Aktuell

Fr, 2017-01-20 16:31
Mexiko-Stadt (dpa)

Mexikos Ex-Präsident Fox warnt vor Unsicherheit in der Ära Trump

Mexiko-Stadt (dpa) - Kurz vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat der frühere mexikanische Staatschef Vicente Fox die internationale Gemeinschaft zum Zusammenhalt aufgerufen. «Heute treten wir in die Ära der Unsicherheit ein», schrieb der Ex-Präsident (2000-2006) am Freitag auf Twitter. «Wenn Donald, der Unvorbereitete, nicht lernt, sich zu benehmen, muss sich der Rest der Welt zusammentun.»

Fox ist einer der schärfsten Kritiker des neuen US-Präsidenten in Mexiko. Trump hatte im Wahlkampf Mexikaner als Vergewaltiger und Drogenhändler beschimpft und mit dem Bau einer Grenzmauer zum Schutz vor illegaler Einwanderung gedroht. Zudem will er das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada und Mexiko neu verhandeln oder sogar aufkündigen.

Fr, 2017-01-20 16:21
Berlin (dpa)

Gabriel: 2016 eine Milliarde weniger Rüstungsexporte genehmigt

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr weniger Rüstungsexporte erlaubt, die Zahlen bleiben aber auf hohem Niveau. Nach ersten vorläufigen Daten wurden 2016 Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 6,88 Milliarden Euro erteilt - 2015 lag der Wert bei 7,86 Milliarden Euro, wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Freitag in Berlin mitteilte. Rund 46 Prozent der Genehmigungen betrafen Exporte in EU- und Nato-Länder, was als unproblematisch gilt. Für Drittländer - darunter heikle Empfängerländer auf der arabischen Halbinsel - wurden Ausfuhrgenehmigungen von 3,69 Milliarden Euro erteilt (2015: 4,62 Mrd).

Fr, 2017-01-20 16:34
Berlin (dpa)

Gabriel: 2016 eine Milliarde weniger Rüstungsexporte genehmigt

Deutschland zählt bei den Waffenexporten zu den Top-Exporteuren der Welt. SPD-Wirtschaftsminister Gabriel, der «das Geschäft mit dem Tod» einschränken will, hat nun die Zahlen deutlich nach unten gedrückt. Der Opposition reicht das noch lange nicht.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr weniger Rüstungsexporte erlaubt, die Zahlen bleiben aber auf hohem Niveau. Nach ersten vorläufigen Zahlen wurden 2016 Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern in Höhe von 6,88 Milliarden Euro erteilt - das ist rund eine Milliarde weniger als 2015, wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag in Berlin mitteilte. Rund 46 Prozent der Genehmigungen betrafen Exporte in EU- und Nato-Länder, was als unproblematisch gilt. Für Drittländer - darunter heikle Empfängerländer auf der arabischen Halbinsel - wurden Ausfuhrgenehmigungen von 3,69 Milliarden Euro erteilt (2015: 4,62 Mrd). Die Linke kritisierte, dass unter den fünf wichtigsten Empfängerländern Algerien, Saudi Arabien und Ägypten seien. Dort gilt die Menschenrechtslage als bedenklich.

Gabriel betonte, Deutschland stehe beim internationalen Anti-Terror-Kampf zu seinen Bündnisverpflichtungen. «Ausfuhren von Rüstungsgütern, die der Kooperation mit unseren Bündnispartnern und deren Ausstattung dienen, erfolgen im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands.» Das gelte auch für Rüstungsgeschäfte mit Drittländern zur Grenzsicherung oder zur Bekämpfung von Terroristen. Auch seien nach Syrien Genehmigungen für die Vereinten Nationen erteilt worden, darunter geschützte Fahrzeuge für das UN-Kinderhilfswerk. «Eine Schwarz-Weiß-Diskussion über Genehmigungswerte ist daher (...) fehl am Platz», meinte Gabriel.

Der SPD-Chef war 2013 als Wirtschaftsminister mit dem Versprechen angetreten, weniger Rüstungsgeschäfte zu genehmigen. Das war ihm bisher aber nur beim Export von Kleinwaffen gelungen. Deren genehmigter Wert stieg 2016 um fast 50 Prozent auf 47 Millionen Euro an - dies sei aber fast ausschließlich auf höhere Exporte in EU und Nato zurückzuführen. Auch die Kleinwaffen-Ausfuhren in eher heikle Drittländer stiegen wieder leicht an. Laut Ministerium waren darunter Lieferungen im Wert von drei Millionen Euro an den Irak für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Die Linke fordert ein komplettes Exportverbot für diese Waffen. Mit Maschinenpistolen, Handgranaten und tragbaren Raketenwerfern werden in Bürgerkriegen wie in Syrien die meisten Zivilisten getötet. Der Rüstungsexperte der Linksfraktion, Jan van Aken, meinte zu den neuen Zahlen: «Sigmar Gabriel hat sich öffentlich immer wieder gegen Rüstungsexporte positioniert. Ganz praktisch hat er aber die höchsten Waffenexporte in der Geschichte der Bundesrepublik zu verantworten.»

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Fr, 2017-01-20 15:45
Berlin (dpa)

Ernährungsbranche verspricht mehr Tierschutz im Stall

Unter welchen Bedingungen müssen Rinder, Schweine und Puten leben? Die Ernährungsbranche sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt - und manche Anbieter reagieren. Proteste lässt das aber nicht verstummen.

Berlin (dpa) - Bauern und Supermärkte versprechen unter dem Druck wachsender Ansprüche vieler Kunden zusehends mehr Tierschutz im Stall. Zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin stellten mehrere Initiativen Programme vor, um die Haltungsbedingungen von Schweinen, Kühen und Geflügel zu verbessern. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) betonte am Freitag, nur mit ausreichenden Einkommen könnten die Bauern ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. An diesem Samstag wollen parallel zur Messe mehrere Tausend Bauern, Umwelt- und Tierschützer in der Hauptstadt für eine Agrarwende und gegen umstrittene Massentierhaltung demonstrieren.

Schmidt forderte: «Wir müssen weg vom Preiskampf mit unseren Nahrungsmitteln und hin zu einem Qualitätswettbewerb.» Die Grüne Woche solle hierfür auch eine «Transparenzoffensive» bilden, sagte er beim Eröffnungsrundgang. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, Verbrauchern müsse klar sein, dass Qualität einen Preis habe. «Da kann es keine immer weiter gehende Spirale nach unten geben.» Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sagte: «Die Forderung nach mehr Tierwohl ist leicht aufgestellt.» Um etwa Ställe umzubauen, seien die Bauern aber auf angemessene Preise angewiesen.

Die «Initiative Tierwohl» von Fleischwirtschaft und Handel will ihr Engagement ausbauen. Dabei erhalten freiwillig teilnehmende Landwirte für Zusatzleistungen Geld aus einem Fonds, in den Handelsketten einzahlen. Ab 2018 sollen es 6,25 Cent statt der bisherigen 4 Cent pro verkauftem Kilo Schweine- und Geflügelfleisch sein. Dadurch sollen bis 2020 jährlich 130 Millionen Euro für Auszahlungen an Bauern zur Verfügung stehen. Grundanforderungen für Landwirte, die mitmachen wollen, sollen steigen, etwa bei mehr Platz im Stall.

