Mi, 2017-08-23 16:54Johannesburg (dpa)

Auftakt der Bieterschlacht um Rhinozeros-Horn in Südafrika Von Ralf E. Krüger, dpa

Bei einer Auktion in Südafrika prallen zwei gegensätzliche Welten aufeinander. Der weltgrößte Nashorn-Züchter sagt, er sichere das Überleben der Dickhäuter durch den Verkauf ihres Hornes. Tierschützer dagegen glauben das genaue Gegenteil und reagieren mit Empörung.

Johannesburg (dpa) - Erstmals seit Jahren werden in Südafrika wieder legal Rhinozeros-Hörner zum Kauf angeboten. Eine international umstrittene, dreitägige Online-Auktion von 264 Hörnern begann nach vorangegangenem, langen Rechtsstreit am Mittwoch in Pretoria.

Die Hörner gehören einem der weltgrößten privaten Rhinozeros-Züchter und sind nur für den heimischen Markt bestimmt. John Hume will mit dem Erlös die Kosten für Hege und Pflege der ihm gehörenden rund 1500 Dickhäuter decken und sagt, dass er mit dem Angebot die Nachfrage zumindest teilweise befriedigen und somit das Überleben der Dickhäuter sichern könne. Seine Logik: Wenn es Horn privat aufgezogener Tiere gibt, denen es zum Selbstschutz abgeschnitten wurde, dann wird weniger gewildert.

Seit rund fünf Jahren liegt die Zahl der gewilderten Dickhäuter Tierschützern zufolge über der 1000er-Marke - auch in diesem Jahr wird das befürchtet. Allein in den ersten sieben Monaten wurden in Südafrika bereits 529 Rhinozerosse wegen ihrer Hörner getötet, 2016 waren es 1054. In den Nationalparks herrscht regelrechter Krieg ums Horn. Erst am Freitag gab es im Krüger-Nationalpark einen Toten, als dort Ranger einen mutmaßlichen Wilderer erschossen. Vier andere Verdächtige entgingen ihnen in der Nähe des Flusses Sabie.

Tierschützer sehen die Auktion dagegen in einem völlig anderen Licht. «Der Verkauf von Nashorn ist gegen alle Regeln der Vernunft und absolut verantwortungslos», wetterte am Mittwoch Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife zum Start der Auktion. Denn der internationale Handel ist nach wie vor streng verboten - doch welchen Sinn macht das Horn in Südafrika, wenn es in China und Vietnam begehrter als Gold ist? Sie weist zudem darauf hin, dass die Homepage für die Auktion neben Englisch auch eine Version in Chinesisch und Vietnamesisch bietet und vermutet, dass der Schmuggel aus dem Kap-Staat billigend in Kauf genommen wird.

«Die Nachfrage nach Horn in China, Vietnam und anderen asiatischen Ländern ist so groß, dass es rein rechnerisch gar nicht möglich wäre, genug Horn zu produzieren», sagt Freyer, die Züchter Hume der Profitgier verdächtigt und meint: «Solche Aktionen heizen die Nachfrage und damit die Wilderei sogar noch weiter an.»

Am Montag wird nach Angaben von Züchter-Anwalt Izhak du Toit das Ergebnis der dreitägigen Versteigerung verkündet werden. Obwohl er keine konkreten Angaben zur Zahl der Bieter machen wollte, sind nach südafrikanischen Medienberichten «mehrere tausend» Interessenten registriert. Der Züchter bietet immerhin eine halbe Tonne der ihm gehörenden sechs Tonnen Horn.

Es ist die erste legale Auktion solcher Hörner seit einem 2009 erlassenen Bann des heimischen Handels mit Rhinozeros-Horn in Südafrika. Auf Antrag des Züchters hatte das Verfassungsgericht im April diesen Handel zugelassen. International ist der Handel mit dem Horn der vom Aussterben bedrohten Tiere allerdings bereits seit rund vier Jahrzehnten verboten - auch wenn der Schwarzmarkt weiter floriert. Denn das Horn der Tiere gilt in Asien als Potenz- und Heilmittel und macht es damit wertvoll, obwohl sein medizinischer Nutzen unbewiesen ist. Auf 50 000 Euro wird der Schwarzmarktpreis für ein Kilo Nashornpulver geschätzt. Das Horn besteht überwiegend aus Keratin - dem gleichen Stoff, der auch in menschlichen Haaren und Fingernägeln vorkommt.

