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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.17

Wo die wilden Bären wohnen

Text: Wolfgang Hassenstein

Die italienische Provinz Trentino beherbergt eine wachsende Population von Braunbären. Doch viele Menschen haben Angst vor ihnen. Im Brenta-Gebirge dreht sich alles um die Frage, wie viel Wildnis wir riskieren wollen

„Als der Bär auf mich zulief“, erzählt Matteo Zeni mit leuchtenden Augen, „schossen mir kurz nacheinander drei Gedanken durch den Kopf.“ Er weiß, wie seine Geschichte wirkt, wie er damit Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. „Der erste war: Oh, ist der schnell.“ Er hält kurz inne, lässt das Bild des heranrasenden Tieres in den Köpfen entstehen. „Dann: Wie konnte ich nur so dumm sein.“ Wieder eine Pause. „Und dann: Was für ein schönes Tier!“ In dieser Reihenfolge sei es gewesen, versichert er.

Zum Glück wusste Zeni, wie man sich in so einer Situation verhalten muss. Der 38-Jährige trägt eine graue Uniform, er ist Ranger im Adamello-Brenta-Naturpark im Trentino und hatte es oft genug durchgespielt: ruhig bleiben, den direkten Blickkontakt meiden, langsam zurückweichen. Tatsächlich stoppte das Tier einige Meter vor ihm und wandte sich ab. Selbst aggressive Bären belassen es fast immer bei solchen Scheinangriffen, auch das wusste Zeni.

Doch die Gefahr war noch nicht gebannt. „Es war merkwürdig, der Bär rannte nicht weg“, fährt er fort. „Er schien verunsichert, streifte zwischen den Bäumen am Rand der Lichtung umher und gab schnaufende Laute von sich.“ Plötzlich hörte der Ranger auch hinter sich ein Schnaufen – ein zweiter Bär. „In diesem Moment wurde mir klar, dass ich ein Paar gestört hatte, das gerade etwas vorhatte“, erzählt er lachend. Er sei dann seitlich ausgewichen, bis Bär und Bärin zueinander fanden und im Wald verschwanden. „Geht nur, dachte ich mir, und habt Sex.“ Er strahlt.

Vis-à-vis mit dem größten Landraubtier Europas, und dann ein Happy End – es ist das perfekte Abenteuer, das Matteo Zeni erlebt hat, und er selbst, naturverbunden und begeisterungsfähig, ein idealer Botschafter der Bären im Trentino. „Für mich ist es ein Traum, dass sie hier leben.“

„Ich war joggen, als ich hinter mir Geräusche hörte“, berichtet Vladimir Molinari. Der 45-jährige Malermeister aus Trient liegt im Krankenhaus, im Hintergrund piepen Geräte. „Ich drehte mich um und sah, dass mir ein Bär folgte, er war etwa zehn Meter hinter mir.“ Daraufhin habe er das getan, „was die Leute so sagen“, erklärt Molinari: „Ich blieb stehen, fuchtelte mit den Armen und schrie.“ Der Bär aber ließ sich nicht abschrecken. Was dann geschah, gleicht einem Albtraum: „Er warf mich um, biss mich und kratzte mich. Mein Hund versuchte, ihn abzuwehren, aber der Bär war ja zehnmal größer. Er kehrte zurück, biss mir ins Gesicht. Ich fasste ihn an den Ohren, versuchte, ihn wegzustoßen, seine Schnauze von mir wegzuhalten, aber er biss mich überall. Ich war mir sicher, dass ich sterben werde.“ Als das Tier sich ein wenig zurückzog, habe er einen Stock gefunden, erzählt Molinari. „Er kam noch einmal auf mich zu, ich geriet in Panik und schleuderte den Stock auf den Boden.“ Erst da habe der Bär endlich das Weite gesucht.

