Tickerarchiv

Tripolis (dpa) - Dreizehn Migranten sind in Libyen in einem Versandcontainer gestorben, in dem sie vier Tage lang eingesperrt waren. Unter den Toten seien auch ein 13 Jahre altes Mädchen und ein 14-jähriger Junge gewesen, berichtete die Internationale Vereinigung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds (IFRC) am Donnerstag.

Insgesamt seien 69 Menschen in dem Metall-Container gefangen gewesen, bevor Helfer in der Westlibyschen Stadt Al-Choms am Mittwoch eingeschaltet worden seien. Einige der 56 Überlebenden seien ernsthaft verletzt gewesen.

Münster (dpa) - Er liegt auf einem Baumstamm und beobachtet ganz in Ruhe seine Umwelt. Dabei schaut Tiger Rasputin jedoch nicht mehr in den Zoo von Münster, sondern ins Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Präparatoren haben das Tier nach seinem Tod lebensecht aufbereitet, damit die Öffentlichkeit ihn im Museum bestaunen kann. Am Donnerstag stellten die Experten ihre Arbeit in Münster vor.

Das Leben von Rasputin verlief längst nicht so friedlich, wie seine entspannte Pose auf den ersten Blick vermuten lässt. Im September 2013 hatte er seinen Pfleger ins Genick gebissen, nachdem dieser vergessen hatte, die Luke einer Schleuse zum Käfig zu schließen. Der Mann starb. Anfang vergangenen Jahres musste das Tier dann eingeschläfert werden, da es unter einem bösartigen Tumor litt.

Auch die im Ausland lebenden Türken dürfen über das Präsidialsystem abstimmen. Kommt Erdogan zum Wahlkampf nach Deutschland? Das ist noch nicht sicher. Doch der Widerstand formiert sich schon.

Berlin/Köln (dpa) - In Deutschland wächst der Widerstand gegen einen möglichen Wahlkampfauftritt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und Nordrhein-Westfalens Landesregierung fordern, eine solche Veranstaltung zu untersagen. Die Bundesregierung müsse Erdogan «deutlich machen, dass er vor dem Referendum hier nicht erwünscht ist», sagte Özdemir am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Türken entscheiden am 16. April in einem Referendum über das Präsidialsystem, das Erdogan deutlich mehr Macht verleihen würde. Abstimmen dürfen auch die rund 1,4 Millionen Türken, die in Deutschland leben.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) forderte im «Kölner Stadt-Anzeiger»: «Es ist Aufgabe des Bundes, dafür zu sorgen, dass solche Auftritte weder in NRW noch irgendwo anders in Deutschland stattfinden.» Aus dem Bundesinnenministerium hieß es zu derartigen Forderungen allerdings nur, grundsätzlich seien die jeweiligen Bundesländer für die Anwendung des Versammlungsrechts zuständig.

Die «Bild»-Zeitung hatte unter Berufung auf einen Diplomaten aus Ankara berichtet, Erdogan wolle im März nach Nordrhein-Westfalen kommen, um vor dem Referendum in der Türkei für das von ihm angestrebte Präsidialsystem zu werben. Eine offizielle Bestätigung für die Reise gibt es allerdings nicht. Berlin will sich deshalb auch nicht zu den Möglichkeiten äußern, wie ein solcher Auftritt eventuell zu verhindern wäre.

Doch auch in den Reihen der Bundesregierung regt sich Widerstand. Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) sagte den Dortmunder «Ruhr Nachrichten»: «Solche Auftritte vergiften die Atmosphäre bei uns und schaden unserem friedlichen Zusammenleben.»

Belastet wird das deutsch-türkische Verhältnis derzeit auch durch Spitzelvorwürfe an die Adresse Ankaras. So sollen nach Deutschland entsandte Imame als Spitzelnetz benutzt worden sein, um Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen auszuspähen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht. Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sollen türkische Konsulate zudem türkischstämmige Lehrer und Eltern angestiftet haben, kritische Lehrer zu melden.

Erdogan absolvierte bereits 2008 und 2014 Wahlkampfauftritte vor Tausenden Anhängern in Köln. Ob der türkische Präsident in den kommenden Wochen tatsächlich wieder nach Nordrhein-Westfalen kommt, ist weiter unklar. In den großen Arenen in Oberhausen und Gelsenkirchen gibt es bislang offenbar keine Buchungsanfragen. Auch bei der Wahlkoordinierungsstelle der türkischen Regierungspartei AKP im Ausland ist von einem Erdogan-Auftritt offiziell «nichts bekannt».

In Ecuador kommt zur Stichwahl um die Präsidentschaft. Diese wird auch ein Votum über die Fortsetzung der «Bürgerrevolution» des nach zehn Jahren aus dem Amt scheidenden Rekord-Präsidenten Rafael Correa.

Quito (dpa) - Der Nachfolger des nach zehn Jahren aus dem Amt scheidenden ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa wird in einer Stichwahl ermittelt. Nach Auszählung aller Stimmen kommt der linke Regierungskandidat Lenín Moreno auf 39,3 Prozent der Stimmen. Auf den konservativen Gegenkandidaten Guillermo Lasso entfielen 28,1 Prozent.

Die zweite Runde zwischen Moreno und und Lasso wird am 2. April stattfinden. Moreno, unter Correa bis 2013 Vizepräsident, verpasste nur sehr knapp den Sieg schon in der ersten Runde. Mit 40 Prozent der Stimmen und einem Vorsprung von zehn Prozentpunkten auf den Zweitplatzierten wäre er direkt in den Präsidentenpalast eingezogen.

Correa hat Ecuador zehn Jahre regiert. Er setzt auf einen Wahlsieg Morenos, damit seine sogenannte Bürgerrevolution fortgesetzt wird.

Moreno (63) will Correas linke Politik fortsetzen und die Sozialprogramme für arme Bevölkerungsschichten weiter ausbauen. Seit er 1998 Opfer eines Raubüberfalls wurde, sitzt Moreno im Rollstuhl; er setzt sich weltweit für die Rechte Behinderter ein. Zudem ist er fleißiger Buchschreiber - über den Humor. Eine Auswahl: «Theorie und Praxis des Humors», «Die besten Witze», «Humor der Berühmten».

Lasso (61) strebt einen Politikwechsel an und will das Asyl für den Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft in London beenden. Er ist Eigentümer einer der größten Banken, der Banco Guayaquil, und Gründer der Partei Creando Oportunidades («Möglichkeiten schaffen»). Lasso will Steuererleichterungen, eine Million neuer Arbeitsplätze schaffen und das wegen des gesunkenen Ölpreises in die Rezession abgerutschte Land attraktiver für Investoren machen.