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Mi, 2017-08-23 16:42Warschau (dpa)

Polen gibt im Flüchtlingsstreit mit Brüssel nicht nach

Warschau (dpa) - Polen lehnt die Umverteilung von Flüchtlingen in der EU weiter strikt ab. «Die Lösung ist falsch und bedroht die Sicherheit», hieß es in einer am Dienstag vom Innenministerium in Warschau veröffentlichten Antwort an die EU-Kommission. Wegen mangelnder Teilnahme an der EU-Umverteilung von Flüchtlingen hatte die Kommission im Juni Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn, Polen und Tschechien eröffnet. Sie können nach einem längeren Verfahren in einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und in Geldstrafen münden. Auch Ungarn und Tschechien hatten nach Einleitung der Brüsseler Verfahren Widerstand angekündigt.

Polens Regierung sieht sich bei ihrer Abwehrhaltung, die sie mit Sicherheitsbedenken begründet, im Recht. Die nationale Sicherheit liege in der alleinigen Verantwortung eines jeden Mitgliedstaates, wurde Innenminister Mariusz Blaszczak in der Mitteilung zitiert. «Paris, Stockholm, Brüssel, Berlin, Manchester, Barcelona. Wie viele weitere europäische Städte müssen Terroristen angreifen, damit die Europäische Union aufwacht?», sagte Blaszczak weiter.

Die EU-Staaten hatten im September 2015 gegen den Widerstand der Slowakei, Ungarns, Tschechiens und Rumäniens die Umverteilung von bis zu 120 000 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland beschlossen. Ein zweiter Beschluss zur Umverteilung weiterer Flüchtlinge ist unumstritten - aus beiden ergibt sich eine Gesamtzahl von bis zu 160 000 Menschen.

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Mi, 2017-08-23 16:37Berlin (dpa)

Stickoxid-Grenzwerte drinnen höher als draußen - Warum das?

Berlin (dpa) - Stickoxide sind schlecht für Gesundheit und Natur - darum gibt es einen EU-weiten Grenzwert: Im Jahresmittel darf die Belastung im Freien nicht über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Immer wieder taucht die Frage auf, warum dann der Grenzwert für manche Arbeitsplätze in Deutschland bei 950 Mikrogramm liegt, also um ein Vielfaches höher. Ist der Außen-Grenzwert übertrieben niedrig oder der Arbeitsplatz-Grenzwert viel zu hoch?

Im öffentlichen Raum halte sich jeder auf, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch, «also auch zum Beispiel Kleinkinder oder gesundheitlich vorbelastete Menschen.» Umweltbundesamt-Chefin Maria Krautzberger betonte, dass der Außen-Grenzwert von 40 Mikrogramm ein Ergebnis langjähriger Untersuchungen sein, die auch sensible Gruppen wie Ältere und Schwangere mit einbeziehe. «Man darf es auf keinen Fall vergleichen, das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte.»

Das Umweltbundesamt erläutert es auf seiner Homepage genauer: Arbeitsplatzgrenzwerte (Ableitung aus der Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration, MAK) gelten demnach nur für Arbeitende an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, für gesunde Arbeitende, acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden pro Woche. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die berufsbedingt Schadstoffen ausgesetzt sind, würden zusätzlich arbeitsmedizinisch betreut.

Für Büros und private Räume gelten laut UBA noch einmal andere Werte, nämlich der sogenannte «Richtwert II» in der Innenraumluft von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter im Wochenmittel, er kommt noch aus den 1990er Jahren. «Diese höhere Konzentration kann, besonders für empfindliche Personen bei Daueraufenthalt in den Räumen, eine gesundheitliche Gefährdung sein», schreibt die Behörde. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte AIR strebe daher die Aktualisierung der Bewertung für den Stickoxid-Wert im Innenraum an.

