Aktuell

Klimaschutz / 04.Sep 2015

Äthiopien und Marokko – die Vorbilder

Heute geht in Bonn eine fünftägige Vorbereitungskonferenz für den Weltklimagipfel im Dezember zu Ende. Wir fragten Niklas Höhne vom NewClimate Institute in Köln, wie die Chancen für das geplante neue Klimaschutzabkommen stehen.

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Fr, 2015-09-04 15:52
Berlin (dpa)

Grüne: Bundesregierung schlecht auf Klimakonferenz vorbereitet

Berlin (dpa) - Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, schlecht vorbereitet in die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris zu gehen. Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte am Freitag in Berlin, Deutschland könne nicht einmal seine selbstgesteckten Klimaschutzziele in die Konferenz in Paris einbringen. Dabei sei das Treffen wichtiger als viele Konferenzen davor, denn erstmals werde wieder versucht, einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zu schließen. Nur dann bestehe die Chance, «dass die Klimakrise nicht völlig aus dem Ruder läuft.»

Fr, 2015-09-04 15:03
Luxemburg/Berlin (dpa)

Flüchtlingskrise wird für Europa zu riesiger Belastungsprobe

Während die EU-Außenminister in Luxemburg über die Flüchtlingskrise beraten, spitzt sich die Lage in Ungarn immer weiter zu. Hunderte fliehen aus einem Lager. Andere machen sich zu Fuß auf den Weg. Und Großbritannien macht ein neues Angebot.

Budapest/Luxemburg/Berlin (dpa) - Die Flüchtlingskrise wird für Europa zu einer immer größeren Belastungsprobe. In Ungarn, wo viele tausend Menschen aus Syrien und anderen Ländern auf die Weiterreise in den Westen hoffen, spitzte sich die Lage am Freitag weiter zu. Von den 3000 Menschen, die vor dem Ostbahnhof in Budapest lagerten, machten sich die ersten zu Fuß auf den Weg zur österreichischen Grenze. Etwa 300 Flüchtlinge flohen aus einem Lager, wo sie registriert werden sollten. Mehrere Züge wurden von den ungarischen Behörden gestoppt.

In Luxemburg kamen die EU-Außenminister zusammen, ein Thema war auch die Flüchtlingskrise. Der deutsch-französische Vorschlag für feste Verteilungsquoten wird von anderen Mitgliedsländern bislang abgelehnt. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker kündigte aber an, nächste Woche die Aufteilung von 120 000 weiteren Flüchtlingen auf andere EU-Staaten vorschlagen. Damit sollen Griechenland, Italien und Ungarn entlastet werden. Bislang gibt es solche Pläne für 40 000 Menschen.

Großbritanniens Premierminister David Cameron, der wegen einer harten Haltung in der Kritik steht, erklärte sich zur Aufnahme von mehreren tausend syrischen Flüchtlingen bereit. Das Angebot soll jedoch nur für Menschen gelten, die in Lagern nahe der syrischen Grenze leben - nicht für Flüchtlinge, die bereits in Europa sind. Cameron sagte: «Das gibt ihnen einen direkteren und sichereren Weg ins Vereinigte Königreich, statt dass sie die gefahrvolle Reise riskieren, die tragischerweise so viele das Leben gekostet hat.» Bislang hat Großbritannien etwa 5000 Syrer aufgenommen.

Die Bundesregierung, an der es vor allem aus Osteuropa viel Kritik gibt, warnte vor einer neuen Spaltung Europas. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte zu Beginn des Ministertreffens in Luxemburg: «Gegenseitige Schuldzuweisungen werden nicht dazu führen, dass wir das Problem in den Griff kriegen. Europa darf sich auch im Angesicht einer solchen Herausforderung nicht auseinanderdividieren lassen.»

Dramatische Bilder gab es abermals aus Ungarn. Aus dem Erst-Registrierungslager Rözke an der Grenze zu Serbien flohen etwa 300 Menschen. Nach Berichten ungarischer Medien wollten sie nicht mehr länger warten. Am Ostbahnhof in Budapest marschierten Hunderte zu Fuß Richtung Österreich los. «Wenn wir in kleinen Gruppen unterwegs sind, schnappt uns die Polizei, aber gemeinsam sind wir stark», sagte ein junger Mann aus dem syrischen Aleppo. Die Polizei ließ die Gruppe zunächst gewähren.

Die ungarischen Behörden durchsuchten aber Züge Richtung Westgrenze, um Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern. In der Stadt Bicske - knapp 40 Kilometer westlich von Budapest - verbrachten etwa 500 Flüchtlinge die Nacht zum Freitag in einem Zug. Sie wehren sich seit Donnerstagmittag gegen ihren geplanten Transport in ein Lager. Ein zweiter Zug mit Flüchtlingen wurde im Dorf Nagyszentjanos gestoppt. Alle 120 Reisenden wurden in Flüchtlingslager gebracht.

