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umweltschutz / 12.Feb 2016

Fasten für eine bessere Welt

Das vorösterliche Fasten ist ein wenig aus der Mode gekommen. Doch nun erfinden viele Menschen es neu: Warum nicht die vierzig Tage dazu nutzen, einen umweltfreundlicheren Lebensstil auszuprobieren? Wir haben vier Anregungen zusammengestellt.​

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Sa, 2016-02-13 02:00
Janeiro (dpa)

«Zero Zika»: 220 000 Soldaten im Moskito-Kampf in Brasilien Von Georg Ismar, dpa

Im August sind die Olympischen Spiele in Rio, die Welt schaut auf Brasilien. Die Zika-Epidemie kommt zur Unzeit. Und Bürger fordern Klarheit, ob sich Fehlbildungen wirklich wegen Zika häufen. Nun soll Militär den Mücken, die das Virus übertragen, zu Leibe rücken.

Rio de Janeiro (dpa) - Zur Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti, die das mysteriöse Zika-Virus überträgt, setzt die brasilianische Regierung am Samstag rund 220 000 Soldaten im ganzen Land ein. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen.

Sie sollen den Bürgern erklären, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen, da die Gelbfiebermücken hier ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen.

Das Motto lautet: «Zero Zika» («Null Zika»). Aber bis dahin wird es noch ein sehr weiter Weg sein - die Moskitoart hat sich dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. Sie überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus. «Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen», betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior.

Da bisher eindeutige, schnelle Diagnoseverfahren fehlen, gehen Schätzungen der Zika-Infektionen in dem am stärksten betroffenen Land weit auseinander - von 500 000 bis 1,5 Millionen sprechen die Behörden. Das Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys zu verursachen. Bisher gibt es 17 Fälle, in denen bei den Schwangeren das Virus nachgewiesen werden konnte. Bewiesen ist der Zusammenhang aber nicht.

Am stärksten betroffen ist der arme Nordosten - die Hauptstadt des Bundesstaats Pernambuco, Recife, gilt als ein Ausgangspunkt, in Pernambuco gibt es bisher die meisten Mikrozephalie-Fälle. Bei dem Anti-Zika-Aktionstag sollen allein im Bundesstaat Rio de Janeiro 71 000 Soldaten zum Einsatz kommen - dies gilt auch als Signal nach außen: Mit aller Macht soll versucht werden, ein Risiko für die Olympischen Spiele abzuwenden, die im August in Rio stattfinden.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Gelbfiebermücke mit einem «Krieg». Sie wollte am Samstag nach Rio reisen und zwei Häuser besuchen, um die Bürger auf den Moskitokampf einzuschwören.

Mit US-Präsident Barack Obama hat sie die gemeinsame Entwicklung eines Impfstoffes durch Forscher beider Länder vereinbart, dieser wird aber wohl erst frühestens in zwei Jahren zur Verfügung stehen. Die Regierung steht unter großem Druck, weil Zika Touristen und Sportler davon abhalten könnte, zu Olympia nach Rio zu reisen - wenngleich die Moskitoart dort im August kaum aktiv ist.

In Rio gibt es zudem bisher erst zwei Fälle von Schädelfehlbildungen und 196 Verdachtsfälle. Im ganzen Land sind 404 Fälle der sogenannten Mikrozephalie bestätigt, 3670 mögliche Fälle werden derzeit noch untersucht. In einer zweiten Etappe sollen in den nächsten Tagen und Wochen 50 000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden gezielt mit Insektiziden Moskitos und Eiablageplätze dauerhaft eliminieren.

Zika ist bereits in über 30 Ländern aufgetaucht, in Deutschland wurden bisher rund 15 Fälle eingeschleppt. Am Zika-Virus sollen bisher in Brasilien - unabhängig von toten Babys durch mögliche Mikrozephalie - drei Menschen gestorben sein. Im Normalfall führt das Virus nur zu Symptomen wie Fieber, Hautrötungen oder Kopfschmerzen.

Kolumbien meldete drei Tote, die an dem Lähmungssyndrom Guillain-Barré starben, das womöglich von Zika ausgelöst worden ist; auch Venezuela meldet drei Zika-Tote. Aber oft ist unklar, ob nicht auch andere Erkrankungen eine Ursache sein könnten. Das zuvor kaum vorgekommene, ursprünglich im Zika-Wald von Uganda entdeckte Virus ist kaum erforscht - daher werden weltweit die Mittel erhöht, um Klarheit über die Folgen zu bekommen.

Wegen der Zika-Ausbreitung hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang Februar den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Fr, 2016-02-12 22:27
Washington (dpa)

Jim Gilmore steigt aus Präsidentschaftswahlkampf aus

Washington (dpa) - Jim Gilmore steigt aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den US-Republikanern aus. Das teilte der 66-Jährige am Freitag auf seiner Facebook-Seite mit. Gilmore galt als chancenlos. Bei der Vorwahl in Iowa stimmten gerade einmal zwölf Wähler für ihn, in New Hampshire waren es 133.

Gilmore erklärte, die Berichterstattung der Medien und die Struktur der TV-Debatten würden es ihm unmöglich machen, seine Kampagne fortzuführen. Er konnte aufgrund seiner schlechten Umfrageergebnisse nie an den Hauptdebatten teilnehmen.

Bei den Republikanern sind noch sechs Männer im Rennen: Jeb Bush, Ben Carson, Ted Cruz, Marco Rubio, John Kasich und Donald Trump. Die Konservativen waren in den Kampf für die Nachfolge Barack Obamas mit einem Rekordfeld von 17 Bewerbern gestartet.

Die Parteien wählen ihre Bewerber in Vorwahlen aus. Die beiden Spitzenkandidaten der Republikaner und Demokraten werden dann auf Parteitagen im Sommer gekürt. Die Präsidentenwahl folgt am 8. November.

Fr, 2016-02-12 19:03
Moskau/Aleppo (dpa)

Neue Kämpfe in Syrien dämpfen Hoffnung auf angepeilte Waffenruhe

Der leisen Hoffnung von München folgt erste Ernüchterung: In Syrien sterben mindestens 16 Zivilisten bei russischen Luftangriffen. Was ist der internationale Plan für eine Feuerpause wert?