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Mi, 2017-08-23 16:26Salzburg (dpa)

Macron will mit Österreich gegen Lohndumping in der EU vorgehen

Salzburg (dpa) - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will gemeinsam mit Österreichs Kanzler Christian Kern gegen Sozialdumping in der EU vorgehen. «Für die gleiche Arbeit soll der gleiche Lohn gezahlt werden», sagte Macron am Mittwoch in Salzburg. Die beiden Politiker setzen sich dafür ein, dass dieselbe Tätigkeit an ein- und demselben Ort finanziell gleich entlohnt werden muss. Das sieht auch ein aktueller Entwurf der EU-Kommission vor. Alles andere sei ein «Verrat am Geiste Europas», so Macron. Die Freizügigkeit in der EU sei nicht geschaffen worden, um jenen mit den niedrigsten Standards zu helfen.

Die sogenannte Entsenderichtlinie ermöglicht es, dass Unternehmen Mitarbeiter für begrenzte Zeit in ein anderes EU-Land schicken, um dort zu arbeiten. Sie müssen mindestens den dort geltenden Mindestlohn verdienen, behalten aber sonst ihren Arbeitsvertrag und zahlen Sozialversicherungsbeiträge weiter im Herkunftsland. Sie können so deutlich schlechter bezahlt werden als Arbeiter ihres Gastlandes. Besonders das Baugewerbe ist betroffen.

Paris fordert strengere Regeln, um Missbrauch zu verhindern. Österreichs Kanzler Kern warnte, dass Europa ohne Reformen in einen neuen und einen alten Teil gespalten werden könnte. Vor allem in östlichen EU-Staaten wird die geplante Neuregelung auf EU-Ebene als eine Gefahr für heimische Unternehmen gesehen.

Für den späten Nachmittag war ein Treffen der beiden Regierungschefs mit dem tschechischen Ministerpräsident Bohuslav Sobotka und seinem slowakischen Amtskollegen Robert Fico zu dem Thema geplant.

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Mi, 2017-08-23 16:07Berlin (dpa)

Merkel ruft Autobauer zu mehr Engagement bei neuen Antrieben auf

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Autobauer angesichts des Diesel-Skandals zu einem offensiveren Engagement für neue, saubere Antriebsarten aufgerufen. Verbrennungsmotoren mit Diesel oder Benzin würden noch «eine ganze Weile» gebraucht, sagte Merkel am Mittwoch bei einer «Handelsblatt»-Veranstaltung in Berlin. Sie wünsche sich zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt aber auch eine Industrie, die sage: «Wir sind auch bereit, uns all den Neuerungen alternativer Antriebstechnologien zu stellen - und zwar mit aller Kraft und allem Mut.»

In der Aufklärung sei «noch einiges zu tun», sagte Merkel mit Blick auf auffällige Diesel-Abgaswerte. Ziel müsse eine klare Ansage auch an die Autofahrer sein: «Fehler sind gemacht, aber sie sind auch aufgearbeitet.» Die Kanzlerin mahnte die Unternehmen, bei Abgastests Spielräume nicht bis zum Letzten auszunutzen. Die Branche sei in einer sensiblen Situation. Wenn eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft eine Schwäche erleide, würde dies noch andere Probleme zur Folge haben. Eine starke Autoindustrie sei «im deutschen Interesse».

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Mi, 2017-08-23 16:06München (dpa) 

Siemens dementiert Aus für Gasturbinenwerk Berlin

München (dpa) - Siemens hat Spekulationen über eine Schließung seines Gasturbinenwerks in Berlin scharf zurückgewiesen. Solche Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wegen des niedrigen Öl- und Gaspreises halten sich die Energiekonzerne mit Investitionen zurück, bei Gasturbinen gibt es Überkapazitäten und einen harten Preiskampf. Vorstandschef Joe Kaeser hatte deshalb vor drei Wochen weitere Anpassungen im Kraftwerksgeschäft angekündigt.

