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Athen (dpa) - Nach einem fast einwöchigen Anstieg ist die Zahl der auf den griechischen Inseln ankommenden Migranten aus der Türkei wieder rückläufig. Von Samstagmorgen bis Dienstagmorgen setzten insgesamt 116 Menschen über, wie der griechische Flüchtlingskrisenstab am Dienstag mitteilte. Im Durchschnitt kamen demnach knapp 30 Migranten pro Tag an.

Dagegen setzten zwischen dem 17. und 24. März etwas mehr als 100 Menschen pro Tag über. Die griechischen Behörden führten diesen Anstieg auf das fast sommerliche Wetter zurück, das zurzeit in der Ägäis herrscht. «Die Zahl der Migranten ist wieder zurückgegangen. Wir beobachten aber weiterhin täglich die Lage», sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur.

Türkische Politiker hatten in den vergangenen Tagen damit gedroht, den zwischen der EU und der Türkei vor gut einem Jahr abgeschlossenen Flüchtlingspakt nicht mehr einzuhalten. Über die Ägäis waren noch Anfang vergangenen Jahres jeden Monat Zehntausende Flüchtlinge nach Griechenland gekommen. In diesem Jahr waren es bis Mitte März rund 3000.

Das EU-Türkei-Abkommen sieht vor, dass die Türkei den Flüchtlingszustrom eindämmt und die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen und kein Asyl erhalten, zurückschicken kann.

Nürnberg (dpa) - Die hierzulande genommenen Fingerabdrücke von Flüchtlingen sind nur bedingt für polizeiliche Ermittlungen bei Kriminalitätsfällen geeignet. Vor allem für den Vergleich mit Abdrücken von Tatorten reicht die Qualität nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht immer aus. «Bei der Fingerabdrucknahme im Bundesamt kann es vorkommen, dass Teilbereiche einzelner Finger nicht in optimaler Qualität - für jeden Zweck - gescannt werden», teilte eine BAMF-Sprecherin am Dienstag mit. Für die Identitätsfeststellung reiche die Qualität der genommenen Fingerabdrücke jedoch aus, betonte sie. «Diesen Zweck erfüllt das aufgespielte System sehr gut, so dass bisher keine Nachteile für die Feststellung der Identität einer Person (Fast-ID-Verfahren) bekannt sind.»

Es ging um Soforthilfe - ein Teil der 2015 nach Deutschland gelangten Flüchtlinge sollte in Sprachkursen eine erste Orientierung erhalten. Nicht alles lief dabei korrekt ab, wie der Bundesrechnungshof jetzt rügt. Die Bundesagentur verweist auf die besonderen Umstände.

Berlin/Nürnberg (dpa) - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist wegen ihrer 2015 als Soforthilfe organisierten Deutschkurse für Flüchtlinge in die Kritik des Bundesrechnungshofs geraten. Einen entsprechenden Bericht von NDR Info bestätigte am Dienstag eine Bundesagentur- Sprecherin, verwies dabei aber zugleich auf die seinerzeit besonderen Umstände. Die Deutschkurse dürften auch nicht mit den Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verwechselt werden.

Die BA-Sprecherin betonte, nach dem starken Flüchtlingszustrom im Jahr 2015 sei die Situation «extrem unübersichtlich» gewesen. Zudem sei es damals wichtig gewesen, rasch etwas für die erst vor kurzem nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge zu tun. Damit die Betroffenen möglichst schnell eine erste sprachliche Orientierung bekamen, habe man die bürokratischen Hürden bewusst niedrig angesetzt, sagte die BA-Sprecherin.

Die Prüfer halten der Bundesagentur nach dem Medienbericht unter anderem vor, «keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen zu haben, um den Erfolg der Einstiegskurse strukturiert zu prüfen». Der Rechnungshof bemängelt außerdem die Qualität der Kurse sowie die von den Kursanbietern vorgelegten Abrechnungen. Die Kurse seien auch aufgrund der schlechten Qualität des Lernmaterials «von schwindenden bis zur Kursauflösung führenden Teilnehmerzahlen geprägt» gewesen.

Die Bundesagentur stellte für die zwischen Herbst 2015 und Frühsommer 2016 laufenden Einstiegskurse nach eigenen Angaben 400 Millionen Euro zur Verfügung. An den 14 000 Kursen hätten bis Frühsommer 2016 rund 194 000 Flüchtlinge teilgenommen. Jeder Kurs umfasste 200 Unterrichtsstunden.

Wie sich später herausgestellt habe, hätten daran auch einige Kinder teilgenommen, räumte die Bundesagentur ein. Obwohl es sich bei den Einstiegskursen um eine «arbeitsmarktpolitische Maßnahme» handele, zu der nur Interessierte im erwerbsfähigen Alter zugelassen sind, hätten manche Bildungsträger auch Kinder in die Kurse aufgenommen. Davon sei auch die Bundesagentur zunächst überrascht gewesen und habe dies nachprüfen lassen. Nachdem einige Anbieter belegt hätten, das es sich um kindgerechte Kurse gehandelt habe, habe man die Abrechnungen zumindest für 84 Kinder ausnahmsweise akzeptiert.