Bei der Umsetzung von Investitions- und Reformprogrammen wird auch der nächste Präsident in hohem Maße von der Entwicklung des Ölpreises abhängig sein. Dank lange sprudelnder Einnahmen wurden in Correas Amtszeit neue Straßen, Kraftwerke und Krankenhäuser gebaut. Die Armutsquote sank deutlich; Bildungsmöglichkeiten gerade für untere Einkommensschichten wurden verbessert. Für Kritik sorgten die Umweltzerstörungen durch die Ölförderung im Amazonasgebiet. Als der Ölpreis fiel, gerieten die Programme unter Druck, es zeigte sich das Risiko der Ölabhängigkeit. Mehrere Steuern mussten erhöht werden.

Wie halten wir es mit Abschiebungen nach Afghanistan? Für die Grünen entwickelt sich die Frage im Bundestagswahlkampf zum Problem. Denn eine einheitliche Linie gibt es nicht.

Stuttgart (dpa) - Der Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg kommt auf den letzten Drücker: Kurz vor der Sammelabschiebung am Mittwochabend nach Afghanistan entscheiden die Richter in Mannheim, dass ein Mann mit türkischer und afghanischer Staatsangehörigkeit zunächst nicht nach Kabul zurückgebracht werden darf. Die Auswirkung der Abschiebung auf seine zwei minderjährigen Kinder in Deutschland - darunter laut Gericht ein schwerbehinderter 14-Jähriger - sei nicht ausreichend geprüft worden.

In der bundesweit einzigen grün-schwarzen Koalition auf Landesebene führt das zu Verwerfungen. Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Uli Sckerl hält Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) «katastrophale Pannen» bei der Auswahl abgelehnter Asylbewerber für die Abschiebung vor. Denn vereinbart haben Grüne und CDU eigentlich, dass vorrangig Straftäter und alleinlebende Männer auf die Liste gesetzt werden können. Von den 18 Männern, die nun nach Kabul abgeschoben wurden, kamen 4 aus dem Südwesten.

Schleswig-Holstein und andere rot-grün regierte Bundesländer beteiligen sich derzeit nicht an Abschiebungen nach Afghanistan. Die Grünen-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, lobt dies ausdrücklich. Viele Grünen-Mitglieder sind in der Flüchtlingsarbeit engagiert - das Thema gehört quasi zur DNA der Partei. Auch in der Grünen-Landtagsfraktion in Stuttgart hat es Forderungen gegeben, die Abschiebung von Afghanen auszusetzen. Dann hat sich die Fraktion entschieden, die Linie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu unterstützen, der die Bundesregierung auffordert, die Sicherheitslage in dem Land neu zu bewerten.

Die Bundesländer können Abschiebungen aussetzen, aber nicht auf Dauer. Für Kretschmann ist das kein Thema. Er sagt, dass ein Bundesland einen Spielraum bei der Auswahl der abzuschiebenden Menschen habe - nicht beim Zielland, denn das sei Sache des Bundes. Doch diese Erklärung ist für viele Menschen an der Grünen-Basis nicht nachzuvollziehen. Es bleibt eine Diskrepanz zwischen dem, was Regierungs-Grüne etwa im Südwesten zusammen mit der CDU machen, und dem, was viele Mitglieder eigentlich für geboten halten. Grünen-Spitzenleute räumen ein, dass sich das auf Dauer zum Problem entwickelt. Da müsse es eine Lösung geben.

Offensichtliche Pannen wie bei dem eigentlich zur Abschiebung vorgesehenen Familienvater nähren den Verdacht der Gegner, dass es mit den versprochenen sorgfältigen Einzelfallprüfungen nicht weit her ist. Über alledem bleibt das Bild, dass bei dem Thema bei den Grünen quer durch Deutschland ein großes Durcheinander herrscht.

Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider erinnert daran, dass sich die Regierungs-Grünen in Baden-Württemberg bei der inneren Sicherheit insgesamt pragmatischer verhalten als ihre Kollegen im Bund. Ansonsten könnte ihnen im Bundestagswahlkampf leicht vorgeworfen werden, mit schuld an den Sicherheitsproblemen in Deutschland zu sein. «Aber ein Problem ist, dass es eine Riesenkluft gibt zwischen dem Verhalten der Grünen auf Bundesebene, die stärker ideologisch geprägt sind, und dem Verhalten von Grünen in den Ländern.» Im Bundestagswahlkampf könne das schwierig werden. «Die politischen Gegner könnten darauf verweisen, dass die Grünen bei dem Thema nicht einheitlich agieren und nicht wissen, wohin sie wollen.»

Der islamistische Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember mit zwölf Toten habe die gesamte politische Agenda verschoben - Sicherheitsthemen werden nach Brettschneiders Einschätzung den Bundestagswahlkampf dominieren. Die innere Sicherheit samt Abschiebungen sei zwar kein Thema, bei dem die Grünen viele Wählerstimmen hinzugewinnen könnten. «Aber sie müssen verhindern, dass es ein Thema wird, wegen dem sie verlieren.»

Verden (dpa) - Bei einer Miss-Wahl unter Kühen haben sich 170 langbeinige Schönheiten im niedersächsischen Verden von ihrer besten Seite gezeigt. Zugelassen waren Milchkühe der Holstein-Rasse, ob Schwarz- oder Rot-Bunt, aus Niedersachsen und Sachsen. Alle waren zuvor herausgeputzt worden. Die Entscheidung bei der 44. «Schau der Besten» sollte am späten Nachmittag fallen.

Veranstalter ist die Zuchtorganisation Masterrind. Das Amt des Preisrichters übernahm dieses Jahr der Schweizer Roger Frossard. «Eine Super-Kuh! Sie ist überall schön!» - so und ähnlich begeisterte sich der 36-Jährige ein ums andere Mal, als die topgestylten Wiederkäuer in die Arena einliefen. Mehr als 1500 Zuschauer verfolgten das Spektakel.

Berlin (dpa) - «Alternative Fakten», Einreisesperren und Klimawandel-Leugner: Im Kampf gegen wissenschaftsfeindliche Entwicklungen wollen Berliner Forscher auf die Straße gehen. Ein Ableger der international angekündigten Wissenschaftsmärsche zum «Welttag der Erde» am 22. April ist auch in der Hauptstadt geplant, wie die Initiatoren am Donnerstag mitteilten. Ziel sei es, für den Wert von Wissenschaft und Forschung als Grundlage der demokratischen Gesellschaft einzutreten und «rückschrittliche und populistische Sichtweisen» zurückzuweisen. «Anti-Trump ist uns zu kurzsichtig», hieß es weiter.

Zunächst hatten Wissenschaftler in Washington zu einem «March for Science» aufgerufen, um ihre Arbeit zu verteidigen. Inzwischen sind rund 280 Ableger gelistet, darunter in neun deutschen Städten.

