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Di, 2016-05-24 16:22
Schmilka (dpa)

Bahnstrecke Dresden-Prag wieder frei - Verkehr zunächst eingleisig

Schmilka (dpa) - Nach dem Erdrutsch in Sachsen ist die betroffene Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag wieder eingeschränkt befahrbar. Seit kurz nach 15 Uhr rollt der Fern- und Güterverkehr eingleisig, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Dienstagnachmittag sagte. Am zweiten Gleis werde gearbeitet. Die Aufräumarbeiten könnten noch bis zum Abend oder in die Nacht dauern. Der Nahverkehr bleibt weiter beeinträchtigt. Von den Auswirkungen des Unwetters mit Gewitter und teils heftigem Starkregen am Vorabend waren elf Fernverkehrszüge betroffen. Laut Bahn wurden sie teils durch Busse ersetzt oder hatten Verspätungen.

Di, 2016-05-24 16:47
Nairobi (dpa)

Mord- und Foltervorwürfe gegen Streitkräfte im Südsudan

Nairobi (dpa) - Südsudanesische Soldaten sollen zahlreiche Zivilisten getötet, gefoltert und vergewaltigt haben. Bei den Angriffen im Westen des Landes hätten sie zudem geplündert und Häuser niedergebrannt, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) am Dienstag mit. Augenzeugen hätten HRW-Mitarbeitern über die grausamen Verbrechen berichtet. Die Organisation forderte die Regierung auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

In dem erst 2011 unabhängig gewordene Land war im Jahr 2013 ein blutiger Konflikt ausgebrochen, als ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und dem von ihm entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar eskalierte. Zehntausende Menschen fielen der Gewalt zum Opfer, mehr als 2,3 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben auf der Flucht. Ende April wurde im Zuge eines Friedensabkommens eine Einheitsregierung gebildet - erneut mit Machar als Vizepräsident.

Während alle Augen sich auf die neue Regierung in der Hauptstadt Juba gerichtet hätten, seien die Soldaten im Westen des Landes mit Morden ungestraft davon gekommen, sagte HRW-Afrika-Direktor Daniel Bekele.

Di, 2016-05-24 16:36
Munster (dpa)

Wölfin stirbt an Bissverletzungen

Munster (dpa) - In der Lüneburger Heide bei Munster (Niedersachsen) ist eine Wölfin an Bissverletzungen gestorben. Welches Tier zugebissen habe, sei noch unklar, sagte am Dienstag eine Sprecherin des zuständigen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Ein Bundesforstmitarbeiter hatte das tote Tier am Sonntagabend auf dem Truppenübungsplatz Nord bei Munster im Heidekreis entdeckt. Zuvor hatte die «Böhme-Zeitung» darüber berichtet. Das Tier wurde zu Untersuchungen ins Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht. Die Wölfin ist eine Schwester von Kurti - der Rüde mit der Kennung MT6 war Ende April im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums getötet worden.

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Di, 2016-05-24 16:12
Damaskus (dpa)

Kurden beginnen Offensive gegen IS nördlich von Al-Rakka in Syrien

Damaskus (dpa) - Eine von Kurden angeführte Allianz hat Medienberichten zufolge eine Offensive nördlich der Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Al-Rakka in Syrien begonnen. Dies berichtete die Nachrichtenseite Al-Hawar am Dienstag, die der Kurdenmiliz YPG nahe steht. Die erste Phase der Offensive habe zum Ziel, die Region nordwestlich der Stadt einzunehmen, sagte ein hochrangiger kurdischer Verantwortlicher, Idris Nassan.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge gab es am Dienstagmorgen heftige Kämpfe zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (DFS) und IS-Kämpfern nordwestlich von Al-Rakka. Die DFS sei von Luftangriffen der von den USA geführten Koalition unterstützt worden.

Die DFS ist eine Koalition der Kurdenmiliz YPG und verbündeter arabischer Gruppen. Die YPG in Syrien ist wichtigster Partner der von den USA geführten Koalition im Kampf gegen den IS. Al-Rakka ist die de facto Hauptstadt der Terrormiliz in Syrien.

Di, 2016-05-24 16:12
Warschau (dpa)

Szydlo: Streit um Verfassungsgericht sollte in Polen gelöst werden

Warschau (dpa) - Im Streit um die polnische Justizreform wollen Regierung und EU-Kommission auf Dialog setzen: Polen habe Vorschläge gemacht, wie der Streit zu lösen sei, sagte die nationalkonservative Regierungschefin Beata Szydlo am Dienstag nach einem Treffen mit Kommissions-Vizechef Frans Timmermans in Warschau. Seitens ihrer Regierung gebe es einen «Willen zur Verständigung». Gleichzeitig betonte Szydlo, Polen betrachte den Konflikt als eine interne Angelegenheit, die in Polen selbst im Parlament gelöst werden solle.

Timmermans versicherte, die EU-Kommission wolle alles unternehmen, um eine Lösung zu finden. Er stimme Szydlo zu, dass es sich um ein inneres Problem des Landes handele. Einzelheiten zu den Vorschlägen der polnischen Regierung wurden nicht genannt.