München/Moskau/Aleppo (dpa) - Neue Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe im blutigen Syrienkonflikt sind am Freitag von schweren Kämpfen überschattet worden. Unmittelbar nach Gesprächen über eine baldige Feuerpause in München bombardierte die russische Luftwaffe nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten Orte nördlich der Stadt Homs. Mindestens mindestens 16 Zivilisten sollen bei den Angriffen ums Leben gekommen sein.

Für Ernüchterung sorgten zudem Aussagen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in einem Interview der französischen Nachrichtenagentur AFP. Der Machthaber ist demnach zur Rückeroberung ganz Syriens entschlossen. «Es ist nicht logisch zu sagen, dass es einen Teil unseres Landes gibt, auf den wir verzichten», sagte er in einem am bereits am Donnerstag geführten Gespräch.

Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie Iran, die Türkei und Saudi-Arabien hatten sich in der Nacht zu Freitag in München auf das Ziel einer Feuerpause in Syrien geeinigt. Binnen einer Woche sollen demnach die Waffen schweigen.

Die Milizen Islamischer Staat und Al-Nusra-Front sollen jedoch weiter bekämpft werden können. Zudem einigte sich die Münchner Konferenz darauf, dass jetzt schnell humanitäre Hilfe in belagerte Orte gelangen soll. In Genf wurde eine neue Task Force für humanitäre Hilfe zusammengerufen, die sich um die Hilfsoperationen für die notleidende Bevölkerung kümmern soll.

Die syrische Opposition und Rebellen zeigten sich skeptisch, dass das Assad-Regime sich zu einer Feuerpause bereiterklärt. Man wolle «Taten statt nur Worte», sagte ein Sprecher des in Saudi-Arabien ansässigen Hohen Verhandlungskomitees (HNC) am Freitag. Zwar begrüßte er die Einigung, aber: «Versprechen haben wir satt.»

Die Regierung in Damaskus reagierte zunächst noch nicht. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte: «Das Wichtigste ist, dass Regierung und Opposition der Waffenruhe zustimmen.»

Die Aufständischen glauben nicht an den Plan der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe, eine Waffenruhe binnen einer Woche zu erreichen. «Das Regime und seine russischen Verbündeten sind entschlossen, den gesamten Norden Aleppos zu zerstören, ehe sie eine Feuerpause am Boden umsetzen», sagte Abu Terki, ein Kommandeur der Aufständischen in der Region.

Moskau dementiert immer wieder, bei seinen Angriffen auch Zivilisten zu treffen. Die Luftangriffe richteten sich nur gegen Terroristen. Moskau unterstützt damit das Regime von Machthaber Baschar al-Assad. Dem seit fünf Jahren dauernden Bürgerkrieg sollen über 250 000 Menschen zum Opfer gefallen sein, Millionen sind auf der Flucht.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte die Verständigung von München einen «Funken Hoffnung». Aber: «Die angekündigte Waffenruhe muss sich in den Straßen von Aleppo erfüllen. Denn wer wirklich Frieden will, der muss nicht wochenlang warten», sagte die Ministerin in ihrer Rede zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz.

Bei den Gesprächen dort sind Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien einer der Schwerpunkte der Gespräche. Bis Sonntag beraten mehr als 30 Staats- und Regierungschefs sowie etwa 60 Außen- und Verteidigungsminister über diesen und andere Krisenherde.

Deutschland und Großbritannien appellierten an Russland, die Zeit bis zu einer Waffenruhe nicht für Angriffe auf gemäßigte Gegner des Assad-Regimes zu nutzen. Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz sagte: «Den Worten müssen nun aber auch Taten folgen. Hier sieht die Bundesregierung in erster Linie Russland in der Pflicht.»

Zuletzt war die syrische Armee nördlich von Aleppo flankiert von russischen Luftangriffen vorgerückt. Über 500 Menschen sollen getötet worden sein, Zehntausende sind geflohen.

Russland und die USA wollten schon an diesem Freitag eine Arbeitsgruppe für die Umsetzung der Waffenruhe in Syrien bilden. Diplomaten und Militärvertreter beider Seiten würden sich erstmals in Genf treffen und dann regelmäßig tagen, sagte Lawrow. Er forderte die rasche Wiederaufnahme der Syrien-Friedensgespräche in Genf.

Im dem seit fast fünf Jahren tobenden Bürgerkrieg gab es bislang nur Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies darauf hin, dass die Münchner Vereinbarungen auch für die Eindämmung der Flüchtlingskrise wichtig sein könnten: «Wenn wir das Blutvergießen in dieser Region nicht stoppen können, dann werden sich noch weitere Flüchtlinge auf den Weg zu uns machen.»

Fr, 2016-02-12 18:25
Berlin (dpa)

Nach der Affäre ein Deal - SPD wird Edathy nicht richtig los Von Tim Braune, dpa

Schlusspunkt der unendlichen Edathy-Affäre? Die SPD findet mit dem Ex-Abgeordneten einen Vergleich, mit dem beide Seiten leben können. Einer aber könnte noch reden - und alles wieder aufwühlen.

Berlin (dpa) - Sebastian Edathy läuft am Freitagmorgen gemächlich die Berliner Wilhelmstraße entlang - wie zu seinen besten Zeiten als angesehener Innenexperte und Nachwuchsstar der SPD wie aus dem Ei gepellt. Dunkler Dreiteiler, schwarz-rot karierte Krawatte, schwarze Aktentasche. Er zieht noch mal an einer Zigarette. Dann steht er vor der gläsernen Eingangstür an der Spitze des Willy-Brandt-Hauses, das wie ein Schiffsbug in den grauen, nasskalten Berliner Himmel ragt.

Mit welchen Gefühlen geht er dort hinein? «Mal sehen», antwortet jener Mann, der mit seiner Kinderpornografie-Affäre die schwarz-rote Koalition erschütterte, den Rücktritt des CSU-Bundesministers Hans-Peter Friedrich auslöste und führende Genossen wie seinen Fraktionschef Thomas Oppermann schwer in Bedrängnis brachte.

Wie sich gut vier Stunden später herausstellt, ist es für den 46-Jährigen für sehr, sehr lange Zeit das letzte Mal gewesen, dass er das Hauptquartier der deutschen Sozialdemokratie betreten darf.

Am frühen Nachmittag verschickt die Bundessschiedskommission, das oberste SPD-Gericht, die Mitteilung, dass sich die Parteispitze mit dem Ex-Bundestagsabgeordneten aus Niedersachsen auf einen Vergleich verständigt hat. Für fünf Jahre verliert er alle Mitgliedsrechte - zwei Jahre mehr als im ersten Schiedsspruch in der Vorinstanz in Hannover. Edathy wird damit zu einer «Persona non grata». Was er für die Partei und weite Teile der Öffentlichkeit ohnehin längst ist.