Ministerpräsident Viktor Orban warnte erneut davor, Muslime einwandern zu lassen. Eines Tages würden die Europäer entdecken, dass sie auf dem eigenen Kontinent in der Minderheit seien, sagte der rechtsnationale Regierungschef im Staatsrundfunk. «Wenn wir unsere Grenzen nicht schützen, werden zehn Millionen nach Europa kommen.»

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, appellierte an die EU, sich auf die Verteilung von bis zu 200 000 Flüchtlingen nach verbindlichen Quoten zu einigen. Zugleich müssten ausreichende Erstaufnahmezentren geschaffen werden. Die EU müsse «dringende und mutige Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu stabilisieren». Danach komme es darauf an, Wege zu finden, um mittelfristig die Zuständigkeiten fair zu teilen.

Die Flüchtlingskrise steht auch im Mittelpunkt des EU-Außenministertreffens in Luxemburg. Die EU streitet seit Monaten über dieses Thema. Bisher war selbst eine freiwillige Verteilungsquote, wie sie im Mai von der EU beschlossen worden war, am Widerstand vor allem osteuropäischer Länder gescheitert.

Angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen auf griechischen Inseln versprach die EU Athen weitere Hilfe. In der Hafenstadt Piräus soll bald ein sogenanntes Hotspot-Zentrum öffnen, wo Flüchtlinge registriert werden. Das kündigte am Freitag der für Migrationsfragen zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos auf der Insel Kos an.

Fr, 2015-09-04 15:47
London (dpa)

Syrer dürfen kommen: Cameron gibt nach - ein bisschen Von Teresa Dapp, dpa

Es brauchte viel Druck, um Großbritanniens Regierung zum Einlenken zu bewegen. Jetzt sollen «tausende» Syrer einreisen dürfen. Trotzdem bleibt Premier Cameron darauf bedacht, nicht zu deutlich gemeinsame Sache mit dem Rest Europas zu machen.

London (dpa) - Es ist gar nicht lange her, da hatte David Cameron Ärger, weil er von «Menschenschwärmen» auf dem Mittelmeer sprach. Da regte ihn an den Flüchtlingen, die in Calais, auf der anderen Kanalseite, gestrandet waren, anscheinend am meisten auf, dass ihretwegen britische Urlauber im Stau standen. Am Mittwoch bestand der Premier noch darauf, es sei keine Lösung, «einfach mehr und mehr» Menschen aufzunehmen.

Und jetzt? Meint Cameron: «Großbritannien hat eine moralische Verantwortung, Flüchtlingen zu helfen. Wir werden mehr tun.» Cameron sagt das am Tag, nachdem die Fotos des ertrunkenen Aylan Kurdi die Welt schockiert haben. Die Bilder, die fast jede britische Zeitung auf dem Titel hatte, lösten einen Sturm der Entrüstung aus - auch in dem Land, in dem «Migration» ein politisches Reizwort ist.

Kaum einer, der nichts zu sagen hatte. Schämen müsse man sich, sagten auch konservative Abgeordnete. «Politisch dumm und moralisch falsch» verhalte sich die Regierung, urteilte der Chef der Liberaldemokraten, Tim Farron. Labour-Übergangschefin Harriet Harmann schrieb einen Brief an Cameron. Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, geistliches Oberhaupt der Kirche von England, sagte, sein Herz sei gebrochen.

Schließlich kamen auch von Cameron klare Worte. Als Vater fühle er sich «tief bewegt» vom Anblick des toten Jungen am Strand. Einen Tag später kündigte er an, «Tausende Syrer mehr» einreisen zu lassen. Er musste handeln. Der Druck war zu groß - nicht nur zu Hause. Verschiedene Länder, darunter Deutschland, hatten schon den Zeigefinger gehoben.

Cameron will EU-Reformen durchdrücken, unter anderem zum Thema Migration, bevor die Briten spätestens 2017 über ihren Verbleib in der Europäischen Union abstimmen. Es schade seiner Verhandlungsposition, wenn sein Land die Last nicht mittrage, heißt es. Aber was hat der Premier jetzt eigentlich angekündigt? Was bedeutet das, dass «Tausende» kommen dürfen? Wieviele genau?

Eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sprach am Freitag von 4000 Menschen, was von Camerons Leuten aber nicht bestätigt wurde. Über die vergangenen vier Jahre hat Großbritannien etwa 5000 Syrer aufgenommen. Zum Vergleich: Nach Deutschland kamen allein seit Beginn dieses Jahres mehr als 110 000.

Wichtig auch: Das Angebot richtet sich ausschließlich an Syrer, die noch nicht in Europa sind - also nicht an die Verzweifelten, die sich in Budapest in Züge quetschen oder jetzt zu Fuß mit ihren Kindern Richtung Westen wandern. Nur Menschen aus den Flüchtlingslagern um die syrische Landesgrenze sollen einreisen dürfen. Wie das genau geschehen soll, weiß man auch noch nicht.