Genf (dpa) - Trotz deutlich zurückgegangener Flüchtlingszahlen ertrinken immer noch viele Migranten im Mittelmeer. Seit Jahresbeginn seien 649 Schutzsuchende ums Leben gekommen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag in Genf mit. Allein auf der zentralen Mittelmeer-Route nach Italien seien 590 Menschen gestorben, 418 mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.

«Die Anwesenheit vieler Rettungsschiffe ist entscheidend, sonst wäre die Zahl der Toten unvermeidlich höher», so ein IOM-Sprecher. 26 600 Flüchtlinge erreichten in den ersten drei Monaten des Jahres die europäischen Küsten. Im vergangenen Jahr waren es im selben Zeitraum 164 000. Acht von zehn Ankommenden landen laut IOM in Italien, die restlichen in Griechenland und Spanien.

Zwei Berliner gründen bundesweit Gruppen, die sich gegenseitig vorlesen. Der Andrang ist enorm. Warum nur?

Frankfurt/Main (dpa) - Sechs Frauen und drei Männer sitzen bei Tee und Keksen um einen Tisch, in der Hand ein Stapel Blätter. Eineinhalb Stunden lang lesen sie sich gegenseitig vor, wöchentlich donnerstags um 17 Uhr. Nach jedem Abschnitt wird diskutiert. «Shared Reading» heißt das Konzept, das aus Großbritannien kommt und sich nun in Deutschland etabliert.

Organisiert werden die Zirkel von den «Literarischen Unternehmungen» zweier Berliner Literaturvermittler, Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt. In der Hauptstadt gibt es schon sieben solcher Gruppen, zwei englischsprachige kommen gerade dazu. Nach Berlin und Frankfurt sind laut Sommerfeldt «Shared Reading»-Gruppen auch in Bremen, Heidelberg, Köln und Hamburg geplant.

Für Biggi Maart (50) bietet die Donnerstag-Gruppe im Frankfurter Literaturhaus «ein neues Leseerlebnis». Statt wie gewohnt still, alleine und zügig zu lesen, gilt hier das Gegenteil: man liest laut, abwechselnd, bewusst langsam und spricht miteinander über das Gelesene. Am Ende habe sie «zehn Versionen dieses einen Textes» gelesen, sagt die Grundschullehrerin, die regelmäßig auch an anderen Literaturkreisen teilnimmt: «wie eine Reihe von Dominosteinen aus Bildern und Gedanken, die sich gegenseitig anstoßen.»

Heute hat Sommerfeldt einen Text von Sylvia Plath ausgewählt, in der ein Kind zu Unrecht beschuldigt wird. Die Geschichte spielt zu Beginn des Zweiten Weltkriegs - die Diskussion aber kommt schnell im Heute an, es geht um Fake-News und die Mordfälle von Herne. Sommerfeldt kommentiert jeden Beitrag mit einem schwärmerisch-singenden «Jaaaaa!»

Beim «Shared Reading» gehe es darum, «von sich zu sprechen», erklärt Sommerfeldt: «das eigene Leben, das eigene Verhalten, die eigenen Gefühle mit dem Erzählten in Verbindung bringen». Gerade erfahrenen Viellesern falle das oft schwer, sagt der 49-Jährige, der früher Pressechef bei verschiedenen Verlagen war. Durch das gemeinsame Lesen könne man «ganz tief und ganz nah» bei der Literatur sein.

In Frankfurt sind das Literaturhaus und die Stadtbücherei Gastgeber für «Shared Reading». Neben der Donnerstagsgruppe gibt es noch eine Gruppe für ältere Menschen und - in Zusammenarbeit mit dem Heilig-Geist-Spital neben dem Literaturhaus - eine für Menschen mit psychischen Problemen. Denn «Shared Reading» will mehr sein als ein Lesezirkel. Es ist auch ein therapeutisches Projekt.

Für den Gesundheitsaspekt interessiert sich auch die Wissenschaft. Die Veranstalter verweisen auf den britischen National Health Service, der nachgewiesen haben will, dass gemeinsames Lesen das Wohlbefinden und die Kommunikationsfähigkeit steigert. Vor allem Burnout-Patienten, Demente und psychisch Kranke könnten profitieren. In Berlin begleitet das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung die Gruppen mit älteren Teilnehmern, um herauszufinden, welche Effekte das gemeinsame Lesen hat.

Die Nachfrage ist jedenfalls enorm: In Frankfurt stehen 60 Nachrücker auf der Warteliste «und täglich kommen neue dazu», wie Benno Henning von Lange vom Literaturhaus berichtet. Künftig wird er selbst als «Fascilitator» die Donnerstagsgruppe leiten. Ab Mitte Mai bietet das Literaturhaus eine weitere «Shared Reading»-Gruppe an. Die Gruppenleiter werden vor Beginn speziell geschult. Auch dafür gibt es nach Angaben der «Literarischen Unternehmungen» mehr Nachfragen als freie Plätze.

In Großbritannien gibt es «Shared Reading» schon seit 20 Jahren. Entstanden ist die Idee in Liverpool. Eine der Initiatorinnen, Jane Davis, berichtete im vergangenen Jahr auf der Buchmesse in Leipzig über ihre Beweggründe. Ihre Mutter sei am Alkohol gestorben, notierte danach das «Börsenblatt», sie sei in Pubs aufgewachsen unter Leuten, die lieber miteinander tranken als redeten. «Zusammen lesen, ist ein wundervoller Weg, verbunden zu sein mit anderen Menschen.»