Die im Dezember verabschiedete Justizreform lähmt nach Ansicht von Kritikern das polnische Verfassungsgericht. Die Richter selbst hatten das Gesetz im März für verfassungswidrig erklärt. Die Regierung weigert sich jedoch, das Urteil anzuerkennen. Die EU-Kommission leitete im Januar ein Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in Polen ein.

Di, 2016-05-24 16:06
Nairobi (dpa) 

UN: Sieben Millionen Tote jährlich durch Luftverschmutzung

Nairobi (dpa) - Rund sieben Millionen Menschen sterben nach Angaben der Vereinten Nationen jährlich an den Folgen der zunehmenden Luftverschmutzung. In städtischen Gebieten weltweit habe die Verschmutzung in fünf Jahren um acht Prozent zugenommen, teilte die UN im Rahmen der zweiten Umweltversammlung (UNEA-2) in Kenias Hauptstadt Nairobi am Dienstag mit.

Autoabgase, Abfallverbrennungen, aber auch der Rauch von einfachen Holzkohleöfen im Inneren von Häusern gefährden die Gesundheit. Nach UN-Angaben kochen mehr als drei Milliarden Menschen weltweit mit ineffizienten Öfen, die sie mit Brennstoffen wie Holz oder Kohle feuern.

Die UN hat aber auch positive Nachrichten: So sei jedes dritte in Norwegen neu gekaufte Auto ein Elektroauto. Auch habe eine Reihe ostafrikanischer Länder mit der Einführung strengerer Bestimmungen für Fahrzeuge und Treibhausgase Anfang 2015 die dadurch verursachten Emissionen um rund 90 Prozent verringern können.

Die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen wollen bei dem fünftägigen Treffen umweltpolitische Strategien entwerfen.

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Di, 2016-05-24 16:42
Berlin (dpa)

SPD-Minister bleiben bei striktem Nein zu Glyphosat

Wie geht es weiter mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat? In der Bundesregierung bleiben die Fronten eisenhart. Die SPD will kein grünes Licht geben - auch nicht für eine Zwischenlösung.

Berlin (dpa) - Beim Unkrautgift Glyphosat ist kein Ende des Koalitionskrachs in Sicht. Die SPD-Bundesminister beharren im Gegensatz zur Unionsseite und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrem strikten Nein zu einer weiteren EU-Genehmigung der verbreitet in der Landwirtschaft eingesetzten Chemikalie. Dabei bleibe es, «solange die gesundheitlichen Risiken nicht restlos geklärt sind», sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Dienstag in Berlin.

Das weitere Vorgehen der EU-Kommission ist vorerst offen. Im Gespräch ist unter anderem eine befristete Verlängerung der bestehenden Zulassung, die Ende Juni ausläuft. Die SPD-Ressorts würden aber auch einer einfachen Verlängerung unabhängig von der Dauer aus Gründen der Vorsorge nicht zustimmen, wie es aus Ministeriumskreisen hieß.

Eine EU-Abstimmung über eine neue Glyphosat-Zulassung für neun Jahre war vergangene Woche abgesagt worden, weil die nötige Mehrheit nicht zustande kam. Wegen Uneinigkeit in der Regierung hatte Berlin eine Enthaltung in dieser Frage signalisiert.

Zum Koalitionsstreit um Glyphosat war es gekommen, nachdem in einer SPD-Fraktionssitzung massive Widerstände deutlich geworden waren und daraufhin alle SPD-Ministerien ihr Nein zu einer Wiederzulassung erklärten. Der federführende Agrarminister Christian Schmidt (CSU) warf Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine «Rolle rückwärts» vor.

Hendricks betonte, es gehe nicht um einen wissenschaftlichen Disput um des Disputes willen. «Es geht um krebserzeugend oder eben nicht krebserzeugend.» Um Bedenken zu klären, solle ein im Frühjahr von Deutschland beantragtes EU-Verfahren abgewartet werden, bei dem eine gesundheitliche Einstufung des Stoffes vorgenommen wird. Ein solches Verfahren dauert üblicherweise etwa anderthalb Jahre.

Die Grünen begrüßten die «Standhaftigkeit» der SPD. Auch Merkel und die Union sollten sich nun zu einem entschiedenen Nein durchringen, sagte Grünen-Experte Harald Ebner der Deutschen Presse-Agentur. «Eine befristete Zulassungsverlängerung ohne Einschränkungen wäre nichts anderes als ein «Weiter-So». Das darf es aber nicht geben.»

Di, 2016-05-24 16:51
Warschau/Brüssel (dpa)

Vorerst keine Eskalation: Polen sieht Annäherung in Streit mit der EU

Noch vor wenigen Tagen war in Polen von Souveränität und nationalen Interessen die Rede. Nun signalisiert die Regierung auf einmal «Willen zur Verständigung». Gibt es im Streit mit Brüssel noch eine einvernehmliche Einigung?