Es sei aber zu früh, über Art und Umfang möglicher Anpassungen zu spekulieren, sagte der Siemens-Sprecher. Gespräche mit Arbeitnehmervertretern liefen. Im Berliner Gasturbinenwerk beschäftigt Siemens 3700 Mitarbeiter.

Der Berliner IG-Metall-Chef Klaus Abel sagte, nach der bereits erfolgten Straffung der Produktionsabläufe wären neue Stellenstreichungen unverständlich: «Einem weiteren Personalabbau würden wir entschiedenen Widerstand entgegensetzen.»

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Mi, 2017-08-23 16:03Riga (dpa)

Steinmeier fordert klares Bekenntnis zu europäischen Werten

Riga (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat von allen EU-Mitgliedern ein klares Bekenntnis zu den europäischen Werten gefordert. In einigen europäischen Staaten gebe es «besorgniserregende Entwicklungen», sagte er am Mittwoch in der lettischen Hauptstadt Riga, ohne jedoch Länder beim Namen zu nennen. Umstritten sind vor allem EU-Staaten wie Ungarn und Polen.

«Wir ringen im Moment darum, dass diese gemeinsamen Werte auch wirklich von allen europäischen Mitgliedsstaaten anerkannt sind», sagte er. Nun gehe es darum, die Gespräche mit diesen Ländern nicht abzubrechen, sondern sie zu intensivieren, um die Gräben nicht noch tiefer werden zu lassen.

Steinmeier zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass die Europäische Union auf dem richtigen Weg zur Überwindung ihrer Krise sei. «Nicht große Reden, nicht institutionelle Reformen» seien entscheidend, sondern Belege, die der Bevölkerung zeigten, dass die EU nach wie vor von Vorteil für sie sei.

Der lettische Staatspräsident Raimonds Vejonis wies nach dem Treffen mit Steinmeier im Rigaer Schloss Kritik an der Haltung seines Landes in der Flüchtlingspolitik zurück. «Lettland ist immer solidarisch gewesen und wird solidarisch mit anderen EU-Mitgliedstaaten sein.» Lettland werde sich auch weiter an der Lösung der Flüchtlingsprobleme beteiligen.

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Mi, 2017-08-23 16:02Berlin (dpa)

Ministerium: Luft bleibt nach Diesel-Updates zu schmutzig

Diesel-Fahrverbote in Städten - für viele Autobesitzer und Unternehmen wäre das ein riesiges Problem. Eine Umweltbehörde hat nachgerechnet, ob Politik und Autobranche genug dagegen tun. Und kommt zu einem klaren Ergebnis.

Berlin (dpa) - Die Beschlüsse des Dieselgipfels reichen amtlichen Berechnungen zufolge nicht aus, um Fahrverbote in Städten auszuschließen. Die Luft in fast 70 deutschen Städten bleibt demnach trotz Software-Updates für neuere Diesel und Umtauschprämien für ältere Modelle schmutziger als erlaubt. Wie das Bundesumweltamt (UBA) ausgerechnet hat, dürften sie die Belastung der Stadtluft mit gesundheitsschädlichem Stickoxid um bis zu sechs Prozent senken. Das reicht in vielen Orten nicht, um den EU-Grenzwert einzuhalten.

«Es gibt einen Effekt, aber es reicht eben noch nicht aus», sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch in Berlin. Daher müsse es in den nächsten Monaten darum gehen, die Diesel technisch noch weiter zu verbessern. «Also nicht nur die Software, sondern auch die Hardware», mahnte sie. Solche Nachrüstungen am Motor selbst lehnt die Autobranche bisher ab.

Die Umtauschprämien für altere Diesel seien nur hilfreich, wenn Besitzer älterer Diesel sich sparsame Benziner, Elektroautos oder Gasfahrzeuge ausgetauscht würden, sagte Hendricks. Wer einen Diesel fahren und das Risiko von Fahrverboten umgehen wolle, müsse zur ganz neuen Abgasstufe Euro 6d greifen, die im Herbst in den Handel komme. «Nur solche Fahrzeuge haben langfristig eine sichere Perspektive in allen Städten.»