So klang das Lob für Cameron, etwa von der Opposition und dem UN-Flüchtlingshilfswerk, auch eher verhalten. Aus Sicht des Premiers hat die Vorsicht aber ihre Berechtigung. Er will nicht zu deutlich mit den anderen EU-Staaten an einem Strang ziehen, denn die Asylpolitik der Union ist Kanonenfutter für die EU-Gegner. Gerade ist Hilfe für Flüchtlinge in Großbritannien nicht nur moralisch, sondern auch politisch geboten. Doch das kann sich ändern.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Fr, 2015-09-04 15:13
Berlin (dpa)

Der Mann gegen Erdogan - Berlin empfängt Kurdenpolitiker Demirtas Von Christoph Sator, dpa

Selahattin Demirtas ist der Mann, der den türkischen Präsidenten Erdogan bei den bevorstehenden Neuwahlen so richtig ärgern kann. Jetzt kommt der Kurden-Politiker zu Besuch nach Berlin. Das Interesse ist groß.

Berlin (dpa) - Normalerweise wäre das in Berlin ein Besuch unter vielen. Am Wochenende kommt ein ausländischer Oppositionspolitiker, der Chef einer 13,1-Prozent-Partei, die möglicherweise schon bald nicht mehr im Parlament sitzt. Unter normalen Umständen gäbe es keinen Grund, sich für den Mann besonders zu interessieren. Wenn das nicht Selahattin Demirtas aus der Türkei wäre, der Vorsitzende der prokurdischen Partei HDP, Widersacher des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. So ist das Interesse groß.

Seit der 42-Jährige die HDP bei der Parlamentswahl im Juni erstmals über die Zehn-Prozent-Hürde gehievt hat, gilt er als einer der Jungstars der internationalen Politik. «Kurden-Obama» nennen ihn viele. Nun hat Erdogan für den 1. November Neuwahlen angesetzt. Wenn es Demirtas dann gelingt, seinen Erfolg zu wiederholen, ist es für die Regierungspartei AKP mit dem Traum von der absoluten Mehrheit aller Voraussicht nach vorbei.

So bekommt der Mann aus der Kurdenhochburg Diyarbakir in Berlin einen Empfang, wie er für Oppositionsleute ziemlich ungewöhnlich ist. Eingefädelt wurde der Besuch von Grünen-Chef Cem Özdemir, mit dem er schon länger befreundet ist. Aber die Liste der Gesprächspartner reicht quer durch alle Bundestagsparteien, bis hinauf zu Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Solche Treffen sind eine gute Möglichkeit, um zum Ausdruck zu bringen, dass man mit der Entwicklung der Erdogan-Türkei nicht einverstanden ist.

Mit einiger Sicherheit gibt es auch einen Handschlag mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Mann empfängt Demirtas zwar nicht im Auswärtigen Amt - so viel diplomatische Rücksicht muss sein. Erdogans Gegenspieler kommt am Montag jedoch zu Steinmeier in die SPD-Fraktion. In die CDU/CSU-Fraktion, wo er auch Kanzlerin Angela Merkel sehen könnte, geht er nicht.

Am engsten sind die Verbindungen aber zu den Grünen, die schon im Juni zur Wahl der HDP aufgerufen hatten. Özdemir, Sohn türkischer Einwanderer, sagt: «Die HDP steht den grünen Grundwerten von Ökologie, Menschenrechten und Geschlechtergerechtigkeit am nächsten. Wir wollen sie weiter unterstützen, eine gesamttürkische Reformpartei zu werden.»

Tatsächlich wird die HDP (Demokratische Partei der Völker) längst nicht nur von Kurden gewählt, sondern auch von anderen Leuten, die gegen Erdogan sind. Die Rechnung ist einigermaßen simpel: Kommt die HDP am 1. November wieder über 10 Prozent, dürfte es mit der AKP-Alleinregierung vorbei sein. Bleibt sie drunter, hat Erdogan sein Ziel erreicht. Nach den jüngsten Umfragen stehen die Chancen für die Pro-Kurden-Partei gut.

Daran hat Demirtas einen großen Anteil. Der gelernte Rechtsanwalt verkörpert einen Politikertypus, wie er im Süden Europas inzwischen häufiger vorkommt: jung, gut aussehend, gebildet. In seinem Anzug - oft auch ohne Krawatte - bietet er ein moderneres Bild als die alternden Befehlshaber der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Mit ihm ist die HDP auch für viele Türken wählbar geworden, die sich das wegen deren Nähe zur PKK bislang nicht vorstellen konnten.

Hier liegt für Demirtas allerdings immer noch das größte Problem. Mit der Waffenruhe zwischen PKK-Rebellen und türkischen Militär ist es seit diesem Sommer wieder vorbei. Die Luftwaffe fliegt neue Angriffe auf PKK-Verstecke im Nordirak und in der Türke. Die PKK - die auch im Westen auf der Liste der Terrororganisationen steht - hält dagegen.

Wenn die Gewalt so weitergeht, könnte das die Wahlchancen der HDP gefährden. Demirtas hat die PKK-Rebellen nun aufgerufen, ihre Gewaltaktionen «ohne Wenn und Aber» einzustellen. Aber die PKK hält sich nicht daran. So gibt es für ihn in Berlin nicht nur einige nette Termine, sondern auch einiges zu erklären.