Einen wichtigen Erfolg erreicht Edathy dennoch: Die SPD-Spitze, allen voran Sigmar Gabriel, ist gescheitert beim Versuch, ihn mit Schimpf und Schande aus der Partei zu jagen. Das Parteibuch wollte Edathy unbedingt behalten. Vielleicht ein letzter, trotziger Kampf für einen, dessen bürgerliche Existenz in Trümmern liegt.

Gabriel wiederum wusste, worauf er sich einlässt. Die Hürden für einen Parteiausschluss sind sehr hoch. Das Strafverfahren gegen Edathy wegen kinderpornografischen Materials war gegen Zahlung von 5000 Euro eingestellt worden - den Gefallen, selbst das Parteibuch zurückzugeben, tat Edathy Gabriel nicht.

Schon einmal erlitt Gabriel in einem Parteiordnungsverfahren gegen ein prominentes Mitglied Schiffbruch. Vor fünf Jahren misslang es, den früheren Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin loszuwerden. Der Bestseller-Autor hatte von «kleinen Kopftuchmädchen» gesprochen und gewarnt, «dass wir zu Fremden im eigenen Land werden».

Moralisch dürfte so gut wie jeder in der SPD es als eine Selbstverständlichkeit empfunden haben, dass die Partei Edathy aus der Mitgliederkartei streichen wollte. Gabriel, Präsidium und Vorstand, die seinerzeit «entsetzt und fassungslos» angesichts der Verfehlungen ihres Hoffnungsträgers das interne Verfahren eingeleitet hatten, stehen nun auch deutlich besser da als im Fall Sarrazin.

Sie rangen Edathy, der bislang öffentlich keine echte Reue erkennen ließ, neben dem Fünf-Jahres-Bann die Erklärung ab, sein Verhalten habe «den sozialdemokratischen Grundwert des Schutzes von Minderjährigen berührt» und er bedauere dies.

Der Deal mit der Einstellung des Verfahrens hat für beide Seiten Vorzüge. Die SPD will die Affäre endlich hinter sich lassen. Weitere Auseinandersetzungen vor ordentlichen Gerichten hätten die Geschichte bis zur Bundestagswahl köcheln lassen.

Auch Edathy, der sich zeitweise in Nordafrika und Südeuropa versteckt hielt und bei Facebook als Wohnort nun wieder Berlin angibt, scheint seine Ruhe haben zu wollen. Am Freitag veröffentlicht er im Netz die Einigung mit der SPD.

War es das wirklich? Seit ein paar Wochen arbeitet wieder jemand in der SPD-Bundestagsfraktion, der nach Auffassung vieler die Affäre jederzeit wieder ins Rollen bringen könnte: Michael Hartmann. Der lange krankgeschriebene Abgeordnete, der Edathy laut dessen Aussage vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss mehrfach geheime Informationen über die laufenden Ermittlungen geliefert hatte, schweigt eisern. Darüber dürfte mancher in der SPD erleichtert sein. So könnte Hartmann, der nicht mehr für den Bundestag kandidieren soll, nach der laufenden Wahlperiode ein Posten im Ausland winken. Eine Sprecherin Hartmanns dementierte am Abend entsprechende Überlegungen.

Fr, 2016-02-12 18:14
München (dpa)

Ukraine protestiert gegen Hausdurchsuchungen bei Krimtataren

München (dpa) - Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin hat Russland eine Welle von Hausdurchsuchungen und Verhaftungen unter Krimtataren auf der annektierten Halbinsel Krim vorgeworfen. Das seien Methoden wie unter Sowjetdiktator Stalin, sagte er am Freitag am Rande der Sicherheitskonferenz in München. Russlands Begründung, die Razzien dienten dem Anti-Terrorkampf, sei ein «schlechter Witz».

Berichten zufolge war mehr als ein Dutzend Menschen auf der Krim kurzzeitig festgenommen worden. Die russische Staatsanwaltschaft sprach von verhafteten Islamisten. Die Minderheit der Krimtataren klagt seit der russischen Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel im April 2014 über massive Repressionen.

Fr, 2016-02-12 18:12
Brüssel (dpa)

EU geht gegen chinesische Solar-Importe aus Taiwan und Malaysia vor

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission hat bestehende Handelsbeschränkungen für chinesische Solar-Importe auf Taiwan und Malaysia ausgeweitet. Etliche Solarzellen und -paneele chinesischer Hersteller würden in den beiden Ländern umetikettiert und von dort nach Europa verschifft, teilte die Brüsseler Behörde am Freitag mit. Daher sollen Anti-Dumping-Zölle für Billig-Importe aus China teilweise auch in den zwei Ländern angewandt werden.

20 Firmen aus Taiwan und fünf Unternehmen aus Malaysia sollen davon jedoch ausgenommen bleiben. Diese hätten nachgewiesen, dass sie nicht in Mauscheleien verstrickt seien, hieß es von der EU-Kommission.

Die EU hatte 2013 nach einer langen Auseinandersetzung mit China Mindestpreise und für den Fall von Verstößen Strafzölle vereinbart. Sie sollen die angeschlagene europäische Solarindustrie gegen die deutlich preiswertere chinesische Konkurrenz schützen. China ist der weltgrößte Hersteller von Solarprodukten.

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Fr, 2016-02-12 18:35
München (dpa)

Der Tag in Kürze: Das Wichtigste von der Sicherheitskonferenz

München (dpa) - Der Krieg in Syrien, der Kampf gegen den Terror, die europäische Flüchtlingskrise - das waren die zentralen Themen des erstes Tages der Münchner Sicherheitskonferenz. Ein Überblick:

SYRIEN: In der Nacht hatten sich Russland, die USA und wichtige Regionalmächte auf das Ziel einer Feuerpause in Syrien geeinigt. Die Vereinbarung wird auch auf der Sicherheitskonferenz begrüßt. Und doch gibt es Skepsis, ob die Einigung trägt und Frieden tatsächlich näher gerückt ist. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht von einem «Funken Hoffnung», betont aber: «Die angekündigte Waffenruhe muss sich in den Straßen von Aleppo erfüllen.» Saudi-Arabien fordert in scharfen Worten den Rückzug von Machthaber Baschar al-Assad.