Beim Dieselgipfel Anfang August hatte die Autobranche für Millionen Dieselautos Updates der Motorsoftware angekündigt, um die Abgasreinigung zu verbessern. Zugleich hatte die Branche den von Umweltschützern geforderten, als wirksamer geltenden Nachbesserungen an Motorbauteilen selbst eine Absage erteilt. Weitere Vorhaben, etwa «Masterpläne» für einen modernen Verkehr in betroffenen Kommunen, flossen in die UBA-Berechnungen nicht ein.

Bei seinen Berechnungen ging das UBA laut Mitteilung davon aus, dass zwischen 3,5 und 5 Millionen Besitzer neuerer Diesel der Abgasnormen Euro 5 und 6 das freiwillige Update an der Motorsoftware vornehmen lassen. Die Experten rechneten mit einer Minderung des Stickoxid-Ausstoßes zwischen 15 und 25 Prozent durch die Updates. Zudem nahmen sie an, dass ein Viertel der Besitzer älterer Diesel sich wegen der Umtauschprämien ein neues Auto zulegt. Die Wirkung dieses Umtauschs schätzt das UBA auf null bis zwei Prozent.

Das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium warnte davor, einzelne Maßnahmen herauszugreifen, da auf dem Dieselgipfel ein Gesamtpaket beschlossen worden sei. Die Lage sei in den Städten ganz unterschiedlich, die «Materpläne», die den Verkehrs flüssiger machen sollten, hätten ein großes Potenzial.

Die Autobauer selbst lehnten weitere Schritte am Mittwoch ab: Es bestehe derzeit «keinerlei Anlass für Nachjustierungen», teilte der Branchenverband VDA mit. «Wenn jetzt bereits weitere Forderungen erhoben werden, scheint das eher dem laufenden Wahlkampf als Sachgründen geschuldet zu sein.»

Opposition und Umweltschützer sahen sich in ihrer Kritik bestätigt. «Das Umweltbundesamt hat den Diesel-Gipfel als das entlarvt, was er war: ein Schmierentheater, bei dem die Bundesregierung die Kulissen für die Auto-Lobby geschoben hat», sagte Linke-Chef Bernd Riexinger. Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer forderte, die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Autobauer acht Millionen Diesel auf eigene Kosten der Autoindustrie technisch umrüsteten. Auch die Verkehrsclubs ADAC und VCD forderten verbindliche Nachrüstungen.

Die Forderung nach einer Blauen Plakette für schadstoffarme Autos griff der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, wieder auf. «Wir brauchen als Städte die Blaue Plakette für schadstoffarme Autos, um im Falle eines Falles auf Fahrverbote vorbereitet zu sein», sagte er dem «Redaktionsnetzwerk Deutschland». Hendricks wies ebenfalls darauf hin, dass im Falle von Fahrverboten eine neue Kennzeichnung nötig sei - wie die heiße, sei ihr egal.

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Mi, 2017-08-23 15:56Hamburg (dpa)

Streit um EHEC: Hamburg einigt sich mit spanischen Gurkenproduzenten

Hamburg (dpa) - Gut sechs Jahre nach der EHEC-Krise hat die Stadt Hamburg ihren Rechtsstreit mit spanischen Gurkenherstellern um den Auslöser der gefährlichen Krankheitswelle in Deutschland beigelegt. Die Gesundheitsbehörde habe sich im Berufungsverfahren am Oberlandesgericht mit der spanischen Klägerin sowie einer weiteren spanischen Beteiligten geeinigt, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch auf Anfrage. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.

Statt der ursprünglich geforderten hohen Millionensummen werde Hamburg nun jeweils einen mittleren sechsstelligen Betrag an die Klägerin und an die Beteiligte zahlen. Genaue Summen nannte der Sprecher nicht. Die Kosten des Hauptverfahrens würden geteilt, wobei die Klägerin den überwiegenden Teil der Kosten trage, erklärte er. «Damit konnten ein jahrelanger Gerichtsstreit abgeschlossen und weitere Prozesskosten gespart werden.»