Der Deutsche Tierschutzbund forderte, auch die Haltung von Milchkühen zu verbessern. Die Discounter Lidl und Aldi wollen Milch ins Sortiment nehmen, die mit einem Label des Tierschutzbunds für besondere Standards gekennzeichnet ist, wie Präsident Thomas Schröder anlässlich der Messe mitteilte. «Wir hoffen, dass dies ein Signal auch an andere Handelsunternehmen ist.» In der Premiumstufe des Labels müssen Kühe beispielsweise Zugang zu einer Weide haben.

Zur Demonstration unter dem Motto «Wir haben Agrarindustrie satt» werden an diesem Samstag in Berlin mindestens 10 000 Teilnehmer erwartet. Aufgerufen haben rund 100 Organisationen, darunter Verbände von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Bauern und kirchliche Hilfswerke. Zuvor wollen andere Landwirte für Dialog statt Protest werben. Ihr Gegenmotto lautet: «Wir machen Euch satt.» Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte eine Agrarwende und warf Schmidt vor, «Schutzherr der industriellen Massentierhalter» zu sein.

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mahnte ein Umsteuern der Landwirtschaft zu mehr Klima- und Naturschutz an. «Wer weiter Subventionen beziehen will, muss anders wirtschaften», sagte die SPD-Politikerin. Öffentliche Mittel dürfe es nur für öffentliche Zwecke wie den Erhalt von Landschaft, Böden und Wasser geben.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan kündigte höhere Anforderungen für die Landwirte an. «Wir erwarten von den Bauern, dass sie in Zukunft mehr für die Artenvielfalt tun, aber auch für Wasser, Böden und Luft», sagte er mit Blick auf die EU-Agrarfinanzierung nach 2020 der Zeitung «taz. am wochenende».

Bei der Grünen Woche, die am Freitag für Besucher öffnete, wird am Wochenende mit großem Andrang gerechnet. Bis 29. Januar präsentieren sich 1650 Aussteller aus 66 Ländern. Erwartet werden mehr als 400 000 Besucher - nicht zuletzt, um internationale Leckerbissen und Getränke zu probieren. Diesjähriges Partnerland der Messe ist Ungarn.

Fr, 2017-01-20 15:46
Berlin (dpa)

Eine Woche Dschungelcamp - Umfrage sieht Hanka Rackwitz vorne Von Andreas Heimann

Eine Woche Dschungelcamp ist schon wieder vorbei. Die erste Teilnehmerin hat sich verabschiedet. Die Spekulationen, wer Dschungelkönig wird, gehen weiter - dazu gibt es nun neue Umfragezahlen.

Berlin (dpa) - Fräulein Menke ist raus, die Chancen von Hanka Rackwitz gelten als besser denn je. So lautet kurz gesagt das Zwischenfazit nach einer Woche Dschungelcamp. Am Donnerstagabend verabschiedete sich Fräulein Menke, die einst mit Neue-Deutsche-Welle-Ohrwürmern wie «Tretboot in Seenot» von sich reden machte, aus der RTL-Show «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» Wirklich traurig war sie darüber nicht: «Ich find' das nicht schlimm, einer ist immer der erste», kommentierte die 56-Jährige ihr Ausscheiden. Nun konkurrieren also nur noch elf Teilnehmer um den Titel des «Dschungelkönigs» der diesjährigen elften Staffel.

Und damit geht das Rätseln weiter, wer wohl als nächstes gehen muss und wer am Schluss noch übrig bleibt. Dschungelkönig 2017 wird Thomas «Icke» Häßler, Fußballweltmeister von 1990, waren die Teilnehmer einer repräsentativen Online-Umfrage unter 555 Dschungelshow-interessierten TV-Zuschauern überzeugt. Die Marktforscher von Mafo.de veröffentlichten sie zum Start des Dschungelspektakels vor genau einer Woche.

Dabei hatten noch 27,8 Prozent der Befragten angegeben, sie gönnten dem 50-jährigen Ex-Fußballer, der heute den Berliner Bezirksligisten Club Italia trainiert, die Krone am meisten. Auf den Plätzen dahinter lagen die Immobilienmaklerin Hanka Rackwitz (47) mit 14,6 Prozent vor Schauspieler Markus Majowski (52) mit 10,8 Prozent. Und nun, eine Woche später, nachdem die Kandidaten Gelegenheit hatten, sich von ihrer besten und auch von allen anderen Seiten zu zeigen? Die Mafo.de-Meinungsforscher haben bei einer «Blitzumfrage» neue Daten ermittelt. Zwischen Donnerstagmittag und Freitagvormittag haben sie dafür 910 Zuschauer befragt.

«Icke» Häßler ist zurückgefallen. Auf Platz eins in der Befragtengunst liegt nun Hanka Rackwitz: 23,7 Prozent nannten auf die Frage «Wenn gönnen Sie den Gewinn der Dschungelkrone am meisten?» ihren Namen. Allerdings polarisiert sie auch kräftig: So gaben zwar 20,1 Prozent an, sie seien von ihr am positivsten überrascht. Andererseits sagte 18,3 Prozent, sie seien von ihr am meisten negativ überrascht.

Thomas Häßler liegt mit nur noch 12,8 Prozent auf Platz zwei. Auf Platz drei landet Gina-Lisa Lohfink (11,9 Prozent). Die geringsten Chancen scheint Sarah Joelle Jahnel zu haben: Sie hat gerade 2,6 Prozent der Teilnehmer für sich als künftige Königin des Dschungels einnehmen können.

Und dabei gibt sie sich wirklich Mühe. Am Donnerstagabend zeigte sie eindrucksvoll, wie gut sie Ekelgefühle unterdrücken kann, die manchen anderen in ihrer Situation sicher hätten handlungsunfähig werden lassen: Sarah Joelle Jahnel musste bei der Dschungelprüfung Sterne sammeln - im Urwald-Schlachthof. Appetitlich geht anders. Aber sie holte sich beachtliche sieben Sterne. Ein Quotenkracher war es nicht: Ab 22.15 Uhr hatten durchschnittlich 6,14 Millionen Zuschauer eingeschaltet. Das war ein Marktanteil von 27,4 Prozent.

Immerhin schaffte es die Dschungelshow bei den 14- bis 59-Jährigen auf 36,5 Prozent Marktanteil (und auf 4,70 Millionen Zuschauer dieser Altersgruppe). Doch obwohl der Donnerstag der erste Dschungelcampabend war, an dem ein Teilnehmer gehen musste, war das Interesse nicht höher als sonst.

Im Gegenteil, am Abend zuvor hatten sogar noch 6,60 Millionen Zuschauer eingeschaltet (Marktanteil: 28,5 Prozent). Zumindest hatte die Dschungelshow die 6-Millionen-Marke geschafft: Am Dienstagabend, Sendetag fünf, lag sie im Schnitt bei nur 5,75 Millionen (28,6 Prozent). Bleibt die Frage, ob die Zahl der Zuschauer nun steigt, wenn in den kommenden Tagen immer weniger Teilnehmer im Camp übrigbleiben. Finale ist am 28. Januar.