Warschau/Brüssel (dpa) - In den Streit zwischen der EU-Kommission und der nationalkonservativen polnischen Regierung ist Bewegung gekommen. Die Brüsseler Behörde teilte am Dienstag mit, sie werde im laufenden Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in dem Land vorerst nicht die angedrohte nächste Stufe einleiten.

In Warschau trafen stattdessen Regierungschefin Beata Szydlo und Vize-Kommissionschef Frans Timmermans zusammen, um über eine einvernehmliche Lösung zu beraten. Polen habe Vorschläge gemacht, wie der Streit zu lösen sei, sagte Szydlo, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Seitens der Regierung gebe es einen «Willen zur Verständigung».

Timmermans versicherte, die EU-Kommission wolle alles unternehmen, um eine Lösung zu finden. Er hatte für den Besuch in Warschau auch ein Treffen mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichts geplant.

Der Konflikt dreht sich vor allem um Änderungen bei den Regeln zur Arbeit des polnischen Verfassungsgerichts, die die EU-Kommission für nicht vereinbar mit den europäischen Grundwerten hält. Die neuen Vorgaben für das Gericht behindern nach Auffassung von Kritikern dessen Arbeit massiv. Der Gerichtshof selbst erklärte die neuen Regeln im März für verfassungswidrig. Die Warschauer Regierung erkennt das Urteil der Verfassungshüter jedoch nicht an.

Die EU-Kommission hatte Polen in der vergangenen Woche aufgefordert, bis Montag Bedenken an der umstrittenen Justizreform auszuräumen. Nun soll es vor einer Entscheidung über eine mögliche neue Stufe im Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit neue Diskussionen unter Leitung von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker geben.

Bei einem Treffen der EU-Europaminister vermieden die Teilnehmer am Dienstag öffentliche Kommentare zum Streit über den Kurs der polnischen Regierung - obwohl der Dialog über die Rechtsstaatlichkeit in der EU offizielles Thema auf der Tagesordnung war. «Wir haben uns darauf verständigt, dass wir nicht einzelne Länder in den Mittelpunkt der Diskussion rücken», kommentierte der deutsche Europastaatsminister Michael Roth.

Di, 2016-05-24 16:12
Radebeul (dpa)

Giftspinnen krabbeln im Supermarkt aus Bananenkisten

Radebeul (dpa) - In einem Supermarkt im sächsischen Radebeul haben Feuerwehrmänner zwei giftige Spinnen gefangen. Die vier und ein Zentimeter großen Tiere krabbelten am Dienstag beim Einräumen aus Bananenkisten, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Nach einem Bericht der «Sächsischen Zeitung» handelt es sich um eine Armadeira genannte Gattung der Familie der Kammspinnen, die als sehr aggressiv und hochgiftig gelten. Die beiden «blinden Passagiere» kommen nun bei einem vom Zoo Dresden beauftragten Experten unter. Gefahr für Kunden besteht nach Angaben des Feuerwehrsprechers nicht mehr: «Wir haben alle Bananenkisten untersucht, sie wurden aus dem Sortiment genommen.»

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Di, 2016-05-24 16:48
Düsseldorf (dpa)

Schlechte Aussichten für Millionenklage gegen Flughafen Düsseldorf

Düsseldorf (dpa) - Der Flughafen Düsseldorf muss vorerst wohl keinen Schadenersatz für die Verseuchung von Grundwasser mit der giftigen Industriechemikalie PFT zahlen. Das hat das Landgericht Düsseldorf am Dienstag deutlich gemacht. Ein Anwohner fordert wegen der Grundwasserbelastung im Düsseldorfer Norden einen Millionenbetrag.

Doch das Gericht stellte sich am Dienstag hinter den Flughafen: Das verseuchte Grundwasser gehöre nicht zum Grundstück, sondern sei Allgemeingut. Das persönliche Eigentum des Klägers sei somit nicht unmittelbar betroffen. Der 63-jährige Eigentümer verdoppelte seine Schadenersatzforderung von zwei auf vier Millionen Euro plus Zinsen. Sein Grundbesitz sei durch die Belastung unverkäuflich geworden.

Als Verursacherin der Verseuchung mit perfluorierten Tensiden (PFT) steht die Flughafen-Feuerwehr im Verdacht: Die seit 2007 verbotene Chemikalie war bis dahin im Löschschaum enthalten und soll so ins Grundwasser gelangt sein.

Ob die Feuerwehr tatsächlich Verursacherin der Verseuchung sei, spiele letztlich gar keine Rolle, meinte die Richterin. Denn das nötige Verschulden fehle: Der jahrelang eingesetzte Löschschaum sei bis 2007 zugelassen gewesen. Erst nach und nach sei die Chemikalie PFT unter Verdacht geraten. Bis zum 21. Juni können beide Seiten noch Stellungnahmen nachreichen. Am 2. August soll das Urteil verkündet werden (Az.: 7 O 242/15).