Vor zwei Monaten sah die AfD ihr Wählerpotenzial bei 20 Prozent. Davon ist sie im Moment weit entfernt. Die Meinungsforscher fragen sich, worauf der Sinkflug in den Umfragen zurückzuführen ist. Und auch bei der AfD sucht man Schuldige.

Berlin (dpa) - Die Umfragewerte der AfD sind sieben Monate vor der Bundestagswahl im Keller. Das Gleiche lässt sich über die Stimmung in der Partei sagen.

Im vergangenen Dezember gaben 15 Prozent der Deutschen an, bei der nächsten Bundestagswahl die AfD zu wählen. Aktuell sehen die Meinungsforscher die Zustimmung für die Partei von Frauke Petry und Jörg Meuthen bei 8 bis 11 Prozent. Das ist für eine so neue Partei wie die AfD zwar immer noch ganz ordentlich. Doch Listenplätze, die im Dezember noch als sicheres Ticket in den Bundestag galten, sehen in diesem Licht plötzlich gar nicht mehr so attraktiv aus. Dadurch wird das Gerangel um die Spitzenplätze in den Landesverbänden aggressiver.

Dass der Senkrechtstart von SPD-Spitzenmann Martin Schulz der AfD dieses aktuelle Umfragetief beschert haben könnte, glauben in der Partei nur wenige. «Das spielt eine untergeordnete Rolle», wiegelt Parteichef Meuthen ab. Er hält die Schulz-Begeisterung ohnehin für eine Eintagsfliege und setzt darauf, dass der neue Star der SPD «schnell entzaubert» werden wird. Die derzeit hohen Zustimmungswerte für Schulz, sieht er vor allem darin begründet, «dass die Leute von Angela Merkel als Bundeskanzlerin die Nase voll haben».

Fragt man andere AfD-ler nach dem Grund für die aktuelle Misere, hört man einen Namen noch häufiger als den von Schulz: Björn Höcke. Wobei es auch hier zwei Lager gibt: Die einen sagen, der Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzende Höcke habe der Partei durch seine umstrittene Dresdner Rede über das deutsche Geschichtsverständnis massiv geschadet. Die anderen sehen eher die Zerstrittenheit der Partei im Umgang mit Höcke als Kernproblem.

Dirk Driesang gehört der ersten Gruppe an. Der Opernsänger, der dem Bundesvorstand als Beisitzer angehört, sagt: «Ich bin sicher, dass dies auf die Rede von Höcke zurückzuführen ist.» Er hat in den letzten Tagen von einigen Parteikollegen Kritik am konfrontativen Kurs des Vorstandes in der Causa Höcke einstecken müssen. Dennoch ist er immer noch überzeugt, dass die Parteiführung mit der Entscheidung zum Parteiausschluss «ein richtiges Signal gesetzt» hat.

Driesang weiß Parteichefin Frauke Petry und die baden-württembergische Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Alice Weidel, auf seiner Seite. Petry hält Höckes Idee von der AfD als «Bewegungspartei» für falsch. In einem Mitgliederrundbrief, den sie zehn Tage nach Höckes Rede im Namen des Vorstandes verschickte, schrieb Petry: «Dieser Weg würde die AfD als Partei nicht nur unglaubwürdig machen, sondern mittelfristig auch ihrer demokratischen Legitimation berauben.»

Die Höcke-Gegner schätzen, dass dessen rechtsnationaler Parteiflügel etwa 15 Prozent der AfD-Mitglieder hinter sich versammelt. Höckes Unterstützer sehen das anders, sie sehen den «Flügel» eher im Bereich von 30 Prozent.

Theoretisch würde sich noch eine ganz andere Begründung für den Sinkflug der AfD finden lassen: Dass die von ihr so heftig kritisierte Bundesregierung ihren Job heute in der Wahrnehmung der Wähler besser macht als im vergangenen Jahr. Der «Kölner Stadt-Anzeiger» vermutet: «Dass die AfD schrumpft, dürfte auch mit der schleichenden Wende in der Flüchtlingspolitik in Verbindung stehen.» Die liberale «Fassade der Willkommenskultur» stehe zwar noch. Im Vordergrund stehe inzwischen aber nicht mehr die Aufnahme, sondern die Abwehr.

Forsa-Chef Manfred Güllner glaubt, dass Donald Trump, dessen Wahl zum US-Präsidenten die AfD bejubelt hat, der Partei schadet. Zu einer Umfrage für «Stern» und «RTL» sagte er am Mittwoch: «Die chaotische Amtsführung von US-Präsident Donald Trump, den man zunächst noch feierte, beunruhigt jetzt eher angesichts der Krisenherde in aller Welt.»

Und wie geht es jetzt weiter? Am vergangenen Freitag diskutierte der Bundesvorstand noch einmal über Höckes Zukunft. Stundenlang und ohne konkretes Ergebnis, wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist. Sollte das Thüringer Landesschiedsgericht Höckes Rauswurf kippen, dürfte der Fall vor dem AfD-Bundesschiedsgericht landen. Dort hat Höcke Unterstützer.

Einer von ihnen ist Thomas Seitz aus Baden-Württemberg. Er hatte nach Höckes Dresdner Rede sein Titelbild auf Facebook aktualisiert. Dort stand danach der Slogan des «Flügels»: «Wir stehen zu Björn Höcke!» Seitz steht auf der baden-württembergischen Kandidatenliste für die Bundestagswahl auf Platz fünf. Sollte es noch weiter bergab gehen, dann müsste vielleicht auch er um seinen Platz im Bundestag bangen.

Berlin (dpa) - Kein Bier unter 16, kein Schnaps unter 18: Zum Karneval fordert die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) die Behörden zu scharfen Kontrollen beim Verkauf von Alkohol auf. Sie sollten Supermärkte, Kioske und Kneipen stärker im Blick behalten, sagte Mortler der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). «Länder und Kommunen sollten während der Karnevalszeit ihre Verantwortung ernst nehmen und die Einhaltung des Jugendschutzes beim Verkauf von Alkohol scharf kontrollieren», so die CSU-Politikerin. Bei Bier, Wein oder Sekt ist die Abgabe an Jugendliche ab 16 Jahren erlaubt. Die Abgabe von Branntweinen und branntweinhaltigen Getränken sowie das Schnapstrinken in der Öffentlichkeit sind erst ab 18 Jahren erlaubt.

Mehr als sieben Monate mussten Flüchtlinge im vergangenen Jahr im Schnitt auf die Entscheidung warten, ob sie hier bleiben dürfen oder nicht. Damit sind die Verfahrensdauern erneut gestiegen. Unbegleitete Kinder mussten sich sogar noch länger gedulden.