Fr, 2017-01-20 14:19
München (dpa)

19 Hundehaufen im Garten - kein Schadenersatz für Wohnungskäufer

München (dpa) - Eine Wohnung in München mit Garten - und darin 19 Hundehaufen. Der Käufer der Wohnung fand sie erst, als der Schnee wegtaute. Er verklagte den Verkäufer und Hundebesitzer auf Schadenersatz, doch das Amtsgericht wies die Klage ab.

Der Mann hatte die Immobilie «wie genau besichtigt» gekauft und am 29. Dezember 2014 übernommen. Erst Mitte Januar 2015 mit Einsetzen von Tauwetter seien ihm und seiner Freundin die Haufen aufgefallen. Im März holte er ein Angebot einer Firma zur Gartenreinigung ein und verlangte vom Vorbesitzer 3500 Euro dafür. Der Kot von «fleischlastigen Fressern» sei besonders gefährlich wegen äußerst widerstandsfähiger Krankheitserreger. Der Boden müsse abgetragen und neu bepflanzt werden. An den Stellen der Haufen wachse kein Gras mehr, nur noch Moos.

«Die Existenz einer Vielzahl von Hundehaufen begründet zur Überzeugung des Gerichts einen Sachmangel», entschied das Amtsgericht. Doch der Kläger hätte den Beklagten zum Entfernen der Haufen auffordern und Gelegenheit dazu geben müssen. Da er das nicht tat, könne er keinen Schadenersatz verlangen. Außerdem habe der Kläger die Kontamination des Bodens selbst mitverursacht. Er habe die Haufen nicht beseitigt. «Vielmehr hat der Kläger quasi zugesehen, wie der Kot nach und nach in das Erdreich eingesickert ist.» Und somit müsse er für den Folgeschaden selbst einstehen.

Fr, 2017-01-20 14:45
Washington (dpa)

Obamas empfangen Trumps im Weißen Haus

Washington (dpa) - Wenige Stunden vor der Amtsübergabe haben US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle das Ehepaar Trump im Weißen Haus empfangen. Donald und Melania Trump kamen aus der Kirche St. John, wo sie den offiziellen Teil des Tages mit einer Messe begonnen hatten. Trump trug einen schwarzen Anzug mit roter Krawatte, Melania war ganz in leuchtendes Himmelblau gewandet.

Am Morgen hatte Trump mit Ausrufezeichen getwittert: «Die Bewegung geht weiter, die Arbeit beginnt!» Es war sein erster Tweet am Tag der Übergabezeremonien.

Obama twitterte: «Ich werde nicht aufhören. Ich bin an Eurer Seite als Bürger, inspiriert von Euren Stimmen der Wahrheit und Gerechtigkeit.» Er bitte weiter alle, an ihre Fähigkeit zu glauben, für Wandel zu sorgen.

Im Anschluss an das Treffen im Weißen Haus geht es zum Kapitol, wo Trump kurz vor Mittag (Ortszeit) den Eid als 45. Präsident der USA abgelegen wird. Am Nachmittag folgt eine Parade zum Weißen Haus. Der offizielle Teil des Tages endet mit dem Besuch dreier Bälle.

Fr, 2017-01-20 14:37
Berlin (dpa)

EU-Kommission: Landwirte sollen mehr für den Umweltschutz tun

Berlin (dpa) - Landwirte sollen nach dem Willen der EU-Kommission stärker auf die Umwelt achten. «Wir erwarten von den Bauern, dass sie in Zukunft mehr für die Artenvielfalt tun, aber auch für Wasser, Böden und Luft», sagte Agrarkommissar Phil Hogan der «taz am Wochenende» anlässlich der Grünen Woche in Berlin. Die Landwirtschaft habe bislang kaum Fortschritte dabei gemacht, das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. Dies solle Teil der Eckpunkte für die Agrarpolitik nach 2020 sein, die Hogan bis Ende des Jahres fertigstellen möchte.

Bereits mit der Agrarreform 2013 kam für Landwirte die Vorgabe, den Ackerbau umweltverträglicher zu gestalten. Ein Teil der Subventionen aus EU-Töpfen wurde an die Einhaltung entsprechender Auflagen geknüpft. Dafür müssen die Bauern bereits jetzt etwa einen Teil ihrer Felder mehr der Natur überlassen und Monokulturen vermeiden.

Fr, 2017-01-20 14:03
Frankfurt/Davos (dpa)

Wirtschaft warnt Trump vor neuen Handelsbarrieren

Der neue US-Präsident Trump will die Wirtschaft seines Landes mit Strafzöllen abschotten und Freihandelsabkommen aufkündigen. Vertreter der deutschen Wirtschaft sehen darin ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Frankfurt/Davos (dpa) - Die Sorge vor einer wirtschaftlichen Abschottung der USA unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump ist groß. Am Tag seiner Amtseinführung am Freitag warnten Vertreter der deutschen Wirtschaft vor neuen Handelsbarrieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte die neue US-Regierung zur Vertragstreue. «Ich glaube nicht, dass morgen der große Handelskrieg ausbricht. Aber natürlich werden wir darauf pochen, dass Vereinbarungen eingehalten werden», betonte Schäuble in einem beim Weltwirtschaftsforum in Davos geführten Interview mit dem «Spiegel».

Deutschlands Maschinenbauer mahnten, Protektionismus und neue Handelsschranken würden weder den USA noch deren Handelspartnern neue Arbeitsplätze oder zusätzliches Wachstum bringen. «Insofern spielt Präsident Trump mit dem Feuer», sagte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA. Zwar stünden konkrete Maßnahmen noch nicht fest, aber allein die Äußerungen Trumps hätten zu Investitionszurückhaltung geführt. Die USA sind der größte Einzelmarkt für den Export von Maschinen «Made in Germany».

Auch die Amerikanische Handelskammer in Deutschland warnte: «Protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle oder die Aufkündigung internationaler Handelsverträge haben in einer globalisierten Welt keinen Platz.» Amerikas Wohlstand beruhe ganz wesentlich auf der Offenheit seiner Wirtschaft. «Wir setzen deshalb darauf, dass der neue Präsident seine Wahlversprechen an die politische Realität anpasst», sagte Bernhard Mattes, Präsident der AmCham Germany.

Trump hatte unter anderem Autobauern wie BMW mit hohen Strafzöllen gedroht, wenn sie in Mexiko gebaute Autos weiter in die USA einführen wollten. Zudem hatte er angekündigt, das transpazifische Handelsabkommen TPP kippen zu wollen.

Stanford-Ökonom Nicholas Bloom hält die Wahl Trumps und den Aufstieg populistischer Bewegungen für die derzeit größten Risiken für die Weltwirtschaft. Die politisch bedingte Unsicherheit sei seit der Wahl Trumps weltweit gestiegen. An den dürren Twitter-Nachrichten des neuen US-Präsidenten könne man erkennen, dass er seine Meinung ständig ändere. «Politik ist schwer berechenbar geworden, das macht es für einzelne, aber auch für Unternehmen so schwierig», sagte Bloom dem «Spiegel».

