch wie lange muss ein Handy halten? Verbraucherpolitiker der Linken wollen die Idee des Mindesthaltbarkeitsdatums nun auf Elektrogeräte übertragen. Für Waschmaschinen, Kühlschränke, Drucker oder Handys fordern sie eine sogenannte „Mindestnutzungszeit“: Der Verbraucher soll eine Garantie haben, wie lange ein Gerät mindestens funktionieren muss.

Ein Antrag, den die Linksfraktion vergangene Woche dem Bundestag vorgelegt hat, sieht vor, dass Kühlgeräte und Waschmaschinen mindestens fünf Jahre funktionieren müssen. Küchenmaschinen, Handys, Unterhaltungselektronik- und IT-Geräte sollen zumindest drei Jahre fehlerfrei laufen. Auch für Autos soll die Mindestnutzungszeit laut dem Antrag der Linken gelten: Fünf Jahre oder 100.000 Kilometer weit sollen Pkws mindestens fahren – davon ausgenommen sind Verschleißteile.


Smartphones und andere elektronische Geräte haben meist nur eine kurze Lebensdauer. Foto: picture alliance / Frank May

Dass die Lebensdauer von Elektrogeräten tatsächlich sinkt, zeigt eine im Februar vom Umweltbundesamt (UBA) vorgelegte Studie: Im Jahr 2004 mussten 3,5 Prozent der Haushaltsgroßgeräte wie Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke in den ersten fünf Jahren ersetzt werden. Im Jahr 2013 stieg der Anteil auf 8,3 Prozent. „Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. „Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima.“

Dagegen wollen Verbraucherpolitiker vorgehen. „Wir wollen längere garantierte Nutzungszeiten“, sagte Ralph Lenkert, Rechtsexperte der Linksfraktion, gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“. Schon vor drei Jahren wollten die Grünen mit einem ähnlichen Antrag im Bundestag die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen: Produkte sollten so gestaltet werden, dass sie möglichst lange halten und repariert werden können. Auch die SPD setzt sich für verbraucherfreundlichere Geräte ein: „Produkte müssen möglichst lange halten“, schreibt die SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski-Weiß in einer Stellungnahme.

Julia Huber

 

Parodie 21.Jul 2016

Amerikas Top-Klimaskeptiker gibt es jetzt als Actionfiguren

Sie leugnen den Klimawandel und finanzieren die Kohle- und Ölindustrie – mächtige US-amerikanische Klimaskeptiker werden als Spielzeug-Bösewichte parodiert. ​

Diese Berühmtheiten dürfen in keiner Actionfiguren-Sammlung fehlen: Politiker, Milliardäre und Konservative, die sich seit Jahren erfolgreich gegen wissenschaftliche Fakten zur Wehr setzen. Bösewichte, die garantiert nichts gegen den Klimawandel unternehmen. Wir dürfen vorstellen: Die „Climate Inaction Figures“. 

Entwickelt wurden die ironischen Spielzeugfiguren von den kreativen Köpfen Cabot Norton und Arturo Aranda aus den USA. Ihre Botschaft hinter den Figuren: „Sie tun nichts gegen den Klimawandel, aber du kannst selbst in Aktion treten.“ Sie haben die Figuren als Unikate in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der „National Geographics“-Serie „Years of Living Dangerously“ hergestellt. Die Serie weist in mehreren Dokumentationen auf die Gefahren durch den Klimawandel hin. Zusammen machen sie mit dem Projekt auch auf die amerikanische Kampagne Put a Price on it aufmerksam, die einen Kohlenstoffpreis zur Reduktion von Emissionen fordert.

In der „Climate-Inaction“-Kollektion sind diese Kandidaten zu finden:

Donald Trump

Die Donald-Trump-Figur mit Tweet-Weisheiten zum Klimawandel.  Foto: instagram.com / climateinaction

Der aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat seinen mächtigen Twitter-Vogel im Gepäck. Er sorgt auf der Social-Media-Plattform mit seinen übertriebenen Äußerungen immer wieder für Belustigung und Unglauben. Unter dem Account @realDonaldTrump hinterfragt er regelmäßig den Klimawandel: „Es schneit und gefriert in New York City. Was ist eigentlich aus der globalen Erwärmung geworden?“

Ted Cruz

Die Spielfigur von Senator Ted Cruz setzt auf die defensive Taktik.  Foto: instagram.com / climateinaction

Der Republikaner und Senator von Texas musste im Vorwahlkampf mächtig gegen Donald Trump einstecken. Immerhin ist er gut gegen Wissenschaftler gerüstet, die vor dem Klimawandel warnen: An seinem praktischen Anti-Wissenschafts-Schild prallen erwiesene Fakten einfach ab. Seinen Wahlkampf hatten Unternehmen aus dem Energiesektor der fossilen Brennstoffe mitfinanziert.