Molinaris Gesicht und Oberkörper sind mit Rissen und Striemen übersät, die Lippe genäht, die Arme verbunden – man glaubt ihm seine Geschichte aufs Wort. Er hat sie am Tag nach dem Kampf am 10. Juni 2015 dem Kamerateam einer Lokalzeitung erzählt, der Clip ist noch immer auf Youtube zu sehen. Und so kann sich jeder, der vor den Bären Angst hat, der in ihrer Anwesenheit ein unkalkulierbares Risiko für den Menschen sieht, zu Hause vor dem Computer gruseln und bestätigt fühlen.

Seit einigen Jahren gibt es im Trentino, der italienischsprachigen Schwesterprovinz von Südtirol, wieder eine gesunde Bärenpopulation – die einzige im gesamten Alpenraum. Wildtierbiologen des Projekts „Life Ursus“ hatten zwischen 1999 und 2002 in den Bergen westlich des Etschtals sechs Weibchen und drei Männchen ausgesetzt, die in Slowenien gefangen worden waren. Seitdem verfolgen Naturschützer im In- und Ausland gespannt, wie sich die Bären machen und vor allem, wie sich die Menschen mit ihnen arrangieren. Es ist wie ein großer Feldversuch, der Jahr für Jahr mehr Antworten liefert auf die Frage, ob das wohl imposanteste heimische Wildtier, dieses fabelhafte Urwesen unserer Wälder, in Mitteleuropa noch eine Chance hat. Letztlich geht es darum, wie viel Wildnis wir noch – oder wieder – riskieren wollen.

„Das Tier, das Molinari angegriffen hat, war ein Weibchen mit seinen Jungen“, erklärt Claudio Groff. „Wahrscheinlich ist der Hund ihnen zu nahe gekommen. Der Weg ist an dieser Stelle eng und von dichtem Unterholz gesäumt.“ Der schlanke Mann mit dem früh ergrauten Haar sitzt im Amt für Wald und Fauna in der Provinzhauptstadt Trient, umgeben von Landkarten. Es liegt ihm fern, das Geschehene zu relativieren, er möchte es nur so gut es geht verstehen. „Ich bin froh, dass Herrn Molinari nichts Schlimmeres zugestoßen ist“, sagt er leise.

Groff ist das Gesicht des Bärenprojekts im Trentino. Kein anderer kennt die Probleme und widersprüchlichen Gefühle, welche die Tiere hervorrufen, besser als er – und keiner weiß mehr über sie. Auf seinem Schreibtisch landen Berichte zu jeder „nahen Begegnung“, zu jeder Beschwerde und zu jedem von Bauern oder Imkern gemeldeten Schaden. Er koordiniert die Schutzmaßnahmen, leitet die Krisenkommunikation und gibt Fernsehinterviews, stets in der ihm eigenen ruhigen und sachlichen Art. Scheinbar ohne Emotion stellt er fest, was Artenschützer jubeln lässt: „Biologisch ist das Projekt ein Erfolg.“

Anfangs hatte man gehofft, der neue Bestand werde binnen zwanzig bis vierzig Jahren auf rund fünfzig Exemplare anwachsen – und könne langfristig zur Keimzelle einer sich ausbreitenden Population in den zentralen und östlichen Alpen werden. Das erste Etappenziel war dann aber sogar schon deutlich schneller erreicht. Die Bären fühlen sich wohl in den italienischen Bergen und finden ausreichend Beeren und Wurzeln, Insekten und Fleisch, um satt zu werden. Auch ungestörte Rendezvous gibt es offenbar genug, jedenfalls lebten 2015 laut genetischen Analysen bereits zwischen 48 und 54 Tiere im Trentino. Und sie vermehren sich weiter: Sieben Würfe dokumentierten Wissenschaftler 2015 – mit insgesamt dreizehn „biologischen Erfolgen“ in Gestalt pelziger Jungtiere.

Doch in Groffs Formulierung schwingt ein „Aber“ mit. Denn es hat sich gezeigt, dass gerade die rasche Vermehrung der Bären für das Projekt zur Gefahr werden könnte. Je mehr von ihnen in den Bergen leben, desto größer sind auch die Konfliktpotenziale und die Herausforderungen für das Management.