Berlin/Nürnberg (dpa) - Die Asylverfahren in Deutschland dauern im Schnitt wieder länger. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) brauchte im vergangenen Jahr für die Bearbeitung eines Antrags durchschnittlich 7,1 Monate. Im Jahr zuvor waren es nur 5,2 Monate. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag) darüber berichtet.

Im vierten Quartal 2016 lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit sogar bei 8,1 Monaten. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, sagte, viele Schutzsuchende würden sogar jahrelang im Unklaren gelassen und zur Untätigkeit gezwungen. Denn im Schnitt müssten die Menschen auch noch ein halbes Jahr warten, bis sie überhaupt ihren Asylantrag stellen können. «Das ist für die Betroffenen völlig unzumutbar und für die Aufgabe ihrer Integration eine Riesenbürde.» Ende 2016 waren laut der Statistik mehr als 113 000 Asylverfahren seit mehr als einem Jahr anhängig. Knapp 35 000 Geflüchtete warteten seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung.

Das Ministerium begründet den Anstieg der Bearbeitungsdauer damit, dass inzwischen vermehrt komplexe Altfälle abgearbeitet würden. Anträge, die in den vergangenen sechs Monaten gestellt wurden, würden im Schnitt in 2,1 Monaten entschieden.

Überdurchschnittlich lange mussten im vergangenen Jahr Menschen aus Somalia (17,3 Monate) auf ihren Asylbescheid warten. Bei Türken waren es 16,3 Monate, bei Russen 15,6 Monate und bei Menschen aus Pakistan 15,5 Monate. Syrer bekamen ihren Bescheid im Schnitt nach 3,8 Monaten. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mussten 2016 im Schnitt 8,3 Monate auf eine Entscheidung warten.

Im vergangenen Jahr kamen 36 000 Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern nach Deutschland. 8486 minderjährige Flüchtlinge wurden an den Grenzen aufgegriffen. 649 von ihnen wurden von der Bundespolizei zurückgewiesen oder zurückgeschoben - vor allem an der Grenze zu Österreich. Vor allem junge Menschen aus Afghanistan (278) durften nicht nach Deutschland einreisen. Jelpke kritisierte diese Praxis als «unverantwortlich und rechtswidrig».

Wie aus der Statistik weiter hervorgeht, waren im November 2016 fast 132 000 Asylverfahren bei den Gerichten anhängig - mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Rund 490 000 Dokumente von Asylsuchenden wurden 2016 überprüft. Davon hätten sich knapp 13 000 (2,6 Prozent) als ge- oder verfälscht erwiesen. Manche Flüchtlinge seien für ihre Flucht jedoch auf gefälschte Reisedokumente angewiesen. «Öffentliche Debatten über verbreitete Täuschungen haben somit keinerlei empirische Grundlage», hieß es von der Linksfraktion.

Aufgrund einer Stichtagsregelung wurden 2016 noch immer knapp 143 000 Asylentscheidungen im schriftlichen Verfahren entschieden - die meisten davon also ohne persönliche Anhörung. 2015 waren es 106 000.

Ende Januar stapelten sich beim BAMF noch knapp 385 000 nicht entschiedene Verfahren. Behörden-Chefin Jutta Cordt hat angekündigt, dass der Berg bis Ende des Frühjahrs abgearbeitet sein soll.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will Litauen im Streit um den Bau eines Atomkraftwerks in Weißrussland zur Seite stehen. «Wir von deutscher Seite werden uns dafür einsetzen, dass hier auch die technischen Standards natürlich möglichst hoch sind», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag bei einem Treffen mit Litauens Regierungschef Saulius Skvernelis in Berlin. «Denn egal ob man in der direkten Nachbarschaft ist oder weiter weg wohnt - wir wissen seit Tschernobyl natürlich, dass die Sicherheit von Kernkraftwerken von entscheidender Bedeutung ist.»

Die autoritär regierte Ex-Sowjetrepublik Weißrussland baut nahe der Grenze zu Litauen trotz massiver Vorbehalte des EU-Staates mit russischer Hilfe zwei Reaktoren. Die Anlage liegt rund 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt. Litauischen Angaben zufolge kam es bei den Bauarbeiten wiederholt zu Zwischenfällen. In Folge des Unglücks in dem ukrainischen Kraftwerk Tschernobyl 1986 kamen Tausende Menschen ums Leben.

Skvernelis sagte, das sei kein Problem Litauens, sondern der ganzen Region. «Für Litauen ist das eine Überlebensfrage», sagte er. Merkel warb dafür, dass sich internationale Inspektoren den Bau anschauen könnten. «Wir werden auch mit Russland immer wieder darüber sprechen, wie wichtig das für uns alle ist.» Auch wenn man unterschiedlicher Meinung sei, müssten solche Themen angesprochen werden.

Gerichte aus dem Nahen Osten, wie Schawarma und Falafel, sind auch in Deutschland beliebt. Die österreichische TV-Köchin Sarah Wiener lässt sich in Tel Aviv inspirieren.

Tel Aviv (dpa) - Die Kichererbsen-Paste Hummus mit Tomatensoße, kandierte und frittierte Pekannüsse und türkisches Halva - die österreichische Fernsehköchin Sarah Wiener erkundet derzeit die regionale Küche in Israel. Viele Menschen kämen ja ins Heilige Land aus religiösen Gründen, sagte Wiener am Donnerstag in Tel Aviv. «Ich nähere mich auf kulinarische Art und Weise.»

Die 54-Jährige besuchte am Donnerstag gemeinsam mit dem deutsch-israelischen TV-Koch Tom Franz den Karmel-Markt in Tel Aviv. Die Verwendung der Gewürze in der israelischen Küche hält Wiener für eines der spannendsten Themen. «Man ruft ja in seinem Gedächtnis die verschiedenen Geschmacksnuancen ab, wie in einer Bibliothek, wo du so in Büchern blätterst», sagt Wiener, die in Berlin lebt. «Wenn du jetzt eine neue Gewürzmischung probierst, dann ist das wie ein Buch, das du noch nicht gelesen hast oder wie ein Blatt, dass du deiner Bibliothek zufügst.»

So habe sie beispielsweise das Gewürz Ysop bisher zwar schon in Salaten verwendet. Ihr selbst sei es aber zu bitter. Nun habe sie es in getrockneter Form in einer Gewürzmischung mit Sesam entdeckt. So könne sie es sich mit Olivenöl und Nudeln vorstellen.

Traditionelle Gerichte in Israel sind unter anderem die Kichererbsen-Paste Hummus, das Fleischgericht Schawarma, Falafel und Schakschuka, pochierte Eier in einer Soße aus Tomaten und Zwiebeln. Als Trend in den vergangenen Jahren hat sich die vegane Küche entwickelt.

