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Sa, 2016-08-27 19:26
Paris (dpa)

Frankreich nimmt Schwager von «Charlie-Hebdo»-Attentäter in Haft

Paris (dpa) - Der Schwager des «Charlie-Hebdo»-Attentäters Chérif Kouachi ist in Frankreich in Untersuchungshaft genommen worden. Dies meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Justizkreise. Dem 20-jährigen französischen Studenten, der am Freitag von Bulgarien an Frankreich überstellt wurde, werden Verbindungen zu einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Er soll versucht haben, sich der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen.

Mourad Hamyd war Ende Juli an der türkisch-bulgarischen Grenze festgenommen worden. Er wurde nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» durch die Brüder Chérif und Said Kouachi am 7. Januar 2015 festgesetzt, kam nach 48 Stunden jedoch wieder frei. Der Agentur AFP zufolge wird der Mann seit August 2014 auf der Sicherheitsakte «Fiche S» geführt, einer Liste von Personen, die als radikalisiert gelten. Eine seiner Schwestern war mit Chérif Kouachi verheiratet.

Bei dem Angriff auf die Pariser «Charlie Hebdo»-Redaktion hatten die Kouachi-Brüder zwölf Menschen erschossen und mehr als zehn weitere verletzt. Die Brüder wurden zwei Tage später von der Polizei in einem Feuergefecht getötet.

Sa, 2016-08-27 18:14
München (dpa)

Wie ein «Sorgerechtsstreit»: Dackel Bonny auf dem Weg nach Hause

Erbittert wurde um «Bonny» gestritten, nun ist die Dackeldame wieder auf dem Weg nach Hause. An den neuen alten Namen muss sie sich wohl erst gewöhnen.

München (dpa) - Aus «Lulu» wird wieder «Bonny»: Der aus Brandenburg stammende Dackel, den es nach Bayern verschlagen hatte, ist wieder auf dem Weg in seine ostdeutsche Heimat. Das Paar aus Bayern, das die Dackeldame 2012 in Brandenburg auf der Straße aufgelesen und sie fortan «Lulu» genannt hatte, übergab das Tier am Samstag am Münchner Flughafen an seine rechtmäßigen Eigentümer. Vorausgegangen war ein langes juristisches Tauziehen.

«Es ist schlimm. Wie wenn man sein eigenes Kind weggenommen bekommt», sagte Jan T., der mit seiner Frau Anne den kleinen Dackel vor vier Jahren in Brandenburg aufgelesen und mit nach Bayern genommen hatte. Beide waren am Samstag mit «Lulu»/«Bonny» und ihrem zweiten Dackel «Gretel» zur Übergabeaktion erschienen. «Es war eine sehr emotionale Angelegenheit», sagte Anne K. (34). Die Dackel-Übergabe selbst sei sehr kühl gewesen. Die alten und neuen Besitzer hätten kaum ein Wort mit ihnen gewechselt. «Es war wie ein Sorgerechtsstreit. Nur dass der Hund nichts sagen konnte.»

«Bonny» wird von seinen alten Besitzern aus Bayern auch keinen Besuch in Brandenburg erhalten. Das wäre nicht gut für den Hund, meinte Anne K.. Beide wünschten dem Dackel jedoch, dass er ein glückliches Hundeleben haben möge und «alt und grau» werde. Damit «Gretel» nicht allein bleibt, wollen sich die beiden auch wieder einen zweiten Dackel anschaffen.

Erst vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass der entlaufene Rauhaardackel inzwischen in Bayern lebte - unter dem Namen «Lulu». Als die ursprünglichen Besitzer in Brandenburg davon erfuhren, setzten sie alle Hebel in Bewegung, um das Tier zurückzubekommen. Es folgte ein Rechtsstreit. Das Potsdamer Landgericht entschied schließlich: «Lulu» muss zurück und wird wieder «Bonny».

Sa, 2016-08-27 18:43
Berlin (dpa)

Berliner Regierungschef Müller gegen Freihandelsabkommen Ceta

Berlin (dpa) - Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich gegen das Freihandelsabkommen Ceta zwischen der Europäischen Union und Kanada ausgesprochen. «Bei Ceta habe ich große Bedenken. Wenn es nicht in den nächsten Wochen noch dramatische Weiterentwicklungen und Verbesserungen gibt, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir das aus Berlin unterstützen können», sagte Müller der «Berliner Morgenpost» (Sonntag). Damit stellte er sich gegen den SPD-Bundesvorsitzenden und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der trotz Kritik an dem geplanten Abkommen festhält.

Im Interview mit der zur Funke-Mediengruppe gehörenden Zeitung sagte Müller weiter, mit dem Abkommen werde der private Bereich gestärkt. Das stehe im Konflikt zu dem Weg, den Berlin beispielsweise mit der Rekommunalisierung bei der Energieversorgung oder beim Wohnen gehe.

Die SPD will am 19. September auf einem Parteikonvent in Wolfsburg ihre Position zum Ceta-Abkommen beraten. Am 18. September wird in Berlin das Abgeordnetenhaus neu gewählt. Müller tritt als Spitzenkandidat der SPD an. Am 17. September sind in mehreren deutschen Städten Demonstrationen gegen Ceta und TTIP - dem geplanten Handelsabkommen mit den USA - angekündigt. In Berlin werden zu dem Protest Zehntausende Teilnehmer erwartet.

Sa, 2016-08-27 17:08
Berlin (dpa)

Protest gegen Asylpolitik: Rechte besetzen Brandenburger Tor

Es gibt kaum einen symbolträchtigeren Ort in der Bundesrepublik: Eine rechte Gruppierung kapert das Brandenburger Tor in Berlin und enthüllt Transparente. Doch die Aktion trifft auf Gegenreaktionen.

Berlin (dpa) - Aktivisten der rechten «Identitären Bewegung» haben bei einer Protestaktion gegen die Asylpolitik der Bundesregierung kurzzeitig das Brandenburger Tor in Berlin besetzt. Etwa 15 Menschen kletterten am Samstag auf das Wahrzeichen der Hauptstadt. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung teilte auf Facebook mit, sie habe den Tag der offenen Tür der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt «Migration und Integration» zum Anlass genommen. Die rechte Gruppierung wirft der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Rechtsbruch in der Flüchtlingspolitik vor. Nach etwa einer Stunde kamen die Besetzer nach Aufforderung der Polizei herunter.