Fr, 2015-09-04 15:23
Washington (dpa) 

Kurden und Al-Kuds: Trump stolpert durch internationale Krisenpolitik

Washington (dpa) - Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat sich in einem Interview zur internationalen Krisenpolitik alles andere als sattelfest gezeigt. Auf Testfragen des Moderators Hugh Hewitt brachte der wie immer äußerst selbstbewusst auftretende Milliardär die Kurden (Kurds) und die Al-Kuds-Brigaden (Kuds) durcheinander. Letztere sind eine Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Der Geschäftsmann liegt in Umfragen vor der Präsidentschaftswahl 2016 in den Reihen der Republikaner derzeit vorn.

Als Trump in der Radio-Talkshow auf seinen Fehler hingewiesen wird, setzt er prompt zu einer Schimpftirade über das jüngst von der US-Regierung mit ausgehandelte Iran-Atomabkommen an. «Das ist einer der stümperhaftesten Verträge, die ich je gesehen habe», erregte sich Trump.

Als der Moderator die Namen der Anführer von Terrororganisationen im Nahen Osten ins Spiel bringt, weigert sich Trump, in diese Details einzusteigen. «Ich bin ein guter Delegierer», erwidert er und ergänzt, er werde als US-Präsident und Oberkommandeur in den Streitkräften des Landes sehr gute Fachleute dafür finden.

Wenn es soweit sei, habe er auch die Unterschiede zwischen Hisbollah (schiitische Partei und Miliz im Libanon) und Hamas (radikalislamische Palästinenserorganisation) parat, sagte Trump. «Dann werde ich darüber besser Bescheid wissen als Sie», lässt er den Journalisten wissen. «Dafür brauche ich nicht lang.»

Fr, 2015-09-04 15:55
Berlin (dpa) 

Grünen-Kritik an Flüchtlingspolitik der Regierung - «Totalausfall»

Berlin (dpa) - Die Grünen in Bundestag äußern scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und insbesondere an Innenminister Thomas de Maiziére (CDU). Was die große Koalition bisher gezeigt habe, sei ein «kompletter Totalausfall», sagte die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt am Freitag nach einer Klausur des Fraktionsvorstands in Berlin.

«Große Enttäuschung» gebe es vor allem über den Innenminister. Er habe einen «gigantischen Stau» beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu verantworten, wo 250 000 Asylanträge unbearbeitet seien. De Maiziére versage aber auch beim Kampf gegen Fremdenfeinde und Rechtsextreme nach den zahlreichen Anschlägen auf Asylbewerberheime in Deutschland.

«Wir stehen nicht zu Verfügung für eine Grundgesetzänderung, die das Asylrecht einschränkt», sagte Göring-Eckardt weiter. Es müsse bei individueller Prüfung der Asylbewerber bleiben, auch für die aus den Balkanländern. Entscheidend sei die Schaffung legaler Zuzugsmöglichkeiten für Menschen, die in Deutschland arbeiten wollten.

Der Koalitionsausschuss der schwarz-roten Bundesregierung am Sonntag müsse endlich eine echte Entlastung der Kommunen auf den Weg bringen. Notwendig seien die seit langem zugesagte Einführung einer Gesundheitskarte, rasche Sprach- und Integratiunskurse, sowie ein Ende der Unterbesetzung beim BAMF. Hier sei ein «Machtwort» notwendig.

Fr, 2015-09-04 15:28
Frankfurt/Main (dpa) 

Autobauer und Silicon Valley im Wettlauf um das Auto der Zukunft Von Annika Graf und Andrej Sokolow, dpa

Die Autoindustrie fährt in eine neue Ära. Online-Dienste in den Fahrzeugen verändern das Geschäft. Das Auto der Zukunft könnte im Silicon Valley gestaltet werden. Den Autobauern droht ein Kontrollverlust, gegen den sie ankämpfen.

Frankfurt/Main (dpa) - Auf der IAA in Frankfurt zelebrieren die Autohersteller traditionell neue Modelle im Scheinwerfer-Licht, doch diesmal mischen sich größere Sorgen als sonst in die Stimmung vor der Show. Und es sind nicht nur die Turbulenzen im wichtigen Riesen-Markt China. In der Industrie bahnt sich ein Umbruch an, wie es ihn noch nie gab. Mit Online-Diensten rückt das Silicon Valley in die Autobranche ein - den Platzhirschen droht ein Kontrollverlust.

«Die Wertschöpfungskette war früher einfach: Es gab Hersteller, Zulieferer, Händler», sagt Branchenexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. «Jetzt entsteht ein Ökosystem, das kein Hersteller alleine beherrschen kann.»

Die Ambitionen der IT-Konzerne sind offensichtlich. Google arbeitet seit Jahren an Technik für selbstfahrende Fahrzeuge und testet einen Stadtwagen aus eigener Entwicklung. Der Fahrdienst-Vermittler Uber, eines der reichsten Start-ups, forscht an Roboter-Wagen. Apple entwirft angeblich ein Elektro-Auto. Auch beim japanischen Elektronikhersteller Sony gibt es Gedankenspiele über einen Einstieg. «Der Wettlauf um die Mobilität der Zukunft ist extrem hart, eine Erfolgsgarantie gibt es für niemanden», sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im Frühjahr.