Sarah Palin

Die Sarah-Palin-Actionfigur und ihr Schwert: Ein riesiger Ölbohrer.  Foto: instagram.com / climateinaction

Die ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska kommt mit ihrer besten Waffe: dem Bohrkopf. Sarah Palin ist der Meinung, dass der Mensch das Klima nicht beeinflusst, daher ließ sie in ihrem Bundesstaat weiter kräftig nach Öl bohren. Die bekennende Waffenliebhaberin wurde weltweit bekannt als sie für das Amt der Vize-Präsidentin der Republikaner 2008 kandidierte. Ihr Wahlkampf-Slogan lautete damals: „Bohren, Baby, bohren!“ Palin ist zudem bekennende Unterstützerin von Donald Trump. Sie hat bereits angekündigt, sollte Donald Trump Präsident werden, wäre sie gerne seine Energieministerin. Auch einen Plan für ihre Amtszeit hat sie schon: „Wenn ich an der Spitze des Energieministeriums stünde, würde ich es abschaffen.“

Die Koch Brüder

Die zweiköpfige Figur der Koch Brüder kommt mit einer großen Truhe voll Gold, das sie mit Freude in fossile Brennstoffe investieren.  Foto: instagram.com / climateinaction

Super Mario Bros. war gestern – jetzt übernehmen die Koch Bros. die Heldenrolle. Münzen sammeln sie beide, aber die Gebrüder Charles G. und David H. Koch geben sie auch gerne wieder aus, um die anderen „Climate-Inaction“-Charaktere zu unterstützen. Sie fördern konservative Organisationen und Kampagnen, die die Daten zur globalen Erwärmung zu widerlegen versuchen. Das Politische Wirtschaftsforschungsinstitut in Massachusetts hat 2011 eine interessante Berechnung zu den Koch Brüdern gemacht: Nimmt man ihre eigene und alle ihre subventionierten Firmen zusammen, produzieren sie soviel Treibhausgas wie fünf Millionen Autos.

Weitere Anti-Helden gibt es im YouTube-Video des Projekts zu sehen, das im Stil einer echten Spielzeug-Werbung produziert wurde:

Anica Beuerbach

Titelbild: Screenshot Climate Inaction Figures Video

EU-Klimaziele 21.Jul 2016

Deutschland soll 38 Prozent seiner Treibhausgase einsparen

Die EU-Kommission hat einen Plan vorgelegt, wie die EU bis zum Jahr 2030 Treibhausgase reduzieren soll. Erstmals muss demnach jedes Land eigene Sparziele erreichen. 

Das Ziel steht schon seit zwei Jahren fest, der Weg dorthin war bislang unklar. Bis 2030 will die Europäische Union 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Das hatten die 28 EU-Staaten bereits im Oktober 2014 beschlossen. Wie das gehen soll, hat die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgestellt.

Der Vorschlag zielt auf die Bereiche Verkehr, Gebäude sowie Land- und Abfallwirtschaft, die rund 60 Prozent der Treibhausgase in der EU ausmachen. Insgesamt sollen die Emissionen in diesen Sektoren um 30 Prozent unter das Niveau von 2005 fallen. Die Bereiche Industrie und Strom fallen unter den Emissionshandel, zu dem die EU bereits im vergangenen Jahr Vorschläge für eine Reform unterbreitet hatte.

Der Brüsseler Vorschlag sieht nun erstmals verbindliche Sparziele für jeden einzelnen Mitgliedsstaat vor. Von Deutschland verlangt die EU-Kommission eine Senkung von 38 Prozent des Treibhausgasaustoßes. Nach Luxemburg und Schweden, die beide 40 Prozent ihrer Emissionen einsparen müssen, sowie Finnland und Dänemark, die ihren Ausstoß um 39 Prozent verringern sollen, hat Deutschland das vierthöchste Reduzierungsziel. Österreich soll seine Treibhausgase um 36 Prozent senken.

Andere Länder müssen sich dagegen weniger anstrengen. Von Rumänien verlangt die EU-Kommission nur zwei Prozent CO2-Einsparung, von Lettland nur sechs Prozent. Bulgarien kann mit einer Vorgabe von null Prozent so weiter machen wie bisher.

Bei den Sparzielen sei die unterschiedliche Wirtschaftskraft der EU-Länder berücksichtigt worden, teilte die EU-Kommission mit: „Das sorgt für Fairness, weil Mitgliedstaaten mit höheren Einkommen ehrgeizigere Ziele übernehmen als solche mit niedrigen Einkommen.“

Auch Großbritannien ist derzeit noch im Plan der EU-Kommission vorgesehen: Das Land soll seine Emissionen um 37 Prozent senken. Verlässt Großbritannien in Folge des Brexit-Referendums die EU, müssten womöglich andere Staaten den britischen Anteil schultern, sagten Experten gegenüber Spiegel Online. Wie das aussehen soll, sei aber noch unklar. 

Zwar müssen sich nun erst der Rat der EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament mit dem Plan auseinandersetzen, trotzdem werteten Umweltschützer ihn bereits als positives Zeichen. Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser sagte: „Endlich macht sich Europa auf den Weg zu den Pariser Klimazielen. Noch ist das von Brüssel empfohlene Tempo auf diesem Weg viel zu niedrig, aber dennoch wird klar: Die Bundesregierung kann sich nicht länger davor drücken, feste Leitplanken für den Klimaschutz bis 2030 zu installieren.“ 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission als „gute Grundlage für die anstehenden Verhandlungen“. Sie sagte weiter: „Europa macht ernst beim Klimaschutz. Nicht nur Deutschland, auch alle anderen EU-Staaten werden bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen deutlich senken. Zum ersten Mal werden auch die osteuropäischen Staaten ihre Emissionen verbindlich reduzieren.“

Julia Huber

Mikroplastik 20.Jul 2016

Trotz Selbst-Verpflichtung: Große Kosmetikfirmen verwenden Mikroplastik

Viele Kosmetikfirmen geben vor, auf Mikroplastik zu verzichten. Eine Greenpeace-Bewertung zeigt, dass die Selbstverpflichtungen meistens Schlupflöcher haben.