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilten die Aktion scharf. «Es ist schlicht widerlich, wie Demokratiefeinde mit solchen Aktionen versuchen, sich dieses Symbol anzueignen, das inzwischen für ein demokratisches, friedliches und weltoffenes Deutschland steht», sagte Müller laut Mitteilung. Es sei ein gutes Zeichen, dass Passanten ihre deutliche Ablehnung mit Sprechchören zum Ausdruck gebracht hätten. Henkel äußerte sich ähnlich. «Es ist widerwärtig, dass Rechte versuchen, das weltweit bekannte Wahrzeichen Berlins zu beschmutzen».

Die «Identitäre Bewegung» tritt gegen eine «Überfremdung» und «Islamisierung» auf. Ihre Aktion sorgte vor dem Brandenburger Tor für spontane Proteste. Auf dem Pariser Platz waren Sprechchöre wie «Nazis raus» gegen das Auftreten der «Identitären» zu hören.

Die rechten Aktivisten schwenkten eine Fahne ihrer Gruppierung und entzündeten Augenzeugen zufolge Pyrotechnik. Zudem entrollten sie unterhalb der Quadriga zwei Transparente, ein weiteres zeigten sie ganz oben auf dem symbolträchtigen Bauwerk. Auf einem Transparent stand «Sichere Grenzen - sichere Zukunft».

Alarmierte Polizisten kletterten ebenfalls auf das Brandenburger Tor. Schließlich kamen die Besetzer den Forderungen der Beamten nach und stiegen hinab. Die Polizei stellte die Personalien der Aktivisten fest. Gegen sie wird nun wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Nach ersten Angaben wurde niemand festgenommen.

Der Bereich direkt vor dem Brandenburger Tor war Augenzeugen zufolge zeitweise auf beiden Seiten abgesperrt. Laut Polizei gelangten die «Identitären» über den «Raum der Stille» an der Seite des Tores mit Hilfe einer Leiter nach oben. Ein Wachmann sei zuvor ausgesperrt worden, so ein Polizeisprecher.

Der Verfassungsschutz sieht bei der «Identitären Bewegung» Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Gruppierung hat französische Wurzeln und ist seit 2012 auch in Deutschland aktiv.

Sa, 2016-08-27 17:38
Berlin (dpa)

64 Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft gegen Islamisten

Berlin (dpa) - Der Generalbundesanwalt hat im ersten Halbjahr 64 Ermittlungsverfahren gegen Islamisten eingeleitet. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion zurück, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der «Spiegel» darüber berichtet. Die meisten Beschuldigten stehen im Verdacht, sich einer Terrorvereinigung wie dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen zu haben. Sieben Mal erhob die Behörde in den ersten sechs Monaten des Jahres in solchen Fällen Anklage, fünf Mal wurden Beschuldigte verurteilt. Hinzu kamen zum Stichtag 1. Juli 709 Ermittlungsverfahren in den Ländern.

Im vergangenen Jahr hatte die Bundesanwaltschaft in 136 Verfahren gegen mutmaßliche islamistische Terroristen ermittelt. 2014 waren es nur 42 Ermittlungsverfahren gewesen.

In der ersten Jahreshälfte registrierten die Behörden außerdem 1070 «Online-Veröffentlichungen mit dschihadistischem Bezug». Dabei handele es sich überwiegend um Propaganda von Terrorgruppen wie IS und Al-Kaida, aber auch um «Drohungen und Tötungsaufrufe mit Deutschlandbezug». Zahlen zu islamistischen Veranstaltungen oder Versammlungen liegen laut Innenressort dagegen nicht vor. Die

Linke-Abgeordnete Martina Renner beklagte: «Es ist befremdlich, dass «Islamismus» einerseits zum zentralen Begriff der Sicherheits- und Innenpolitik der Bundesregierung avanciert ist, es auf der anderen Seite aber an validem Zahlenmaterial zu entsprechenden Versammlungen mangelt, weil diese nicht erfasst werden.»

Sa, 2016-08-27 17:01
München (dpa)

Dackel Bonny wieder auf dem Weg nach Brandenburg

München (dpa) - Aus «Lulu» wird wieder «Bonny»: Der aus Brandenburg stammende Dackel, den es nach Bayern verschlagen hatte, ist wieder auf dem Weg in seine ostdeutsche Heimat. Das Paar aus Bayern, das die Dackeldame 2012 in Brandenburg auf der Straße aufgelesen und sie fortan «Lulu» genannt hatte, übergab das Tier am Samstag am Münchner Flughafen an seine rechtmäßigen Eigentümer. Vorausgegangen war ein langes juristisches Tauziehen.

Erst vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass der entlaufene Rauhaardackel inzwischen in Bayern lebte - unter dem Namen «Lulu». Als die ursprünglichen Besitzer in Brandenburg davon erfuhren, setzten sie alle Hebel in Bewegung, um das Tier zurückzubekommen. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Das Potsdamer Landgericht entschied schließlich: «Lulu» muss zurück und wird wieder «Bonny».

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Sa, 2016-08-27 16:40
Caracas (dpa)

Venezuelas Opposition rüstet sich zum Marsch auf Caracas

Caracas (dpa) - Mit einem Marsch auf die Hauptstadt Caracas will die venezolanische Opposition ein Referendum zur Abwahl von Präsident Nicolás Maduro noch in diesem Jahr erzwingen. «Den Wechsel gibt es nicht einfach so, man muss dafür kämpfen», sagte der Gouverneur des Bundesstaats Miranda, Henrique Capriles, in Caracas. Die Opposition will für den Marsch am 1. September Zehntausende auf die Straße bringen, die regierenden Sozialisten wollen mit einer eigenen Kundgebung dagegenhalten. Angesichts der gespannten Lage in dem von einer historischen Versorgungskrise erschütterten Land mit den größten Ölreserven fürchten viele Bürger Ausschreitungen in Caracas.

Die Regierung versucht das Referendum bis 2017 hinauszuzögern, damit würden gemäß Verfassung Neuwahlen bei einer Abwahl Maduros verhindert - der Vizepräsident, auch ein Sozialist, würde bis 2019 weiterregieren. Die Opposition will einen raschen Machtwechsel.  Capriles ist einer der Wortführer des sozialdemokratische, konservative, liberale und indigene Parteien umfassenden Oppositionsbündnisses «Mesa de la Unidad Democrática» (MUD). 