Man könne sich eine Zukunft vorstellen, in der die Autoindustrie die Fahrzeuge baut - «aber das Gehirn kommt von einem Apple oder Google», betont Schmidt. Davor habe die Branche zu Recht Angst. «Und dieser Erkenntnisprozess ist inzwischen eingetreten.»

Während die Autobosse früher bei Fragen nach der Gefahr aus dem Silicon Valley eher abwinkten, streckte Daimler-Chef Dieter Zetsche jüngst den IT-Riesen die Hand aus. «Eine Option könnte sein, dass die Autos in einem Joint Venture entstehen und wir diese dann bauen», sagte er in einem Interview. «Aber ich spreche hier rein fiktiv», schränkte Zetsche im nächsten Atemzug ein.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen geht nicht davon aus, dass etwa Apple oder Google im großen Stil selbst in die Produktion einsteigen: Die Margen seien für die IT-Größen viel zu niedrig. Selbst Oberklasse-Hersteller wie Daimler müssen sich anstrengen, damit zehn Prozent vom Umsatz als Gewinn hängenbleiben. Möglich wäre das aber, sagt Dudenhöffer. «Autobauen ist deutlich einfacher, als die Autohersteller immer erzählen.» Der kalifornische Elektroauto-Hersteller Tesla ist ein Beispiel dafür, wie eine Marke neu entstehen kann. Das Geld dazu hätten die IT-Konzerne allemal.

«Google hat kein Interesse an Auto-Hardware. Google will ein Mobilitätssystem in großen Städten erschaffen», sagt Schmidt, der bei Accenture den Auto-Bereich in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika leitet. Immer mehr vor allem junge Menschen wollen ihr Geld für Mobilität statt für ein eigenes Auto ausgeben. Deshalb versuchen sich Daimler, BMW, Volkswagen und Opel am Carsharing und entwickeln Apps, die sich nicht nur an Autokäufer wenden. Zugleich kam eine Untersuchung des TÜV Rheinland und anderer im Januar zu dem Schluss, dass der Autobesitz in Deutschland weiter eine wichtige Rolle spielen werde.

Im Auto werde es künftig um den Zugang zu den Insassen gehen, darum, welche Dienste von welchem Anbieter ins Fahrzeug kommen, ist Schmidt überzeugt. «Das Spiel wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren entscheiden.» Es ist ein Wettkampf der Plattformen, in dem Google und Apple Hunderte Millionen Smartphone-Kunden haben. «Wer die meisten Nutzer auf seiner Plattform hat, wird das System bestimmen, wird die Services bestimmen und letztlich auch die Preise und die Margen.»

Die Autohersteller denken nicht daran, kampflos aufzugeben. «Wir wollen keine Lieferanten werden, die keinen direkten Kundenkontakt mehr haben und Hardware an Dritte liefern», betont Zetsche. Auch deshalb kauften Daimler, Audi und BMW gemeinsam Nokias Kartendienst Here. Es geht um mehr als nur Karten für selbstfahrende Autos: Sie wollen die Kontrolle im Cockpit nicht abgeben. «Es ist eine Initiative, eine Hersteller-Plattform als Alternative zu Google, Apple und möglichen anderen Playern aufzubauen», sagt Accenture-Mann Schmidt.

Wie schnell Software die Hardware übertrumpfen kann, zeigte sich in den vergangenen zehn Jahren in der Handy-Branche, wo Betriebssystem und Apps zur Hauptsache wurden. Und dass der Kontakt zum Kunden das Tor zu weiteren Geschäften öffnet, belegt das Modell Facebook.

«Wir haben so gelernt, dass es in unserem Geschäft nicht mehr allein um PS und Drehmoment geht», sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im Frühjahr. «Es gibt eine neue Emotion rund ums Autofahren, die entsteht», sagt Dudenhöffer. «Wir wissen noch nicht genau, was es ist, aber es ist etwas anderes, als schnell um die Kurve zu kommen und die Reifen quietschen zu lassen.»

Fr, 2015-09-04 15:13
Mainz/Berlin (dpa)

Koalition will Streit bei Flüchtlingsgipfel vermeiden

Beim Spitzentreffen der Koalition am Sonntag zu den Flüchtlingen will die SPD nicht auf Streit mit der Union setzen. Das Einwanderungsgesetz bleibt deshalb außen vor. Die «GroKo» will den Bürgern das Gefühl geben: Deutschland schafft das.

Mainz/Berlin (dpa) - Union und SPD wollen beim Spitzentreffen zur Flüchtlingspolitik nicht auf Konfrontationskurs gehen. «Am Sonntag werden wir weder über Betreuungsgeld noch über Einwanderungsgesetz verhandeln, sondern ausschließlich über die Frage, wie wir die große Zahl der Flüchtlinge in Deutschland menschenwürdig unterbringen können», sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Freitag zum Abschluss der Fraktionsklausur in Mainz.