Winzige Plastikkügelchen – wenige Nanometer bis Millimeter klein – sorgen in Kosmetikprodukten für den Peelingeffekt, die richtige Konsistenz und die ansprechende Ästhetik: Das Mikroplastik steckt in Cremes, Zahnpasta, Duschgel und Lippenstiften. Doch durch unsre tägliche Hygiene landet es im Wasser und wird bis ins Meer gespült. Obwohl Mikroplastik der Umwelt schadet, ist es Kosmetikherstellern in Deutschland nicht verboten, die winzigen Plastikkügelchen in ihren Produkten zu verwenden. Die Bundesregierung setzt darauf, dass die Firmen in einer freiwilligen Selbstverpflichtung auf Mikroplastik verzichten. Greenpeace hat nun die 30 führenden Kosmetikfirmen anhand folgender Fragen bewertet: Gibt es eine Selbstverpflichtung? Ist sie transparent? Gilt sie weltweit für alle Produkte? Wann ist geplant, komplett auf Mikroplastik zu verzichten? Wie definiert die Firma Mikroplastik?

Auf Basis der Bewertung hat Greenpeace ein Ranking erstellt. 400 Punkte konnten maximal erreicht werden, aber keines der getesteten Unternehmen schaffte die volle Punktzahl. Den ersten Platz teilten sich die deutschen Firmen Beiersdorf (Produkte: Nivea, Eucerin) und Henkel (Schwarzkopf) mit Colgate-Palmolive und L Brands aus Amerika. Die Firmen betonen, dass sie ihre Produkte seit spätestens Anfang 2016 ohne Mikroplastik produzieren. Trotzdem erreichten sie in der Bewertung nur 340 von 400 Punkten. Einige Firmen beschränkten sich bei ihrer Selbstverpflichtung auf eine bestimmte Art von Produkten, wie Seifen oder Peelings – somit sind nicht all ihre Produkte mikroplastikfrei. Manche verzichten auf Plastikkügelchen aus Polyethylen – verwenden jedoch andere schädliche Plastikpolymere.

Winzige Plastikteilchen sorgen in Zahnpasta für extra weiße Zähne.  Foto: © Greenpeace / Georg Mayer

Procter & Gamble (P&G) war mit seinen Produkten wie Head & Shoulders, Herbal Essences, Oral-B und Pantene, die führende Kosmetikfirma im Jahr 2015. Im Ranking landete der Hersteller mit 280 Punkten nur im Mittelfeld, hinter L’Oréal mit 300 Punkten. Neben den bereits genannten Mängeln fehlten bei P&G zu dem eine klare Definition von der Größe der nicht verwendeten Plastikteilchen.

Weniger als die Hälfte der Punkte erreichte der britische Hersteller Glaxosmith-Kline, bekannt durch die Zahnpflege-Marken Dr. Best und Odol. Greenpeace bemängelte, dass das Unternehmen noch keine freiwillige Selbstverpflichtung habe. Es behauptet zwar, mikroplastikfrei zu produzieren, gibt jedoch nicht an welche Alternativen in ihren Produkten verwendet werden.

Schlusslicht bilden Éstee Lauder, Amway (Artistry) und Revlon. Den amerikanischen Kosmetikherstellern fehle es deutlich an Transparenz bezüglich ihrer Verwendung von Mikroplastik in ihren Produkten, so die Greenpeace-Bewertung.

Greenpeace kommt zum Schluss, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung kaum Wirkung zeigt. „Wenn die Industrie es alleine nicht schafft, dann muss die Umweltministerin den Einsatz von Mikroplastik verbieten“, fordert die Greenpeace-Expertin für Plastikverschmutzung, Sandra Schöttner.

Anica Beuerbach

Vatikan 20.Jul 2016

Der Aufsichtsrat der Vatikanbank fördert seit Jahren die Öl- und Gasindustrie

Während Papst Franziskus einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt predigt, unterstützt die Vatikanbank ihre Ausbeutung mit Milliarden.

Zwei Aufsichtsratsmitglieder der Vatikanbank sind in Geschäfte mit der Industrie für fossile Brennstoffe verwickelt. Einer von ihnen spendet für eine Organisation, die den Klimawandel leugnet. Der andere berät große Öl- und Gaskonzerne. Das ergaben Recherchen von Energydesk Greenpeace basierend auf Analysen des Medienunternehmens Bloomberg.

Erst letztes Jahr veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika „Laudato Si“. Darin äußerte er sich unter anderem gegen die profitorientierte Ausbeutung der Schöpfung Gottes. Er rief dazu auf, genügsam und fürsorglich mit der Umwelt umzugehen.

Papst Franziskus spricht sich für den Umweltschutz aus – hinter seinem Rücken fördert die Vatikanbank fossile Brennstoffe.  Foto: picture alliance/ZUMA Press

Sir Michael Hintze ist neben seinem Posten im Aufsichtsrat der Vatikanbank auch Hauptgeschäftsführer eines Hedgefonds auf den Cayman Inseln. In dem Fonds befinden sich Wertpapiere in Höhe von umgerechnet 1,5 Millionen Euro der großen Fracking-Konzerne Devon Energy und Anadarko Petroleum. 2012 veröffentlichte die britische Zeitung „The Guardian“ E-Mails, die zeigten, dass Hintze in die „Global Warming Policy“-Stiftung investiert. Diese steht dem Klimawandel skeptisch gegenüber. Auf die Enzyklika von Papst Franziskus reagierte die Stiftung empört.