«Eine korrupte Staatsspitze kann uns nicht den Traum von einem besseren Land rauben», sagte der bei der letzten Wahl knapp gegen Maduro unterlegene Capriles. Maduro hatte zuletzt allen Staatsbediensteten, die sich in Unterschriftenlisten für das Referendum ausgesprochen haben, mit dem Rauswurf gedroht und bei einem Putschversuch ein wesentlich härteres Durchgreifen als in der Türkei durch Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt. 

Sa, 2016-08-27 16:22
Berlin (dpa)

Braune Besetzer auf dem Brandenburger Tor Von Christiane Jacke, dpa

Jung, modern, poppig: Bis vor kurzem war die «Identitäre Bewegung» eher unbekannt. Doch die rechte Gruppe ist zunehmend ins Visier von Verfassungsschützern geraten. Nun macht die Truppe mit einer Aktion in Berlin bundesweit von sich reden. Wie konnte es dazu kommen?

Berlin (dpa) - Es ist die Provokation schlechthin. Ausgerechnet das Brandenburger Tor haben sich die «Identitären» ausgesucht - das Wahrzeichen der Hauptstadt, einen der geschichtsträchtigsten Orte der Republik. Es ist Samstagvormittag, als plötzlich etwa ein Dutzend Anhänger der rechten Gruppierung oben auf dem Brandenburger Tor auftauchen und große Transparente entrollen. «Sichere Grenzen - Sichere Zukunft» steht auf einem langen Banner, das sich quer über das ganze Tor zieht. Ausgerechnet an dem Ort also, an dem früher die deutsch-deutsche Grenze verlief.

Die Mitglieder der «Identitären Bewegung» schwenken Fahnen, zünden Bengalos. Einer von ihnen tönt irgendwas von Grenzen, Sicherheit und Identität in ein Megafon, schimpft auf die Menschen unter ihm, sie ließen sich doch nur von der Politik vor den Karren spannen und sähen die Realität nicht. Die Leute unten auf dem Platz zücken Handys, fotografieren und filmen. Einzelne buhen den Megafon-Mann und seine Mitstreiter aus, rufen ihnen zu: «Nazis raus» und «Verpisst euch».

Ein paar «Identitäre» mischen sich unter die Leute auf dem Pariser Platz und verteilen durchdesignte Flyer. Darin warnen sie vor dem «grossen Austausch». Das ist das Angst-Szenario der «Identitären»: Sie meinen, durch die «nie dagewesene, regelrechte Überschwemmung» mit Zuwanderern werde die einheimische Bevölkerung nach und nach ersetzt. Auf dem Flugblatt hantieren die Rechten mit wilden Zahlen von Millionen Ausländern, die angeblich in diesem Jahr nach Deutschland kommen: Flüchtlinge und deren Frauen, Kinder, Eltern, die durch Familiennachzug nachkämen. Und sie rechnen vor, wie viele Ausländer angeblich pro Tag und pro Stunde ins Land einwandern.

Die Berliner Polizei rückt mit einem Großaufgebot an, sperrt den Platz rund um das Brandenburger Tor ab. Irgendwann klettern ein paar Beamte auch nach oben, reden mit den Besetzern, fordern sie auf, wieder runterzukommen. Erst nach etwa einer Stunde hat der Spuk ein Ende. Die «Identitären» steigen hinab. Die Polizei nimmt ihre Personalien auf und entfernt die Transparente.

Die «Identitäre Bewegung» stammt ursprünglich aus Frankreich. Der deutsche Ableger gründete sich 2012. Anfangs waren die Anhänger vor allem im Internet aktiv. Seit einiger Zeit treten sie aber verstärkt mit Aktionen und Protesten in der Öffentlichkeit auf.

Anfangs stuften Verfassungsschützer die Gruppe noch als unbedeutend ein. Inzwischen ist das anders. In neun Bundesländern hat der Inlandsgeheimdienst die Truppe bereits im Visier. Vor kurzem ist auch das Bundesamt für Verfassungsschutz in die Beobachtung eingestiegen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verkündete das erst vor einigen Tagen. Insbesondere in der Anti-Asyl-Agitation habe sich eine weitere Radikalisierung gezeigt, sagte er zur Begründung. Die Flüchtlingskrise hat die «Identitären» auf den Plan gerufen.

Experten halten die Bewegung für gefährlich: Sie komme jung und modern daher, spreche vor allem junge Leute an, gebe sich poppig und eher milde und verschleiere ihre Radikalität. Die Gruppe argumentiert etwa, sie achte jede Ethnie und Kultur. Nur mögen die anderen «Völker und Stämme» doch bitte «auf ihrem geschichtlich gewachsenen Gebiet» bleiben. «Ethnopluralismus» nennen die «Identitären» das. Politikwissenschaftler wie Hajo Funke nennen es Rassismus.

Den Tag für ihre Aktion haben die «Identitären» bewusst gewählt. Es ist Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Bürger können durch das Kanzleramt und die Ministerien spazieren, sich dort umschauen und anhören, was die Spitzenpolitiker zu sagen haben. Der Schwerpunkt in diesem Jahr: Migration und Integration. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben die «Identitären», sie hätten aus diesem Anlass ein deutliches Zeichen setzen wollen «gegen die verfehlte Politik der Bundesregierung», die in der Migrationskrise völlig versagt habe und massenhaft und unkontrolliert «Illegale» ins Land lasse.

Im vergangenen Jahr besetzten Anhänger der Truppe schon mal kurzzeitig den Balkon der SPD-Zentrale in Berlin. Das Brandenburger Tor beschert ihnen nun weit mehr Aufmerksamkeit. Wie kann es sein, dass es ein Trupp von Rechten einfach auf das Wahrzeichen Berlins klettern kann? An einem Ort, der eigentlich penibel bewacht wird, auch weil dort mehrere Botschaften ihren Sitz haben, allen voran die der Amerikaner. Die Polizei lässt dazu viele Fragen offen. Nur so viel: Die «Identitären» seien über den Raum der Stille - eine Art Meditationsort an der Seite des Brandenburger Tores - nach oben gekommen, mit Hilfe einer mitgebrachten Leiter. Vorher hätten sie einen Wachmann ausgesperrt. Das gibt zu denken - und dürfte noch für Diskussionen sorgen.