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Experten für steile Anstiege


Rekordverdächtig: In Österreich und in der Schweiz boomt "bio"

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Experten für steile Anstiege

Eine radikale Agrarwende mit 20 Prozent Bioanbaufläche hat Renate Künast als erste grüne Bundeslandwirtschaftsministerin in Berlin vor 15 Jahren versprochen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Österreich hingegen hat diese Messlatte jetzt gerissen: 20,3 Prozent seiner landwirtschaftlichen Fläche werden biologisch bewirtschaftet. Damit ist die Alpenrepublik amtierender Europameister im Bioanbau. Schon lange werden Ökobauern im Nachbarland besser gefördert als die konventionelle Landwirtschaft. Zudem liegen viele Flächen in schwer zu bewirtschaftenden Höhenlagen, die sich für den Ökoanbau anbieten. Auf ein anderes Siegertreppchen schafft es die Schweiz. Beim Kauf von Biolebensmitteln bleiben die Eidgenossen Weltspitze. Wie aus dem jährlichen Bericht „The World of Organic Agriculture“ hervorgeht, der im Februar 2017 zur Biofach-Messe in Nürnberg erscheinen wird, berappen die Schweizer durchschnittlich 262 Euro pro Kopf und Jahr. Zum Vergleich: Die Österreicher gaben im Jahr der Erhebung 127 und die Deutschen 97 Euro aus.
fibl.org (Suchworte: organic agriculture 2016)

Außerdem Interessant

Schweiz: Die Letzten ihrer Art
Um die gefährdete Alpenflora zu retten, haben sich in der Schweiz zwanzig Botanische Gärten zusammengefunden. Sie vermehren Samen von bedrohten Wildpflanzen, um diese in ihren natürlichen Habitaten wieder anzusiedeln. Mit dem Projekt „Die Letzten ihrer Art“ helfen die Botanischen Gärten, die alpine Biodiversität zu erhalten.
botanica-suisse.org

Alpen: Ein Spiel für gutes Klima
Die Alpen sind besonders vom Klimawandel betroffen – doch was können ihre Bewohner für den Klimaschutz tun? Das sollen Familien und  Wohngemeinschaften in sieben Alpenländern spielerisch herausfinden. Die Alpenorganisation Cipra hat dafür das Spiel 100max entwickelt, bei dem die Teilnehmer zwei Wochen im Jahr ihren Fußabdruck mit Punkten bewerten sollen. Wer nicht auf Anhieb das 100-Punkte-Ziel für einen „guten Tag“ schafft, darf sich auf viele Anregungen freuen, wie sich das familiäre CO2-Konto reduzieren lässt. Mitspielen kann jeder – mit einem Klick auf 100max.org

Schweiz: Nah am Berg
Wenn der Postbus nicht ganz bis zum Startpunkt von Bergtouren fährt, könnten gutwillige Wanderer die geplante ökologische Anreise mit dem Zug wieder abblasen. Um das zu verhindern, hat die Umweltorganisation Mountain Wilderness das Alpen-Taxi ins Leben gerufen. In der Schweiz überbrücken mehr als 300 lokale Taxis, Rufbusse oder auch Seilbahnen das letzte Stück zum Berg – da kann das eigene Auto getrost in der Garage bleiben.
alpentaxi.ch

Geht doch!

Abgasfrei unterwegs

Konsequenter Klimaschutz: Diesel und Benziner sollen von der Straße verschwinden

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Abgasfrei unterwegs

Ausgerechnet ein Land, das seinen Reichtum Öl und Gas zu verdanken hat, will den Benzinhahn zuerst zudrehen. Ab 2025 sollen in Norwegen keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Fünf Jahre später müssen laut dem Gesetzentwurf auch neue Schiffe und Fähren abgasfrei fahren. Mit dem Bann der fossilen Antriebe verfolgt die norwegische Regierung eine konsequente Klimapolitik. Denn der Transportsektor ist für rund ein Drittel des CO2-Ausstoßes in dem skandinavischen Land verantwortlich. Bereits heute ist Norwegen Vorreiter in Sachen Elektromobilität. 15 Prozent aller neu zugelassenen PKWs fahren mit Strom, der nahezu vollständig aus Wasser- und Windkraft gewonnen wird. In Deutschland liegt der Elektroauto-Anteil noch immer im Promillebereich. Während Umweltschützer das Ende für Verbrennungsmotoren begrüßen, reagiert die Autolobby erbost. Norwegen befinde sich auf dem Weg in eine „ökologische Planwirtschaft“, empörte sich Matthias Wissmann, der Präsident des deutschen Verbandes der Automobilindustrie. Im kommenden Jahr soll der viel diskutierte Nationale Transportplan in Norwegen verabschiedet werden. Ähnliche Pläne verfolgen auch Indien, Österreich und die Niederlande.

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Österreich: Sonnenstrom vom Balkon
Seit Juli dürfen Mieter in Österreich an ihrem Balkon oder auf ihrer Terrasse Mini-Solarmodule bis maximal 600 Watt installieren und den Strom direkt nutzen. In der Schweiz und den Niederlanden gibt es ähnliche Regelungen. In Deutschland bewegen sich die mehreren Tausend angeschlossenen „Guerilla“-Fotovoltaikanlagen noch immer in einem juristischen Graubereich. Obwohl bislang keine Zwischenfälle bekannt sind, streiten Verbände und Hersteller über mögliche Sicherheitsrisiken. Greenpeace Energy bietet die mobilen Solarpaneele bereits an. „Ärgerliche Hürden, die ihren Sinn verloren haben und der Energiewende schaden, gehören abgeschafft“, sagt Nils Müller vom Ökostromanbieter.

Berlin: Saubere Geldanlagen
Der Berliner Senat hat beschlossen, seine Geldanlagen künftig klimaneutral und nachhaltig zu investieren. Dafür wird ein sogenannter Ökoindex entwickelt, der keine Firmen beinhalten darf, die Geschäfte mit Waffen, Atomenergie oder fossilen Brennstoffen machen. Soziale und andere Nachhaltigkeitskriterien sollen später noch folgen. Die Fossil-Free-Bewegung feiert den Pionierschritt der Berliner  Finanzbehörde und hofft, dass andere Bundesländer nachziehen werden.

Italien: Weniger Essen im Müll
Nach Frankreich macht nun auch Italien Ernst mit dem Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung: Von fünf Millionen Tonnen weggeworfenem Essen soll jedes Jahr eine Million Tonnen gerettet werden. Supermärkte, die – auch abgelaufene – Waren spenden, müssen weniger Abfallgebühren zahlen. Außerdem sollen Italiener ermutigt werden, ihre Pizza- und anderen Reste im Restaurant in bislang verpönten „Doggy Bags“ mitzunehmen. In Italien sind rund sechs Millionen Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen.

Geht doch!

Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Saures für Süßes – ein Pioniergesetz verbietet Naschereien, die Kinder mit Spielzeug locken

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Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Mit einem strengen Gesetz will Chile seine Kinder und Jugendlichen vor ungesunder Nahrung schützen: Seit Anfang Juli dürfen Süßigkeiten mit einer Spielzeug-Beigabe im ganzen Land nicht mehr verkauft werden. Überraschungseier von Ferrero und Kindermenüs von McDonald’s sind jetzt also illegal. Die Neuregelung legt außerdem fest, welche Lebensmittel als gesundheitsschädlich gelten. Alle, die pro 100 Gramm mehr als 400 Milligramm Salz, vier Gramm gesättigter Fettsäuren, 275 Kalorien oder zehn Gramm Zucker enthalten, müssen gut sichtbar mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein. An Schulen dürfen sie nicht verkauft oder beworben werden. Der Grund für das Gesetz: In Chile ist inzwischen jedes dritte Kind unter sechs Jahren übergewichtig. Hersteller und auch einige Kritiker der Süßigkeitenindustrie bezweifeln aber, dass ein Verbot die richtige Maßnahme ist, um eine gesündere Ernährung zu erreichen. Entscheidend sei die konsumierte Menge, eine bessere Aufklärung der Kinder und vor allem gute Vorbilder – zum Beispiel gesünderes Schulessen.

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San Francisco: Styropor gebannt
Konsequent verfolgt San Francisco seine „Zero Waste“- Strategie: Die kalifornische Stadt verbietet ab Juli 2017 Kaffeebecher, Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen aus Styropor. Mit dem Bann dieser  Wegwerfprodukte will sie ihrem Ziel,  bis 2020 müllfrei zu sein, einen großen Schritt näherkommen. Inzwischen machen rund 100 US-Städte gegen Waren aus Schaumkunststoff mobil.

Russland: Gentechnik unerwünscht
Gentechnisch modifizierte Organismen dürfen in Russland künftig weder angebaut noch importiert werden. Einzige Ausnahme: Zu Forschungszwecken sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere erlaubt. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6500 Euro. Das beschloss die Staatsduma in dritter und abschließender Lesung.

Marokko: Plastiktüten ade
Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 900 Plastiktüten zählt das nordafrikanische Land zu den Negativ-Spitzenreitern. Doch seit Juli sind dort Kunststofftüten verboten – mit Ausnahme von Gefrier- und Müllbeuteln. Hierzulande soll eine Anfang Juli eingeführte Gebühr den Verbrauch drosseln.

 

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Fr, 2017-01-20 14:36
Jerusalem (dpa)

Netanjahu gratuliert «Freund» Trump

Jerusalem (dpa) - Israels Premier Benjamin Netanjahu sieht der Zusammenarbeit mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump optimistisch entgegen. «Glückwunsch an meinen Freund Präsident Trump», schrieb Netanjahu am Freitag vor der Amtseinführung des Republikaners auf Twitter. «Freue mich darauf, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die Allianz von Israel und den USA stärker denn je zu machen.» Zu Barack Obama hatte Netanjahu ein eher schwieriges Verhältnis - er erwartet nun eine neue Israelpolitik der USA. Dazu soll unter anderem der Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem gehören.

Fr, 2017-01-20 13:24
Frankfurt/Main (dpa)

Maschinenbauverband: «Trump spielt mit dem Feuer»

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands Maschinenbauer haben zur Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump eindringlich vor der Errichtung von Handelsschranken gewarnt. Eine Abschottung der US-Wirtschaft werde weder den Vereinigten Staaten noch deren Handelspartnern neue Arbeitsplätze oder zusätzliches Wachstum bringen, mahnte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA am Freitag. «Insofern spielt Präsident Trump mit dem Feuer.» Zwar stünden konkrete Maßnahmen noch nicht fest, aber allein die Äußerungen Trumps hätten zu Investitionszurückhaltung geführt. Die USA sind der größte Einzelmarkt für den Export von Maschinen «Made in Germany».

Fr, 2017-01-20 13:53
Stuttgart (dpa) 

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Windreich-Gründer Balz

Fast vier Jahre ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Nun müssen sich die Verantwortlichen des Windkraftunternehmens Windreich möglicherweise vor Gericht verantworten. Darunter ist auch ein ehemaliger Politiker.

Stuttgart (dpa) - Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen acht Verantwortliche des Windpark-Projektentwicklers Windreich erhoben. Den Managern - darunter Gründer Willi Balz - wird neben Insolvenzverschleppung und Beihilfe dazu bei mehreren Gesellschaften auch Betrug in Höhe von mehreren Millionen Euro vorgeworfen. Das teilte die Behörde am Freitag in Stuttgart mit. Darüber hinaus sollen sie sich laut Anklage wegen Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Verletzung der Berichtspflicht, Gläubigerbegünstigung und Insiderhandel verantworten. Zu den Details und der Schwere der Vorwürfe im Einzelnen wollte sich ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die 600 Seiten lange Anklageschrift und die Eröffnung des Verfahrens entscheiden.

Balz bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass er unter den Angeklagten ist. Die Summe der Vorwürfe dürfte sich nach dpa-Informationen auf ihn konzentrieren. Balz hält die Vorwürfe für haltlos. Schon bei der ersten Durchsuchung sei die Staatsanwaltschaft an entscheidender Stelle von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen. Er wittert eine Verschwörung früherer Gläubiger. Seine Firma sei nie zahlungsunfähig gewesen.

Tatsächlich hatte Windreich auf Druck eines Gläubigers im März 2013 wegen hoher Schulden Insolvenz angemeldet. Das Insolvenzverfahren wurde im Dezember des gleichen Jahres eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Frühjahr 2013 Ermittlungen aufgenommen und im Verlauf auf 20 Beschuldigte ausgeweitet. Die Ermittlungen gegen 12 davon wurden eingestellt.

Unter den Beschuldigten ist auch der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring. Döring teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die meisten Vorwürfe seien fallengelassen worden. Es sei aber Anklage wegen Beihilfe zur Insolvenzverschleppung gegen ihn erhoben worden. «Diesen Vorwürfen trete ich mit aller Entschiedenheit entgegen.» Zuvor hatte die «Heilbronner Stimme» über seine Anklage berichtet.

Windreich plante und entwickelte Windparks, um sie dann an Investoren zu verkaufen. Das Geschäft birgt hohe finanzielle Risiken. Schon vor der Insolvenz zeichneten sich Probleme bei dem Unternehmen ab. Ein 2012 zunächst geplanter Börsengang wurde verschoben. Im gleichen Jahr half ein schottischer Investor Balz mit Krediten aus einem Liquiditätsengpass und kaufte ihm ein Windpark-Projekt ab.

Im vergangenen Jahr war es dem Insolvenzverwalter gelungen, Anteile an einem Offshore-Projekt an Finanzinvestoren zu verkaufen. Dennoch müssen die Gläubiger nach Einschätzung des Insolvenzverwalters mit hohen Ausfällen rechnen. Die relevanten Forderungen bezifferte er 2016 auf rund 270 Millionen Euro. Zu verteilen gab es damals aber nur rund 86 Millionen Euro. Nach einem Urteil könnte der Insolvenzverwalter prüfen, ob sich weitere zivilrechtliche Ansprüche ergeben.