Jean-Baptiste de Franssu, der Präsident des Aufsichtsrates, unterstützt, laut Energydesk, unter anderem den Carmignac Gestion Fonds. Der Fonds hält Wertpapiere von Öl- und Gasfirmen in Höhe von hunderten Millionen Euro. Darunter Anadarko Petroleum, Shell und Exxon Mobil.

Die Vatikanbank, Istituto per le Opere di Religione, ist ursprünglich zuständig für den Schutz und die Verwaltung des Vermögens des Heiligen Stuhls und ist somit der Katholischen Kirche untergestellt. Damit sollten auch die Interessen des Papstes vertreten werden, fordert 350.org. Die Umweltschutzorganisation setzt sich dafür ein, dass die Vatikanbank die Öl- und Gasindustrie nicht weiter finanziell unterstützt.

Schon in der Vergangenheit hatte die Vatikanbank für Skandale gesorgt: Unter anderem wurde ihnen Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Damals reagierte der Vatikan mit Neustrukturierungen und einem Gesetz gegen Geldwäsche. Zu den jüngsten Enthüllungen von Energydesk Greenpeace wollten weder der Aufsichtsrat noch die Vatikanbank Stellung beziehen.

Anica Beuerbach

Rana Plaza 19.Jul 2016

Der Besitzer der eingestürzten Fabrik in Bangladesch wird wegen Mordes angeklagt

1127 Menschen starben beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch. Nun müssen sich 38 Angeklagte für die Katastrophe verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe.

Die Textilfabrik Rana Plaza stand auf sumpfigem Untergrund. Acht Stockwerke türmte sich das Gebäude in die Höhe. Der Fabrikbesitzer, Sohel Rana, hatte immer wieder aufgestockt – illegal und offenbar ohne sich groß um Sicherheitsvorkehrungen zu scheren. Mehrere Textilfirmen, Geschäfte und eine Bank zogen in das Gebäude ein. Am 24. April 2013 gab Sohel Ranas wackelige Konstruktion aus Stahl und Beton nach. Innerhalb von 90 Sekunden stürzte seine Fabrik ein und begrub über 3000 Menschen in ihren Trümmern. 1127 Menschen starben, 2438 wurden verletzt. 

Nun, gut drei Jahre später, sind Sohel Rana und 37 andere Beteiligte wegen Mordes angeklagt worden. Auch gegen Ranas Eltern läuft die Klage, weil ihnen das Gebäude gemeinsam mit ihrem Sohn gehörte. Sollten die 38 Angeklagten verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe.


Zum dritten Jahrestag der Katastrophe gedenken Angehörige den getöteten Fabrikarbeitern. Foto: picture alliance/NurPhoto

Warum das Gericht in Bangladesch sie wegen Mordes und nicht wegen fahrlässiger Tötung anklagte, könnte daran liegen, dass die Schäden am Gebäude bereits bekannt waren. Am Vortag des Unfalls waren bereits Risse in der Fassade bemerkt worden. Die Polizei sperrte die Fabrik ab, doch die Betreiber mehrer Textilfirmen zwangen ihre Näherinnen und Näher, ihre Arbeit fortzusetzen. Nur deshalb befanden sich zum Einsturzzeitpunkt über 3000 Menschen im Gebäude.

Der Unfall warf ein Schlaglicht auf die Missstände einer ganzen Textilindustrie. Denn mindestens 28 westliche Unternehmen ließen in Rana Plaza ihre Kleidung nähen: Mango, KiK, C&A oder Adler Modemärkte – Firmen, die zusammen einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar erwirtschaften. Sie profitierten davon, dass es in Bangladesch Fabriken gibt, in denen Näher unter miserablen Arbeitsbedingungen arbeiten, für einen Mindestlohn von 28 Euro im Monat.

Nach der Katastrophe von Rana Plaza war es in Bangladesch zu großen Protesten gekommen. Hunderttausende Textilarbeiter gingen auf die Straße. Sie forderten die Hinrichtung derjenigen, die für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich waren. Auch deshalb seien Sohel Rana und die 37 anderen nun wegen Mordes angeklagt worden, sagte einer der Verteidiger, Masum Iqbal, „um die Öffentlichkeit zu beruhigen“. Seine Mandanten plädieren auf nicht schuldig. Sie sagen, dass sie den Tod der Fabrikarbeiter nicht gewollt hätten.

Julia Huber

Wissen, wie es besser geht: In unserer neuen Textilfibel erfahren Sie alles rund ums Thema Textilproduktion. Wir nehmen globale Zusammenhänge unter die Lupe, stellen Rücknahmekonzepte auf den Prüfstand und machen Öko-Siegel lesbar. 

Klimapolitik 19.Jul 2016

UN-Klimaschutz-Gesandte kritisiert die deutsche Energiepolitik

Gabriels Braunkohle-Prämie steht für die UN-Sondergesandte Mary Robinson klar im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen.