Sa, 2016-08-27 16:08
Wolfenbüttel (dpa)

Cousin von Claudia Schiffer führt Piratenpartei

Die Piratenpartei hat einen neuen Bundesvorsitzenden. Auf ihrem Bundesparteitag gab es neben Selbstkritik auch Aufbruchstimmung. Die Piraten wollen unter anderem an ihrer Selbstdarstellung arbeiten.

Wolfenbüttel (dpa) - Der Düsseldorfer Medien-Designer Patrick Schiffer wird die Piratenpartei in die Bundestagswahl 2017 führen. Rund 300 Mitglieder wählten den Cousin des Top-Models Claudia Schiffer bei einem Bundesparteitag in Wolfenbüttel zum neuen Bundesvorsitzenden. Er erhielt am Samstag 59,2 Prozent der Stimmen. Der in der Wählergunst abgestürzten Partei will Schiffer zu einem politischen Comeback verhelfen. Von seinem Amt als nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender trat er zurück.

Schiffer kritisierte in einer betont kämpferisch-emotionalen Rede, die Partei habe sich bisher unter Wert verkauft und mit ihren Werten und Ideen nicht überzeugt. Das solle sich nun ändern. Unter anderem mit Kampagnen will er für die Ziele der Partei werben. Auch wenn die Piraten eine technik-freundliche Partei seien, so Schiffer, gelte es, ihre Kompetenzen im sozialen Bereich zu verdeutlichen. Gerade beim digitalen Wandel in Industrie und Wirtschaft habe die Partei mit Blick auf Arbeitsplätze und soziale Sicherheit einiges beizusteuern.

«Ich möchte ein breiteres Themenspektrum nach außen transportieren», erklärte Schiffer nach seiner Wahl vor Journalisten. Zur Finanzierung erwägt er die Einstellung sogenannter Fundraiser.

Der gegen Schiffer unterlegene bisherige Bundesvorsitzende Stefan Körner erklärte zum Auftakt: «Ich glaube, dass dieser Parteitag auch eine gute Gelegenheit ist um zu klären: Wofür stehen wir eigentlich?»

Die Partei hat nach ihren spektakulären Erfolgen von 2011 bei Wahlen eine Niederlage nach der anderen kassiert. Derzeit ist sie noch in den Landtagen in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und im Saarland vertreten. Auch die Mitgliederzahlen sind stark zurückgegangen. Laut Körner kommt die Partei bundesweit derzeit auf rund 12 000 Mitglieder - 2012 waren es noch rund 35 000.

Geht doch!

Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Saures für Süßes – ein Pioniergesetz verbietet Naschereien, die Kinder mit Spielzeug locken

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Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Mit einem strengen Gesetz will Chile seine Kinder und Jugendlichen vor ungesunder Nahrung schützen: Seit Anfang Juli dürfen Süßigkeiten mit einer Spielzeug-Beigabe im ganzen Land nicht mehr verkauft werden. Überraschungseier von Ferrero und Kindermenüs von McDonald’s sind jetzt also illegal. Die Neuregelung legt außerdem fest, welche Lebensmittel als gesundheitsschädlich gelten. Alle, die pro 100 Gramm mehr als 400 Milligramm Salz, vier Gramm gesättigter Fettsäuren, 275 Kalorien oder zehn Gramm Zucker enthalten, müssen gut sichtbar mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein. An Schulen dürfen sie nicht verkauft oder beworben werden. Der Grund für das Gesetz: In Chile ist inzwischen jedes dritte Kind unter sechs Jahren übergewichtig. Hersteller und auch einige Kritiker der Süßigkeitenindustrie bezweifeln aber, dass ein Verbot die richtige Maßnahme ist, um eine gesündere Ernährung zu erreichen. Entscheidend sei die konsumierte Menge, eine bessere Aufklärung der Kinder und vor allem gute Vorbilder – zum Beispiel gesünderes Schulessen.

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San Francisco: Styropor gebannt
Konsequent verfolgt San Francisco seine „Zero Waste“- Strategie: Die kalifornische Stadt verbietet ab Juli 2017 Kaffeebecher, Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen aus Styropor. Mit dem Bann dieser  Wegwerfprodukte will sie ihrem Ziel,  bis 2020 müllfrei zu sein, einen großen Schritt näherkommen. Inzwischen machen rund 100 US-Städte gegen Waren aus Schaumkunststoff mobil.

Russland: Gentechnik unerwünscht
Gentechnisch modifizierte Organismen dürfen in Russland künftig weder angebaut noch importiert werden. Einzige Ausnahme: Zu Forschungszwecken sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere erlaubt. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6500 Euro. Das beschloss die Staatsduma in dritter und abschließender Lesung.

Marokko: Plastiktüten ade
Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 900 Plastiktüten zählt das nordafrikanische Land zu den Negativ-Spitzenreitern. Doch seit Juli sind dort Kunststofftüten verboten – mit Ausnahme von Gefrier- und Müllbeuteln. Hierzulande soll eine Anfang Juli eingeführte Gebühr den Verbrauch drosseln.

 

Geht doch!

Konfliktfrei surfen

Konzerne müssen Rohstoffe aus Krisengebieten offenlegen – Europa ringt um eine verpflichtende Regelung

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Konfliktfrei surfen

Ausgerechnet die USA machen vor, wie man große Firmen an die kurze Leine nimmt – zumindest in punkto Konfliktrohstoffe. Der „Dodd-Frank Act“ verpflichtet börsennotierte Unternehmen, offenzulegen, ob Handys, Laptops oder Autos Mineralien enthalten deren Verkauf Kriege oder bewaffnete Kämpfe in der DR Kongo und deren Nachbarländern finanziert. Dass das seit 2010 geltende Transparenzgesetz für Gold, Tantal, Wolfram und Zinn Wirkung zeigt, belegt nun ein Report des „Enough Project“: Inzwischen gebe es im Kongo mehr als 160 Minen, die als „konfliktfrei“ gelten, ermittelte die US-Organisation. Auch EU-Bürger wollen keine „blutigen“ Produkte. Deshalb verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Rat derzeit über eine Sorgfaltsregelung. Wie verbindlich diese sein wird, ist bislang offen. „Die EU-Regeln dürfen nicht hinter die US-Standards zurückfallen, das wäre ein Armutszeugnis“, sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero. Selbst eine verpflichtende Regelung für Konfliktmineralien könne nur ein erster Schritt sein. Als nächstes müsse der verbindliche Schutz von Menschenrechten und Umwelt auf alle industriellen Bergbauprojekte wie die Förderung von Coltan, Kupfer und Kohle ausgeweitet werden.
ci-romero.de (Rohstoffkampagne)
stop-mad-mining.org

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Mailand: Cash fürs Radeln
Seit Jahren leiden die Mailänder unter Staus und schlechter Luft. Nun ergreift die Verwaltung der norditalienischen Metropole eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie will jedem Pendler, der künftig mit dem Rad zur Arbeit fährt, eine Pauschale von 25 Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen. Für das Anreizprogramm stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit. Die Fahrten sollen per App dokumentiert werden.