Offen blieb bis zuletzt, wie viel Geld der Bund Ländern und Kommunen bei der Flüchtlingshilfe zusätzlich geben will. Haushälter der Koalition bezifferten den Spielraum auf bis zu fünf Milliarden Euro, ohne die «schwarze Null» im Haushalt zu gefährden. Endgültige Entscheidungen dürften ohnehin erst am 24. September beim Bund-Länder-Gipfel fallen.

Noch keine Einigung gab es in den Streitpunkten Gesundheitskarte sowie Sachleistungen statt Bares für Flüchtlinge. Oppermann betonte, es werde ein «kraftvolles Paket» geben, von dem die Botschaft ausgehe: «Wir können die Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen. Wir kriegen das hin.»

Der Beamtenbund (dbb) forderte 10 000 zusätzliche Jobs im öffentlichen Dienst für die Integration von Flüchtlingen. So müssten allein über 1000 neue Bundespolizisten eingestellt werden, sagte dbb-Chef Klaus Dauderstädt. Auch Kitas, Jobcenter und Gesundheitsämter bräuchten mehr Personal. Die SPD-Fraktion hält 1000 neue Stellen auch im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur schnelleren Bearbeitung der Asylverfahren für notwendig - über die 2000 vereinbarten hinaus.

Der Bund soll Länder und Kommunen nach dem Willen der SPD in einer «Größenordnung von drei Milliarden Euro plus x» entlasten. «Ich hoffe, dass wir uns in der Koalition am Sonntag auf den Finanzrahmen einigen», sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi der Deutschen Presse-Agentur. «Ob dieses Geld als Pauschale pro Flüchtlinge gezahlt wird oder ob der Bund Leistungspakete übernimmt, ist letztlich nachrangig.»

Zwischenzeitlich diskutierte Änderungen am Asylrecht sind vom Tisch. «Artikel 16 wird nicht geändert. Alles andere müssen die Beratungen und die rechtlichen Prüfungen ergeben», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) könnte sich aber vorstellen, das Verbot zu lockern, dass der Bund den Kommunen direkt Geld geben kann. In den Ländern gilt das als nicht durchsetzbar. Oppermann sprach sich für die Einstufung von Albanien und dem Kosovo zu sicheren Herkunftsländern aus - ohne das Grundgesetz zu ändern.

Zur schnelleren Unterbringung von Flüchtlingen ist die SPD allerdings offen für kleine Eingriffe in die Verfassung. So könnte zeitlich befristet von komplizierten Standards im Baurecht, im Umweltrecht und im Vergaberecht abgewichen werden. Nach Angaben des Bauministeriums sind im Baugesetzbuch Vorschriften bereits gelockert worden. So können in den Städten Flüchtlinge auch in Bürogebäuden oder in Hallen in Gewerbegebieten untergebracht werden.

Der Deutsche Städtetag sprach sich dafür, die Zahl der Plätze in winterfesten Quartieren bundesweit auf 150 000 zu erhöhen.

Fr, 2015-09-04 15:54
Palmyra/Wladiwostok (dpa)

IS sprengt im syrischen Palmyra 2000 Jahre alte Grabtürme

Die Zerstörungswut der IS-Terrormiliz kennt keine Grenze. Satellitenbilder zeigen das ganze Ausmaß der Verwüstung. Russlands Präsident Putin denkt über einen Einsatz gegen die Extremisten nach.

Palmyra/Wladiwostok (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in der syrischen Wüstenstadt Palmyra erneut einzigartige archäologische Stätten zerstört. Die Extremisten sprengten mehrere rund 2000 Jahre alte Grabtürme, wie Syriens oberster Archäologe Mamun Abdulkarim am Freitag der Deutschen Presse-Agentur erklärte. Drei der mehrstöckigen Gräber seien vor rund zehn Tagen zerstört worden. Russland schmiedet Pläne für eine internationale Koalition gegen den IS.

Die Russen schlagen dem Westen eine internationale Koalition im Kampf gegen die IS-Terrormiliz in Syrien vor - auch als Möglichkeit, Ruhe in Nahost zu schaffen und so die Flüchtlingsströme in Europa einzudämmen. Kremlchef Wladimir Putin sagte, dass er darüber auch mit US-Präsident Barack Obama sowie den Führungen in der Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten gesprochen habe. Putin will auch die syrische Armee an dem Bündnis gegen den IS beteiligen. Dies stößt vor allem bei der vom Westen unterstützten Opposition des Bürgerkriegslandes auf scharfe Kritik.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad ist nach Worten Putins zu Neuwahlen und zur Beteiligung der gemäßigten Opposition an der Regierung bereit. «Es gibt insgesamt ein Verständnis dafür, dass die Vereinigung der Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus parallel mit einem gewissen politischen Prozess in Syrien einhergehen sollte», sagte Putin nach Kremlangaben. Russland ist enger Verbündeter des syrischen Regimes.