Als Elon Musk im vergangenen Jahr davon sprach, das Gehirn direkt an Computer anzuschließen, klang das ein wenig nach Fantastereien eines exzentrischen Milliardärs. Doch jetzt wird bekannt, dass der Chef von Tesla und SpaceX tatsächlich daran arbeitet.

Los Angeles (dpa) - Tech-Milliardär Elon Musk erforscht laut einem Zeitungsbericht in einer neuen Firma, wie das menschliche Gehirn direkt mit Computern vernetzt werden kann. Der 45-Jährige sei an dem Unternehmen Neuralink beteiligt, das entsprechende Elektroden entwickeln will, berichtete das «Wall Street Journal» am Dienstag.

Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla und der Weltraumfirma SpaceX, hatte bereits bei einem Konferenz-Auftritt im vergangenen Jahr gesagt, dass er künstliches Nervengewebe zum Verbinden mit Computern für eine wichtige Zukunftstechnologie halte. Das könne Menschen helfen, mit der künftigen künstlichen Intelligenz mitzuhalten, vor deren möglichen Übermacht Musk mehrfach warnte.

Musk sprach damals von einem «direkten Interface zur Hirnrinde», insgesamt blieb er aber vage, und deshalb war unklar, ob es ein konkretes Projekt oder eine Technik-Fantasie ist. Musk will auch Menschen zum Mars bringen und schlug das Transport-System Hyperloop vor - eine Art riesige magnetbetriebene Rohrpost, die Menschen und Waren mit über 1000 Kilometern pro Stunde befördern soll. Mehrere Unternehmen versuchen derzeit, Hyperloop-Trassen zu bauen.

Das «Wall Street Journal» sprach mit einem der Neuralink-Mitarbeiter, der sich als Mitglied des Gründerteams bezeichnete und eine Beteiligung von Musk an dem Projekt bestätigte. Die Firma sei aber noch in der «Embryo»-Phase, zitierte ihn das Blatt. Neuralink sei im vergangenen Juli in Kalifornien als Unternehmen zur Medizinforschung registriert worden. Nach Informationen der Zeitung sei auch über eine Investition mit dem Milliardär Peter Thiel gesprochen worden. Thiel, den Musk seit der gemeinsamen Gründung von Paypal kennt, ist einer der wenigen passionierten Unterstützer von US-Präsident Donald Trump im Silicon Valley.

In einem Rohbau täglich Hunderte Dübellöcher in den Beton bohren und mit dem Winkelschleifer Stahlträger bearbeiten - für Handwerker ist das Alltag auf Großbaustellen. Sie nutzten vor allem Geräte mit Kabeln. Das aber ändert sich.

Nürtingen (dpa) - Den Trend zum Akku erklärt der Werkzeugfabrikant an einem Alltagsbeispiel. «Wer eine elektrische Zahnbürste nutzt, der setzt auf Akku - obwohl er beim Zähneputzen vor dem Spiegel stehen bleibt, eine Steckdose in nächster Nähe ist und ein Akku gar nicht nötig ist», sagt Horst Garbrecht, Chef des schwäbischen Elektrowerkzeug-Herstellers Metabo. Selbst bei Kopfhörern würden viele Menschen auf Akku setzen, obgleich auch hier ein Kabel problemlos einsetzbar wäre. «Der Mensch will flexibel und mobil sein - der Mensch mag keine Kabel.» Der Trend gilt auch für die Werkzeugbranche: Die Firmen verkaufen immer mehr Akkugeräte.

In acht Jahren hat sich der Akku-Anteil am Umsatz von Metabo, der zum japanischen Konzern Hitachi Koki gehört, von 15 auf 35 Prozent erhöht. «2020 könnte der Anteil bei 50 Prozent liegen», sagt Garbrecht. In Westeuropa liegt der Anteil schon heute so hoch, in Osteuropa, Asien und Südamerika sind es etwa 15 Prozent.

Auch bei Bosch ziehen die Akku-Geschäfte an. «Elektrowerkzeuge mit Akku sind schon seit Jahren keine Nischenprodukte mehr, die Nachfrage auch nach großen Geräten wie Bohrhämmern und Winkelschleifern steigt deutlich», sagt der Chef der Bosch-Werkzeugsparte, Henning von Boxberg. «Früher musste man bei Akkuprodukten hinsichtlich Laufzeit und Kraft noch Abstriche machen, das ist heute nicht mehr so.» Bosch bietet grüne Geräte für Amateure an und blaue Geräte für Profis; Metabo setzt hingegen nur auf Profigeräte.

In Industriestaaten liegt Boschs Akku-Anteil beim Profiwerkzeug bei 45 Prozent - 2010 waren es nur 33 Prozent. Angaben zum Anteil in Schwellenländern und zum Gesamtschnitt macht Bosch nicht.

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) bestätigt den Trend. Lag der Umsatzanteil von Akkugeräten in der Branche in Westeuropa 2010 bei 40 Prozent, sind es inzwischen 50 Prozent. «Durch den technologischen Fortschritt bis zu den heutigen Lithium-Ionen-Batterien wurde die Leistungsfähigkeit deutlich erhöht, dadurch werden inzwischen auch größere Baustellen-Werkzeuge als Akkuversion angeboten», sagt Christian Eckert, Geschäftsführer des zum ZVEI zählenden Fachverbands Elektrowerkzeuge.