Ursus arctos, der Braunbär, bis zu zweieinhalb Meter lang und 250 Kilogramm schwer, ist nach EU-Recht streng geschützt. Er gilt als „prioritäre“ Art, elementar für das Ökosystem, weshalb die Mitgliedstaaten dazu angehalten sind, für sein Überleben Schutzgebiete zu schaffen. Zwar plant in den Alpen derzeit keiner ernsthaft, noch einmal Bären auszusetzen, weil dafür die Akzeptanz fehlt. Vergrößert die Art aber auf natürliche Weise ihren Lebensraum, wäre das etwas anderes. Wenn der Bestand im Trentino weiter gedeiht, könnten die Bären von dort aus benachbarte Provinzen besiedeln, sich schließlich nach Österreich, in die Schweiz und irgendwann auch nach Deutschland ausbreiten. Schon jetzt machen sich vereinzelt männliche Tiere auf den Weg.

Als Wissenschaftler in den Neunzigerjahren vor dem Start von „Life Ursus“ untersuchten, welche Chance die Bärenansiedlung im Trentino hat, holten sie auch die Stimmung der Bevölkerung ein: Mehr als zwei Drittel waren dafür. Das galt als gute Voraussetzung für den Startschuss.

Doch in den beiden vergangenen Jahren häuften sich die Zwischenfälle. Im August 2014 wurde ein Pilzsammler von einer Bärenmutter angefallen und schwer verletzt, schwerer noch als der Jogger Molinari. Die Emotionen kochten hoch. Beim Versuch, die Bärin einzufangen, starb sie. Groff wurde am Telefon von radikalen Tierschützern als Mörder beschimpft.
Inzwischen sind laut Umfragen sechzig Prozent der Menschen im Trentino gegen die Bären. „Die Stimmung ist gekippt“, sagt Groff. „Damit müssen wir umgehen.“

Seine Krisenstrategie: Mit den Leuten reden, ihre Ängste ernst nehmen, Probleme nicht verschweigen. „Unsere Kommunikation war zu schwach“, sagt er selbstkritisch. Nun lässt er in den Bärengebieten Schilder mit Verhaltenstipps aufhängen und hat im Internet eine Faktencheck-Seite eingerichtet, um Falschmeldungen zu korrigieren, bevor sie sich verselbständigen. Am wichtigsten sind ihm die Infoabende in betroffenen Gemeinden.

Die zweite Säule der neuen Strategie betrifft die Tiere direkt: Konsequenter als bisher sollen Individuen, die zu wenig Scheu zeigen, „neutralisiert“ werden. Wird ein Bär in unmittelbarer Nähe eines Ortes gemeldet, rückt eines der sieben über den Trentino verteilten Notfallteams aus – kräftige Ranger mit abgerichteten Hunden, die so scharf sind und so furchtlos zum Angriff übergehen, dass oft schon ein einziger Kontakt mit ihnen genügt, um einen Bären nachhaltig zu „vergrämen“.

Kommt ein Bär den Menschen aber wiederholt zu nahe oder war er gar aggressiv, wird er aus der freien Natur entfernt. „Wir sind hier nicht in Kamtschatka“, sagt Groff. „Wir müssen das tun.“ Drei bis fünf Prozent der Tiere, schätzt er, werden irgendwann zu Problembären. Dann versucht ein Fangteam, sie in eine Röhrenfalle zu locken, um sie anschließend wegzusperren.

Weil dafür jedoch die geeigneten Gehege fehlen, wäre es Groff und seinen Kollegen am liebsten, wenn sie auffällig gewordene Bären zur Not auch töten dürften – wozu allerdings noch die Erlaubnis des Umweltministeriums in Rom aussteht. Es gehe auch um die psychologische Wirkung, erklärt Groff. „Es beruhigt die Menschen, wenn wir die Situation kontrollieren.“

Bären töten, um die Bärenrettung zu retten – für ihn ist das kein Widerspruch. „Ich bin Realist“, sagt er. Noch wichtiger sei es aber, durch Vorsorge zu verhindern, dass sich Bären auf Nahrungssuche überhaupt erst an menschlichem Besitz vergreifen. Weil die Märchenfigur Meister Petz auch im wahren Leben gern Honig schleckt, dabei aber in seiner groben Art oft ganze Bienenstöcke verwüstet, spannen die Ranger Elektrozäune um die Anlagen von Imkern und stellen an neuralgischen Punkten Mülltonnen mit extrarobusten Verschlüssen auf.