„Wir wollen, dass kein Land mehr fossile Brennstoffe unterstützt“, sagte Mary Robinson gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“. Als UN-Sondergesandte für Klimaschutz war sie an den Vorbereitungen zum Klimagipfel in Paris Dezember 2015 beteiligt. Zusammen mit „den Ältesten“, einer unabhängigen Gruppe von Staatsoberhäuptern, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen, veröffentlichte sie gestern eine Stellungnahme zu den Bemühungen der weltweiten Regierungen auf dem Weg zu den Klimazielen. Darin bemängelten sie vor allem das fehlende Engagement der Staaten, die für den Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich sind.

UN-Sondergesandte für Klimaschutz Mary Robinson.  Foto: Monusco / Flickr / CC BY-SA 2.0

„Deutschland hat gesagt, es sei auf einem guten Weg bis 2018 keine Kohlekraftwerke mehr zu fördern“, sagte Mary Robinson. „Stattdessen hat die deutsche Regierung neue Fördergelder für Kraftwerke eingeführt.“

Damit bezieht sie sich auf die Sonderprämie, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für den Reservebetrieb von Kohlekraftwerken eingeführt hat. Mit der Prämie werden Kraftwerksbetreiber finanziell unterstützt, wenn sie ihre Kohlemeiler als Absicherung der Stromversorgung einsatzbereit lassen. Erst nach vier Jahren sollen sie dann endgültig abgeschaltet werden. Ein Kompromiss zwischen Politik und Kohleindustrie, der von Umweltschützern heftig kritisiert wird.

Die Prämie für die Kohlekraftwerksbetreiber sei „keineswegs eine ‚Subvention‘ für Kohleverstromung, sondern im Gegenteil eine Kompensation für die Stilllegung von Braunkohle-Blöcken“, entgegnete das Bundesumweltministerium gegenüber der „Tageszeitung“ als Reaktion auf die Anschuldigungen der UN-Sondergesandten gegenüber der Zeitung taz.

In ihrem Schreiben fordern Mary Robinson und „die Ältesten“ auch, dass Regierungen weltweit einen Kohlenstoffpreis einführen. „Wir brauchen einen wirtschaftlichen Impuls, um die alten Modelle loszuwerden und uns in Richtung von umweltfreundlichen, nachhaltigen Investitionen zu bewegen: der Kohlenstoffpreis wäre so ein Impuls“, so Ernesto Zedillo, ehemaliger Präsident von Mexiko, gegenüber dem Guardian. Ein Kohlenstoffpreis könnte die Emissionen besonders bei kosteneffizienten Produktionen verringern und kohlenstoffarme Produktionen interessanter machen.

Anica Beuerbach

freihandelsabkommen 19.Jul 2016

Die Linksfraktion klagt gegen Ceta

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und Kanada verletze unter anderem das Demokratieprinzip, argumentieren die Linken.

Die Linksfraktion im Bundestag hat beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen das geplante Freihandelsabkommen Ceta eingelegt. Wie der stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzender Klaus Ernst mitteilte, verletze das Abkommen zwischen EU und Kanada das Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip.


Die Linksfraktion will Ceta stoppen. Foto: Foto: Paul Zinken/dpa

Die Linken begründen ihre Klage mit Verweis auf den sogenannten Investitionsschutz für Konzerne: Danach könnten Unternehmen Schiedsverfahren in die Wege leiten und damit Staaten auf Schadensersatz verklagen, wenn sie durch Gesetze ihre Geschäfte beeinträchtigt sehen. Außerdem üben die Linken Kritik an den in Ceta vorgesehenen Regulierungsausschüssen, in denen Vertreter der EU und Kanadas über Themen wie Arbeitnehmer- und Verbraucherschutz entscheiden sollen. Das bedeute eine eklatante Einschränkung der demokratischen Geltungsmacht.

„Da sich die Bundesregierung offensichtlich den Interessen international agierender Konzerne mehr verbunden fühlt als den Interessen der Bürgerinnen und Bürger, sehen wir uns gezwungen, den Klageweg einzuschlagen,“ sagte Ernst. Die Linken sind damit die einzige Partei im deutschen Bundestag, die gegen Ceta vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zieht. Zwar lehnen auch die Grünen das Freihandelsabkommen entschlossen ab, doch an einer Klage beteiligen sie sich nicht.

Das Abkommen zwischen Kanada und der EU ist bereits zu Ende verhandelt. Nun soll es vom Rat der 28 EU-Staaten gebilligt und vom Europaparlament verabschiedet werden. Auch die nationale Ebene soll am Ratifizierungsprozess beteiligt sein. Anfang Juli hatte die EU-Kommission verfügt, dass auch der Bundestag und die anderen nationalen Parlamente zu dem eruopäisch-kanadischen Handelsabkommen befragt werden. 

JH

Tiefsee 18.Jul 2016

Entdeckung in 6000 Metern Tiefe: Forscher finden einzigartige Meereswesen

Raumschiffförmige Quallen, tropfenköpfige Aale, schwarze Korallen – Forscher bringen Licht in den Marianengraben und finden bislang unentdeckte Tiefseetiere.