«Wir sind, glaube ich, immer noch im vegan-Trend», sagt Tom Franz. Israel bezeichnet sich selbst als das Land mit der höchsten Veganerquote weltweit. Das Außenministerium schreibt auf seiner Internetseite von rund 300 000 Veganern. Aktuell leben in Israel rund 8,6 Millionen Menschen.

Franz, 43, stammt aus Köln. Der zum Judentum konvertierte Jurist hat 2013 bei der in Israel beliebten Koch-Show «Masterchef» gewonnen. Der mit einer Israelin verheiratete Franz achtet bei seinen Rezepten strikt darauf, die jüdischen Speisegesetze einzuhalten. So mischt er zum Beispiel keine Milchprodukte mit Fleisch.

Das Entscheidende für die israelische Küche sind laut dem Essensexperten Avichai Zabari die zahlreichen Einflüsse aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, die sich in Israel mischen. «Israel ist so ein junges Land, wo mehr als 150 Völker zusammengekommen sind», sagt der Anbieter von kulinarischen Touren. «Dazu kommt die Tatsache, dass die palästinensische Küche schon Jahre hier gewesen ist, bevor wir gekommen sind.»

Typisch sei, in ein Pita-Brot aus der Region unter anderem ein Schnitzel zu packen, dazu Sesam aus Äthiopien, Krautsalat aus Osteuropa und Pommes aus Belgien. «Das ist die einfachste Sache, die man in ganz Israel bekommen kann», sagt Zabari. «Ein bekannter Koch hat mal erklärt: Wenn man sich durch all diese Lagen isst, dann hat man Israel in einem Happen.»

Halle (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will höhere Investitionen in Ausbildung und Pflege. Dafür sollen nach seinen Vorstellungen beim Staat aufgelaufene Haushaltsüberschüsse verwendet werden, wie er am Donnerstag bei einem Besuch im Universitätsklinikum Halle sagte. Für Schulz war dies nach seiner Nominierung als neuer SPD-Chef und Kanzlerkandidat der erste Auftritt in Sachsen-Anhalt. Bei den Landtagswahlen 2016 war die SPD dort nur noch knapp über zehn Prozent gekommen.

«Gut ausgebildete Männer und Frauen sind die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes», sagte Schulz. Er wolle sich deshalb auch für Gebührenfreiheit von der Kita bis zur Universität einsetzen.

Für Irritation sorgte kurz ein Störer, der die SPD unter anderem als «Arbeiterverräter» beschimpfte. Er wurde von Sicherheitsleuten weggeführt. Die Polizei erteilte ihm einen Platzverweis. Inzwischen ermittele der Staatsschutz gegen den 46-Jährigen wegen des Verdachts der Beleidigung, teilte die Polizei mit.

Berlin (dpa) - Der Fund von sieben erdähnlichen Planeten bei dem Roten Zwergstern Trappist-1 schürt die Hoffnung auf eine Entdeckung von außerirdischem Leben. Soweit ist es allerdings noch lange nicht.

Was haben die Forscher entdeckt?

Das Team um den Belgier Michaël Gillon von der Universität Liège hat mit einer akribischen Suche die Signale von insgesamt sieben ungefähr erdgroßen Planeten bei einem Roten Zwergstern in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems aufgespürt. Es ist nicht das erste entdeckte System mit sieben um einen Stern kreisenden Planeten, aber das Sonnensystem mit den meisten Gesteinsplaneten, das wir bislang kennen. Alle sieben Planeten könnten nach Meinung der Forscher in irgendeiner Form flüssiges Wasser besitzen, drei liegen in der sogenannten bewohnbaren Zone des Zwergsterns.

Was ist die bewohnbare Zone?

Als bewohnbare Zone bezeichnen Astronomen jenen Bereich um einen Stern, in dem die Temperaturen die dauerhafte, großräumige Existenz von flüssigem Wasser erlauben. Dabei wird in der Regel der Treibhauseffekt einer potenziellen Atmosphäre mit einbezogen. Ob die Planeten von Trappist-1 eine Atmosphäre haben, wissen ihre Entdecker allerdings noch nicht.

Warum ist flüssiges Wasser so wichtig?

Flüssiges Wasser gilt als Grundvoraussetzung für alles Leben, wie wir es kennen.

Haben die Forscher flüssiges Wasser auf den Planeten von Trappist-1 entdeckt?

Nein, danach haben sie auch nicht gesucht. Sie haben lediglich die Existenz der Planeten selbst entdeckt. Direkt hat die Planeten noch niemand gesehen. Die Forscher beobachteten, dass der Stern Trappist-1 sehr regelmäßig kleine Schwankungen in der Helligkeit erfährt. Diese Schwankungen entstehen, wenn die sieben Planeten auf ihren Umlaufbahnen von der Erde aus gesehen vor dem Stern vorbeiwandern und so ein kleines Stück von ihm abschatten. Diesen Effekt kann man sehr genau messen und daraus die Größe des jeweiligen Planeten bestimmen. Solche Exoplaneten lassen sich nur entdecken, wenn zufällig von der Erde genau auf die Kante eines solchen Systems geblickt wird. Sonst laufen die Planeten - aus unserem Blickwinkel - nicht vor ihrem Stern vorbei.

Was bedeutet die Entdeckung der Planeten für die Suche nach außerirdischem Leben?

«Mehrere Planeten in der bewohnbaren Zone eines Sterns zu finden, ist eine großartige Entdeckung, denn es bedeutet, dass es noch mehr potenziell bewohnbare Planeten pro Stern geben kann als wir gedacht haben. Und mehr Gesteinsplaneten in der bewohnbaren Zone zu finden, erhöht definitiv unsere Chancen, Leben zu entdecken», erläutert die Exoplaneten-Expertin und Direktorin des Carl-Sagan-Instituts an der Cornell-Universität in den USA, Lisa Kaltenegger, in einer Stellungnahme zu der Entdeckung.

«Trappist-1 hält jetzt den Rekord für die meisten Gesteinsplaneten in der bewohnbaren Zone - unser Sonnensystem hat zwei, Erde und Mars. Leben ist definitiv eine Möglichkeit auf diesen Welten, aber es sieht vielleicht anders aus, denn es gibt wahrscheinlich sehr hohe Level ultravioletter Strahlung auf der Oberfläche dieser Planeten.»

Wie geht es mit der Untersuchung weiter?

Die Forscher schätzen, dass künftige Teleskope feststellen können, ob und was für Atmosphären die Planeten besitzen. Dazu analysieren die Astronomen, ob und wie das Licht des Sterns durch eine Atmosphäre gefiltert wird, wenn der untersuchte Planet vor dem Stern vorbeiläuft. Beobachtungen der inneren beiden Planeten des Systems mit dem «Hubble»-Weltraumteleskop haben nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa keine Hinweise auf eine aufgeblähte, wasserstoffreiche Atmosphäre wie etwa beim Planeten Neptun ergeben.