Als Groff, der nüchterne Bärenmanager, einen Kleinwagen des Forstamtes durch die Wälder an der Südseite des Brenta-Gebirges steuert, outet er sich schließlich doch noch als „Bärenliebhaber“. Er erzählt, wie er als frisch promovierter, auf Umweltrecht spezialisierter Jurist mit guten Jobaussichten von ihrer Freilassung erfahren habe. „Ich fühlte damals, dass ich in den Wald gehen muss, um ihnen zu folgen.“ Zwei Jahre habe er im Gelände gearbeitet, bis er ins Büro wechselte und schließlich zur zentralen Figur des Bärenprojekts aufstieg.

Verschlungene Forstwege, ein einsames Holztor, dann öffnet sich eine Bergwiese, in deren Mitte eine Hütte steht. Die Alm Malga Stablo wird von Laura Masciocchi bewirtschaftet, einer zupackenden 33-Jährigen. Sie macht den Käse, ihr Freund Enrico hütet die 120 Ziegen. Die Tiere begrüßen die Gäste, indem sie sich mit Nachdruck an deren Hosen reiben. Der schlaksige Hirte mit Bart und Brille kennt jedes von ihnen mit Namen.

Heute ist eine Tierärztin zur Visite auf der Alm. Ihr Interesse gilt jedoch nicht den Ziegen, sondern einem gutmütig wirkenden Tier in deren Mitte – dem Hütehund Malak, der Laura und Enrico vom Bärenprojekt zur Verfügung gestellt wurde. Er fühlt sich der Herde bedingungslos verpflichtet und soll im Ernstfall jede Attacke abwehren. Zusammen füllen Veterinärin und Sennerin am Holztisch vor der Hütte einen Fragebogen aus: Alles bestens, Malak bleibt stets in der Herde. Auch Enrico ist zufrieden. Bisher, schätzt er, habe einmal jährlich ein Bär seine Ziegen in Panik versetzt oder gar eine von ihnen gerissen. „In diesem Jahr kann ich endlich mit geschlossenem Fenster schlafen.“

Ein weiteres Auto kommt den Feldweg hinauf: Es sind Enricos Eltern, die ihren Enkel besuchen wollen. Laura holt ein winziges Baby mit dichtem schwarzem Haar aus dem Haus, das alle Gäste verzaubert. Bald stellt sich heraus, dass Enricos Mutter beim Comitato Anti-Orso aktiv ist, in dem sich einige Dutzend Bärengegner organisiert haben. Sie nutzt die Gelegenheit, um Claudio Groff ihre Meinung zu sagen. „150 Bären“, schimpft sie, „es sind einfach zu viele geworden.“ Ihre Zahl müsse dringend reduziert werden. „Und man sollte ihnen Futter in die Berge bringen, damit sie nicht mehr ins Tal kommen.“

„Sie war sehr schlecht informiert“, sagt Groff nachher kopfschüttelnd. Fütterungen würden die Bären nur an den Menschen gewöhnen. Und wenn sie menschliche Hilfe bräuchten, hätten sie seiner Meinung nach im Trentino nichts mehr verloren. Das ständige Anreden gegen falsche Zahlen und neue Legenden, die nun wieder wie in alten Tagen entstehen, strengt ihn an – aber die Ängste, das weiß er, sind real. Die beiden Unfälle der letzten Jahre haben ihnen neue Nahrung gegeben.

Vor allem viele Bewohner der Bergdörfer gehen nur noch mit einem flauen Gefühl in den Wald. „Ich habe meiner Mutter verboten, allein Pilze zu sammeln“, erklärt ein Hotelier im Skiort Andalo. „Und wenn nur einem Touristen etwas zustößt, wäre das eine Katastrophe.“ Eine Chance für seine Branche vermag er in der Anwesenheit der Bären nicht zu erkennen.