Der Trend werde weitergehen, sagt Eckert. Für Handwerker brächten die Geräte nicht nur Zeitersparnis, weil sie keine Kabel mehr umstecken müssen. Vielmehr bedeuteten sie auch mehr Sicherheit, denn Arbeiter könnten nicht mehr über Kabel stolpern. «In der Zukunft ist es durchaus denkbar, dass auf Baustellen überwiegend Akkugeräte eingesetzt werden», meint der Verbandsvertreter.

Die kabellose Baustelle ist ein Ziel der Branche. Klar ist: Mit den Batteriegeräten lassen sich auf lange Sicht bessere Geschäfte machen als mit kabelgebundenem Gerät. Zwar ist das Gerät zunächst etwa gleich teuer, mit Akku und Ladegerät kostet es aber deutlich mehr. Wichtig ist auch, dass die Akkus nicht kompatibel sind mit Werkzeugen anderer Hersteller. «Wenn ein Handwerker ein Gerät von uns kauft, dann entscheidet er sich für unser System - über kurz oder lang dürfte sein ganzer Akku-Werkzeugbestand von Metabo sein, schließlich will er nicht verschiedene Akkus und verschiedene Ladegeräte auf der Baustelle haben», sagt Metabo-Chef Garbrecht.

Bosch setzt auf mobile Ladestationen in Fahrzeugen - in ihnen werden Bohrer oder Winkelschleifer verstaut und beim Parken und auf Fahrten aufgeladen. Für Handwerker sei das ein Produktivitätsgewinn, sagt Spartenchef von Boxberg. «Er muss sich weder um Kabel kümmern noch abends Akkus rausräumen zum Aufladen.» Die Firma will ihre Akku-Produktpalette ausweiten. Bei den Elektrowerkzeugen für Handwerker müsse man aber abwägen, sagt der Manager. «Ab einer bestimmten Leistungsklasse braucht man nun mal sehr viel Akku-Kapazität.» Die Technologie entwickle sich aber rasant fort.

Derzeit gibt es einen harten Preiskampf der Hersteller bei Einstiegsmodellen wie dem klassischen Akku-Schrauber. «Jeder will den Fuß in der Tür haben bei einem Handwerksbetrieb», sagt Metabo-Chef Garbrecht. Metabo-Händler gewährten nicht nur Rabatte für Akku-Geräte, sondern kauften Handwerkern Geräte anderer Herstellern ab in der Annahme, sich so Stammkunden zu sichern.

Allerdings ist der Batterie-Fokus für das Unternehmen eher eine Investition in die Zukunft, noch leidet die Marge etwas unter dem scharfen Wettbewerb. «Unsere Marge mit Akku-Geräten liegt aufgrund der aggressiv kalkulierten Einstiegsmodelle daher auch leicht unter der Marge mit kabelgebundenem Werkzeug», sagt Garbrecht. Die Perspektive sei dennoch blendend. Ältere Handwerker seien zwar zumeist nicht zu überzeugen, ihren Werkzeugbestand auf Akku umzustellen. «Aber es wächst eine junge Generation nach, für die Akkugeräte ganz selbstverständlich sind - ob beim Zähneputzen, beim Musikhören oder eben auch auf der Baustelle.»
 

Tokio (dpa) - In Japan dürfen trotz aller Proteste zwei Atomreaktoren wieder angefahren werden. Ein Hohes Gericht in Osaka hob am Dienstag die Entscheidung einer unteren Instanz zum Stopp der Reaktoren wieder auf. Bei den Meilern handelt es sich um die Reaktoren Nummer 3 und 4 im Atomkraftwerk Takahama in der westlichen Provinz Fukui.

Ein Bezirksgericht hatte 2016 kurz vor dem fünften Jahrestag der Fukushima-Katastrophe nach einer Klage von Anwohnern verfügt, dass die damals gerade erst hochgefahrenen Reaktoren wieder abgeschaltet werden. Dabei hatten die beiden Reaktoren die laut Regierung angeblich «schärfsten Sicherheitsauflagen der Welt» erfüllt.

Das Gericht führte jedoch «problematische Punkte» und Fragen unter anderem zum Schutz vor Tsunami und Evakuierungsplänen im AKW Takahama als Grund für den Stopp an. Dagegen zog der Betreiberkonzern Kansai Electric vor die nächst höhere Instanz - mit Erfolg.

Die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe rechtfertigt das Wiederanfahren von Reaktoren mit wirtschaftlichen Gründen. Sie will den Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 auf 20 bis 22 Prozent begrenzen. Vor dem Fukushima-Gau lag er bei knapp 30 Prozent.

Als Konsequenz aus der Katastrophe in Fukushima von vor sechs Jahren hatten zwischenzeitlich zwei Jahre lang alle 48 kommerziellen Reaktoren in Japan stillgestanden. Die Betreiberkonzerne decken den Strombedarf ersatzweise mit Wärmekraftwerken. Auf der Basis der neuen Sicherheitsauflagen wurden 2015 Jahr die ersten Reaktoren in der südwestlichen Provinz Kagoshima wieder ans Netz genommen. Von Japans noch 42 betriebsfähigen Reaktoren produzieren derzeit nur drei Strom.

