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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.17

Schweizer Taktgefühl

Was die Eidgenossen besser machen: Der Alpenverkehr in Zahlen

Die Lage:
1200 Kilometer Stein und Eis, auch Alpen genannt, trennen wie eine gewaltige Zollschranke Italien vom Rest Europas. Der Transitverkehr von Nord nach Süd, teils auch von West nach Ost, konzentriert sich auf wenige Täler, Pässe und Tunnel.

9,8 Millionen Lkws passierten 2014 die elf wichtigsten Alpenübergänge, rund 40.000 pro Werktag. Aneinandergereiht würden sie sich von München nach Genua stauen – jeden Tag.

3x höher als im Schweizer Mittelland ist die von jedem Fahrzeug verursachte Schadstoffkonzentration in engen Tälern. Dieser „Alpenfaktor“ entsteht, weil die Berge Luftmassen, genau wie Lärm, länger festhalten.

Zug um Zug: Alle 30 Minuten treffen sich die Züge in der Schweiz an Knotenpunkten, um die Umsteigezeiten möglichst kurz zu halten. Selbst „Postautos“, die auch abgelegene Bergdörfer anfahren, sind an den Taktfahrplan gekoppelt.

17,2 Prozent ihrer Wege legten die Schweizer 2012 mit dem Zug zurück – das ist mit Abstand Europarekord (Deutschland: 9 Prozent). 444.000 Schweizer besitzen ein General-Abo, mit dem sie unbegrenzt Bus und Bahn fahren können.

383 Euro pro Kopf investierte die Schweiz 2015 in die Schieneninfrastruktur, 40 Prozent mehr als in Straßen.
In Österreich waren es im gleichen Jahr 192, in Deutschland nur 56 Euro.

Die Volksinitiative:
Der „Schutz der Alpen vor dem Transitverkehr“ ist in der Schweiz Teil der Verfassung.

Denn 52 Prozent der Schweizer stimmten 1994 für die „Alpen-Initiative“. Sie verpflichtet den Bund, den Transitverkehr auf ein Maß zu begrenzen, „das für Menschen, Tiere und Pflanzen sowie ihre Lebensräume nicht schädlich ist“. Gütertransporte sollen auf die Schiene verlagert, zusätzliche Transitstraßen nicht mehr gebaut werden.

Schweizer Käse:
51 Bahntunnel von mehr als zwei Kilometern Länge gibt es in der Schweiz. Mit insgesamt 358 Kilometern würden sie von West nach Ost durchs ganze Land reichen.

Mit 57,1 Kilometern – das entspricht der Strecke von Köln nach Duisburg – ist der jüngst eröffnete Gotthard-Basistunnel der längste der Welt. Unter bis zu 2300 Metern Fels sollen täglich 260 Güter- und 65 Personenzüge hindurchrollen.

Höchstens 650.000 Lkws sollen die Schweiz im Jahr 2018, zwei Jahre nach Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, noch passieren. Derzeit sind es noch 1,2 Millionen. Die Regierung erwartet, dass das Ziel nicht erreicht wird.

Die Nachzügler:
Bis 2035 droht sich der Bau der Rheinstrecke zur Gotthard-Anbindung nach Norden hinzuziehen. Dabei hatte Deutschland ihn bereits 1995 per Staatsvertrag zugesichert.