Tief im Pazifischen Ozean erstreckt sich ein riesiges Areal, das Wissenschaftler bisher kaum kennen: Der Marianengraben, die tiefste Stelle des Weltmeeres. Von dort gab es bisher nur wenige Aufnahmen. U-Boote tauchen meist nur einige hundert Meter nach unten. Selbst Wale gehen selten tiefer als tausend Meter. Doch wie Forscher nun herausgefunden haben, leben in 6000 Metern Tiefe jede Menge erstaunliche Lebewesen, viele wurden bisher noch nie gesehen.

Aktuell bringt ein Expeditionsschiff der US-amerikanischen „Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde“ (NOAA) Licht ins Dunkel des Grabens. Das Forscherteam benutzt spezielle Tiefseegeräte und ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug, um von der Wasseroberfläche aus das Meer in bis zu sechs Kilometern Tiefe erkunden zu können. Dort entdecken sie erstaunliches:

Schon 800 Meter unter der Meeresoberfläche stießen die Forscher auf diese raumschiffförmige Qualle, eine bisher unbekannte Art.


Eine Qualle, die in 800 Metern Tiefe aufgenommen wurde. Foto: NOAA Office of Ocean Exploration and Research, 2016 Deepwater Exploration of the Marianas.

„Es ist so spannend“, sagt die Forscherin Shirley Pomponi. „Wir entdecken jeden Tag Neues.“ Pomponi arbeitet für die „Harbor Branch Oceanographic Institution“, ein Forschungsinstitut in Florida.

Ein anderer interessanter Fund war diese Schnecke. Die Forscher gehen davon aus, dass sie entweder eine bisher noch nie gesehene, sehr seltene Schnecke ist oder sogar einer neuen Schneckenart angehört.


Eine rot-getigerte Schnecke, die die Wissenschaftler bisher nicht zuordnen konnten. Foto: NOAA Office of Ocean Exploration and Research, 2016 Deepwater Exploration of the Marianas.

Patricia Fryer von der University of Hawaii ist verblüfft von der Menge an Informationen, die im Rahmen der Expedition gesammelt werden können. Oft seien selbst die erfahrensten unter den Experten überfragt, um was es sich bei ihren Entdeckungen überhaupt handelt: „Wir sehen einen Fisch, der wie eine Kreuzung aus einem Aal und einem Eidechsenfisch aussieht“, erzählt Fryer. „Aber wenn wir dann das Bild vergrößern und genauer hinsehen, sagen wir oft: ‚Nö, das sieht keinem der Tiere ähnlich, die wir kennen.’“


Ein Aal mit einem tropfeförmigen Kopf. Foto: NOAA Office of Ocean Exploration and Research, 2016 Deepwater Exploration of the Marianas.

Die Tauchgänge der NOAA-Expedition werden zum Teil per Livestream ins Internet übertragen, bis zu 40.000 Menschen sehen zu, wenn die Forscher neue Entdeckungen machen. Gleichzeitig unterstützen Kollegen auf diesem Weg die Wissenschaftler mit ihrem Fachwissen.


Ein pink fluoreszierender Eichelwurm. Foto: NOAA Office of Ocean Exploration and Research, 2016 Deepwater Exploration of the Marianas.

Trotz des Aufgebots an Forschern und Experten – manchmal gab es während der Expedition auch Momente, „in denen die gesamte Wissenschaftsparty verdutzt schwieg, weil niemand eine Ahnung hatte, was wir da gerade vor uns sahen“, schreibt Diva Amon von der University of Hawaii in einem Blogeintrag.


Obwohl sie auf diesem Bild gräulich aussieht, ist dies eine ungewöhnliche schwarze Tiefseekoralle. Foto: NOAA Office of Ocean Exploration and Research, 2016 Deepwater Exploration of the Marianas.

„90 Prozent dessen, was wir in der Tiefe sehen konnten, ist noch nie zuvor beobachtet worden“, sagt die Wissenschaftlerin Pomponi. Sie und ihre Kollegen versprechen sich von diesen Entdeckungen wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft.

Julia Huber

Milchkrise 18.Jul 2016

Minister Schmidts Lösung der Milchkrise darf nicht Milchquote heißen

Bundesagrarminister Schmidt will die Milchkrise lösen, indem er die Landwirte zu „Mengendisziplin“ anhält – eine „Milchquote“ wird das Instrument aber nicht genannt.

Seit Monaten spitzt sich die Milchkrise immer weiter zu. In Brüssel ringen die EU-Agrarminister um eine Lösung. Nun scheinen sie eine gefunden zu haben: Wie Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) heute Morgen ankündigte, werden deutsche Milchbauern 58 Millionen Euro Hilfsgelder erhalten – unter einer Bedingung: Die Auszahlung des Geldes werde an eine „Mengendisziplin“ gekoppelt sein. Sprich: Wenn die Landwirte Hilfe erhalten wollen, müssen sie sich dazu verpflichten, nur eine bestimmte Menge an Milch zu produzieren.

Schmidt hatte den Vorschlag zusammen mit seinen französischen und polnischen Kollegen vorgeschlagen und verkündete: „Heute ist ein guter Tag für die europäische und die deutsche Landwirtschaft.“ Nicht erwähnt wurde hingegen, dass die EU erst vergangenes Jahr ein – wenn man es so nennen will – Instrument zur Erreichung von „Mengendisziplin“ abgeschafft hat: Die EU-Milchquote. Diese hatte über 30 Jahre lang geregelt, welche Milchmenge von Landwirten in der EU produziert werden durfte. Sie wurde in erster Linie deshalb abgeschafft, weil sie nicht dazu führte, dass der Milchpreis stabil blieb.