London: Strom von der Themse
Im Mai hat die britische Hauptstadt den größten schwimmenden Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Für 7,3 Millionen Euro wurden in der Themse 23.000 Paneele mit einer Kapazität von 6,3 Megawatt verankert. Der produzierte Strom soll die Wasseraufbereitungsanlagen in und um London versorgen. Der Vorteil der schwimmenden Sonnenkraftwerke: Sie sind leichter und billiger herzustellen als Anlagen an Land, werden durch das fließende Wasser konstant gekühlt und nehmen keinen Platz weg.

Frankreich: Palmöl – teurer durch Steuer
Um den Konsum zu drosseln und so die verheerenden Umweltschäden des Plantagenanbaus zu mindern, will die französische Regierung Palmöl besteuern: Ab 2017 sollen 30 Euro pro Tonne fällig werden, bis 2020 wird sich die Abgabe verdreifachen. In Deutschland ist bislang keine Palmölsteuer geplant. Der „Save Wildlife Conservation Fund“ drängt die Politik hierzulande schon länger zu diesem Schritt. Anders als in Frankreich dürfte sogenanntes „nachhaltiges Palmöl“ allerdings nicht ausgenommen werden, sagt eine Sprecherin der Stiftung, da es dafür noch immer keine verlässlichen Zertifizierungen gebe.
zeropalmoel.de

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Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Saubere Profite

Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

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Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Sa, 2016-08-27 16:26
Istanbul (dpa)

Eskalation in Syrien: Erste Kämpfe zwischen Türkei und Kurden-Allianz

Die türkische Armee setzt ihren Einsatz in Syrien fort. Sie will, dass sich die syrischen Kurden östlich des Euphrats zurückziehen. Zusammen mit Rebellen rückt sie gegen die Kurden-Allianz vor.

Istanbul (dpa) - Der Konflikt zwischen der türkischen Armee und den Kurden im Norden Syriens spitzt sich zu. Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen stießen am Samstag nach eigenen Angaben mit Kämpfern des von Kurden angeführten Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) zusammen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, auch türkische Panzer seien an den Kämpfen beteiligt. Es waren demnach die ersten direkten Zusammenstöße zwischen der türkischen Armee und den von Kurden angeführten Kräften.

Auch ein Kurdensprecher berichtete von heftigen Gefechten in der Nähe des Ortes Tel al-Amarna rund acht Kilometer südlich der Grenzstadt Dscharablus. Türkische Jets und Artillerie hatten die Region zuvor angegriffen, wie die Menschenrechtler weiter berichteten.

Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Unterstützt wird es dabei von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die Türkei fordert, dass sich die Kurden aus der Region um Dscharablus auf ein Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten den Grenzort in dieser Woche bei einer Militäroperation vom IS eingenommen. Die Rebellen rückten anschließend weiter Richtung Süden vor.

Die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren richtet sich gegen den IS und die YPG. Die Kurden kontrollieren bereits große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet.

Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdische Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Weiter östlich überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze. Sie begleiteten Baumaschinen, die auf syrischem Boden begannen, einen Graben auszuheben, wie ein Kurdensprecher berichtete. Die Türkei wolle eine Bockade über die Region verhängen.

Die USA und Russland verständigten sich unterdessen grundsätzlich über Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und Rebellen, die sich in anderen Regionen Syriens gegenüberstehen. Besonders umkämpft ist dabei die nordsyrische Stadt Aleppo.

Allerdings müssten bis zu einer Waffenruhe noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder am späten Freitagabend nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei «lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden». Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

«Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre», sagte US-Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Dschabhat Fatah al-Scham, die bis vor Kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

In Syrien tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in den das Regime von Präsident Baschar al-Assad, etliche Rebellengruppen, die Kurden und der IS involviert sind. Der Konflikt hat nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen das Leben gekostet und Millionen in die Flucht getrieben. Zudem leben noch etwa 600 000 Menschen unter Belagerung.

Sa, 2016-08-27 16:29
Berlin/Stuttgart (dpa) 

Grüne Spitzenpolitiker sehen keine Koalitions-Weichenstellung

Winfried Kretschmann zum Abendessen bei der Kanzlerin, und das auch noch vertraulich - das Treffen heizt Spekulationen um eine künftige schwarz-grüne Koalition an. Prominente Grüne in Berlin wollen die Debatte schnell wieder einfangen.

Berlin/Stuttgart (dpa) - Die Grünen-Fraktionsspitze sieht in einem Treffen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Weichenstellung für eine Koalition im Bund. Schwarz-Grün sei «kein neues Projekt, aber eine Möglichkeit», sagte Bundestags-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Samstag beim «Tag der offenen Tür» der Bundespressekonferenz.

CDU und Grüne müssten künftig jedenfalls besser darauf vorbereitet sein, nach einer Bundestagswahl miteinander zu reden, als noch 2013, sagte Göring-Eckardt zu einem «Spiegel»-Bericht. Die Grünen wollten einen eigenständigen Wahlkampf führen, möglichst gut abschneiden und dann sehen, mit wem sie ihre Inhalte am besten durchsetzen können, bekräftigte ihr Co-Fraktionschef Anton Hofreiter in der «Berliner Zeitung» (Samstag): «Es wäre ein großer Fehler, sich als Grüne auf Schwarz-Grün festzulegen.»

«Der Spiegel» hatte zuvor von einem vertraulichen Abendessen Merkels mit dem baden-württembergischen Regierungschef am vorigen Sonntagabend in Berlin berichtet. Kretschmann ist klarer Befürworter eines erstmaligen schwarz-grünen Bündnisses nach der Bundestagswahl 2017, auch die CDU-Chefin gilt als aufgeschlossen dafür.