Berlin (dpa) - Nach dem CDU-Erfolg bei der Saarland-Wahl setzt die SPD nach Angaben von Partei-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel aufs Team. Kanzlerkandidat Martin Schulz könne die Wahl nicht alleine gewinnen. «Es geht immer nur gemeinsam», sagte Schäfer-Gümbel am Dienstag im Deutschlandfunk. Dies sei keine neue Erkenntnis. «In der Parteiführung sind sich alle einig, dass gute Parteitage und gute Stimmung auf Parteitagen und eine hohe Anzahl von Neueintritten in die SPD nicht alleine ausreichen wird, am Ende als Wahlsieger bei der Bundestagswahl am 24. September vom Platz zu gehen.»

Die SPD habe einen Plan, wann Themen vorgestellt werden sollten, sagte Schäfer-Gümbel. Nach Vorschlägen zum Arbeitsmarkt sei derzeit Familien- und Bildungspolitik dran. «Es wäre auch kommunikativ ein schwerer Fehler, jetzt alles auf einmal rauszusetzen», sagte der SPD-Vize.

«Wir müssen über Ziele reden. Das, was wir inhaltlich wollen», sagte Schäfer-Gümbel im rbb-Inforadio. Eine Koalitionsaussage der SPD vor der Bundestagswahl lehnte er ab. «Koalitionsdebatten sind immer nutzlos. Das gilt sowohl für Debatten in Richtung große Koalition als auch in Richtung Rot-Rot - wobei letztere Alternative sich bei der Bundestagswahl so nicht stellen wird». Er glaube deshalb, dass alle Parteien ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehen werden.

Athen (dpa) - Griechische Sicherheitskräfte haben im Großraum Athen drei Männer und eine Frau  festgenommen, die Mitglieder einer großen Schlepperbande sein sollen. Dabei wurden Hunderte gefälschte Pässe mehrerer europäischer Staaten sowie der USA sichergestellt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Polizeikreisen erfuhr. 

Demnach sollten die Schlepper für jeden gefälschten Reisepass bis zu 1500 Euro kassiert haben. Die Bande agierte wie eine Reiseagentur: Wer nach dem Kauf eines gefälschten Passes noch einen Flug nach Mitteleuropa bei den Schleppern «buchte», zahlte zusätzlich 3500 bis 5000 Euro. Die Festgenommenden stammten aus dem Irak, Syrien und aus Bulgarien, hieß es weiter.

Die Ermittlungen dauern laut Polizei an. Die Sicherheitsbehörden versuchten zu klären, ob die Schlepperbande auf den Flughäfen Komplizen hatte, die Migranten mit gefälschten Pässen die Weiterreise gestatteten. 

Budapest (dpa) - In Ungarn ist am Dienstag eine Verschärfung des Asylgesetzes in Kraft getreten. Den neuen Bestimmungen zufolge sollen Asylbewerber nunmehr grundsätzlich in zwei Container-Lagern unmittelbar an der Grenze zu Serbien festgehalten werden. Dies betrifft auch unbegleitete Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren.

Das Gesetz war Anfang des Monats vom Parlament beschlossen worden. Es stieß auf starke internationale Kritik. Das pauschale Festhalten von Asylbewerbern verstößt nach Ansicht von Juristen gegen internationales Recht.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte in einer Stellungnahme, dass EU-Gremien einschreiten. «Die Europäische Kommission war in der Vergangenheit zögerlich, wenn es darum ging, Ungarn für sein Vorgehen gegen Asylsuchende zur Verantwortung zu ziehen», hieß es darin. Dies habe dazu geführt, dass inzwischen auch andere EU-Länder «die Vorgangsweise Ungarns kopieren».

 

Nicht genug, dass Samsung mit den brennenden Akkus des Galaxy Note 7 ein für die Branche beispielloses Debakel erlebte. Auch nach dem Aus des Modells kritisierten Umweltschützer lautstark, dass Millionen Geräte verschrottet werden sollen. Jetzt gibt Samsung nach.

Seoul (dpa) - Samsungs Pannen-Smartphone Galaxy Note 7 könnte nach Klärung der Gründe für die Akku-Brände nun doch wieder auf den Markt zurückkehren. In einigen Regionen können die Telefone mit Zustimmung der Regulierungsbehörden als runderneuerte oder Leih-Geräte wieder angeboten werden, teilte der Smartphone-Marktführer aus Südkorea am Montag mit. Länder und Zeitplan sollen später bekanntgegeben werden. Umweltschützer hatten den ursprünglichen Plan kritisiert, die Millionen Telefone zu verschrotten.

Das Galaxy Note 7 hatte Samsung ein im Smartphone-Markt beispielloses Fiasko eingebracht. Nach Akku-Bränden gab es im vergangenen Herbst erst eine weltweite Rückruf-Aktion - und dann mussten auch noch vermeintlich sichere Ersatzgeräte wieder eingezogen werden, weil auch sie Feuer fingen. Noch nie zuvor war ein Smartphone-Modell wegen Sicherheitsrisiken komplett eingestellt worden.

Samsung führte die Brände nach einer monatelangen Untersuchung auf Design- und Produktionsfehler bei den Akkus zurück. Die Geräte selbst waren damit entgegen zwischenzeitlichen Zweifeln doch fehlerfrei - was nun einen Weg für ihre Rückkehr auf den Markt eröffnen könnte.