BUNDESWEHR: Die Bundeswehr soll syrische Flüchtlinge für den Wiederaufbau ihres Landes nach einem Ende des Bürgerkriegs ausbilden: Von der Leyen kündigt in ihrer Auftaktrede in München ein Programm zur Schulung von Handwerkern, Technikern oder auch Logistikern an.

KAMPF GEGEN DEN TERROR: Von der Leyen, aber auch Redner wie Jordaniens König Abdullah II. oder Iraks Premier Haider al-Abadi rufen zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror auf, insbesondere gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubair sagt: «Das ist eine Sekte, die geschlagen werden wird.»

FLÜCHTLINGSKRISE: Kanzleramtsminister Peter Altmaier verteidigt den Weg von Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU), eine internationale Lösung der Flüchtlingskrise anzustreben. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu fordert einen effektiven Kampf gegen Schleuser, eine Bekämpfung der Fluchtursachen und eine «kontrollierte Migration».

NAHOST: Am Rande der Konferenz gibt es ein Treffen des sogenannten Nahost-Quartetts aus den USA, Russland, EU und Vereinten Nationen. Es wird vereinbart, so schnell wie möglich einen Bericht zur aktuellen Konfliktlage zu erstellen. Über dieses Gutachten sollen Israel und die Palästinenser zu neuen Friedensverhandlungen bewegt werden.

NATO/RUSSLAND: Ebenfalls am Rande der Konferenz gibt es Gespräche über eine mögliche Wiederbelebung des sogenannten Nato-Russland-Rats. Doch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kann nach einer Diskussion mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow keine Einigung verkünden.

Fr, 2016-02-12 18:48
Detmold/Oswiecim (dpa)

Auschwitz-Komitee betont Bedeutung von Gerichtsverfahren

Detmold/Oswiecim (dpa) - Das Internationale Auschwitz-Komitee hat angesichts der neuen Auschwitz-Prozesse die Bedeutung der Verfahren für die Holocaust-Überlebenden betont. Wenn, wie nun im Detmolder Verfahren gegen einen ehemaligen SS-Mann, Bürger Überlebende nach ihrer Zeugenaussage auf der Straße erkennen, ihnen die Hand drücken und ihr Mitgefühl ausdrücken wollten, sei dies nicht nur ein «Blick in die Geschichte, sondern vor allem auch in die Gesellschaft», sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitee, in dem ehemalige Auschwitz-Häftlinge zusammengeschlossen sind.

Die bisherigen Prozesstage in Detmold zeigten, dass «die meisten Menschen in Deutschland gelernt haben, sich mit Herz und Verstand mit der entsetzlichen Geschichte auseinanderzusetzen». Für die Überlebenden sei diese Erfahrung und die Möglichkeit, Zeugnis abzulegen, ungeheuer wichtig.

Um so irritierender sei daher die Entscheidung des Gerichts in Neubrandenburg, den anstehenden Prozess gegen einen einstigen SS-Mann auf drei Verhandlungstage zu planen und auf Aussagen ehemaliger Häftlinge zu verzichten. «Das hat schon einen kleingeistigen Verweigerungscharakter,» meinte Heubner. Dabei seien «Auschwitz-Prozesse wie die in Detmold und in Lüneburg für Deutschland keine Bedrohung, sondern eine Chance. Hoffentlich wird das auch in Neubrandenburg verstanden».

Fr, 2016-02-12 18:10
Washington (dpa)

US-Kongress stimmt schärferen Sanktionen gegen Nordkorea zu

Washington (dpa) - Das US-Repräsentantenhaus hat eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Der Senat hatte dem Entwurf schon am Mittwochabend zugestimmt. Nach der Zustimmung des Repräsentantenhauses am Freitag muss nun Präsident Barack Obama das Gesetz unterzeichnen. Es sieht eine Verschärfung bestehender Sanktionen gegen Pjöngjangs Atom- und Raketenprogramm vor, sowie die Bestrafung derjenigen, die das Regime unterstützen. Zudem schafft es Maßnahmen gegen Cyber-Angriffe und Menschenrechtsverletzungen durch Nordkorea.

Der Schritt ist keine unmittelbare Reaktion auf Nordkoreas jüngsten Raketenstart, der Gesetzentwurf stammt aus dem vergangenen Jahr. Die USA hatten Pjöngjang in den vergangenen Tagen aber wiederholt vorgeworfen, die Lage auf der koreanischen Halbinsel eskalieren zu lassen.

Die Spannungen dort haben nach einem neuen nordkoreanischen Atomtest im Januar und dem Raketenstart am Sonntag zugenommen. Das kommunistische Regime in Pjöngjang sprach von einem Satellitenstart zur Weltraumerforschung. Die Weltgemeinschaft sieht dahinter allerdings den verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete.

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde
Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Helsinki soll Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

 

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Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA: Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen: Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Fr, 2016-02-12 18:31
Dresden (dpa)

Hunderte protestieren in Dresden gegen Kundgebung von Neonazis

Dresden (dpa) - Am Vorabend des Jahrestages der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg haben mehrere hundert Menschen gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert. Begleitet von starker Polizeipräsenz zogen sie am Freitagabend durch den Stadtteil Prohlis. Nach kurzer Strecke stoppte die Polizei den Marsch, weil er von der angemeldeten Route abwich. Zeitgleich versammelten sich an einem nahegelegenen S-Bahnhof mehrere hundert Rechtsradikale zu einem Gedenkmarsch für die Bombenopfer. In den Vorjahren hatten Rechtsradikale immer wieder versucht, den Jahrestag am 13. Februar für ihre Ideologie auszunutzen. Die Polizei war am Freitag mit hunderten Beamten und einem Hubschrauber im Einsatz. Auch Wasserwerfer standen bereit. Zu Zwischenfällen kam es zunächst nicht.

Fr, 2016-02-12 17:12
München (dpa)

Jordanien, Irak und Afghanistan fordern globalen Kampf gegen Terror

München (dpa) - Jordanien, Irak und Afghanistan haben auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu einem gemeinsamen, globalen Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen.

Jordaniens König Abdullah II. nannte diesen Kampf am Freitag einen «Weltkrieg mit anderen Mitteln». «Unser aller Völker werden bedroht durch die Ideologie der Gewalt und der Geringschätzung des menschlichen Lebens», sagte er mit Blick auf die Terrormiliz Islamischer Staat und betonte, im Kampf gegen den Terror müsse man deshalb «zusammenarbeiten als wahrhaft globale Allianz».