Göring-Eckardt sagte am Samstag zu dem Treffen: «Man kann daraus sehr viele Schlüsse ziehen über große Strategien und große Pläne. Ich sage erstmal: Das ist ganz normal, und das ist auch gut so» - dass nämlich die Kanzlerin in schwieriger Zeit mit Vertretern der Länder rede. Für sie sei ein Abendessen von Kanzlerin und Ministerpräsident kein Geheimtreffen. Klar sei für die Grünen, dass man sich Optionen offen halten wolle. «Dass wir nicht mehr in Bundestagswahlen gehen nach dem Motto: Wir legen mal vorher eine Koalition fest. Das haben wir ein paarmal versucht, und damit sind wir als Grüne ein paarmal vor die Wand gefahren, und zwar immer vor dieselbe.»

Das Stuttgarter Staatsministerium war am Freitag nicht konkret auf den Bericht eingegangen, erklärte aber, dass Merkel und Kretschmann von Zeit zu Zeit miteinander über bundespolitische Themen sprächen. Die CDU äußerte sich nicht. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte: «Über mögliche vertrauliche Gespräche und Begegnungen der Bundeskanzlerin geben wir grundsätzlich keine Auskunft.»

Kretschmann (68) hatte im März mit den Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Seit Bundespräsident Joachim Gauck erklärt hat, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, wird er als potenzieller Nachfolger gehandelt. Er selbst schweigt dazu. Ihm werden eher wenig Chancen eingeräumt - gleichwohl gilt er als Kompromisskandidat, falls sich Union und SPD nicht einigen können.

Der Ministerpräsident warb im «Spiegel» erneut für ein Bündnis mit der Union: Schwarz-Grün passe in eine Zeit, die geprägt sei von Unsicherheit und Krisen. Offizielle Grünen-Linie ist dagegen, sich nicht festzulegen. Die zum linken Flügel zählende Parteichefin Simone Peter schrieb auf Twitter: «Für Zusammenhalt, Freiheit und Selbstbestimmung steht diese Union gerade gar nicht.» Der prominente Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele kritisierte Kretschmann persönlich über Twitter: «Parteifreund Winfried scheint etwas abzuheben. Suboptimal vor den Wahlen» in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September.

Sa, 2016-08-27 16:33
Istanbul (dpa)

Eskalation in Syrien: Erste Kämpfe zwischen Türkei und Kurden-Allianz

Die türkische Armee setzt ihren Einsatz in Syrien fort. Sie will, dass sich die syrischen Kurden östlich des Euphrats zurückziehen. Zusammen mit Rebellen rückt sie gegen die Kurden-Allianz vor.

Istanbul (dpa) - Der Konflikt zwischen der türkischen Armee und den Kurden im Norden Syriens spitzt sich zu. Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen stießen am Samstag nach eigenen Angaben mit Kämpfern des von Kurden angeführten Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) zusammen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, auch türkische Panzer seien an den Kämpfen beteiligt. Es waren demnach die ersten direkten Zusammenstöße zwischen der türkischen Armee und den von Kurden angeführten Kräften.

Auch ein Kurdensprecher berichtete von heftigen Gefechten in der Nähe des Ortes Tel al-Amarna rund acht Kilometer südlich der Grenzstadt Dscharablus. Türkische Jets und Artillerie hatten die Region zuvor angegriffen, wie die Menschenrechtler weiter berichteten.

Bei den Demokratischen Kräften Syriens handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Unterstützt wird es dabei von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die Türkei fordert, dass sich die Kurden aus der Region um Dscharablus auf ein Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten den Grenzort in dieser Woche bei einer Militäroperation vom IS eingenommen. Die Rebellen rückten anschließend weiter Richtung Süden vor.

Die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren richtet sich gegen den IS und die YPG. Die Kurden kontrollieren bereits große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet.

Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdische Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Weiter östlich überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze. Sie begleiteten Baumaschinen, die auf syrischem Boden begannen, einen Graben auszuheben, wie ein Kurdensprecher berichtete. Die Türkei wolle eine Blockade über die Region verhängen.

Die USA und Russland verständigten sich unterdessen grundsätzlich über Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und Rebellen, die sich in anderen Regionen Syriens gegenüberstehen. Besonders umkämpft ist dabei die nordsyrische Stadt Aleppo.

Allerdings müssten bis zu einer Waffenruhe noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder am späten Freitagabend nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei «lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden». Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

«Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre», sagte US-Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Dschabhat Fatah al-Scham, die bis vor Kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

In Syrien tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in den das Regime von Präsident Baschar al-Assad, etliche Rebellengruppen, die Kurden und der IS involviert sind. Der Konflikt hat nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen das Leben gekostet und Millionen in die Flucht getrieben. Zudem leben noch etwa 600 000 Menschen unter Belagerung.

À la Saison

Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

(Malus domestica)

Ohne ihn säßen wir noch im Paradies. Doch wir sollten Eva nicht gram sein. Den Apfel durften wir beim Auszug ja mitnehmen. Und der schmeckt einfach paradiesisch.

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Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

Beginnen wir ausnahmsweise bei Adam, Eva und dem Baum der Erkenntnis. Dass dieser ein Apfelbaum gewesen sein soll, steht in der Bibel nirgends. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der aus dem Wort „Frucht“ im Lauf der Jahrtausende „Apfel“ wurde, zeigt, dass dieser die Frucht schlechthin ist. Es gibt kein wichtigeres Kulturobst. Vom goldenen Zankapfel in Homers Ilias bis zum Reichsapfel als Emblem kaiserlicher Macht, von Martin Luthers Versprechen, im Angesicht des Weltuntergangs ein Apfelbäumchen zu pflanzen bis zu Schneewittchens Biss in ein vergiftetes Exemplar, von Wilhelm Tells Armbrustakrobatik bis zu Isaac Newtons von Fallobst inspiriertem Schwerkraft-gesetz, von René Magrittes Granny Smiths bis zu den Apple Records der Beatles und schließlich zum globalen Siegeszug als Firmenlogo einer kalifornischen Computermarke – ist die abendländische Geschichte ein gewaltiger Apfelstrudel. Unmöglich, sie ganz zu erzählen.

Dabei ist die Paradiesfrucht noch weit älter als das Alte Testament. Lange ging man davon aus, dass die ersten Äpfel um 3000 vor Christus im Baltikum wuchsen. Mithilfe von DNA-Analysen fanden Oxford-Forscher vor zehn Jahren jedoch heraus, dass Malus domestica seinen Ursprung wohl in Zentralasien hat. Sie fanden seinen Vorfahren, den Asiatischen Wildapfel, an den Hängen des Tienschan im Norden Chinas. Vielleicht schmecken Äpfel aus kühlerem Klima deshalb so gut.