Besonders hart dürfte es die Anleihenzeichner von Windreich treffen. In den Jahren 2010 und 2011 hatte Windreich mehrere Anleihen aufgelegt, die Anleger zeichneten Papiere im Wert von knapp 130 Millionen Euro. Doch nach dem Insolvenzrecht werden sie wie Darlehensgeber nachrangig behandelt, also zuletzt ausbezahlt.

À la Saison

Magische Marone

(Castanea sativa)

Im Mittelalter galt die Esskastanie als Grundnahrungsmittel von den Alpen bis in den Balkan. Heute erzählt die „magische Marone“ uns Geschichten aus tausendundeiner Nacht.

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Magische Marone

Der Baum vorm Klosterportal fror. War er doch „ein vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht, eine Edelkastanie“. Im Württembergischen aber blühte er spät und ließ erst „im Oktober, wenn Obst und Wein schon geerntet waren, die stacheligen Früchte fallen“. Der „Gast aus einer anderen Zone“ ward „geliebt von den Welschen“ und „von den Einheimischen als Fremdling begafft“. So beginnt – eines schönen Tages im Mittelalter – Hermann Hesses Erzählung „Narziss und Goldmund“.

Klosterschüler Goldmund findet in dem stummen Pförtner einen Seelenverwandten. Auch er fremdelt mit der Atmosphäre im Kloster, obgleich sein Vater wünscht, dass er Mönch werde – oder Höheres. Goldmund heißt auf Griechisch Chrysostomos. Der spätantike Bischof mit diesem Beinamen gilt als einer der größten Prediger des Christentums. Er stammte aus Antiochia im Süden der heutigen Türkei. In dieser Gegend liegt die ursprüngliche Heimat der Kastanie, deren Name vom persischen „Kasutah“, trockene Frucht, herrührt. Goldmunds „schöner, merkwürdiger“ Freund, der Baum, ist kein Sohn des Südens, sondern des Orients.

Ob die Edelkastanie Mitteleuropa im Gepäck der Römer oder viel früher erreichte, ist umstritten. Kein Zweifel besteht an ihrer überragenden Bedeutung im Mittelalter. Für die Menschen der Bergwelt – von den Pyrenäen über die Alpen bis zum Balkan – waren castañas, châtaignes, castagne, Cheschtene, Kästen oder kesteni das Grundnahrungsmittel schlechthin. Die Kartoffel wuchs noch unentdeckt in den Anden.

Das Mehl aus den Früchten des „Brotbaums“, der übrigens nicht mit der ungenießbaren Rosskastanie verwandt ist, brachte arme Leute oft übers ganze Jahr. Schon 641 führte der Langobardenkönig Rothari ihn deshalb in einer Liste geschützter Bäume. Ortsnamen wie Châtenois (Keschtaholz) im Elsass erinnern an einstmals ausgedehnte Kastanienhaine.

Das italienische Wort marroni kam im zwölften Jahrhundert auf – für Kastanien von bester Qualität. Heute überwintert die Maronitradition vor allem auf Weihnachtsmärkten. Lebendig ist sie in Frankreich und auf der Alpensüdseite. Im Tessin etwa, Hermann Hesses Wahlheimat, holen die „Maronatt“ genannten Profiröster die Kastanien aus den Flammen.

Auch wenn manch einer mittlerweile lieber die Kartoffeln aus dem Feuer holt, lohnt sich das Original. Die üppige Nuss bespielt ein Menü von der Suppe bis zum Nachtisch ebenso mühelos wie die dezente Knolle. Ihre sonnige Süße und ihre Erdigkeit passen zu anderen Herbstaromen wie denen von Wild, Pilzen und Birnen. Sie ergänzt Rotkohl aufs Gehaltvollste und füllt die Weihnachtsgans. Sie verträgt starke Kräuter wie Rosmarin und koaliert mit dem Kürbis gegen kalte Tage. Zum Dessert lieben die Franzosen marrons glacés – kandierte Maronen. Die Schweizer pressen blassbraunes Püree zu vermicelles – „Nudeln“. Ein Nachtisch, der erst mit Schlagrahmkrönchen vollkommen ist. Ohne Zuckerzusatz ist die Kastanie überdies gesund. Für eine Nuss enthält sie erstaunlich wenig Fett, dafür aber eine große Portion Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Sie stärkt das Immunsystem und fördert als leicht verdauliche Energiebombe starke Nerven. Wohl mit Bedacht empfahl die Äbtissin Hildegard von Bingen jedem, „dem das Gehirn durch Trockenheit leer ist und der davon im Kopf schwach wird“, die „Fruchtkerne“ zu kochen und sie „nüchtern und nach dem Essen“ zu nehmen, damit das Hirn wachse und sich wieder fülle. Im Mittelalter mussten die Bauern ihren Zehnten an Klöster oft in Kastanien entrichten. Herr Baum, wirf Hirn vom Himmel.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

CHICORÉE-MARONENSUPPE VON ANNA SCHWARZMANN

ZUTATEN FÜR 6 PORTIONEN
600 g Maronen
1 Scheibe Speck
50 g Butter
4 klein gewürfelte Schalotten
1 Scheibe Knoblauch
50 g gewürfelter Knollensellerie
Zucker, Salz, weißer Pfeffer, Balsamico, Sherry medium
750 ml Gemüsebrühe
1 Rosmarin- und 1 Thymianzweig
2 EL Trüffeljus
200 ml Sahne
Orangensaft
Chicorée

ZUBEREITUNG
1. Maronen einritzen und im Ofen bei 220 °C Ober- und Unterhitze 10 Minuten rösten, bis sie platzen, dann schälen.
2. Speck, Butter, Schalotten, Knoblauch im Topf erhitzen und den Sellerie mit einer Prise Zucker darin andünsten.
3. Alle Maronen bis auf ein paar hinzugeben und mit Sherry ablöschen, dann reduzieren. Fond mit Gemüsebrühe aufgießen, Thymian und Rosmarin hinzufügen und 15–20 Minuten köcheln lassen, bis die Maronen gar sind.
4. Mit Pfeffer, Salz und Trüffeljus abschmecken. Anschließend pürieren und passieren. Halbfest geschlagene Sahne unterheben und mit einem Spritzer Balsamico würzen.
5. Den in Streifen geschnittenen Chicorée mit Butter und Zucker andünsten. Mit Orangensaft ablöschen, reduzieren und anschließend salzen.
6. Die Suppe mit einem Pürierstab aufschäumen und mit Chicoréestreifen und Maronen servieren.

À la Saison

Verehrte Vogelbeere

(Sorbus aucuparia)

Kann denn wirklich giftig sein, was die Vögel so lieben? Na, also. Und ganz im Gegenteil! Unsere Vorfahren hatten gute Gründe, die knallroten Früchtchen zu besingen. Und doch haben sie neben der leuchtenden auch eine dunkle Vergangenheit.