Di, 2016-05-24 16:24
Schmallenberg (dpa)

Wisent greift Wanderin an - Frau leicht verletzt

Schmallenberg (dpa) - Eine Wanderin ist bei der Begegnung mit einer seit drei Jahren im Rothaargebirge frei laufenden Wisent-Herde leicht verletzt worden. Die 47-Jährige sei am Sonntag mit anderen Wanderern in einem Wald bei Schmallenberg in Nordrhein-Westfalen unterwegs gewesen und auf die Herde gestoßen, berichtete der Trägerverein des Artenschutz-Projektes und bestätigte einen Bericht der «Westfalenpost» vom Dienstag. Die Frau sei nach ihren Aussagen von einer Wisent-Kuh verfolgt und mehrfach gestoßen worden. Dabei erlitt die 47-Jährige leichte Verletzungen, ihre Kleidung wurde zerrissen.

Der Verein betonte, dass dies der erste Vorfall seit der Freilassung der Herde gewesen sei. Der Vorfall könne mit der Geburt von zwei Wisent-Kälbern zu tun haben. Möglicherweise habe sich das Tier durch die Frau und den von ihr auf dem Arm getragenen Hund bedroht gefühlt. Grundsätzlich hätten sich die Wanderer richtig verhalten. Sie hätten Abstand gehalten und sich entfernt.

Di, 2016-05-24 16:12
Athen/Idomeni (dpa)

Rund 1500 Flüchtlinge aus Idomeni umgesiedelt

Das wilde Zeltlager in Idomeni wird bald Geschichte sein. Tausende Flüchtlinge werden mit sanftem Druck in andere Lager in Griechenland gebracht. Ob es ihnen dort besser geht, muss sich erst noch zeigen.

Athen/Idomeni (dpa) - Friedliche Räumung des Flüchtlingscamps im griechischen Idomeni: Am Dienstag haben rund 1500 Menschen das wilde Lager an der Grenze zu Mazedonien verlassen. Sie wurden mit Bussen in Auffanglager gebracht. Widerstand gab es nicht. Die Evakuierung des Camps, in dem sich zuletzt noch bis zu 9000 Menschen aufhielten, soll mehrere Tage dauern.

Die lange angekündigte Räumung hatte am frühen Morgen begonnen. Rund 1400 Polizisten hielten sich in Bereitschaft und sperrten das Lager weiträumig ab. Polizeibeamte in Zivil kontrollierten jeden, der nach Idomeni fahren wollte. Sie ließen nur Einwohner der Region durch.

Die Polizei veröffentlichte am Nachmittag Videoaufnahmen, die von ihrem Hubschrauber aus gedreht worden waren. Deutlich zu sehen waren Migranten, die koordiniert und ohne Gewaltanwendung in Busse stiegen und das Lager verließen. Augenzeugen berichteten, Zelte und Plastikplanen sowie Müll seien mit einem Bagger beseitigt worden.

Reporter zählten bis zum Nachmittag mindestens 25 Busse, die das Lager verließen und ins Landesinnere fuhren. Nach Angaben der Polizei fuhren bis zum Nachmittag 1529 Menschen aus Idomeni ab. Die Aktion sollte bis Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt werden und am Mittwochmorgen fortgesetz werden. «Alles wie am Schnürchen. Die Menschen kommen jetzt in bessere Lager», sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, im griechischen Rundfunk. Diese sind überwiegend in der Region der Hafenstadt Thessaloniki.

In Idomeni hatte sich nach der schrittweisen Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns seitens Mazedoniens ein wildes Lager gebildet. Bis zu 15 000 Menschen - unter ihnen viele Frauen und Kinder - harrten im März trotz Menschen unwürdiger Zustände aus. Sie hofften, dass die Balkanroute wieder aufgemacht wird, damit sie nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen können. Immer wieder versuchten sie vergeblich, die Grenze zu passieren.

Die Hilfsorganisation medico international beklagte, die Zustände in anderen Lagern seien teilweise noch schlechter als in Idomeni. Die versprochenen Zugänge zum Asylverfahren und Familiennachführung scheiterten zumeist an der mangelhaften Ausstattung, die auch eine Folge der EU-Sparpolitik sei. Auch die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke bezeichnete es als «armselig», dass die Flüchtlinge in andere Lager gebracht würden, wo noch schlimmere Zustände herrschten. «Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten hätten diese Flüchtlinge aufnehmen müssen.»

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2016-05-24 16:30
Istanbul (dpa)

Neue türkische Regierung treibt Präsidialsystem voran

Die neue Kabinett in der Türkei steht. Das von Staatschef Erdogan gewünschte Präsidialsystem ist «wichtigste Aufgabe». Die erste Kabinettssitzung findet unter Erdogan statt.

Istanbul (dpa) - Die neue türkische Regierung will die Türkei mit Hochdruck zu einer Präsidialrepublik nach den Vorstellungen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan umbauen. «So Gott will, werden wir die nötigen Vorbereitungen umgehend treffen», sagte der designierte Ministerpräsident Binali Yildirim am Dienstag in Ankara. «Wichtigste Aufgabe» sei, die Verfassung an «die de-facto Situation» anzupassen.

Das neue Kabinett will nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu an diesem Mittwoch erstmals unter der Leitung Erdogans zusammenkommen. Yildirim wird zwar formell dem Kabinett und der islamisch-konservativen AKP vorstehen, tatsächlich lenkt aber Erdogan die Regierung und die Partei. Um diese Praxis zu legalisieren, will Yildirim auf Betreiben Erdogans die Verfassung ändern lassen.