Samsung hatte rund vier Millionen Note-7-Smartphones zurückgenommen, die als Gefahrengut transportiert worden waren. Der Image-Schaden war beträchtlich - so wurde in Flugzeugen monatelang darauf hingewiesen, dass Geräte des Modells nicht mitgeführt werden dürften. Die Belastung durch das Debakel für das operative Geschäft bezifferte Samsung auf umgerechnet rund fünf Milliarden Euro.

Die Ankündigung kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt: Am Mittwoch will Samsung sein neues Flaggschiff-Modell Galaxy S8 vorstellen und kann eine Erinnerung an die Probleme mit dem Note 7 eigentlich schlecht gebrauchen. Zugleich hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder heftige Kritik von Umweltschützern gegeben, die es als Verschwendungen von Ressourcen verurteilten, dass die Millionen von Geräten verschrottet werden sollen. So waren Greenpeace-Aktivisten vor einem Monat in die Samsung-Präsentation auf dem Mobile World Congress geplatzt.

Nun sicherte der Konzern auch zu, dass beim Zerlegen von Note-7-Geräten Material wie Kupfer, Nickel, Gold und Silber ins Recycling kommen.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will laut Medienberichten an diesem Dienstag per Dekret mehrere Klimaschutzbestimmungen seines Amtsvorgängers Barack Obama rückgängig machen. Demnach sollen unter anderem Bundesbehörden bei Entscheidungen nicht mehr die Auswirkungen des Klimawandels bedenken müssen, wie US-Medien am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Regierungsmitarbeiter berichteten.

Die USA sollten dadurch von ausländischen Energiequellen unabhängig werden, hieß es zur Begründung. «Im Hinblick auf den Klimawandel wollen wir unseren eigenen Kurs fahren und es auf unsere eigene Art und Weise machen», wurde die anonyme Quelle zitiert.

Außerdem wird die Umweltbehörde EPA den Angaben zufolge aufgefordert, einen zentralen Plan der Umweltpolitik Obamas zur Begrenzung von Kohlenstoffbelastung durch Kraftwerke neu zu überdenken. Ein Stopp der Verpachtung von öffentlichem Land für Kohleförderung soll zudem aufgehoben und Begrenzungen der Methan-Emissionen in der Öl- und Gasindustrie geändert werden. Ein Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen gehört allerdings nicht zu den neuen Bestimmungen.

Die Umsetzung der Verordnung könnte den Berichten zufolge Jahre dauern. Einigen Änderungen müssten etwa erst Gerichte zustimmen. Umweltgruppen drohten bereits mit Klagen, berichtete das Magazin «Mother Jones».

Die aus Deutschland abgeschobenen Afghanen sind in Kabul angekommen. Einige wollen nicht in ihre Heimatprovinzen zurückkehren. «Hier gibt es keine Sicherheit, keine Arbeit, kein Leben», sagt einer der 15 Männer. Sein nächstes Reiseziel steht schon fest.

Kabul (dpa) - Zum vierten Mal sind abgelehnte Asylbewerber von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden. Das Flugzeug mit 15 Migranten an Bord erreichte Kabul aus München kommend am Dienstagmorgen um kurz vor 7.00 Uhr (Ortszeit). Seit Dezember sind nun insgesamt 92 Männer nach Afghanistan zurückgeflogen worden.

Es handele sich «ausnahmslos um alleinstehende Männer», einige von ihnen seien in Deutschland straffällig geworden, hatte das bayerische Innenministerium am Montagabend mitgeteilt. Außer Bayern hatten sich an der Rückführungsaktion auch Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz beteiligt.

Der Sprecher des Flughafens in Kabul, Mohammed Adschmal Faisi, sagte, die Ankunft sei ruhig verlaufen. Die meisten Ankömmlinge wollten nicht mit Medien sprechen. Viele wirkten müde oder wütend.

Obaid Ros aus der ostafghanischen Provinz Nangarhar sagte, er habe sieben Jahre lang in Landshut gelebt. Er habe Arbeit gehabt, habe Computer repariert. «Ich habe keine Ahnung, wieso sie meine Asylbewerbung gestoppt haben», sagte der 24-Jährige. Als er von der bevorstehenden Abschiebung gehört habe, sei er geflohen, aber die Polizei habe ihn wieder eingefangen und drei Wochen lang festgehalten. Er werde trotzdem versuchen, nach Deutschland zurückzugehen. «Hier gibt es keine Sicherheit, keine Arbeit, kein Leben», sagte Ros.

Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich in Afghanistan der Konflikt zwischen Regierung und den radikalislamischen Taliban verschärft und es landesweit Gefechte und Anschläge gibt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dagegen am Montag, «die Bewertung der aktuellen Sicherheitslage» durch Bundesinnenministerium und Auswärtiges Amt sei unverändert. Sie lasse Rückführungen in gesicherte afghanische Provinzen zu.

Von Seiten der Vereinten Nationen gibt es keine abschließende Bewertung, welche afghanischen Provinzen sicher oder unsicher sind. Die meisten Passagiere des vierten Fluges stammten zumindest nicht aus schwer umkämpften Provinzen, sagte ein Mitarbeiter des Kabuler Flüchtlingsministeriums, der ungenannt bleiben wollte. «Viele sind aus Kabul, andere aus Pandschir oder Parwan.» Einige kämen allerdings aus unsicheren Provinzen wie Wardak oder Nangarhar. Auf dem dritten Abschiebeflug im Februar kam etwa die Hälfte aller Passagiere aus umkämpften Provinzen wie Urusgan, Kundus oder Paktia.

Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) hatte am Montag gemeldet, seit Jahresbeginn seien fast 50 000 Afghanen vor Gefechten zwischen Regierung und Taliban aus ihren Dörfern geflohen. Laut US-Militär kontrolliert die afghanische Regierung nur noch rund 57 Prozent des Landes, 15 Prozent weniger als Ende 2015. In Kabul, wo viele Abgeschobene erst einmal bleiben, gab es seit Jahresbeginn fünf große Anschläge mit mindestens 132 Toten und mindestens 347 Verletzten. Die Frühjahrsoffensive der Taliban steht kurz bevor.

Tradition trifft Innovation, Industriekonzern auf Tüftlerwerkstatt: Immer mehr deutsche Unternehmen engagieren sich in israelischen Startups. Nun kommt auch der Mittelstand.

Tel Aviv (dpa) - Strand, Sonne und Startups: Israel gilt neben dem kalifornischen Silicon Valley als weltweite Innovationshochburg. Mehr als 5000 Startups gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Israel. Für deutsche Unternehmen scheint das Engagement in dem Land am Mittelmeer ein Muss: «Die Zahl der Firmen, die in Israel auf irgendeine Art Innovation suchen, liegt im dreistelligen Bereich», sagt Projektleiter Gregor Schlosser von der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv.

Nach den großen Unternehmen, wie VW, Bosch und Daimler, kämen nun auch die Mittelständler. So informiert sich aktuell etwa die CAS-Gruppe aus Karlsruhe über israelische Startups. Der Software-Hersteller hat mehr als 500 Mitarbeiter und hatte 2016 mehr als 55 Millionen Euro Umsatz.

«Security, Smart Data und künstliche Intelligenz - das sind die drei Bereiche, die uns interessieren», sagt der Vorstandsvorsitzende der CAS Software AG, Martin Hubschneider, in Tel Aviv. «Das sind aus unserer Sicht auch die Stärken hier.» Hubschneider bereist aktuell mit einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Israel.

Das Unternehmen hat eine Software-Plattform entwickelt, mit der Firmen ihre Kundenkommunikation und ihre allgemeinen Daten organisieren können. An dieses Programm können auch einzelne Apps angedockt werden. «Wir würden sehr gerne Startups finden, die dafür entwickeln, oder an denen wir uns beteiligen können», sagt Hubschneider. Dabei gehe es etwa um Verschlüsselungstechniken.

«Israel ist bekannt für bahnbrechende Innovationen», sagt der politische Ökonom Christian Thauer von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Deutsche Unternehmen seien vor allem gut darin, erfolgreiche Produkte weiterzuentwickeln - aber nicht mehr unbedingt, sie zu erfinden. «Der Hybrid-Motor ist nicht bekannt geworden, weil VW ihn hatte, sondern Toyota.» Die elektrogetriebenen Motoren wiederum stammten von Tesla und nicht aus Deutschland. «Deutsche Firmen haben kapiert, dass sie diesen Zug nicht an sich vorbeifahren lassen können», sagt Thauer - dass sie sich in Israel und Kalifornien engagieren müssen. Israelische Startups bräuchten wiederum die deutschen Unternehmen, um ihre Entwicklungen auf einem großen Markt, wie Europa, zu vermarkten.

Der Autozulieferer Bosch hat seit November 2016 ein Forschungs- und Technologiebüro mit vier Mitarbeitern in Tel Aviv. «Ich nenne es ein Früh-Warn-Radar», sagt Büroleiter David Abraham. Sie behielten den Markt im Auge und suchten nach interessanten Startups, größeren Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Unter anderem gehe es dabei um künstliche Intelligenz. Bereits seit 2009 investiert die Robert Bosch Venture Capital GmbH in Startups in Israel. Aktuell sind es fünf, darunter Cheetah Medical, welches Sensoren entwickelt hat, um die Herzfunktionen von Patienten nach Operationen ohne Eingriff zu überwachen.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck investierte 2012 in das Startup Qlight Nanotech in Jerusalem und kaufte es 2015. Merck bietet unter anderem Flüssigkristalle für Bildschirme, wie von Handys und Computern. Qlight Nanotech entwickelt ebenfalls Display-Materialien. «Was in Israel als Forschung stattfindet, deckt sich in vielen Bereichen mit dem, was wir machen», sagt ein Merck-Sprecher. So seien die Israelis etwa auch gut in der Pharmaforschung. Schon Ende der 1970-er Jahre startete Merck mit der Entwicklung von biologischen Proteinen in Israel.

Volkswagen hat im Mai 2016 insgesamt 300 Millionen US-Dollar (heute 278 Millionen Euro) in die israelische Taxi- und Fahrtenvermittlungs-App Gett investiert. Mit der App können laut Volkswagen Menschen in mehr als 100 Städten Fahrten buchen. Außerdem hat der Konzern im Februar eine Partnerschaft mit dem Jerusalemer Automobilzulieferer Mobileye abgeschlossen, Spezialist für Kameratechnik für automatisiertes Fahren. Der amerikanische Chip-Gigant Intel hat Mobileye vor zwei Wochen für 15,3 Milliarden Dollar übernommen - das größte Geschäft in der Geschichte der israelischen High-Tech-Branche.
 