Schon die Germanen machten daraus Mus und Met. Wie die Frucht nach Europa gekommen war, ist unklar. Der Ruf eines wundervollen Heilmittels eilte ihr voraus. Das englische Sprichwort An apple a day keeps the doctor away ist so berühmt, dass es sogar jenseits der anglophonen Welt oft unübersetzt zur Anwendung kommt. In vielen Fällen notgedrungen – wie Max Goldt einst mit dem Versuch deutlich machte, die Sentenz ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat „Ein Apfel am Tag und der Arzt fährt nach Prag“ entschuldigte er mit der Bemerkung, es sei erstaunlich, wie wenige Wörter sich auf Tag reimten. Immerhin erlaube das dem Mediziner eine sicher wohlverdiente Städtereise. Experten sagen übrigens, dass ein Apfel am Tag zwar keine Garantie ist, den Arzt dauerhaft an die Moldau zu verabschieden. Doch die Chancen stehen nicht schlecht –
so viel Gutes enthält die Frucht, vor allem Pektin, Vitamin C und Flavonoide.

Der wichtigste Grund für die Aura des Apfels, der schon Eva verfiel, ist natürlich sein Geschmack. Er hat eine aromatische Bandbreite von Zitronen- über Erdbeer- bis hin zu Walnussnoten. Abseits der fünf, sechs globalen Handelsmarken sorgen alte würzige Varietäten für Küchenglück. Interessanter als in Klassikern mit Kuchenteig, Zimt und Nelken verhält der Apfel sich zu den erdigen Komponenten von Wildbret, Blutwurst oder Roter Bete. Apfelsoße kontrastiert auf der Zunge perfekt zum Fett gegrillter Makrele. Und was wären Kohlsalat oder Rotkohl ohne die süße Säure? Zu Hartkäse mit roher Zwiebel passt das Kernobst ebenso wie zu Nüssen und dunklen Beeren. Unschlagbar ist es in Kombination mit Beifuß als Füllung der Weihnachtsgans.

Aber noch ist Sommer, die Ernte beginnt gerade erst. Bis der letzte Cox gepflückt ist, vergehen noch Monate. Die Frucht schlechtin ist – streng botanisch gesehen – übrigens eine Scheinfrucht! Niemand entlarvt das Blendwerk eleganter als die 2004 in Leipzig gegründete Satire-Organisation Front Deutscher Äpfel. Die FDÄ parodiert rechtsextreme Parteien und spielte mit der Wahl ihres Namens auf den damaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel an. Die Künstler und Aktivisten agitieren gegen eine Überfremdung des deutschen Obstbestands und fordern: „Südfrüchte raus!“ Jemand sollte ihnen sagen, dass auch der Apfel ein Ausländer ist. 

Frisch vom Baum gibt's Äpfel ab Septemberl

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Himmlische Himbeere

(Rubus idaeus)

Was haben glühende RAF-Terroristinnen und eiskalte Banker gemeinsam? Sie machen zu oft Ferien im Himbeerreich. Da wollen Sie auch hin? Ein Wegweiser.

 

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Himmlische Himbeere

Schokolade, Zigaretten, Marshmallows – für diese Schätze aus dem „Himbeerreich“ bedankt sich Gudrun Ensslin 1968 per Gefängnispost bei ihrem Verlobten und bestellt noch eine luxuriöse Feuchtigkeitscreme hinterher. Die üppige BRD-Warenwelt versüßt der Pfarrerstochter, die kurz darauf die RAF mitgründen wird, ihr Zellenleben. Das Dialektische daran ist Ensslins Haftgrund: Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. „Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten“, sinniert 2013 der Chauffeur Hans Helmut Hinz. Er meint aber keine konsumaffinen Linksterroristinnen, sondern bonusgetriebene Bankvorstände, deren Limousinen er durch die Finanzkrise kutschiert. Hinz ist eine Figur aus dem Theaterstück „Das Himbeerreich“. Dessen Autor Andres Veiel will uns ausdrücklich nicht sagen, dass Banker Terroristen sind. Aber eines wissen sie wohl so gut wie Bombenleger (und wir alle): Wo Himbeeren wachsen, wartet das Paradies.

Rubingleich funkeln die fragilen Früchte am stacheligen Strauch. Sie duften betörend, netzen die Fingerspitzen purpurn wie Theaterblut und zergehen sonnenwarm auf der Zunge – seit Jahrtausenden. Samenfunde in Steinzeitsiedlungen belegen, dass es sich um eine der ältesten Naschereien der Welt handelt. Die Himbeere ist echt „paläo“. Kultiviert wurde sie schon im alten Rom, wo sie als Heilpflanze auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche helfen sollte. Der Erfolg ist fraglich. Gesund ist die Himbeere aber durchaus. Sie enthält enorme Mengen Vitamin C, viel Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem und wirkt entgiftend sowie entzündungshemmend.

Die Römer nannten die Beere, die eigentlich eine Sammelsteinfrucht ist, Rubus idaeus – nach der Nymphe Ida. Einst soll die Tochter des kretischen Königs ein weinendes Kind in den Bergen gefunden haben, den jungen Göttervater Jupiter. Als sie ihm eine Himbeere pflückte, stach sie sich an den Dornen. Blut tropfte auf die ehedem weißen Früchte und färbte sie rot. Toll, diese antiken Sagen. Diese aber hat der französische Arzt Henri Leclerc 1925 für sein Buch „Les fruits de France“ dreist erfunden. Es ist auch eher öde, dass wohl der türkische Berg Ida Namenspate des Obstes war. Und „Himbeere“ kommt vom althochdeutschen Wort hintperi – Beere der Hirschkuh, vielleicht weil sie sich in lichten Wäldern so wohlfühlt.

In der Küche ist diese Frucht ein Naturtalent: Sie ist vollkommen, so wie sie ist. Ein paar gute Begleiter gibt es aber doch. Alles Cremige unterstreicht ihren Wohlgeschmack, Ziegenkäse steht im würzigen Kontrast dazu. Mit Pfirsich (Melba!), Mandel und Rosenwasser verträgt sie sich schwesterlich. Immerhin stammen sie alle aus der Großfamilie der Rosengewächse. Haselnüsse stehen ihr – traditionell in Linzertorte – ebenfalls gut. Auch dunkle Schokolade, Minze und – ja – Zucker, etwa in Marmelade, kann sie aushalten. Die Kerne mögen stören, sorgen aber auch für feine Holznoten. Nicht zuletzt harmoniert das berauschende Aroma reifer Himbeeren ausgezeichnet mit Alkohol, in Sekt etwa oder köstlichem Himbeergeist.