JH

USA-Präsidentschaftswahl 18.Jul 2016

Donald Trump macht Klimaskeptiker zu seinem Vize-Kandidaten

„Die globale Erwärmung ist ein Mythos“, behauptet Mike Pence, den Donald Trump zu seinem Stellvertreter erklärt hat. Beim Parteitag der Republikaner sollen die beiden offiziell als Kandidaten-Team nominiert werden.

„Mike Pence!“, verkündete Donald Trump feierlich, „Ein Mann, von dem ich ausgehe, dass er der nächste Vize-Präsident der USA sein wird.“ Mit diesen Worten gab der US-amerikanische Multimillionär Trump am Samstag seinen Vize-Kandidaten bekannt. Er lobte Mike Pence als „soliden Menschen“, „Freund“ und als „Führungsperson, die unsere Gesellschaft sicherer machen wird“.

Es gäbe noch ein paar Beschreibungen, die man dieser Aufzählung hinzufügen könnte: Abtreibungsgegner zum Beispiel, Kreationist und Leugner des Klimawandels. Pence ist seit drei Jahren Gouverneur des Bundesstaats Indiana und macht kein Geheimnis daraus, dass er wissenschaftlichen Erkenntnissen misstraut.

„Die globale Erwärmung ist ein Mythos“, schrieb er schon im Jahr 2000, als er sich um einen Sitz im Repräsentantenhaus bewarb. Und weiter: „Der Weltklimavertrag ist eine Katastrophe.“ Damals war das Kyoto-Protokoll gerade verabschiedet worden. In den USA wurde das Protokoll aber nie in nationales Recht umgesetzt, weil der Kongress sich quer stellte.



Sowohl Trump (r.) als auch sein Vize Pence vertreten krude Thesen zum Klimawandel und wollen auf fossile Energien setzen. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Den zunehmenden Kohlendioxidausstoß hält Pence für ein natürliches Phänomen. Umweltschützer würden zu Unrecht behaupten, CO2 verschmutze die Atmosphäre und erwärme die Erde, so der Gouverneur. Es sei falsch, die Kohleindustrie für Klimaveränderungen verantwortlich zu machen. Als Präsident Obama im Jahr 2015 seinen „Clean Power Plan“ vorstellte, mit dem Kohlendioxid-Emissionen reduziert werden sollten, stemmte Pence sich dagegen. „Indiana ist ein stolzer Pro-Kohle-Staat“, brüstete Pence sich. Sein Bundesstaat geht nun gerichtlich gegen den Clean Power Plan vor.

„Die Theorie der Erderwärmung ist genau das – eine Theorie“, sagte Pence. Dass er der kritisch gegenübersteht, zeigt auch seine Arbeit im Kongress: In den Jahren 2001 bis 2013 stimmte Pence 201 Mal gegen Umweltschutzanliegen, nur 18 Mal stimmte er dafür.

Beim heutigen Parteitag der Republikaner soll Donald Trump nun offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ernannt werden. Sollten Trump und sein Vize Pence tatsächlich ins Weiße Haus einziehen, haben die beiden schon eine umweltpolitische Strategie. „America first“, heißt Trumps Energie-Plan: Anstatt gegen die Erderwärmung anzugehen, will Trump sich zurück auf fossile Brennstoffe besinnen und Umweltvorschriften lockern. So versprach Trump bereits im Vorwahlkampf: „Wir werden die Kohle retten.“ Sollte dieses Duo im November gewählt werden, stehen die internationalen Klimaziele wohl ein weiteres Mal auf der Kippe.

Julia Huber

freihandelsabkommen 15.Jul 2016

Nach dem Ende der jüngsten Verhandlungen deutet alles darauf hin, dass TTIP scheitert

Auch am letzten Tag der 14. Verhandlungsrunde um das umstrittene Freihandelsabkommen bleiben große Einigungen aus. Die SPD scheint TTIP schon beerdigt zu haben.

Der 14. Akt im Drama um das transatlantische Handelsabkommen TTIP geht heute zu Ende: Die Unterhändler von USA und EU schließen eine weitere Verhandlungsrunde ab, doch der große Durchbruch ist ihnen auch dieses Mal nicht gelungen.

Immerhin veröffentlichte die EU einige Dokumente, die signalisieren sollten, welche Fortschritte in den nun schon drei Jahre andauernden Verhandlungen gemacht wurden. Das TTIP-Abkommen soll 24 Kapitel enthalten und in die drei großen Abschnitte „Marktzugang, regulatorische Zusammenarbeit und Regeln“ aufgeteilt sein.

Die größten Baustellen in den Verhandlungen bleiben aber bestehen. Bei Themen wie dem Investitionsschutz, Arbeits- und Umweltstandards sowie dem Zugang zu öffentlichen Aufträgen konnten die Unterhändler sich weiterhin nicht einigen. Die USA hätten sich keinen Millimeter auf die EU zubewegt, kritisierte Bernd Lange, Chef des Handelsausschusses im Europaparlament.

Stattdessen kam noch ein weiterer Streitpunkt hinzu: Der Klimaschutz. Die Europäer fordern, dass die Vereinbarungen der Pariser Klimakonferenz im TTIP-Abkommen festgehalten werden. „Wir wollen den Klimaschutz in TTIP integrieren, nicht nur benennen“, sagte Lange. Doch die USA wollten den Vorschlag gar nicht erst diskutieren.