Das stärkt die Annahme, dass es sich um Gesteinsplaneten wie unsere Erde mit vergleichsweise dünnen Lufthüllen handeln könnte. «Atmosphärische Biosignaturen wie Methan, die auf Anpassungen durch Leben hindeuten, könnten mit dem «James Webb»-Weltraumteleskop zu entdecken sein, das 2018 startet, oder mit dem European Extremely Large Telescope, das 2022 in Betrieb gehen soll», schätzt Kaltenegger.

Welche anderen Kandidaten für außerirdisches Leben gibt es?

Die Universität von Puerto Rico pflegt einen Katalog bewohnbarer Exoplaneten. Er listete ohne das Trappist-1-System bereits 44 Kandidaten bei verschiedenen Sternen auf. Die Universität vergibt einen Index für Erdähnlichkeit. Er wird bislang angeführt von dem bei Proxima Centauri entdeckten Exoplaneten, der unter dem Strich auf 87 Prozent Erdähnlichkeit kommt. Er ist mit einem Abstand von nur vier Lichtjahren zugleich der nächste potenziell bewohnbare Exoplanet. Das Trappist-1-System liegt zehnmal so weit entfernt - gehört damit aber immer noch zu unserer kosmischen Nachbarschaft.

Daneben gibt es auch in unserem eigenen Sonnensystem möglicherweise Chancen, außerirdisches Leben zu finden. So suchen verschiedene Marsmissionen nach Lebensspuren auf dem Roten Planeten, und Astronomen vermuten bei mehreren großen Monden von Jupiter und Saturn sowie auf dem Zwergplaneten Ceres unterirdische Ozeane unter deren Eispanzern, in denen sich Leben entwickelt haben könnte.

Tel Aviv (dpa) - Die österreichische Starköchin Sarah Wiener rät dazu, an den letzten Wintertagen mit Kohlgerichten Kraft zu tanken. «Unser Kohl ist ein Super-Food», sagte Wiener am Donnerstag in der israelischen Küstenstadt Tel Aviv. Der sei nicht ganz so sexy wie eine Kokosnuss oder ein Avocado-Buttermilchshake, aber man könne viele verschiedene Sachen daraus machen. «Ich empfehle, genau das zu essen, was in der Region in der Zeit saisonal wächst, weil dir das am meisten Kraft gibt und dich am Gesündesten hält», sagte die 54-Jährige.

Wiener informiert sich aktuell in Israel über die regionale Küche. Dabei hat sie auch der deutsch-israelische Fernsehkoch Tom Franz über dem Karmel-Markt in Tel Aviv geführt. Der gebürtige Kölner hat 2013 bei der in Israel beliebten Koch-Show «Masterchef» gewonnen.

Typische Gerichte in Israel sind unter anderem die Kichererbsen-Paste Hummus, das Fleischgericht Schawarma, Falafel und Schakschuka, pochierte Eier in einer Soße aus Tomaten und Zwiebeln. Dabei mischen sich Einflüsse zahlreicher Nationen in dem Einwandererland mit jüdischer und arabischer Küche.

Dörfer schrumpfen und vergreisen. Frankfurt dagegen wächst Jahr für Jahr um die Einwohnerzahl einer Kleinstadt. Die Kluft zwischen Stadt und Land weitet sich. Ein Besuch bei drei Familien zeigt, wie Menschen in Deutschland damit umgehen.

Greifswald (dpa) - Deutschland ist in Bewegung. Jedes Jahr wechseln Hundertausende ihren Wohnort. Metropolen wie München, Frankfurt und Berlin wirken wie Magnete. Manche Dörfer dagegen veröden. Im Osten wie im Westen. Driftet Deutschland auseinander? Sprechen Städter und Dorfbewohner überhaupt eine Sprache, zum Beispiel wenn sie von Heimat reden? Eine Spurensuche bei drei Familien in drei sehr unterschiedlichen Orten.

Ein Kuschelsofa steht im Wohnzimmer - bei Familie Wagenrad auf dem Dorf genau wie bei den Pfanners in der Großstadt. Am Esstisch kommen Eltern und Kinder zusammen. Sie diskutieren, lachen und spielen. Viele Rituale gleichen sich zwischen Alpen und Küste. Auch wenn für die einen die Geräusche des Stadtverkehrs zum Heimatgefühl gehören und für die anderen das Rauschen der Blätter.

Wir starten in Frankfurt am Main. Die Stadt mit ihren mehr als 720 000 Einwohnern wächst: 2015 um mehr als 42 Menschen pro Tag. Jedes Jahr gewinnt die Metropole zahlenmäßig quasi eine Kleinstadt mit 15 000 Einwohnern dazu. Das bringt Probleme. Mietpreise explodieren, Plätze für die Kinderbetreuung werden knapp.

Ulrike Stock und Daniel Pfanner sind dennoch überzeugte Städter. Wenn die Söhne schlafen, setzen sich die Eltern im Sommer auf die Dachterrasse der Mietwohnung. Sie genießen den Sound der City. «Ich höre lieber die Geräusche der Stadt als Grillenzirpen», sagt der Professor für Bauingenieurwesen. «Ich liebe das Gefühl, dass ich mitten drin bin.» Der 44-Jährige hat ein paar Jahre in Paris gelebt, Frankfurt sieht er als «gemütliche kleine Stadt».

Seine Ehefrau Ulrike (43) schätzt die kurzen Wege. «Alles ist in zehn Minuten zu erreichen», rechnet sie vor. Ob es die Schule von Laurens, dem großen Sohn, ist, oder Valentins Kindergarten.

Wer ihnen am Esstisch gegenübersitzt, erlebt ein entspanntes Paar. Auch wenn der Alltag oft Stress bedeutet: «Es ist anstrengend, den Spagat hinzubekommen zwischen Beruf, Familie und Partnerschaft, dass nichts auf der Strecke bleibt», sagt Ulrike Stock.

Wichtig scheint beiden vor allem das Gefühl, dass die Stadt brummt vor Angeboten: Kino, Theater, Hoffeste mit Nachbarn. Selbst wenn sie nicht alles nutzen. In einen Vorort oder aufs Land zu ziehen, «das war nie eine Option», sagt Daniel Pfanner.

Die Familie wohnt auf 125 Quadratmetern. Vier Zimmer, eine Glasfront vor der Dachterrasse, offene Küche und gemütliche, grüne Sofas - wie gemacht zum Büchervorlesen. Anfang 2016 sind die vier eingezogen. «Wir hatten großes Glück», freut sich Daniel Pfanner. Finanziell stellt der Vater mit seinem höheren Einkommen - ganz klassisch - die Familie auf sichere Beine. Ulrike Stock ist Innenarchitektin.