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Verehrte Vogelbeere

Die Sachsen sind empört, wenn Restdeutschland über ihren Dialekt lacht. Zu Recht. Wozu gibt es denn das Vogtland? Politisch mag es zum Freistaat gehören, mundartlich ist es Autonomiegebiet. „Kann schinn’rn Baam gippt’s, wie dann Vuglbärbaam. As wärd a su lächt nett ann schinn’rn Baam gahm...“, trällert man dort etwa. Trotz Sprachbarriere war diese Ode an den Vogelbeerbaum, alias Eberesche, vor hundert Jahren überregional ein Gassenhauer. Vornehmer formulierten die Lyriker, meinten aber dasselbe: Ein Wäldchen zu besitzen, „von flammenden Bäumen, an denen die Koralle wächst“, wünschte sich Else Lasker-Schüler. Und Gottfried Benn sinnierte von „Ebereschen – noch nicht ganz rot, von jenem Farbton, wo sie sich entwickeln, zu Nachglut, Vogelbeere, Herbst und Tod“. Mehr als 150 Kosenamen hat die Vogelbeere – von Aberesche bis Zappiepenboom.

Aberesche klingt wohl nicht ganz zufällig nach Aberglaube. Bauern „quickten“ (peitschten) zur Walpurgisnacht ihre Kälber mit Ruten der Eberesche. Das sollte ungebetene Geister bannen. Vor Blitzeinschlag oder Drachenanflug schützten ihre Zweige das Haus. Und von Kinder segen über Freude bis Schönheit gab es im Volksglauben fast nichts Gutes, wofür die Vogelbeere nicht stand. Das Kernobstgewächs mit den winzigen, scharlachroten Apfelfrüchten ist ein mythologischer Tiefwurzler. Bereits in der Bronzezeit legte man Toten seine Äste ins Grab. Keltische Druiden schnitzten Zauberstäbe aus seinem Holz. Und die Nordgermanen weihten die Eberesche Thor. Sie soll dem Donnergott ihre Zweige gereicht haben, als ein Fluss ihn fortriss.

Aus der Luft gegriffen ist die heidnische Verehrung der Vogelbeere ganz und gar nicht. Rettete sie doch oft genug nicht nur Göttern, sondern auch Menschen das Leben. In Notzeiten dämpften ihre Früchte – in den Wäldern gepflückt – den Hunger der Elenden, weshalb Karl der Große und fast tausend Jahre später auch Maria Theresia ihre Anpflanzung per Dekret anwiesen. Auch für ihre Heilkraft war die Vogelbeere berühmt. Ihres Vitamin-C-Gehalts wegen war sie ein probates Mittel etwa gegen Skorbut und trug noch im Zweiten Weltkrieg den Beinamen Zitrone des Nordens.

Was ihrem Ruf seither widerfahren ist, lässt sich nur vermuten. Ist das Wirtschaftswunder mit seiner Fülle leibhaftiger Zitrusfrüchte in den Obstauslagen schuld? Die Angst um Kleinkinder auf kulinarischer Spielplatzsafari? Festgehalten sei, dass die Vogelbeere im Gegensatz zur Tollkirsche harmlos ist, sofern man sie nicht eimerweise roh verspeist. Und dies dürfte kaum gelingen, weil ihre leicht giftige Parasorbinsäure bitter schmeckt. Der erste Frost und die Hitze des Herds verwandeln sie in süßliche Sorbinsäure und geben ihr ein Aroma, das an Preiselbeeren erinnert. Herbstkonfitüren mit milden Früchten verleiht sie Charakter. Im Chutney mit Zwiebeln und Chili ergänzt sie reifen Weichkäse. Und als Digestif mundet ein sorgsam destillierter Vogelbeergeist mit dem beglückenden Aroma von Marzipan.

Zugegeben, die Eberesche hat eine tödliche Seite. Viele Vogelarten teilen die Leidenschaft der Schnapsbrenner für die leuchtende Frucht. Ihr lateinischer Namenszusatz aucuparia setzt sich aus Vogel (avis) und fangen (capere) zusammen – Souvenir einer Zeit, als Amsel und Drossel fliegende Delikatessen waren und die Vogelbeere als Köder fungierte. Heute schätzt man sie für andere Qualitäten: Im Erzgebirge, unweit des Vogtlands, trotzt sie dem Dreck der böhmischen Industrie wie kein zweiter Baum. Und sie versüßt die Völkerverständigung in Gestalt des Jarcebinka. Der tschechische Ebereschenlikör ölt die Stimmbänder: Singeklub statt Singvogelragout. Prost und na zdraví auf den Vuglbärbaam!

HELLES VOGELBEER-CHUTNEY VON HENNE & OTTO

ZUTATEN FÜR ETWA ZWEI LITER
1 kg Stücke von säuerlichen Äpfeln, mit Schale
500 g Zwiebeln
500 g Staudensellerie mit Grün
250 g Vogelbeeren
½ l Apfelessig
1 Stück frischer Ingwer, ca. 3 cm lang
1 frische rote Chilischote
3 EL Senfsamen
ca. 500 g brauner Zucker
ca. 1 EL Salz

ZUBEREITUNG
1. Zwiebeln und Sellerie putzen und in Stücke schneiden. Selleriegrün extra fein hacken und beiseitestellen.
2. Apfel-, Zwiebel- und Selleriestuücke sowie 150 g Vogelbeeren in einem Kochtopf mit dem Essig übergießen.
3. Ingwer schälen und fein hacken, Chili sehr fein hacken, ggf. mit Handschuhen.
4. Ingwer, Chili und Senfsamen in den Topf geben. Mit Deckel ca. 20 Min. kochen, bis der Sellerie bissfest ist.
5. Zucker, Selleriegrün und 100 g Vogelbeeren zugeben. Ohne Deckel unter Rühren ½ bis 1 Stunde köcheln lassen, bis der Zucker aufgelöst und ein Großteil der Flüssigkeit
verdampft ist.
6. Mit Salz abschmecken.
7. Sofort in saubere Schraubgläser füllen und mind. 5 Min. kopfüber stehen lassen.

TIPP
Mindestens drei Wochen ziehen lassen, damit die Gewürze den vollen Geschmack entfalten. Zu fruchtig-pikantem Chutney empfehlen Katharina Henne und Lore Otto Baguette

À la Saison

Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

(Malus domestica)

Ohne ihn säßen wir noch im Paradies. Doch wir sollten Eva nicht gram sein. Den Apfel durften wir beim Auszug ja mitnehmen. Und der schmeckt einfach paradiesisch.

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Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

Beginnen wir ausnahmsweise bei Adam, Eva und dem Baum der Erkenntnis. Dass dieser ein Apfelbaum gewesen sein soll, steht in der Bibel nirgends. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der aus dem Wort „Frucht“ im Lauf der Jahrtausende „Apfel“ wurde, zeigt, dass dieser die Frucht schlechthin ist. Es gibt kein wichtigeres Kulturobst. Vom goldenen Zankapfel in Homers Ilias bis zum Reichsapfel als Emblem kaiserlicher Macht, von Martin Luthers Versprechen, im Angesicht des Weltuntergangs ein Apfelbäumchen zu pflanzen bis zu Schneewittchens Biss in ein vergiftetes Exemplar, von Wilhelm Tells Armbrustakrobatik bis zu Isaac Newtons von Fallobst inspiriertem Schwerkraft-gesetz, von René Magrittes Granny Smiths bis zu den Apple Records der Beatles und schließlich zum globalen Siegeszug als Firmenlogo einer kalifornischen Computermarke – ist die abendländische Geschichte ein gewaltiger Apfelstrudel. Unmöglich, sie ganz zu erzählen.