Iraks Premierminister Haider al-Abadi sagte, 2016 solle das letzte Jahr sein, in dem der Islamische Staat im Irak noch existieren könne. Die Terrormiliz sei nicht islamisch, sondern eine «internationale terroristische Organisation». Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verwies aber auch darauf, dass man nicht nur den IS bekämpfen müsse - auch die Terrororganisation Al-Kaida sei noch nicht besiegt.

Fr, 2016-02-12 17:05
Kiew (dpa)

Separatisten: Minsker Abkommen sorgte für Abflauen aktiver Kämpfe

Kiew (dpa) - Am Jahrestag des Minsker Friedensplans für die Ukraine haben die prorussischen Aufständischen die unter Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erzielten Vereinbarungen gelobt. Die wichtigste Folge des Abkommens sei das Ende aktiver Kämpfe, sagte Separatistenführer Denis Puschilin am Freitag in Donezk. Nun sollten sich die Konfliktparteien auf politische Fragen konzentrieren. «Das löst dann auch die ökonomischen und humanitären Fragen», sagte er.

Die prowestliche Führung in Kiew erkennt die Aufständischen als Gesprächspartner allerdings nicht an. Außenamtssprecherin Marjana Beza hatte am Vortag betont: «Russland als Unterzeichner der Minsker Vereinbarungen hat (...) keinen einzigen Punkt umgesetzt.»

Trotz einer vor Jahresfrist in Minsk vereinbarten Feuerpause wurden bei Gefechten im Unruhegebiet Donbass Armeeangaben zufolge zwei Soldaten verletzt. Den Separatisten zufolge wurden bei Horliwka zudem ein Zivilist von einer Sprengfalle getötet und einer verletzt.

Am 12. Februar 2015 war nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ein 13-Punkte-Plan zum Frieden in den Gebieten Luhansk und Donezk erreicht worden. Die vereinbarte Waffenruhe ist trotz mehrerer Anläufe brüchig, die Schaffung einer 30 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone nur in Teilen umgesetzt.

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

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Fr, 2016-02-12 18:00
Janeiro (dpa)

220 000 Soldaten im Zika-Einsatz in Brasilien

Rio de Janeiro (dpa) - Zur Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti, die das mysteriöse Zika-Virus überträgt, setzt die brasilianische Regierung am Samstag rund 220 000 Soldaten im ganzen Land ein. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen.

Sie sollen den Bürgern erklären, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen, da die Moskitos hier ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen.

Allein in der Olympiastadt Rio de Janeiro sollen 71 000 Soldaten bei dem Aktionstag des Militärs zum Einsatz kommen. Präsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Gelbfiebermücke, die auch das Dengue-Virus überträgt und auf 80 Prozent der Landesfläche vorkommt, mit einem Krieg. In einer zweiten Etappe sollen in den nächsten Tagen und Wochen 50 000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden gezielt mit Insektiziden Moskitos und Eiablageplätze dauerhaft eliminieren.

Das Virus steht im Verdacht, bei einer Infizierung von Schwangeren, Schädelfehlbildungen und damit eine geistige Behinderung bei deren Babys auslösen zu können - klar bewiesen ist das bisher nicht.

Fr, 2016-02-12 17:13
München (dpa)

Internationale Gemeinschaft will Druck im Nahost-Konflikt erhöhen

München (dpa) - Israel und die Palästinenser sollen über ein internationales Gutachten zu neuen Friedensverhandlungen bewegt werden. Die USA, Russland, die EU und die Vereinten Nationen vereinbarten am Freitag, so schnell wie möglich einen Bericht zur aktuellen Konfliktlage zu erstellen. Er soll auch konkrete Empfehlungen zur Diskussionen über eine Zwei-Staaten-Lösung erhalten.

Die negativen Entwicklungen in den vergangenen Monaten erforderten eine koordinierte Reaktion der internationalen Gemeinschaft, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini nach den Gesprächen des sogenannten Nahost-Quartetts in München. Derzeit drohe die Perspektive auf eine Zwei-Staaten-Lösung verloren zu gehen.

Als Beispiele für die negativen Entwicklungen führte das Nahost-Quartett in einer Erklärung die andauernde Gewalt gegen Zivilisten, die Siedlungsaktivitäten der Israelis und die fortschreitende Zerstörung palästinensischer Strukturen an.

Einen Termin für die Veröffentlichung des Berichts nannte Mogherini nicht. «Wir fangen sofort an, daran zu arbeiten», erklärte sie nach den Gesprächen am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Beteiligt waren neben ihr selbst der russische Außenminister Sergej Lawrow, US-Außenminister John Kerry sowie der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson.

Fr, 2016-02-12 18:00
München (dpa)

Medwedew bei Sicherheitskonferenz - Treffen zu Ukraine-Krise

München (dpa) - Die Rolle Russlands in der Welt steht am Samstag im Mittelpunkt der Münchner Sicherheitskonferenz. Vom russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew werden vor allem Aussagen zum Syrien-Konflikt und zur Ukraine-Krise erwartet. Russland hatte sich am Freitag bei einer Syrien-Konferenz mit der Vorbereitung einer Feuerpause einverstanden erklärt, seine Luftangriffe aber fortgesetzt.

Medwedew trifft sich am Rande der Sicherheitskonferenz auch mit dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. Parallel reden die Außenminister Russlands, der Ukraine, Frankreichs und Deutschlands über die Ukraine-Krise. Das Treffen findet fast genau ein Jahr nach der Vereinbarung des Minsker Friedensplans statt, der die Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen eigentlich beenden sollte - sie halten aber immer noch an.

Das Vorgehen Russlands in der Ukraine belastet auch das Verhältnis zur Nato massiv. Der Generalsekretär des Bündnisses, Jens Stoltenberg, wird am Samstag ebenfalls in München reden.

Bis zu 4000 Demonstranten wollen am Samstag gegen die Sicherheitskonferenz protestieren. Der alljährliche Protest eines Aktionsbündnisses richtet sich diesmal vor allem gegen die Beteiligung der Bundeswehr am Syrienkrieg.

Fr, 2016-02-12 17:26
Genf (dpa)

UN: Hilfe für notleidende Syrer könnte rasch anlaufen

Von München ging ein Signal der Hoffnung für Syrien aus. Humanitäre Helfer stehen bereit, Notleidende in belagerten Orten Syriens zu versorgen - doch sie brauchen eine Feuerpause und sicheres Geleit.