Im neuen Kabinett ist der bisherige AKP-Sprecher Ömer Celik Europaminister. Außenminister bleibt Mevlüt Cavusoglu. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak erhielt erneut den Posten des Energieministers. Dem Kabinett gehören mehrere Personen aus dem Umfeld von Erdogan an. 25 der 26 Posten wurden mit Männern besetzt. Die einzige Frau - Fatma Betül Sayan Kaya - bekam das Familienministerium zugeteilt.

Yildirim betonte am Dienstag erneut seine Loyalität zu Erdogan. Bei der Vorstellung des neuen Kabinetts sagte er an die Adresse des Präsidenten: «Dein Weg ist unser Weg, Deine Mission ist unsere Mission, Deine Liebe ist unsere Liebe. Das war gestern so, ist auch heute so und wird auch in Zukunft so bleiben.»

Erdogan hatte Yildirim am vergangenen Sonntag mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem der 60-Jährige zum neuen AKP-Chef gewählt worden war. Das Parlament wollte Yildirim am Dienstagabend als Ministerpräsidenten bestätigen. Yildirim folgte Ahmet Davutoglu nach. Dem bisherigen AKP- und Regierungschef wurde vorgeworfen, die Einführung eines Präsidialsystems nicht engagiert genug vorangetrieben zu haben.

Di, 2016-05-24 16:51
Moskau (dpa)

Russland sieht Chancen auf Koordination mit USA in Syrien

Moskau (dpa) - Russland sieht nach Worten von Außenminister Sergej Larwrow Chancen auf eine militärische Koordination mit den USA beim Kampf gegen Terroristen in Syrien. Die Amerikaner seien zu mehr bereit als zu dem bisherigen Austausch von Informationen. Das sagte Lawrow nach russischen Agenturberichten am Rande eines Besuchs in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Dies sei auch wichtig für den beginnenden Angriff kurdischer Kräfte auf Al-Rakka, die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien.

«Wir gehen davon, dass die russischen Luftstreitkräfte und die Luftwaffe der US-geführten Koalition synchron und abgestimmt vorgehen sollten, um denen zu helfen, die am Boden gegen die terroristischen Einheiten vorgehen», sagte Lawrow am Dienstag. Das seien die syrische Armee, aber auch kurdische und verbündete Einheiten. Nach Medienberichten rückt die Kurden-geführte Allianz nordwestlich von Al-Rakka vor.

Di, 2016-05-24 16:05
Berlin (dpa)

Amnesty: EU-Staaten umgehen Lieferstopp für Waffen nach Ägypten

Berlin (dpa) - Der offizielle Lieferstopp der Europäischen Union für Waffen und Munition nach Ägypten wird nach einem Bericht von Amnesty International von fast der Hälfte der EU-Mitglieder ignoriert, darunter auch Deutschland. Demnach versorgen 13 von 28 Mitgliedsstaaten Ägypten weiterhin mit Rüstungsgütern und Polizeiausrüstung. Allein 2014 seien aus der EU Rüstungsexporte im Gesamtwert von mehr als sechs Milliarden Euro genehmigt worden.

Die EU hatte einen grundsätzlichen Lieferstopp für Waffen und Munition beschlossen, nachdem ägyptische Sicherheitskräfte im August 2013 Hunderte Demonstranten getötet hatten. Die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi steht international wegen Verletzungen von Bürger- und Menschenrechten immer wieder in der Kritik.

Als weitere EU-Staaten, die den Lieferstopp missachten, nannte die Menschenrechtsorganisation unter anderem Frankreich, Italien, Tschechien und Bulgarien. Nach Amnesty-Angaben wurden Kleinwaffen und leichte Waffen sowie Munition, gepanzerte Fahrzeuge, Militärhubschrauber und Überwachungstechnologie geliefert.

Amnesty-Rüstungsexperte Matthias John forderte einen sofortigen Lieferstopp für Rüstungsgüter, die zur Unterdrückung der Bevölkerung verwendet werden können. «Angesichts der andauernden Menschenrechtsverletzungen des ägyptischen Militärs und der Sicherheitskräfte sind weitere Rüstungsexporte aus Deutschland das falsche Signal.»

Di, 2016-05-24 16:34
Düsseldorf (dpa)

NRW bestellt Jodtabletten zum Schutz bei einem Atomunfall

Düsseldorf (dpa) - Um die Bevölkerung bei einem Atomunfall besser schützen zu können, will Nordrhein-Westfalen Jodtabletten für alle Schwangeren und Minderjährigen im Land kaufen. Eigentlich sei der Bund für die Anschaffung zuständig. Weil es dort bislang aber keinen Zeitplan dafür gebe, habe NRW als bislang einziges Bundesland entschieden, das Medikament auf eigene Kosten zu beschaffen, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Dienstag. Die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» hatte zuvor über die Pläne berichtet.