In Frankfurt eine bezahlbare Mietwohnung zu ergattern, gelingt nicht jedem. Das Drei-Zimmer-Apartment, in dem die Familie zuvor gewohnt hatte, gehört dem Paar. Es ist noch nicht abbezahlt. Doch mit zwei Kindern wurde das Mini-Kinderzimmer dort zu eng. Eine größere Wohnung zu kaufen, war in Frankfurt finanziell nicht drin. Also haben sie ihr Eigentum vermietet und sind jetzt selbst Mieter.

Weil das neue Zuhause größer ist, zahlt das Paar drauf. Das Budget gibt das her. Auch Hort- und Kitagebühren - je knapp 200 Euro pro Monat - machen die berufstätigen Eltern nicht arm.

Als Heimat sehen die Pfanner/Stocks weniger eine Stadt als vielmehr «unsere kleine Familie». Ein Platz, wo der Vater sich verortet, ist «dieser Esstisch hier», sagt Pfanner und streicht übers Holz.

Unlängst hatte die Stadt Frankfurt geprüft, was Neubürger anlockt. Und warum andere abwandern. Ergebnis: Die meisten kommen der Arbeit wegen, fast jeder Dritte nennt einen neuen Job als Grund. Häufigster Grund zum Weggang ist der angespannte Wohnungsmarkt. Ein Leben im Grünen und saubere Luft sind demnach nachrangig.

Jahrelang waren die größten deutschen Städte auch für junge Familien sehr attraktiv. Nun deutet sich dort nach Einschätzung von Forschern ein Gegentrend an. Zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende zogen 2014 in Metropolen mit einem besonders hohen Preisniveau, wie es München und Stuttgart sind, mehr 30- bis 49-Jährige weg als hinzukamen. Treiber sind vor allem Eltern mit Kindern.

«Angesichts explodierender Mieten und Immobilienpreise können weniger Familien ihre Wohnungswünsche in der Großstadt realisieren», erläutert Antonia Milbert. Sie ist Regionalforscherin am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn.

Deshalb verlagern gerade Eltern ihr Zuhause in die sogenannten Speckgürtel um große Städte, wo Wohnen weniger kostet. Durchs Pendeln könnten sie die Vorzüge der Stadt weiter nutzen, sagt Milbert.

Doch auch wenn Familien aus den Citys weggehen: Zentren insgesamt wachsen. Die Ballungsräume ziehen mit Ausbildungsangeboten, Jobs und Aufstiegschancen gut qualifizierte sowie junge Menschen an. Und Einwanderer. Nirgendwo ist die Zuwanderung junger Menschen höher als in Metropolen. Und die müssen irgendwo herkommen.

Rund 140 Kilometer nordöstlich von Frankfurt liegt Heyerode, ein 216-Einwohner-Dorf. Der Werra-Meißner-Kreis hat seit 1995 fast 20 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Während der deutschen Teilung bis 1989/90 war er sogenanntes Zonenrandgebiet - und wenig attraktiv für Firmen. Davon hat er sich in den Jahrzehnten danach kaum erholt. Das Land Hessen erwartet, dass die Gemeinde Sontra, zu der Heyerode gehört, bis 2030 weiter schrumpft.

Der Werra-Meißner-Kreis ist ein typisches Beispiel für ländliche, wirtschaftlich schwache Gebiete. Es gibt sie im Westen, es gibt sie im Osten. Vor allem die 18- bis 24-Jährigen kehren diesen Gegenden den Rücken.

Der Bevölkerungsforscher Sebastian Klüsener spricht von «selektiver Abwanderung». Darunter leiden nicht nur Landstriche in Nordhessen und der Lausitz im Osten, sondern auch strukturschwache Städte wie Marl und Bottrop im Westen und Brandenburg an der Havel. «Oft gehen die Aktiven, besser Gebildeten zuerst, was Abwärtstendenzen weiter verstärken kann», sagt Klüsener, der am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock tätig ist.

Dennoch fühlt sich Familie Wagenrad hier richtig: «Heimat ist, wenn ich die Augen aufmache und alles ist vertraut - die Personen, die Umgebung, das Gewohnte. Wir wollen auch anderes kennenlernen, aber ich freue mich auch, nach Hause zu kommen», sagt Heiner Wagenrad, der mit Frau und drei Kindern in Heyerode wohnt.

Es ist Montagabend. Anna-Lena Wagenrad (14) zieht die Sportschuhe an und wartet, dass ihre Mutter Jacke und Autoschlüssel nimmt. «Mein Hobby ist es, meine Tochter zu ihren Hobbys zu fahren», erzählt Nicole Wagenrad lachend. Halb im Scherz gesagt, beschreibt die 39-jährige Teilzeit-Buchhalterin eines der Hauptprobleme. Fast jeden Abend bringt sie Anna-Lena irgendwo hin. Zum Gardetanz, zum Reiten und Chor - oder mal ins Kino. Von Heyerode sind es sieben Kilometer bis zur 4500-Einwohner-Stadt Sontra - ein Auto gilt als Muss.

Die Wagenrads haben ihr Haus vor rund 13 Jahren gebaut, es ist das vorletzte in der Straße. Auf 120 Quadratmetern lebt die Familie, später werden auch die vierjährigen Zwillinge zwei Zimmer bekommen.

Was bringt Leute dazu, sich auf dem Land niederzulassen? «Die Ruhe. Es ist ruhig hier, kein Auto, kein Straßenlärm», sagt der 44-jährige Vater, Logistik-Abteilungsleiter im 25 Kilometer entfernten Eschwege. Schon seine Eltern wohnten in Heyerode, waren Bauern. «Man kennt sich. Man ist eine große Familie. Beim Dorffest helfen alle beim Zeltaufbau - da fängt das Fest schon an.» Auch Anna-Lena gefällt das. «Ich könnte mir nicht vorstellen, in der Stadt zu leben.»

Doch der Blick in die Zukunft ist nicht ungetrübt. «Ich habe schon Sorge, was in zehn Jahren ist, aber ich möchte hier wohnen wollen», sagt die Mutter. Ihr Mann sieht sich auch in 30 Jahren noch im Dorf. Schwierig sei aber, dass nichts vor Ort sei. «Nicht für uns, aber für ältere, die kein Auto mehr fahren können», sagt Nicole Wagenrad.