Genf (dpa) - Die dringend benötigte humanitäre Hilfe für Hunderttausende von notleidenden Syrer in belagerten Gebieten könnte nach UN-Angaben in den kommenden Tagen anlaufen. Voraussetzung sei, dass Helfern in Übereinstimmung mit den in München erzielten Vereinbarungen der Syrien-Kontaktgruppe ein sicherer Zugang zu diesen Orten gewährt wird. Das erklärte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, am Freitag.

UN-Schätzungen zufolge sind in 50 belagerten Orten in Syrien etwa 400 000 Menschen eingeschlossen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Aushungern von Menschen als Kriegsverbrechen bezeichnet.

«Sobald wir die Genehmigung der betroffenen Parteien haben, können die UN und ihre humanitären Partner Zivilisten in Not innerhalb der kommenden Tage erreichen», heißt es in einer in Genf verbreiteten Erklärung. De Mistura hielt sich am Freitag noch in München auf.

Dort hatten sich die 17 Mitglieder der Syrien-Kontaktgruppe am Donnerstag darauf verständigt, dass in dem Bürgerkriegsland binnen einer Woche eine Feuerpause beginnen und humanitäre Hilfe für bislang isolierte Gebiete ermöglicht werden soll.

Der Syrien-Kontaktgruppe gehören Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien an. Sie hatten Donnerstagabend im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz auch die Bildung einer humanitären Task Force vereinbart. Sie trat am Freitag in Genf auf Expertebene erstmals zusammen.

Ein weiteres Treffen ist für die kommende Woche vorgesehen. Dabei solle geprüft werden, ob die Kampfparteien in Syrien tatsächlich den ungehinderten Zugang für Helfer und Hilfslieferungen gewähren, erlärte De Mistura.

«Wir haben entsprechende Aufrufe an die Parteien in der Umgebung belagerter Gebiete gerichtet», sagte der norwegische Nothilfe-Experte Jan Egeland, der im Auftrag De Misturas die erste Sitzung der Task Force leitete. Sollte die Nothilfe anlaufen, bestehen nach Einschätzung von Diplomaten bessere Chancen für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen der Regierung in Damaskus und verschiedenen Rebellengruppen.

Die Gespräche waren vor einer Woche nach nur fünf Tagen unterbrochen worden. Sie sollen nach den Vorstellungen De Misturas möglichst vor dem 25. Februar weitergehen. Die Opposition macht ihre Teilnahme unter anderem davon abhängig, dass Angriffe durch Regierungstruppen eingestellt werden und die Versorgung Hunderttausender von Notleidenden ermöglicht wird.

Fr, 2016-02-12 16:45
München (dpa)

Saudi-Arabien: Assad muss verschwinden

München (dpa) - Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubair hat in scharfen Worten den Rückzug des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gefordert. Es müsse in Syrien einen Wandel geben, denn Assad sei «der effektivste Magnet für Extremisten und Terroristen», sagte al-Dschubair am Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Assad habe dazu beigetragen, die Terrormiliz Islamischer Staat stark zu machen. «Er hat sie zu dem gemacht, was sie heute sind», sagte der Außenminister. Und bevor es in Syrien keinen Wandel gebe und Assad verschwinde, werde man den Islamischen Staat nicht besiegen können.

Dem Islamischen Staat sprach Al-Dschubair entschieden ab, in irgendeiner Weise islamisch zu sein. «Das ist eine terroristische Organisation, die von Psychopathen geführt wird, die keine Religion und keine Moral haben und die andere Psychopathen anziehen», sagte er und betonte: «Das ist eine Sekte, die geschlagen werden wird.»

Saudi-Arabien gilt als wichtiger Unterstützer von Rebellen. Die Saudis fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten - und Unterstützer des Assad-Regimes.

Fr, 2016-02-12 16:27
Berlin/Brüssel (dpa)

Koalition will Emissionstests ändern - EU-Länder für Richtlinie

Nach der Manipulationsaffäre bei Volkswagen wird über Konsequenzen für die ganze Branche diskutiert - denn Emissionswerte stehen seit längerem in der Kritik. EU-weit sollen die Abgaswerte künftig im Straßenverkehr gemessen werden.

Berlin/Brüssel (dpa) - Angesichts des VW-Skandals dringt die schwarz-rote Koalition auf generelle Änderungen bei Abgasmessungen. «Um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, müssen die Aussagekraft von Emissionstests deutlich verbessert und umfassende Transparenz hergestellt werden», heißt es in einem Antrag von Union und SPD, über den der Bundestag voraussichtlich an diesem Donnerstag (18.2.) beraten soll.

Die Bundesregierung wird darin unter anderem aufgefordert, sich für den Aufbau staatlicher Prüfstände beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Nachmessen von Emissionen einzusetzen. Über Nachprüfungsergebnisse solle das Amt die Öffentlichkeit umfänglich unterrichten. Alle Autohersteller sollten dem KBA künftig ihre Motorsoftware offenlegen, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ähnliche Neuregelungen hat auch eine von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Kommission zur Untersuchung des VW-Skandals vorgeschlagen. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte: «Manipulationen wie bei Volkswagen müssen in der Zukunft verhindert werden. Ansonsten leidet das Vertrauen der Verbraucher.» Notwendig seien mehr Transparenz und eine bessere staatliche Kontrolle.

In der EU rücken realistischere Abgastests für Dieselfahrzeuge indes näher. Die EU-Länder stimmten dem neuen Rechtsrahmen am Freitag in Brüssel zu. Künftig sollen die Emissionen im Straßenverkehr und nicht im Labor getestet werden. Allerdings sollen jahrelang noch großzügige Abweichungen von geltenden Grenzwerten erlaubt sein. Das Europaparlament hatte bereits in der vergangenen Woche de facto zugestimmt.

Erlaubt sind nach der Euro-6-Abgasnorm, die seit fast zehn Jahren gilt, nur 80 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer. Diesen Wert sollen neu entwickelte Fahrzeugtypen in einem ersten Schritt zwischen September 2017 und Januar 2020 noch um mehr als das Doppelte überschreiten dürfen. Ab 2020 soll eine Überschreitung dann noch um die Hälfte toleriert werden. Bevor die neuen Testverfahren kommen können, müssen weitere Details separat geregelt werden. Dies steht noch aus.