Doch gerade die möchte die Provinzregierung nun stärker betonen. Sie plant einen Strategiewechsel und will künftig mit den Bären werben: Die Natur im Trentino, so die Botschaft, sei so intakt, dass selbst die seltensten Tiere Platz finden. Mit etwas Glück ist im Frühling an einigen Aussichtspunkten im Brenta-Gebirge sogar „Bear Watching“ aus sicherer Entfernung möglich.

Noch immer haben die Bären auch mächtige Fürsprecher, etwa in der Società degli Alpinisti Tridentini. Der regionale Alpenverein, der in einem historischen Gebäude in Trient residiert, zählt 20.000 Mitglieder. „Wir lieben die Natur“, erklärt Anna Sustersic, eine PR-Expertin, die das Projekt begleitet, „also lieben wir auch die Bären.“ Sie wolle nicht bestreiten, dass es Probleme gebe, sie selbst habe beim Wandern manchmal Angst. Aber damit müsse man eben umgehen lernen. „Es ist eine sehr anthropozentrische Forderung, die Bären zu töten, um in Ruhe Pilze sammeln und wandern zu können“, sagt sie. „Wir wollen mehr Artenvielfalt und eine gesunde Natur. Dann müssen wir auch bereit sein, das Land mit anderen Lebewesen zu teilen.“

Claudio Groff zeigt auf den Infoabenden gern eine Montage mit vier Fotos: Edelweiß, Steinadler und Gams sind darauf zu sehen – und ein Bär. Es ist eine Botschaft, die er unermüdlich verbreitet: Bären gehören zur Alpenfauna. Sie waren zuerst da.

Für Zuhörer, die mit solchen Argumenten nichts anfangen können, hat er Zahlen parat: Im bärenreichen Nordamerika, erklärt er, sterben jährlich 67 Menschen durch Hundebisse, 180 durch Bienenstiche und 90.000 durch Mord – aber nur einer durch eine Bärenattacke. Es sind nämlich, wie er immer wieder betont, sehr scheue Tiere, die in der Regel längst die Flucht ergriffen haben, bevor man sie überhaupt bemerkt hat. Vorsichtsmaßnahme Nummer eins bei Waldspaziergängen lautet deshalb: Laut sein, sprechen oder singen – und an unübersichtlichen Stellen in die Hände klatschen, damit es gar nicht erst zu überraschenden Begegnungen kommt.

Groff lenkt seinen Dienstwagen durch einen dichten Wald oberhalb des Ortes Cavedago, als er unvermittelt auf die Bremse tritt. Eine Mulde am Straßenrand hat seine Aufmerksamkeit geweckt. Und tatsächlich: Im feuchten Schlamm ist der Abdruck einer Tatze zu erkennen. Sie sind hier!

Genau genommen waren sie aus dieser Gegend niemals ganz verschwunden. Denn hier, im Kerngebiet der heutigen Verbreitung, hat bis in die Neunzigerjahre eine kleine Gruppe von drei Bären die Jagd überlebt – die letzten der Alpen. „Einer war fast blind, ein anderer humpelte“, erinnert sich Matteo Zeni, der Naturparkranger, der es als Kind liebte, mit seinem Vater Spuren zu suchen. „Wir hatten immer Angst, sie zu verlieren.“

Heute, erklärt Zeni, hätten die Bewohner seines Heimatortes deutlich weniger Probleme mit den Bären als in den anderen Dörfern – ganz einfach, weil sie immer da waren. Mit Claudio Groff teilt er deshalb die Hoffnung, dass sich die Bewohner des Trentino wieder an die Anwesenheit der Tiere gewöhnen werden, so wie in anderen Bärenregionen der Welt auch. „Die jungen Leute sind viel offener“, sagt Groff. „Für die nächste Generation könnte es wieder ganz normal sein, dass Bären in den Bergen leben.“

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