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Greenpeace Magazin Ausgabe 3.17

Schlauer Bauer

Obwohl er als Kind nur drei Jahre lang die Schule besucht hat, schaffte es der chinesische Landwirt Wang Enlin, sich selbst juristisches Handwerkszeug beizubringen. Sein Entschluss fiel im Jahr 2001, nachdem die Chemiefabrik der staatlichen Qihua-Gruppe die Felder seines Dorfes Yushutun im Nordosten Chinas mit giftigen Abwässern geflutet hatte. Die Behörden sagten ihm damals, er müsse den Umweltschaden beweisen. Wang machte sich an die Arbeit: Weil er kein Geld hatte, um sich Bücher zu kaufen, studierte er in jeder freien Minute im örtlichen Buchladen mithilfe eines Lexikons Gesetzestexte und schrieb wichtige Passagen ab. Dem Buchhändler brachte er im Gegenzug ab und zu einen Sack Mais mit. 16 Jahre vergingen bis die Klage des inzwischen 65-Jährigen endlich vor Gericht verhandelt wurde. Eine auf Umweltfälle spezialisierte Anwaltskanzlei unterstützte den Landwirt bei seiner Klage – gemeinsam gewannen sie den Prozess. Aufgrund der von Wang gesammelten Beweise wurde der Konzern tatsächlich zu umgerechnet 110.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Zwar ging der Konzern in Berufung, aber Wang ist zuversichtlich, auch in zweiter Instanz zu gewinnen.