Die deutschen Regierungsfraktionen unterstützen in ihrem Antrag die Bemühungen, in allen EU-Staaten unabhängige verbindliche Straßentests einzuführen. Diese müssten «transparent, valide, standardisiert und manipulationsresistent» sein. Zudem sollten «deren Ergebnisse veröffentlicht werden, um die Effizienz der Überwachung der Abgas- und Verbrauchswerte zu verbessern», heißt es in dem Papier.

In dem Antrag mit dem Titel «Kfz-Emissionen senken und deutsche Automobilindustrie stärken» heben Union und SPD auch die Bedeutung der Branche für Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze hervor. Zugleich wird betont, dass in den kommenden Jahren die Effizienz von Verbrennungsmotoren weiter gesteigert werden müsse. Die Zukunft der Antriebe werde besonders durch Wasserstoff und Strom bestimmt sein.

Fr, 2016-02-12 16:45
München (dpa)

Friedenstheorie für Syrien im Praxistest Von Michael Fischer, dpa

Der Rettungsversuch für den Friedensprozess in Syrien ist zunächst einmal geglückt. Aber was ist die Vereinbarung von München wert? Bisher ist die vereinbarte Feuerpause reine Theorie.

München (dpa) - Es ist eine düstere Analyse, mit der Wolfgang Ischinger die 52. Münchner Sicherheitskonferenz eröffnet. «Die internationale Ordnung ist im schlimmsten Zustand seit Ende des Kalten Krieges», sagt der Konferenzchef am Freitagnachmittag im Münchner Luxushotel Bayerischer Hof vor mehreren hundert Teilnehmern.

Trotzdem hat der frühere deutsche Botschafter in Washington Grund, mit ein klein wenig Zuversicht in das dreitägige Treffen zu gehen. Denn im kompliziertesten aller Konflikte gibt es seit Freitagnacht einen Hoffnungsschimmer. Er besteht in einem dreiseitigen Papier, auf das sich die Außenminister von 17 Ländern sowie Vertreter von EU, UN und Arabischer Liga nach sechs Stunden Verhandlungen in München verständigt haben. Es soll den gerade erst eingeleiteten Friedensprozess vor einem schnellen Scheitern bewahren.

Nach den ernüchternden, teils schockierenden Ereignissen der vergangenen beiden Wochen war eine solche Einigung kaum zu erwarten. Die syrische Armee war nördlich von Aleppo flankiert von russischen Luftangriffen vorgerückt. Mindestens 500 Menschen sollen bei der Offensive getötet worden sein, Zehntausende sind auf der Flucht. Die Friedensgespräche zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und der Opposition in Genf wurden nach nur wenigen Tagen abgebrochen.

Jetzt gibt es einen Plan, der den Weg zurück zum Verhandlungstisch ebnen soll:

- Innerhalb einer Woche soll eine «Feuerpause» eingeleitet werden. Dieser Begriff wurde mit Bedacht gewählt. Pause bedeutet, dass die Waffen nicht unbedingt dauerhaft schweigen sollen. In einen solchen «Waffenstillstand» will die syrische Opposition erst einwilligen, wenn Assad nicht mehr an der Macht ist. Außerdem wird der Kampf gegen die Terrororganisationen Islamischer Staat und al-Nusra ausgenommen.

- Die Blockade von humanitärer Hilfe für belagerte Gebiete soll aufgebrochen werden. In der Münchner Erklärung werden sieben Orte genannt, für die das sofort gelten soll.

- Die Genfer Friedensgespräche sollen so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Über das Ziel dieses Prozesses besteht aber weiterhin keine Einigkeit. Der Westen will Assad loswerden, Russland steht ihm weiter zur Seite.

Das ist aber nicht das einzige Problem. Wie sollen die Angriffe auf die Terrorgruppen von anderen Kampfhandlungen abgegrenzt werden? Und hat Assad überhaupt Interesse an einer Feuerpause? Das Papier von München ist zunächst einmal reine Theorie.

«Der Beweis muss jetzt angetreten werden», sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu Beginn der Sicherheitskonferenz. «Wer wirklich Frieden will, der muss nicht wochenlang warten.»

Der Optimismus hält sich aber in engen Grenzen. In den ersten Stunden nach der Münchner Vereinbarung gab es keine Anzeichen für ein Ende der Kämpfe. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten kamen mindestens 16 Zivilisten in der Nähe der Stadt Homs bei einem russischen Luftangriff ums Leben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnt deshalb vor zu hohen Erwartungen. «Wir kennen die Erfahrungen der Vergangenheit, deshalb spreche ich heute nicht von einem Durchbruch», sagte er nach den Verhandlungen.

Die Ukraine-Krise hat gezeigt, wie schwer Vereinbarungen über Feuerpausen umsetzbar sind. Der Minsker Friedensplan, der unter Vermittlung Merkels zustande kam, wurde am Freitag ein Jahr alt. Die Bilanz ist ernüchternd. In der Ostukraine gibt es immer noch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Wo eigentlich längst eine entmilitarisierte Zone sein sollte, stehen nach wie vor schwere Waffen.

Und der Syrienkonflikt ist noch deutlich komplizierter. Russland und die USA, Iran und Saudi-Arabien, die Türkei - alle verfolgen ihre eigene Agenda. Allerdings scheint auch Russland eingesehen zu haben, dass es in dem Bürgerkrieg keinen militärischen Sieger geben wird. Andernfalls würde es Verhandlungen wie im November in Wien und jetzt in München gar nicht geben.

Vielleicht wird sich schon am Wochenende bei der Sicherheitskonferenz etwas klarer zeigen, wie es um die Chancen auf Frieden in Syrien steht. Mit Spannung wird die Rede des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew am Samstag erwartet. Konferenzchef Ischinger versucht die Entscheidung aus der Nacht zu Freitag möglichst positiv zu sehen: «Wir brauchen mehr Entscheidungen wie diese - und wir müssen sie umsetzen.»

Fr, 2016-02-12 16:25
Warschau (dpa)

Polnisches Verfassungsgericht berät im März umstrittene Reform

Warschau (dpa) - Die polnischen Verfassungsrichter prüfen am 8. und 9. März ein Gesetz, von dem sie selbst betroffen sind: Auf Antrag der Oppositionsparteien und des Ombudsmanns für Bürgerrechte steht die umstrittene Reform des Verfassungstribunals auf der Tagesordnung des Gerichts. Das teilte das Gericht am Freitag mit. Kritiker befürchten eine Lähmung des Gerichts und eine Einschränkung der Gewaltenteilung, wenn die Verfassungsrichter nun nur noch mit einer Zweidrittelmehrheit ein gültiges Urteil fällen können.