Kaliumjodid wird bei nuklearen Zwischenfällen eingesetzt, weil es die Aufnahme radioaktiven Jods im Körper stark abschwächt. Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima hatte die Strahlenschutzkommission des Bundes empfohlen, ganz Deutschland als sogenannte Fernzone auszuweisen. In diesem Gebiet sollen alle Schwangeren und Minderjährigen einen schnellen Zugang zu Kaliumjodid-Tabletten bekommen.

Bislang gibt es Jodtabletten in Nordrhein-Westfalen lediglich in einem 100-Kilometer-Radius rund um Atomkraftwerke - dort allerdings nur für alle Menschen unter 45 Jahren. In NRW ist die Sorge um die Sicherheit belgischer Atomkraftwerke groß: Die Reaktoren Doel in der Nähe von Antwerpen und Tihange bei Lüttich, das etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt liegt, sind nach mehreren Pannen heftig umstritten und waren aus Sicherheitsgründen mehrfach abgeschaltet worden.

Di, 2016-05-24 15:31
Berlin/Wien (dpa)

Wem nutzt der Ausgang des Wahlkrimis - in Österreich und in Europa?

Ein Ex-Grüner schlägt einen Rechtspopulisten ganz knapp. Österreichs Präsidentenwahl hält Europa tagelang in Atem gehalten. Und jetzt? Der Wahlausgang wirkt nach - auch in Berlin und Brüssel.

Berlin/Wien (dpa) - Das Ergebnis der österreichischen Bundespräsidentenwahl ist ein neuer Beweis für die Erosion der Traditionsparteien in Europa. Dass der Aufstieg der Rechtspopulisten einen Schulterschluss der Regierungen der EU-Staaten nach sich ziehen wird, ist trotzdem nicht zu erwarten. Fragen zu den Folgen der Wahl:

Profitieren Österreichs Grüne von einem Präsidenten aus ihrem Lager?

Österreichs Grüne träumen von einer Regierungsbeteiligung. Seit Jahren liegt die Partei zwischen 13 bis 15 Prozent. Sollte es Van der Bellen gelingen, ein von allen geachteter Präsident zu werden, könnte das positiv auf die Partei abfärben. Der Ex-Grünen-Chef ist allerdings von vielen nur als das «kleinere Übel» im Vergleich zu seinem Kontrahenten Norbert Hofer gewählt worden. Wie bei Bundespräsidenten üblich, lässt Van der Bellen seine Parteimitgliedschaft ruhen. Die Grünen werden ihn also nicht vereinnahmen dürfen, sonst schaden sie sich am Ende selbst.

Wirkt Van der Bellens Sieg auch über die Staatsgrenzen hinaus?

Nach Lettland ist Österreich das zweite europäische Land mit grünem Staatsoberhaupt. Das verbuchen die Grünen selbstverständlich als Erfolg, auch in Deutschland. Selbst wenn der frühere Grünen-Chef für viele Wähler eine Notlösung war: Im ersten Wahlgang hatte er immerhin über 20 Prozent bekommen. Den Österreicher verbindet mit dem baden-württembergischen Wahlsieger Winfried Kretschmann, dass beide wertkonservativ und bedächtig auftreten und damit auch Wähler außerhalb der Stammklientel anziehen. Die Realos unter den deutschen Grünen sehen in dem bürgerlichen Mitte-Kurs den Weg zum Erfolg - der linke Parteiflügel tut sich damit allerdings nicht ganz leicht.

Welche Schlüsse zieht die AfD aus dem guten Ergebnis des FPÖ-Politikers Norbert Hofer?

Dass Hofer der Hofburg so nahe gekommen ist, wirkt sich positiv auf die Stimmung in der AfD aus. Denn es nährt bei ihren Vertretern die Hoffnung, dass rechtspopulistische Positionen auch hierzulande bald «salonfähig» werden könnten. Bei der AfD wird das Geschehen in Österreich genau analysiert. «Die FPÖ hat eine erstaunliche Entwicklung zur Mitte und zu einer Volkspartei vollzogen. Dahin wollen wir auch kommen», sagt AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski. Dazu müsse sich die Alternative für Deutschland aber noch weiter professionalisieren und «noch näher an die Menschen heran kommen - so wie die FPÖ».

Als ein Grund für das starke Abschneiden Hofers gilt dessen Kritik an der EU-Politik. Werden in Brüssel nun Konsequenzen gezogen?

Der Handlungsspielraum von Europapolitikern wie Kommissionschef Jean-Claude Juncker oder Ratspräsident Donald Tusk ist äußerst begrenzt. Denn sie sind bei nahezu allen Initiativen auf die Unterstützung der Mitgliedstaaten angewiesen. Die meisten Regierungen sind sich zwar einig, dass Populismus nur dann wirksam bekämpft werden kann, wenn die EU es schafft, europäische Lösungen für Probleme wie die Flüchtlings- und Wirtschaftskrise zu finden. Keine Einigkeit gibt es aber darüber, wie diese Lösungen aussehen sollen.

Könnte der Erfolg von Populisten bei Wahlen nicht dafür sorgen, dass sich die EU-Staaten zusammenraufen?