Aktivisten fordern vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel das Ende der TTIP-Gespräche. Foto: picture alliance / dpa

Während die USA und die EU in Brüssel um elementare Fragen ringen, läuft ihnen die Zeit davon. „Mit Obama kann es kein Abkommen mehr geben“, sagte Bernd Lange gegenüber der taz. Obama scheidet im November aus seinem Amt als US-Präsident. Bis dahin werde man sich nicht mehr auf ein Freihandelsabkommen einigen. Anschließend müsse mit der kommenden US-Administration neu verhandelt werden.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der sich einst für TTIP stark gemacht hatte, sagte, er habe schon seit Wochen nicht den Eindruck, dass es „auf konkrete Nachfrage bei den Amerikanern wirklich Bewegung gibt“. Er beschwerte sich darüber, dass die Verhandlungen keine Erfolge zeigten: „Wenn sie nicht vorankommen, dann, finde ich, muss man es irgendwann auch mal offen sagen.“

Mit seiner Kritik fand er Unterstützung in der SPD, die sowieso in großen Teilen gegen das Abkommen gewesen war. „TTIP ist faktisch tot“, sagte Dirk Wiese, TTIP-Berichterstatter für die SPD-Bundestagsfraktion. Zuvor hatte schon Norbert Römer, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Düsseldorfer Landtag, das Freihandelsabkommen für gescheitert erklärt. Er bezeichnete TTIP als „totes Pferd“.

Nun, da die SPD sich für einen Abbruch des Freihandelsabkommens bekannte, bleibt die CDU/CSU die einzige Partei im Bundestag, die TTIP in dieser Form befürwortet. CDU-Politiker Norbert Röttgen übte deshalb harsche Kritik an Gabriel und seiner SPD.  „TTIP für tot zu erklären bedeutet nichts anderes als die politische Kapitulation, die Globalisierung nach westlichen Vorstellungen gestalten zu wollen“, sagte er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Und weiter: „Wer das aus reinen wahltaktischen Gründen erklärt, zeigt an, keine Kraft mehr für die Anstrengungen des Regierens zu haben.“

Julia Huber

energiewirtschaft 09.Mär 2016

Milliarden-Verluste: Die Energieriesen kommen immer mehr ins Straucheln

Die Bilanzen der Energieriesen lesen sich schlecht, ausbleibende Dividende reißen riesige Löcher in die Haushaltskassen zahlreicher Kommunen im Ruhrgebiet – die Debatte um einen gerechten Ausstieg aus Atom- und fossiler Energie hat gerade erst begonnen.

2015 verbuchte der größte Energiekonzern Deutschlands Eon einen Verlust von knapp sieben Milliarden Euro. RWE legte mit seinem Geschäftsbericht gestern einen Verlust von 170 Millionen Euro offen. Die Strategien im Umgang mit dem Niedergang von Teilen ihres Kerngeschäftes ähnelt sich bei den zwei größten Deutschen Stromanbietern: Eon wickelt das Gas- und Kohlegeschäft seit neuestem über die Tochtergesellschaft Uniper ab und will sich unter dem alten Namen neu erfinden; RWE verkündete gestern, das Geschäft mit der Ökoenergie ab April 2016 abzuspalten und der grünen Sparte einen neuen Namen zu geben –  das soll gegen die Abschreibungen auf Kraftwerke in Milliardenhöhe und die trüben Geschäftsaussichten helfen.

Fossile Energien, wie hier im Tagebau Welzow-Sued, im Dämmerzustand – wie wird der Ausstieg gestaltet werden? Foto: picture alliance / zb

RWE will den Abstieg außerdem mit massiven Sparmaßnahmen bekämpfen: Bis 2018 sollen die Kosten um weitere 500 Millionen Euro gesenkt werden, die Stammaktionäre werden keine Dividende für das Geschäftsjahr 2015 erhalten. Für viele Kommunen ist das ein großes Problem: 25 Prozent der RWE-Eigner sind Kommunen, die meisten davon im Ruhrgebiet. Die ausbleibenden Dividenden reißen ein riesiges Loch in die Stadtkassen. In Essen fehlen 18 Millionen Euro, in Mühlheim 7,2 Millionen Euro, Bochum entgehen 4 Millionen Euro. „Der Vorschlag eines Dividendenausfalls für die RWE-Stammaktien ist für uns eine böse Überraschung“, sagt Uwe Bonan, Kämmerer der Stadt Mühlheim. „Nach Bekanntgabe habe ich auf den Kalender geschaut, ob eventuell schon der 1. April ist!“ Auch der Stadtkämmerer von Essen zeigte sich schockiert: „Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume“, sagt er, das nächste Aufeinandertreffen mit dem RWE-Aufsichtsrat werde „kein gemütliches Kaffeetrinken“.  

Für die Kommunen sei die aktuelle Lage zwar sehr bitter, aber auch seit Langem absehbar gewesen, erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace nach Bekanntwerden der Sparmaßnahme. Sie rät ihnen, ihre RWE-Anteile so bald wie möglich zu verkaufen – nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen: „Mit dem Kohlekonzern RWE ist kein Geld mehr zu verdienen", sagte ein Sprecher. Das müssten die Kommunen nun schmerzhaft lernen.

Julia Lauter