Was passiert mit den Gebieten, wenn die Bevölkerung schrumpft und altert, weil die Jungen Tschüs sagen? Regionen versuchten zwar, sich attraktiv zu machen, sagt der Bevölkerungswissenschaftler Steffen Maretzke. Aber ihre Startposition im Wettlauf mit Boomstädten sei oft schlechter. Sie nähmen auch weniger Steuern ein als reiche Gegenden. «Es ist ein sich selbstverstärkender Prozess, dass die räumlichen und sozialen Disparitäten weiter zunehmen», folgert der Experte aus Bonn.

Schon jetzt sei die Bevölkerung auf dem Land mit einem Durchschnitt von 46 Jahren zweieinhalb Jahre älter als in wirtschaftsstarken Regionen. Die Altersunterschiede nähmen tendenziell eher zu, sagt Maretzke voraus. Ein Grund ist auch, dass mehr Menschen studieren. Und die Hochschulen liegen nun mal meist in den Zentren.

Nicht nur Metropolen wie Berlin, München und Hamburg profitieren davon, sondern auch kleinere Universitätsstädte wie Greifswald. Die Hansestadt mit Max-Planck-Institut und dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit liegt an der Ostsee - und im strukturschwachen Vorpommern. Während die dortigen Dörfer ähnlich wie Heyerode in Hessen Menschen verlieren, wächst die Einwohnerzahl in Greifswald - in zehn Jahren von etwa 52 500 auf 57 300. Das Durchschnittsalter lag 2015 bei 42,5 Jahren, und damit unter dem deutschen Schnitt.

Gäbe es die Universität nicht, hätten sich Susann und Stefan Seiberling wohl nie kennengelernt. Er stammt aus dem Schwarzwald, sie von der Küste. «1992 habe ich die Stadt das erste Mal besucht und fand sie mit ihren kaputten Häusern und grauen Fassaden einfach nur bedrückend», sagt der 45-Jährige. Zwei Jahre später begann Seiberling trotzdem, dort Landschaftsökologie zu studieren - er fand einen Professor so spannend. So traf er die Medizinstudentin Susann.

Das triste Grau in den Straßen wich. Greifswald erlebte nach der Wende einen Aufschwung - auch weil Fördergelder nach Osten flossen. Inzwischen hat das Paar vier Kinder: Nikolas ist 15, Florin 13, Pamina 9 und Benjamin 4 Jahre alt. Susanns Eltern und Verwandte leben auch in Greifswald. Stefans Mutter zog nach, wegen der Enkelkinder.

Über dem Esstisch hängt eine Kuckucksuhr. Als verbindendes Symbol: Ihn erinnert die Uhr an den Schwarzwald. Die gebürtige Greifswalderin denkt an Kindheitsmomente bei der Oma, wo eine ähnliche Uhr tickte.

Wenn Stefan Seiberling heute den Schwarzwald besucht, kribbelt es immer noch im Bauch. «Wenn ich in Gernsbach aus dem Zug steige, duftet es nach Wald», schmunzelt er. Dennoch sieht er sein Zuhause im Nordosten. Heimat bestimmt er nicht vorrangig über den Ort. Eher als Platz seiner Familie, wo Job und Lebensunterhalt gesichert sind. Der Biologe arbeitet er an der Uni, wo er andere Wissenschaftler berät.

Die Schwierigkeiten, ihren Arztberuf und die Erziehung der Kinder zu vereinbaren, haben Susann (38) belastet: «Um für mich und die Familie passende Arbeitsbedingungen zu finden, ist Greifswald vielleicht doch zu klein», bedauert sie. Die Mutter konzentriert sich deshalb für eine begrenzte Zeit auf den Nachwuchs. In Zukunft schwebt der Ärztin aber eine Teilzeitstelle vor.

Die Stadt der Seiberlings wächst wohl auch künftig - nicht nur wegen der Studenten. Auch Rentner aus dem Umland werden Neubürger. Sie mögen die Nähe zu Ärzten, zu Läden und das Kulturangebot. Der Zuzug treibt Mieten und Grundstückspreise hoch. Und verschärft so die Kontraste zwischen Stadt und Land: 15 Kilometer entfernt, im vorpommerschen Binnenland, stehen Häuser mit Garten für 60 000 Euro zum Verkauf - und keiner will sie haben. Anders als in der Stadt.

Um den hohen Mieten zu entgehen, bauten die Seiberlings 2006 ein Haus. «Für eine ausreichend große Wohnung hätten wir mindestens 1000 Euro Kaltmiete zahlen müssen», berichtet die Mutter. Die monatliche Kreditrate fürs Eigenheim liegt nun bei 721 Euro.  

Dennoch kann die Kreisstadt nicht alle Bedürfnisse erfüllen. Mit Tochter Pamina, einem musikalischen Talent, fährt sie regelmäßig 100 Kilometer nach Rostock zur Begabtenförderung. «Da zeigen sich die Grenzen einer mittelgroßen Stadt», sagt sie. So hat selbst ein wachsender Ort wie Greifswald seine Nachteile.

Und Deutschland wandelt sich weiter. Unablässig. Doch wann werden die Unterschiede zwischen Boomstädten und schrumpfenden Dörfern zu groß sein? Kann und muss der Staat eingreifen, um das Auseinanderdriften zu stoppen? Um zu verhindern, dass bestimmte Regionen sich vergessen fühlen. Und der Unmut der Menschen zum Beispiel bei Wahlen extreme Parteien stärkt. Wie in Teilen Vorpommerns, wo die AfD bei den Landtagswahlen mehr als 30 Prozent der Stimmen erhielt.

Experten sind skeptisch, dass die Politik die Prozesse umdrehen kann. «Die Binnenwanderung kann man nicht steuern», ist Steffen Maretzke vom Bundesinstitut für Raumforschung in Bonn überzeugt. «Es gibt keine wirksamen Instrumente dafür.» Aber Maretzke sieht schnelles Internet und Breitbandausbau in der Fläche - von Bund und Ländern gefördert - als Chance, um die Kluft zwischen Stadt und Land zumindest nicht größer werden zu lassen. Auch der Rostocker Fachmann Sebastian Klüsener sagt: «Ich denke, auf den Staat zu hoffen, dass er mit der Gießkanne gleichwertige Bedingungen herstellen kann, ist illusorisch.»

Dennoch gingen auf dem Land nicht alle Lichter aus. «Wenn Regionen an ökonomischer Bedeutung verlieren, ziehen nicht alle Leute weg», erläutert Klüsener. Für einige, wie Familie Wagenrad, habe das Land weiter seinen Reiz. Freunde, Familie und Eigentum, das man vielleicht geerbt hat, könnten binden. Diese Heimatverbundenheit sollten die Politiker nutzen, meint er. Also zum Beispiel Projekte mit Vollblut-Dörflern machen, statt andere Leute zu umwerben, die vielleicht nie ins Grüne wechseln werden.