Die bisher gut erhaltenen Ruinen Palmyras gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Das ganze Ausmaß der IS-Zerstörungswut zeigen Satellitenbilder, die von der American Schools of Oriental Research (Asor) aus Boston veröffentlicht wurden. Sie belegen, dass die Extremisten seit Ende Juni sieben Grabtürme gesprengt haben. Die jüngsten Aufnahmen stammen von Mittwoch. Zerstört wurde mit dem Elahbel-Turm unter anderem der größte der mehrstöckigen Grabbauten.

Auf den Bildern sind auch die gesprengten Tempel Baal und Baal Schamin zu sehen, Überreste aus römischer Zeit. Wie von den Grabtürmen sind auch von ihnen nur Schutt und Asche übrig geblieben. Der Baal-Tempel gehörte zu den bedeutendsten historischen Bauwerken in der arabischen Welt. In der radikalen Islam-Lesart des IS sind die Kultstätten jedoch Zeugnisse der «Vielgötterei» und des «Unglaubens».

Der IS hatte Palmyra im Mai nach heftigen Kämpfen von Anhängern des Regimes eingenommen. Seitdem haben die Extremisten bereits zahlreiche Überreste aus früheren Zeiten vernichtet. So zertrümmerten sie eine rund 2000 Jahre alte Löwen-Statue und sprengten islamische Heiligengräber. Die Extremisten enthaupteten auch den früheren Chef-Archäologen von Palmyra, Khaled Asaad.

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2015-09-04 15:47
Frankfurt/Main (dpa)

Leitmesse IAA: Autobranche erfindet sich neu

Auch wenn die Absatzflaute in China den Autobauern zu schaffen macht - auf der IAA will die Branche zeigen, dass sie sich trotz fortwährender konjunktureller Rückschläge selbst neu erfinden kann.

Frankfurt/Main (dpa) - Vernetzt und selbstfahrend: Das Auto der Zukunft steht im Zentrum der Automesse IAA, die Mitte September in Frankfurt beginnt. 1103 Aussteller aus 39 Ländern präsentieren vom 17. bis 27. September die neuesten Trends und technologischen Highlights des Autojahres 2015. 210 Weltneuheiten sind angekündigt, rund ein Drittel mehr als vor zwei Jahren, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Freitag. Die Internationale Automobil-Ausstellung gilt als Leitmesse der globalen Autoindustrie.

Unter dem Motto «Mobilität verbindet» legt die 66. IAA das Hauptaugenmerk auf «den Megatrend des vernetzten und automatisierten Fahrens», wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) betonte. Die IAA zeige wie keine andere Messe die digitale Welt der Mobilität. Gleichzeitig seien in Frankfurt konkrete Schritte in Richtung automatisiertes Fahren zu sehen, sagte Wissmann: «Bereits in wenigen Jahren werden Autos automatisch ins Parkhaus fahren und sich einen Platz suchen. Der Fahrer muss dazu nicht mehr am Steuer sitzen.» Daneben werde die Messe vom Thema Elektromobilität geprägt.

Mit diesen grundlegenden Neuerungen erfindet sich die Autobranche gerade neu. «Die technische Revolution in der Automobilindustrie ist in vollem Gange», sagte Jürgen Pieper, Auto-Analyst beim Bankhaus Metzler. Der Elektromotor und das selbstfahrende Auto hätten das Zeug, das Bild auf den Straßen bald tiefgreifend zu verändern.

Allerdings dürfte die aktuelle Flaute am weltgrößten Automarkt China die Stimmung in Frankfurt eintrüben. Denn während das Geschäft in Europa wieder anzieht und in den USA rund läuft, ging der Absatz im Reich der Mitte zuletzt zurück. Nach Jahren mit teilweise enormen Wachstumsraten gab der auch für deutsche Hersteller extrem wichtige Markt im Juli um sechs Prozent auf 1,2 Millionen Neufahrzeuge nach. Der wichtige Wachstumsmarkt entwickle sich immer mehr zum Sorgenkind, hieß es jüngst in einer Studie der Unternehmensberatung EY.

Der VDA rechnet für das Gesamtjahr aber immerhin mit einem Zuwachs von vier Prozent auf 19,1 Millionen Autos in der Volksrepublik. «China bleibt auf Kurs, schaltet jedoch einen Gang zurück», sagte Wissmann. Mittel- und langfristig werde der weltgrößte Pkw-Markt weiter wachsen.

Auf dem Frankfurter Messegelände werden Hunderttausende Besucher erwartet. 2013 waren nach damaligen Angaben des VDA gut 900 000 in die Messehallen gekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die 66. IAA am 17. September eröffnen.

Fr, 2015-09-04 15:33
Wladiwostok (dpa)

Putin: Assad bereit zu Neuwahlen und Zusammenarbeit mit Opposition

Wladiwostok (dpa) - Der syrische Machthaber Baschar al-Assad ist nach Worten von Kremlchef Wladimir Putin zu Neuwahlen und zur Beteiligung der gemäßigten Opposition an der Regierung bereit. «Es gibt insgesamt ein Verständnis dafür, dass die Vereinigung der Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus parallel mit einem gewissen politischen Prozess in Syrien einhergehen sollte», sagte Putin nach Kremlangaben am Freitag am Rande des Wirtschaftsforum in der Pazifik-Metropole Wladiwostok.