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte im Mai 2011 erklärt, dass Gesundheitsexperten des Hamburger Hygiene-Instituts nach intensiver Suche spanische Salatgurken als Quelle des EHEC-Erregers ausgemacht hätten. Bei drei Proben vom Hamburger Großmarkt, darunter einer Bio-Gurke, sei der Erreger eindeutig festgestellt worden, sagte sie.

Dagegen gingen die spanischen Unternehmen rechtlich vor, verlangten laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung Schadenersatz in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro. Denn nur wenige Tage teilte Prüfer-Storcks mit, dass auf den Gurken zwar EHEC-Darmkeime gefunden worden seien - aber nicht die des grassierenden Typs 0104:H4.

Bei der bislang größten EHEC-Epidemie in Deutschland starben 53 Menschen, insgesamt 3800 erkrankten. Den Beginn des Ausbruchs datiert das Robert Koch-Institut in Berlin auf den 8. Mai 2011 in Friesland. Als Ursache für die Infektionen wurden letztlich aus Ägypten importierte Bockshornklee-Samen ausgemacht.

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Mi, 2017-08-23 15:40Berlin (dpa)

Regierung will ethische Prinzipien für Computer-Autos

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat sich für ethische Regeln bei der Entwicklung selbstfahrender Autos ausgesprochen. Als Grundlage sollen Empfehlungen einer von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzten Expertenkommission dienen, wie das Kabinett am Mittwoch beschloss. Demnach sollen unter anderem bei Unfällen Personenschäden vermieden und lieber Sachschäden in Kauf genommen werden. Automatisierte Fahrfunktionen seien geboten, wenn sie zu weniger Unfällen führten als bei menschlicher Steuerung. Diesen Leitlinien stimme die Regierung vollumfänglich zu, erläuterte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin.

Die Kommission unter Vorsitz des früheren Verfassungsrichters Udo di Fabio hatte ihre Empfehlungen Ende Juni vorgestellt. Dobrindt sagte, diese weltweit ersten Leitlinien seien «absolute Pionierarbeit».

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Mi, 2017-08-23 15:37München (dpa) 

Siemens dementiert Aus für Gasturbinenwerk Berlin

München (dpa) - Siemens hat Spekulationen über eine Schließung seines Gasturbinenwerks in Berlin scharf zurückgewiesen. Solche Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wegen des niedrigen Öl- und Gaspreises halten sich die Energiekonzerne mit Investitionen zurück, bei Gasturbinen gibt es Überkapazitäten und einen harten Preiskampf. Vorstandschef Joe Kaeser hatte deshalb vor drei Wochen weitere Anpassungen im Kraftwerksgeschäft angekündigt.

Es sei aber zu früh, über Art und Umfang möglicher Anpassungen zu spekulieren, sagte der Siemens-Sprecher. Gespräche mit Arbeitnehmervertretern liefen. Im Berliner Gasturbinenwerk beschäftigt Siemens 3700 Mitarbeiter.

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Mi, 2017-08-23 15:17Erlangen (dpa)

Erlanger Poetenfest widmet sich Vielfalt - und dem Thema Hass

Erlangen (dpa) - Heimat, Identität, sprachliche Vielfalt und der Umgang mit Hass in der Gesellschaft werden beim 37. Poetenfest in Erlangen vom 24. bis 27. August im Mittelpunkt stehen. «In diesem Jahr ist es offensichtlich, dass das Thema Migration und Integration in der Literatur angekommen ist», sagte Festivalleiter Bodo Birk am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Es sei eine ganze Reihe junger Autoren hervorgetreten, die oft selbst eine Fluchtgeschichte oder einen Migrationshintergrund hätten.