Die Gesetzesreform der Nationalkonservativen, die in beiden Parlamentskammern die absolute Mehrheit haben, war auch außerhalb Polens auf Kritik gestoßen. Die EU-Kommission leitete ein Prüfverfahren zur Rechtsstaatlichkeit in Polen ein. Nils Muiznieks, der Menschenrechtskommissar des Europarats, sprach am Freitag von «schwerer Besorgnis» über die Reform des Gerichts. Der polnische Generalstaatsanwalt Andrzej Seremet listete in einem Gutachten für das Gericht 16 Punkte auf, die er für verfassungswidrig hielt.

Fr, 2016-02-12 16:08
Bamako (dpa)

Verantwortung übernehmen: Gauck bei deutschen Soldaten in Mali Von Thomas Lanig, dpa

Das westafrikanische Mali war ein bevorzugter Partner deutscher Entwicklungshilfe. Jetzt droht der Staat auseinanderzufallen. Der Bundespräsident kommt zu einem Kurzbesuch. Übernachtung ist aus Sicherheitsgründen nicht vorgesehen.

Bamako (dpa) - Schlechte Nachrichten aus Mali gibt es fast jeden Tag: Drei Soldaten von Sprengstoff-Falle getötet - Angriff auf UN-Lager in Timbuktu - Tote nahe künftigem Bundeswehrstützpunkt. Es könnte der gefährlichste Auslandseinsatz der deutschen Streitkräfte werden. Am Freitag besucht Bundespräsident Joachim Gauck Bundeswehr-Soldaten im westafrikanischen Krisenstaat, allerdings im relativ sicheren Süden des Landes.

Genau an dem Tag, an dem in Deutschland die Münchner Sicherheitskonferenz beginnt, denkt Gauck beim Flug von Nigerias Hauptstadt Abuja nach Bamako vielleicht zwei Jahre zurück. Damals hatte er in München seine wohl wichtigste Rede bisher gehalten. Deutschland müsse mehr internationale Verantwortung übernehmen, notfalls auch militärisch. So sprach er. Und dann kamen der Ukraine-Konflikt, die Eskalation des Bürgerkriegs in Syrien, der Terror in Paris.

Nicht wegducken mit Hinweis auf die von Nazi-Gräueln und Kriegsverbrechen belastete deutsche Vergangenheit, das war die Botschaft. Hier in Mali kann Gauck beobachten, wie das aussieht. Zunächst bei der European Union Training Mission (EUTM), bei der etwa 200 Bundeswehrsoldaten die malischen Streitkräfte ausbilden. Aber auch mit Polizisten und Entwicklungshelfern spricht er. Ziel aller Aktivitäten ist ein besserer Schutz der Zivilbevölkerung, eine Stabilisierung staatlicher Strukturen in einem Land, das von Tuareg-Rebellen, Terrorgruppen und Kriminellen bedroht ist.

Brigadegeneral Werner Albl berichtet dem Bundespräsidenten, auch von den Schwierigkeiten der Ausbildungsmission. «Da gibt es Welten zu überbrücken, da geht viel Zeit verloren», sagt ein deutscher Offizier. Französisch-Kenntnisse auf deutscher Seite wären nicht schlecht, aber meistens sind Dolmetscher gefordert.    

Dann klettert Gauck in den Hubschrauber, Typ Super-Puma, und in 20 Minuten ist er in Koulikoro, dem Zentrum der EUTM und im Feldlager «Camp Gecko» der Deutschen. Eine knappe Stunde ist Zeit, um im Gespräch mit den Soldaten zu erfahren, was läuft, und was nicht.

Natürlich lässt sich Gauck auch berichten, wie es werden soll mit dem wirklich gefährlichen Einsatz der Bundeswehr in Gao, im Norden Malis. Bis zu 650 Bundeswehrsoldaten sollen dort bei der seit 2013 laufenden UN-Mission Minusma zum Einsatz kommen. Die ersten 40 sind inzwischen eingetroffen, bis zum Sommer werden es 400 deutsche Blauhelme sein. Wie gefährlich es werden kann zeigt eine Zahl: Über 70 UN-Soldaten und Mitarbeiter wurden seit Beginn des Einsatzes im April 2013 getötet.

Die Mission im Norden, so wie im weiteren Sinn auch der Kameraden hier bei der Ausbildungsmission bei Bamako: das vom Terror und Separatisten erschütterte Land stabilisieren und die Einhaltung des ausgehandelten Waffenstillstands zwischen der Regierung und Rebellengruppen überwachen. Der schwache und im Norden kaum existente Staat Mali, immerhin seit vielen Jahren einer der wichtigsten Partner deutscher Entwicklungszusammenarbeit, wird nicht nur von Terroristen bedroht, sondern auch von Schmugglern, Drogenhändlern und ethnischen Konflikten.

Und Gauck nimmt Malis Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita in die Pflicht: Das Land selbst müsse mehr zu seiner Befriedung tun. Militärische mittel alleine reichen eben nicht aus, sagt Gauck, und erinnert damit wieder an seine Rede in München vor zwei Jahren.

Gauck kommt zum Besuch in Mali aus Nigeria, wo die islamistische Boko Haram wütet, und dort hat er gesagt, was auch hier gilt: Soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist nicht nur ein Rezept gegen globale Fluchtbewegungen, sondern auch gegen den Zulauf für Terrorgruppen und Extremisten. Was hier in Nord- und Westafrika schief läuft, kommt in Europa auf zwei Wegen an: Über den Terrorismus und über die vielen Flüchtlinge, die auch nach Deutschland wollen.

Die Flüchtlingskrise und ihre Folgen werden auch Gaucks nächstes und vielleicht letztes Jahr im Amt prägen. Am 12. Februar 2017 tritt die Bundesversammlung zur Wahl des Staatsoberhaupts zusammen. An diesem Freitag ist das genau noch ein Jahr. 

Fragen nach seiner persönlichen Zukunft beantwortet der Bundespräsident auf dieser Afrikareise erwartungsgemäß nicht, aber gestellt werden sie zwangsläufig. Bald muss er erklären, ob er noch einmal antritt für weitere fünf Jahre. Vor den wichtigen Landtagswahlen am 13. März ist damit nicht zu rechnen. Und auf einer Auslandsreise wohl auch nicht.  

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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