Der syrische Präsident sei einverstanden damit, etwa vorgezogene Parlamentswahlen abzuhalten, Kontakt zur «gesunden Opposition» aufzunehmen und diese an der Führung zu beteiligen, sagte Putin. Russland ist enger Verbündeter des syrischen Regimes.

«Das ist vor allem eine Frage der innersyrischen Entwicklung», betonte der Kremlchef. Russland sei weiterhin bereit, den Dialog in dem Bürgerkriegsland zu fördern.

Die Russen schlagen dem Westen eine internationale Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staates (IS) in Syrien vor. Kremlchef Putin sagte, dass er darüber auch mit US-Präsident Barack Obama gesprochen habe. Die Russen sehen ein internationales Vorgehen auch als Möglichkeit, Ruhe in Nahost zu schaffen und so die Flüchtlingsströme in Europa einzudämmen.

Fr, 2015-09-04 14:53
Berlin (dpa)

Müllmänner hoch, Manager runter - Ansichten der Bürger in Deutschland

Sympathie für Feuerwehrleute, Erzieherinnen und Polizisten - Abneigung gegen Privatisierungen: Öffentliche Einrichtungen und ihre Beschäftigten haben einen guten Ruf. Zugleich ist staatliche Bürokratie aber vielen ein Dorn im Auge.

Berlin (dpa) - Was halten die Menschen in Deutschland von wichtigen gesellschaftlichen und öffentlichen Institutionen, von den verschiedenen Berufsgruppen und der Verwaltung? Aufschluss gibt eine große Bürgerbefragung des Forschungsinstituts forsa im Auftrag des Beamtenbunds dbb - eine Übersicht über zentrale Ergebnisse.

Welche Berufsgruppen haben seit Beginn dieser Bürgerbefragungen vor neun Jahren am meisten an Ansehen gewonnen und verloren?

Die größten Gewinner sind die Müllmänner, die heute bei 77 Prozent der Bundesbürger ein hohes Ansehen haben (plus 14 Punkte), gefolgt von Briefträgern (63 Prozent, plus 11) und Beamten (37 Prozent, plus 10). Am meisten verloren haben Manager (29 Prozent, minus 8), Steuerberater (42 Prozent, minus 5)und EDV-Sachbearbeiter (39 Prozent, minus 4).

Welche Berufsgruppen stehen heute ganz oben und unten im Ansehen?

Feuerwehrleute, Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Kita-Erzieher und Polizisten haben derzeit wie vor einem Jahr den besten Ruf - mit Werten von 84 bis 95 Prozent. Wenig Ansehen genießen Versicherungsvertreter, Mitarbeiter von Werbeagenturen und Telefongesellschaften und Politiker (12 bis 24 Prozent).

Die Politiker welcher staatlichen Ebenen genießen am meisten Vertrauen?

Sehr oder einigermaßen vertrauenswürdig halten die Bürger Kommunalpolitiker (52 Prozent). Deutlich dahinter liegen die Politiker der Länder (44 Prozent), des Bundes (41 Prozent) und der europäischen Ebene (36 Prozent).

Was halten die Menschen von Sportverbänden, Medien und Internet und wichtigen Institutionen?

Sportorganisationen sind für 79 Prozent vertrauenswürdig, Zeitungen für 62 Prozent, das Fernsehen für 48 Prozent, das Internet für 41 Prozent. Gewerkschaften genießen mehr Vertrauen als Wirtschaftsverbände (57 bzw. 45 Prozent). Nichtregierungs-Organisationen wie Umweltverbände werden deutlich positiver gesehen als politische Parteien (68 bzw. 36 Prozent).

Wie sehen die Bürger die öffentliche Verwaltung?

Gemischt. Zwar halten 85 Prozent eine starke Verwaltung in einem Staat für nötig, der viel für die Bürger tun will. 75 Prozent halten die Verwaltung aber für schwerfällig, 66 Prozent für aufgebläht. Mehr als jeder Zweite beklagt zuviel staatliche Bürokratie. Für Forsa-Chef Manfred Güllner ist die Bürgerfreundlichkeit das entscheidende Kriterium für das Ansehen von Ämtern und Behörden.

Sollten staatliche Leistungen aus Sicht der Bürger stärker privatisiert werden?

Nein. Nur 17 Prozent meinen, weitere öffentliche Dienstleistungen sollten in private Hände gegeben werden. Bei Polizei, Gerichtswesen, Strafvollzug, Finanzverwaltung und Feuerwehr lehnen überwältigende Mehrheiten Privatisierungen ab. Aber auch Schulen, Hochschulen und Kliniken sollen laut mehr als jeweils sieben von zehn Bundesbürgern in öffentlicher Hand bleiben. Aufgeschlossen für Privatisierungen sind jeweils mehr als ein Drittel der Befragten bei der Arbeitsvermittlung, Müllentsorgung, Energieversorgung, dem Nahverkehr und Theatern und Museen.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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