Dabei ist die Paradiesfrucht noch weit älter als das Alte Testament. Lange ging man davon aus, dass die ersten Äpfel um 3000 vor Christus im Baltikum wuchsen. Mithilfe von DNA-Analysen fanden Oxford-Forscher vor zehn Jahren jedoch heraus, dass Malus domestica seinen Ursprung wohl in Zentralasien hat. Sie fanden seinen Vorfahren, den Asiatischen Wildapfel, an den Hängen des Tienschan im Norden Chinas. Vielleicht schmecken Äpfel aus kühlerem Klima deshalb so gut.

Schon die Germanen machten daraus Mus und Met. Wie die Frucht nach Europa gekommen war, ist unklar. Der Ruf eines wundervollen Heilmittels eilte ihr voraus. Das englische Sprichwort An apple a day keeps the doctor away ist so berühmt, dass es sogar jenseits der anglophonen Welt oft unübersetzt zur Anwendung kommt. In vielen Fällen notgedrungen – wie Max Goldt einst mit dem Versuch deutlich machte, die Sentenz ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat „Ein Apfel am Tag und der Arzt fährt nach Prag“ entschuldigte er mit der Bemerkung, es sei erstaunlich, wie wenige Wörter sich auf Tag reimten. Immerhin erlaube das dem Mediziner eine sicher wohlverdiente Städtereise. Experten sagen übrigens, dass ein Apfel am Tag zwar keine Garantie ist, den Arzt dauerhaft an die Moldau zu verabschieden. Doch die Chancen stehen nicht schlecht –
so viel Gutes enthält die Frucht, vor allem Pektin, Vitamin C und Flavonoide.

Der wichtigste Grund für die Aura des Apfels, der schon Eva verfiel, ist natürlich sein Geschmack. Er hat eine aromatische Bandbreite von Zitronen- über Erdbeer- bis hin zu Walnussnoten. Abseits der fünf, sechs globalen Handelsmarken sorgen alte würzige Varietäten für Küchenglück. Interessanter als in Klassikern mit Kuchenteig, Zimt und Nelken verhält der Apfel sich zu den erdigen Komponenten von Wildbret, Blutwurst oder Roter Bete. Apfelsoße kontrastiert auf der Zunge perfekt zum Fett gegrillter Makrele. Und was wären Kohlsalat oder Rotkohl ohne die süße Säure? Zu Hartkäse mit roher Zwiebel passt das Kernobst ebenso wie zu Nüssen und dunklen Beeren. Unschlagbar ist es in Kombination mit Beifuß als Füllung der Weihnachtsgans.

Aber noch ist Sommer, die Ernte beginnt gerade erst. Bis der letzte Cox gepflückt ist, vergehen noch Monate. Die Frucht schlechtin ist – streng botanisch gesehen – übrigens eine Scheinfrucht! Niemand entlarvt das Blendwerk eleganter als die 2004 in Leipzig gegründete Satire-Organisation Front Deutscher Äpfel. Die FDÄ parodiert rechtsextreme Parteien und spielte mit der Wahl ihres Namens auf den damaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel an. Die Künstler und Aktivisten agitieren gegen eine Überfremdung des deutschen Obstbestands und fordern: „Südfrüchte raus!“ Jemand sollte ihnen sagen, dass auch der Apfel ein Ausländer ist. 

Frisch vom Baum gibt's Äpfel ab Septemberl

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

APFEL-KARTOFFEL-PUFFER MIT SAUERRAHM UND ZIMT VON MELISSA CLARK

ZUTATEN FÜR 18 PUFFER
6 EL Sauerrahm oder griechischer Joghurt
¼ TL gemahlener Zimt
¼ TL Ahornsirup
2 Äpfel, geschält und entkernt
1 große mehlig kochende Kartoffel
1 mittelgroße geschälte Zwiebel
75 g Mehl
3 große Eier
2 TL grobkörniges Natursalz
1 ¼ TL Backpulver
½ TL schwarzer Pfeffer
Olivenöl zum Braten

ZUBEREITUNG
1. Sauerrahm oder Joghurt mit Zimt und Sirup in einem Schälchen verquirlen. Abdecken und kalt stellen.
2. Äpfel, Kartoffel und Zwiebel grob reiben. Die Masse in einem sauberen Geschirrtuch auswringen. Je weniger Flüssigkeit übrig bleibt, desto krosser werden die Puffer.
3. Die Masse in eine große Schüssel geben. Mehl, Eier, Salz, Backpulver und Pfeffer untermischen, bis das Mehl im Pufferteig gebunden ist.
4. Öl in einer Pfanne mit schwerem Boden erhitzen und 3-4 gehäufte EL der Apfel-Kartoffel-Masse hineinsetzen. Mit dem Pfannenwender flach drücken.
5. Wenden, wenn die Ränder der Puffer braun und kross gebraten sind. Dann die andere Seite tiefbraun rösten. Zum Abtropfen auf einen Teller mit Küchenpapier legen.
6. So lange wiederholen, bis der Teig alle ist. Und die Puffer mit je einem Klecks Zimt-Sauerrahm servieren.

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DES BISSL KLIMAWANDEL ISS UNS WUASCHT: MIA MACHEN WINTER!

- 1450 Schneekanonen
- 5 km2 beschneite Pisten
- Lifte für 300.000 Touristen/Stunde
- Flughafenshuttle

Lesen Sie mehr auf greenpeace-magazin/zillertal

 

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Ich bin verwirrt. Klimawandel? Saure Meere? Sterbende Riffe? Nie gehört. Und was um Himmels Willen haben Flugzeuge damit zu tun? Die Antwort findet Dorie auf greenpeace-magazin.de/dorie

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Presto, presto statt Buon appetito – jetzt gibt’s Pasta als Prodotto finito!
So lernen schon die Bambini, wie man Bio-Nudeln zubereitet: Folie einstechen und ab in die Mikrowelle.

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Das Wissen zu den Anlagetricks von morgen.

Und die Skrupellosigkeit meines Beraters. 
Unsere Experten analysieren globale Trends im Geldwäschesektor. Panama war gestern, morgen finden wir anderswo ein trockenes Plätzchen für Ihr Schwarzgeld. Vertrauen Sie uns: Wir mischen aus Tradition in jedem Finanzskandal mit. Und ob Waffenfabriken, Atom- oder Kohlekraftwerke – wir stecken Ihr Geld in jede tödliche Industrie.
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Unser Wissen für Ihr schmutziges Geld.
Gewissenlos aus Gewinnsucht

Kohleschlote? Atomwaffensilos? Keine Ahnung. Wir lassen Gras über die Sachen wachsen.

 

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

Keine Anzeige!

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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