Das Autorenporträt ist Paul Maar gewidmet, der im Dezember 80. Geburtstag feiert. Er wurde mit seinen Geschichten über das Fabelwesen Sams bekannt. In einem Podiumsgespräch mit der Frauenrechtlerin Seyran Ates geht es um jüngste Erscheinungsformen von Hass - etwa in Form von Hetze im Internet, Gewaltexzessen wie jüngst beim G20-Gipfel in Hamburg und islamistischem Terror.

Zum Erlanger Poetenfest werden mehr als 80 Schriftsteller, Literaturkritiker und Publizisten erwartet. Viele Autoren lesen im Schlossgarten der Stadt aus ihren Neuerscheinungen. Das Poetenfest gilt als wichtiges deutsches Literaturfestival vor der Frankfurter Buchmesse.

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Mi, 2017-08-23 15:12Berlin (dpa)

Opposition: Spätes Schulz-Erwachen bei US-Atomwaffen in der Eifel

Martin Schulz entdeckt einen Dauerbrenner, mit dem er die Friedenspartei SPD im Wahlkampf mobilisieren kann: Die auf einem US-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz gelagerten Atomwaffen würde er als Kanzler nicht mehr dulden. Am weltweiten Trend zur nuklearen Abschreckung dürfte das kaum etwas ändern.

Berlin (dpa) - Grüne und Linke haben die Ankündigung des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, er wolle bei einem Wahlsieg den Abzug aller US-Atomwaffen aus Deutschland erreichen, als unglaubwürdig kritisiert. Die Opposition im Bundestag erklärte, die Abrüstungsvorschläge von Schulz lägen seit Jahren auf dem Tisch. «Entsprechende Anträge der Linken hat die SPD nie unterstützt», sagte der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch. Schulz wolle die weltweite Aufrüstungsspirale durchbrechen, dabei segne die SPD in der Bundesregierung deutsche Rüstungsexporte mit ab.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt argumentiert ähnlich. «Wir Grüne fordern den Abzug der Atomwaffen seit Jahrzehnten. Schade, dass Martin Schulz dafür erst zum Wahlkampf nach Trier kommen musste.» Der SPD-Vorsitzende und Merkel-Herausforderer hatte dort am Vortag bei einer Wahlkampfveranstaltung US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, eine unverantwortliche weltweite Aufrüstungsspirale auszulösen. Nach unbestätigten Informationen lagern bis zu 20 US-Atomwaffen auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst in Büchel in der Eifel.

Schulz kritisierte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Er warf ihr erneut vor, sie wolle 30 Milliarden Euro zusätzlich für die Aufrüstung der Bundeswehr ausgeben, um - wie von Trump gefordert - das Nato-Ziel von Rüstungsausgaben in Höhe von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. «Wir lehnen diese Aufrüstungsspirale ab», sagte Schulz.

Göring-Eckardt sagte, schon 2010 hätten Union, SPD, FDP und Grüne im Bundestag in einem gemeinsamen Antrag beschlossen, die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung müsse sich für den Abzug der US-Atomwaffen einsetzen. Seither sei nichts passiert. «Entsprechend sauer und enttäuscht sind die Menschen vor Ort. Dass die Atomwaffen sogar modernisiert werden sollen, verschärft die Lage, denn es zementiert deren Verbleib in Büchel», sagte Göring-Eckardt.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer betonte, die aktuelle Bundesregierung stehe wie ihre Vorgänger fest zum Ziel von «Global Zero», also zum vollständigen Verzicht auf Atomwaffen. «Wir müssen allerdings erkennen, dass von einigen Staaten nukleare Waffen nach wie vor als Mittel militärischer Auseinandersetzung betrachtet werden.» Solange dies so sei und Deutschland und Europa davon auch bedroht seien, «besteht die Notwendigkeit zum Erhalt einer nuklearen Abschreckung fort». Diese werde durch die Nato gewährleistet.

Die Friedensbewegung lobte Schulz. Der Sozialdemokrat räume der Ächtung von Atomwaffen den nötigen Raum im Wahlkampf ein. Die kommende Bundesregierung müsse den im Juli von 122 Staaten beschlossenen Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen und die USA zwingen, die US-Atomwaffen aus Deutschland abzuziehen, teilten die Kampagne ICAN Deutschland und die ärztliche Friedensorganisation IPPNW mit. Die USA, Großbritannien und Frankreich haben erklärt, dass sie dem UN-Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen nicht beitreten wollen.