Es besteht die Gefahr, dass genau das Gegenteil passiert. So gilt es beispielsweise als sicher, dass die sozialistische Regierung in Frankreich Vorschlägen für eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen in Europa nicht vor der Präsidentenwahl 2017 zustimmen wird - aus Angst, Wählerstimmen an die rechtspopulistische Front National zu verlieren. Das gleicht einem Teufelskreis. Denn die Tatsache, dass nahezu immer irgendwo in der EU Wahlen anstehen, macht die Entscheidungsfindung zusätzlich schwierig.

Di, 2016-05-24 15:17
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Zitat: Migrationsforscher zur Motivation syrischer Flüchtlinge

«Kein Mensch aus Aleppo will in Wirklichkeit nach Bielefeld.»

(Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie zu Instabilität und Bildungsmisere in Nordafrika und Nahost)

Di, 2016-05-24 15:09
Berlin (dpa)

Ekel, Ethik, Mehlwurm: Insekten als Lebensmittel auf dem Prüfstand Von Ulrike von Leszczynski, dpa

Hat Pasta mit Grillen in Knoblauchsoße eine Zukunft in Deutschland? Bevor Insekten regelmäßig auf den Tisch kommen, gibt es zwei Probleme: Ekel und Lebensmittelsicherheit

Berlin (dpa) - Eine Quiche mit Mehlwurm oder Wüstengrillen auf Mango-Maracuja-Chutney? Was nach einer Ekel-Prüfung aus dem Dschungel-Camp klingt, hat für Wissenschaftler eine andere Bedeutung. Insekten auf dem Teller werden unter Europas Forschern ernsthaft diskutiert. Es geht um Eiweiße, Fettsäuren, Nachteile der Massentierhaltung und die Welternährung. «Wir brauchen eine Umstellung unserer Nahrung», sagt Arnold van Huis, der für die Welternährungsorganisation FAO zu essbaren Insekten forscht. «Wenn der Fleischbedarf weiter steigt, bekommen wir ein Problem.»

In van Huis niederländischer Heimat sind Insektenburger schon auf dem Markt. Auch Belgien, Frankreich und Dänemark preschen vor, bevor es in Europa von 2018 an mehr Regelungen zu Insekten als Nahrungsmittel geben soll. Bisher gelten sie in der EU als «neuartige Lebensmittel», die nur nach einer gesundheitlichen Bewertung und Zulassung auf den Teller kommen dürfen. In der USA wird Heuschreckenpulver schon als nachhaltiges und umweltschonendes Produkt beworben.

«Insekten als Nahrungsquelle stoßen zunehmend auf öffentliches Interesse», berichtet Reiner Wittkowski, Vizepräsident des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) am Dienstag auf einer Tagung. «Umso wichtiger ist es zu klären, wie sicher diese neuen Lebensmittel sind.»

Vor den großen Zukunftsträumen steht eine nüchterne Bilanz: Nur jeder zehnte Deutsche, der noch nie Insekten gekostet hat, kann sich im Moment überhaupt vorstellen, die Krabbeltiere zu essen. Rund 30 Prozent würden Insekten zumindest mal probieren. 60 Prozent lehnen sie als Lebensmittel aber gänzlich ab - vor allem aus Ekel. Das ergab eine repräsentative BfR-Umfrage im April. Viele haben zwar schon von essbaren Insekten gehört, doch nur zehn Prozent haben sie schon einmal probiert, zumeist im Urlaub in Südostasien.

Nach Schätzungen der FAO sind rund 1900 Insektenspezies essbar. Bei rund zwei Milliarden Menschen stehen sie bereits auf dem Speiseplan. Am beliebtesten sind Käfer, gefolgt von Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Zikaden, Termiten, Libellen und Fliegen - bis hin zu Küchenschaben. In Uganda sind Heuschrecken eine Delikatesse. In China werden Zikadenlarven mit Gemüse und Chili gebraten.

Vielen Forschern gelten diese Traditionen als zukunftsweisend. Denn 2050 könnten neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben - nährstoffreiches Essen für alle könnte knapp werden. Die Nahrungsmittelproduktion mit Hilfe von Insekten sei dabei mit Blick auf Wasser- und Futterverbrauch sowie Kohlendioxid-Erzeugung wesentlich effektiver als beispielsweise die Rinderzucht, erklärt van Huis.

Insekten sind reich an Proteinen, ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium, Selen und Zink. Und die Larven des Mehlkäfers liefern ähnlich wertvolle Omega-III-Fettsäuren wie Fisch.

Nur hilft das alles nicht gegen Ekel. Deshalb sind Insekten auch als verarbeitete, sozusagen unsichtbare Lebensmittel im Gespräch. «Wenn die Currywurst aus dem 3D-Drucker kommt, geht Insektenmehl in Zukunft vielleicht auch», sagt BfR-Experte Wittkowski. Noch ist das in Deutschland aber Zukunftsmusik. Insekten gibt es bisher allein als Futtermittel für den Heimtierbedarf. Für Nutztiere sind sie nicht erlaubt. Und exotische Insektenrestaurants brauchen in der Regel die Erlaubnis der Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern.