Indien war lange Zeit Nachzügler, wenn es um erneuerbare Energien ging. Inzwischen hat es eines der ambitioniertesten Ausbauprogramme der Welt. Auch deutsche Expertise ist dabei gefragt.

Neu Delhi (dpa) - 154 Transformatoren, 6000 Kilometer Kabel, 2,5 Millionen Solarmodule und nur acht Monate Bauzeit. Die Zahlen, die die Betreibergesellschaft Adani zum Solarkraftwerk im südindischen Kamuthi bekannt gibt, sind beeindruckend. Seit gut einem Monat produziert es dort mit einer Kapazität von bis zu 648 Megawatt Strom - und hat damit die Topaz Solar Farm in Kalifornien als stärkstes Solarkraftwerk der Welt abgelöst.

Kamuthi steht stellvertretend für die Ambitionen eines Landes, das in den vergangenen fünf bis sechs Jahren eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen hat. Abgesehen von Wasserkraftwerken in seinen nördlichen Gebirgen behandelte Indien seine erneuerbaren Energien geradezu stiefmütterlich. Bis 2010 spielten Wind- und vor allem Solarenergie in den Planungen des Landes so gut wie keine Rolle.

Inzwischen hat sich dieses Bild deutlich gewandelt. Allein im vergangenen Jahr hat das Land seine Erzeugungskapazität für Solarstrom fast verdoppelt auf nun knapp 10 Gigawatt, die Kapazität für Windenergie beträgt inzwischen knapp 29 Gigawatt. Weitere Großprojekte mit einer gemeinsamen Kapazität von knapp 20 Gigawatt für beide Energieträger seien bereits vergeben, heißt es aus dem Ministerium für erneuerbare Energien. Derzeit haben in Indien alle Kraftwerke zusammen eine Kapazität von über 300 Gigawatt.

Das Wachstum von Ökostrom soll sich besonders stark beschleunigen: Bis 2022 sollen in Indien alle erneuerbaren Energien für die Stromversorgung zusammen auf eine Kapazität von 175 Gigawatt ausgebaut werden. «Wenn die Nachfrage nach Strom weiter so schnell steigt, sollte es kein Problem sein, dieses Ziel zu erreichen», sagt Jeevan Jethani vom Ministerium. «Rechnet man die Baukosten der Kraftwerke mit ein, ist Ökostrom in Indien inzwischen günstiger als konventioneller Strom.»

Rund 2500 Kilometer nördlich vom Solarkraftwerk in Kamuthi befindet sich das Büro von A. K. Gupta. Er ist einer der Chefs der Metro in Neu Delhi und dort zuständig für die Elektrik. «Wir wollen Solarzellen mit einer Kapazität von 50 Megawatt auf den Dächern unserer Stationen und Bürogebäuden installieren», sagt er. «Zwei Fünftel davon sind schon erreicht.»

Auf die Idee mit den Solardächern hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gebracht. Die Deutschen entwickelten zusammen mit den Indern ein Finanzierungsmodell, bei dem die Betreibergesellschaft Geld spart und gleichzeitig die Umwelt schont. Gupta will nun sogar noch weiteren Solarstrom zukaufen, aus einem Kraftwerk im Bundesstaat Madhya Pradesh. «Mehr als 100 Megawatt gehen aber nicht, auch wenn ich das gerne hätte», sagt er. «Wir brauchen mehr Übertragungswege für solche Strommengen. Außerdem können wir den Solarstrom nirgendwo speichern.»

Damit spricht er zwei der Probleme an, die die indische Euphorie für erneuerbare Energien doch noch bremsen könnten. Dazu gehören mangelnde Speicherkapazitäten, zu wenig Hochspannungsleitungen, Finanzierungsengpässe und zu wenig Fachpersonal.

Noch kann Indien Schwankungen in der Energieversorgung durch seine hohe Produktion an Kohleenergie ausgleichen. Doch je höher der Anteil von Wind- und Solarstrom wird, desto mehr muss das Land sich über Möglichkeiten Gedanken machen, die Versorgung auch durch Speichersysteme zu stabilisieren - und die sind teuer. Auch bei der Finanzierung seiner Kraftwerke ist das Land auf Kapital aus dem Ausland angewiesen. Sollten die Zinsen deutlich ansteigen oder das Vertrauen der internationalen Investoren wieder schwinden, lauern auch hier Gefahren für die Ausbaupläne.

«Rund zwei Drittel der Jobs im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien brauchen eine mittlere bis hohe Qualifikation», sagt Kanika Chawla und weist damit auf ein weiteres mögliches Problem hin. Sie ist Forscherin beim CEEW, dem indischen Rat für Energie, Umwelt und Wasser. «Wir müssen uns heute darum kümmern, dass es genügend Ausbildungsprogramme gibt, wenn das Wachstum anhalten soll.»

An der Lösung des Problems fehlender Leitungen ist eine weitere deutsche Institution beteiligt. Die Entwicklungsbank KfW hat Kredite von gut einer Milliarde Euro für «Green Energy Corridors» vergeben, die den Ökostrom vom Erzeuger dorthin transportieren sollen, wo er gebraucht wird. Mindestens eine weitere Milliarde fließt im Rahmen der deutsch-indischen Solarpartnerschaft, die zum Beispiel den Ausbau von Solarzellen auf indischen Dächern fördern soll.