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Mi, 2017-08-23 15:02Johannesburg (dpa)

Umstrittene Auktion von Nashorn-Hörnern in Südafrika beginnt

Johannesburg (dpa) - In Südafrika hat am Mittwoch eine international umstrittene Online-Auktion von 264 Nashorn-Hörnern begonnen. Auf der Website verschwand der Countdown bis zum Start und wurde ersetzt durch den Hinweis: «Erste legale Rhinozeros-Horn-Auktion in Südafrika».

Die ursprünglich schon für Montag angesetzte Versteigerung war wegen nicht rechtzeitig vorliegender Genehmigungen verschoben worden. Die Hörner gehören einem südafrikanischen Züchter, der mit dem Erlös die Kosten für Hege und Pflege der ihm gehörenden 1536 Dickhäuter decken will. Das Horn ist nur für den heimischen Markt bestimmt. «Die Auktion findet wie geplant statt», sagte der Anwalt des Züchters. Einen freien Zugang für die Medien zu der Auktion gibt es nicht.

Am Montag wird nach Angaben des Anwalts das Ergebnis der dreitägigen Versteigerung verkündet. Obwohl er keine konkreten Angaben zur Zahl der Bieter machen wollte, sind nach südafrikanischen Medienberichten «mehrere tausend» Interessenten registriert. Der Züchter bietet eine halbe Tonne der ihm gehörenden sechs Tonnen Horn.

Tierschützer befürchten, dass der Handel die Nachfrage befeuert und noch mehr Nashörner von Wilderern getötet werden. Das Horn gilt in Asien als Potenz- und Heilmittel und ist damit begehrt, obwohl sein medizinischer Nutzen unbewiesen ist. Die Auktion gilt als erste legale Versteigerung dieses Horns in Südafrika, seitdem das Land den Binnenhandel damit 2009 stoppte. Der Weg dafür war erst nach einem Rechtsstreit über mehrere Instanzen frei.

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Mi, 2017-08-23 15:00Betiah/Kathmandu (dpa)

Flut reißt vier Nashörner aus Nepal nach Indien mit - gerettet

Betiah/Kathmandu (dpa) - Monsunfluten haben vier Nashörner aus einem Nationalpark in Nepal bis nach Indien mitgerissen - dort landeten die bedrohten Tiere ausgerechnet in einem Tigerschutzgebiet, wurden aber gerettet. Dafür waren rund 40 Experten und Soldaten aus Nepal 150 Kilometer weit in das Nachbarland gereist, wie ein Sprecher des Chitwan-Nationalparks am Mittwoch mitteilte. Mit der Hilfe von mehr als 100 indischen Tierschutzbeamten fingen sie die zwei erwachsenen Panzernashörner und zwei Kälber demnach mit einem Betäubungsgewehr ein und fuhren sie in einem Lastwagen zurück.

Ein weiteres Nashorn, das die Fluten ebenfalls mitgerissen hätten, sei offenbar auch in Indien gesehen worden. Es werde gerettet, sobald es sich eindeutig identifizieren lasse, sagte der Sprecher. Panzernashörner sind eine gefährdete Art. In Nepal hat sich ihre Zahl in den vergangenen Jahren allerdings auf fast 650 Tiere verdoppelt.

Tagelanger Monsunregen hatte im Himalaya-Staat Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht, bei denen mindestens 130 Menschen ums Leben kamen. Auch die Nachbarländer Indien und Bangladesch wurden schwer getroffen. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sprach am Dienstag in einer Mitteilung von den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten in Teilen Südasiens. Bis zu 700 Menschen seien gestorben. Hunderte weitere seien von der Außenwelt abgeschnitten, und ihnen gehe das Essen aus. Es könne zudem zum Ausbruch gefährlicher Krankheiten kommen.

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