Die BfR-Wissenschaftler denken vor einer möglichen Liberalisierung auch über Nachteile von Insekten als Lebensmittel nach und sehen erheblichen Forschungsbedarf. Denn Insekten können Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten übertragen. Zwar seien Erkrankungen für Europa bisher nicht nachgewiesen, sagt Niels Bandick, der am BfR zu biologischer Sicherheit forscht. Für eine mögliche Zucht sollten solche Risiken aber ausgeschlossen werden. «Auch wenn Insekten in der Regel nicht roh gegessen werden.»

Vorsicht empfiehlt auch Alfonso Lampen, am BfR zuständig für Lebensmittelsicherheit. «Einige Käferarten, zum Beispiel Bockkäfer, produzieren toxische Substanzen. Beim Menschen können sie Magen-Darm-Probleme auslösen», sagt er. Dazu komme die Frage nach Allergenen. Winzige Hausstaubmilben seien ein Beispiel dafür, dass Insekten Allergien auslösen könnten.

Und auch Insekten sind Tiere. Bei einer Zucht in Europa - als Lebens- oder Futtermittel - kommen ethische Fragen dazu. Empfinden Insekten Schmerz? Ist das Gas Kohlendioxid eine humane Tötungsart für Krabbeltiere? Und ist ein tierisches Produkt wirklich ökologisch sinnvoller als eine importierte pflanzliche Alternative wie Sojamehl? Das BfR will diese Fragen geklärt sehen, ehe Grillen-Snacks und Mehlwurm-Pfannkuchen mehr als ein Party-Gag werden.

Di, 2016-05-24 15:38
Herzogenaurach (dpa)

Autozulieferer Schaeffler investiert kräftig in E-Auto-Technologie

Herzogenaurach (dpa) - Der Autozulieferer Schaeffler will in den kommenden Jahren kräftig in Technologien für Hybrid- und Elektroautos investieren. Dabei sollen die weltweiten Kapazitäten auf dem Gebiet der Elektromobilität verdoppelt werden, wie das Unternehmen am Dienstag in Herzogenaurach ankündigte. Es sei geplant, die Zahl der Beschäftigten im Bereich Elektromobilität und Mechatronik in den nächsten fünf Jahren von derzeit 1200 auf rund 2400 zu erhöhen.

Bereits seit 2011 sind die entsprechenden Aktivitäten unter dem Dach eines firmeninternen Systemhauses gebündelt. Inzwischen seien die dort entwickelten Module für Hybrid-Fahrzeug und elektrischen Achsen in eigene Produktlinien gemündet. Der Geschäftsbereich Hybridantrieb sei im April neu strukturiert worden. Hybrid-Fahrzeuge sind Autos, die wahlweise von einem Elektro- oder einem Benzinmotor angetrieben werden können.

Di, 2016-05-24 15:32
Augsburg (dpa)

Augsburger Gericht verbietet Lucke-Partei die Abkürzung Alfa

Bernd Lucke hat es nicht leicht. Seine neue Partei Alfa ist kaum bekannt. Jetzt soll sie auch noch ihren Namen ändern. Trotzdem: Der ehemalige AfD-Chef gibt nicht auf. Anfang Juni will seine Partei einen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl präsentieren.

Augsburg (dpa) - Die neue Partei von Ex-AfD-Chef Bernd Lucke darf nicht mehr die Abkürzung Alfa verwenden. Das hat das Augsburger Landgericht entschieden. Es urteilte damit zugunsten eines Vereins der so genannten Lebensrechtsbewegung, der wegen Namensgleichheit gegen die «Allianz für Fortschritt und Aufbruch» geklagt hatte. Luckes Partei sei die Verwendung der Bezeichnung Alfa untersagt worden, sonst drohe ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro, sagte Gerichtssprecher Andreas Dumberger am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Partei will Berufung beim Oberlandesgericht in München einlegen. Einen entsprechenden Beschluss des Parteivorstandes bestätigte ihr Sprecher Christian Schmidt.

Der Augsburger Verein «Aktion Lebensrecht für Alle», der sich ebenfalls Alfa abkürzt, hatte gegen die Partei wegen der Verwendung der Bezeichnung geklagt. Der Verein tritt insbesondere gegen Abtreibungen ein und hat nach eigenen Angaben etwa 10 000 Mitglieder.

Die Namensklage ist beileibe nicht die einzige Schwierigkeit, mit der Luckes Partei zu kämpfen hat. Bei den drei Landtagswahlen im vergangenen März hatte Alfa in Baden-Württemberg mit rund einem Prozent noch ihr bestes Ergebnis erzielt.

Aufgeben wollen Lucke und seine Mitstreiter noch nicht. Auf ihrem Bundesparteitag am 4. Juni in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) will die Partei ihren Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 benennen. Die «Allianz für Fortschritt und Aufbruch» war im Juli 2015 von ehemaligen AfD-Mitgliedern gegründet worden, die damals einen «Rechtsruck» der Partei beklagten.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
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Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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