Es gibt auch schwarze, weiße, rosa und gelbe Sorten. Sobald Himbeeren zu sehr glänzen, ist aber Vorsicht geboten. Etwa in Hollywood. Seit 1981 verleihen Cineasten am Vorabend der Oscars den Antipreis „Goldene Himbeere“. Der Name der Plastiktrophäe spielt auf die Redewendung to blow a raspberry an: laut losprusten. Die so geehrten Schauspieler erscheinen selten persönlich. Im Jahr 2005 stellte sich Halle Berry aka Catwoman der Schmach und sprach die wahren Worte: „Wer kein guter Verlierer ist, kann kein guter Gewinner sein.“ So golden munden Niederlagen nur mit Himbeere. Liebe Banker, es ist nie zu spät, die eigene Leistung infrage zu stellen. Möge der Sommer himbeerreich sein.

Frisch vom Feld gibt's Himbeeren ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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Sagenhafter Spinat

„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Sa, 2016-08-27 16:32
Berlin (dpa) 

Göring-Eckardt: Keine Weichenstellung für Schwarz-Grün

Berlin (dpa) - Die Grünen-Fraktionsspitze leitet aus einem Treffen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Weichenstellung für eine künftige schwarz-grüne Koalition ab. Bundestags-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte am Samstag beim «Tag der offenen Tür» der Bundespressekonferenz zu einem entsprechenden «Spiegel»-Bericht: «Man kann daraus sehr viele Schlüsse ziehen über große Strategien und große Pläne.» Göring-Eckardt machte deutlich: «Das ist ganz normal, und das ist auch gut so» - dass nämlich die Kanzlerin in schwieriger Zeit mit Vertretern der Bundesländer rede.

Das Magazin hatte von einem vertraulichen Abendessen Merkels mit dem baden-württembergischen Regierungschef am vorigen Sonntag in Berlin berichtet. Kretschmann ist klarer Befürworter eines erstmaligen schwarz-grünen Bündnisses nach der Bundestagswahl 2017, auch die CDU-Chefin gilt als aufgeschlossen dafür. Schwarz-Grün sei «kein neues Projekt, aber eine Möglichkeit», sagte Göring-Eckardt. CDU und Grüne müssten künftig jedenfalls besser darauf vorbereitet sein, nach einer Bundestagswahl miteinander zu reden, als noch 2013.

Die Fraktionschefin betonte am Samstag: «Ich halte ein Abendessen, oder was auch immer es war, zwischen der Kanzlerin und dem Ministerpräsidenten eines Landes nicht für ein Geheimtreffen.» Klar sei für die Grünen, dass man sich Optionen offen halten wolle. «Dass wir nicht mehr in Bundestagswahlen gehen nach dem Motto: Wir legen mal vorher eine Koalition fest. Das haben wir ein paarmal versucht, und damit sind wir als Grüne ein paarmal vor die Wand gefahren, und zwar immer vor dieselbe.»

Sa, 2016-08-27 15:11
Berlin (dpa)

Kauder gegen Abzug der deutschen Soldaten aus Incirlik

Das Besuchsverbot für Bundestagsabgeordnete auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik erzürnt das politische Berlin. Soll man die deutschen Soldaten abziehen? Unions-Fraktionschef Kauder lehnt das ab. Und er hat einen Appell an den Koalitionspartner SPD.

Berlin (dpa) - Im Streit um das Besuchsverbot für Abgeordnete des Bundestags auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik hat sich Unionsfraktionschef Volker Kauder gegen einen Abzug der deutschen Soldaten ausgesprochen. «Die Soldaten sind nicht dort, um dem türkischen Präsidenten einen Freundschaftsdienst zu erweisen», sagte der CDU-Politiker dem «Stader Tageblatt» (Samstag). «Wir sind nicht wegen Erdogan dort und sollten deswegen auch nicht wegen Erdogan dort abziehen», ergänzte er mit Blick auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Kauder räumte aber ein, dass das Verhalten der türkischen Regierung, den Abgeordneten den Besuch der Soldaten zu verweigern, eine Belastung für die deutsch-türkischen Beziehungen sei. «Aber deswegen zu sagen, wir steigen aus der Nato-Mission gegen die Bekämpfung des IS auch nur zeitweilig aus, scheint mir derzeit überzogen.»

Der «Bild am Sonntag» sagte Kauder, die SPD sollte diese Debatte beenden. Die Sozialdemokraten hatten der Regierung in Ankara am Freitag eine Frist gesetzt. «Wenn bis Oktober keine deutschen Abgeordneten nach Incirlik fahren können, empfehle ich, das Mandat nicht zu verlängern, sondern auslaufen zu lassen», sagte ihr Fraktionschef Thomas Oppermann den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Deutsche «Tornado»-Aufklärungsjets unterstützen von Incirlik aus die Bombardements gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak. Das Bundestagsmandat dafür läuft Ende des Jahres aus, dann muss neu abgestimmt werden. Ohne die SPD gilt eine Mehrheit für eine Verlängerung als ausgeschlossen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok, sieht Anzeichen dafür, dass die Türkei ihre Position ändern wird. «Die Verhandlungen zwischen Berlin und Ankara sind auf einem erfolgversprechenden Weg», sagte der CDU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Alle Seiten wollen jetzt eine vernünftige Lösung, damit die Kuh vom Eis kommt.»

Sa, 2016-08-27 15:03
Aleppo (dpa)

16 Tote bei Luftangriff mit Fassbomben auf Aleppo in Nordsyrien

Aleppo (dpa) - Bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf die Stadt Aleppo im Norden des Bürgerkriegslandes sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 16 Zivilisten umgekommen. Ein Hubschrauber des Regimes habe eine Trauerfeier in einem Rebellenviertel mit international geächteten Fassbomben beschossen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Die Zahl der Opfer könne noch weiter steigen, da es zahlreiche Schwerverletzte gebe.

Demnach griff der Hubschrauber der Luftwaffe zunächst die Trauerfeier mit einer Fassbombe an. Als die Menschen geflohen seien und erste Rettungsmaßnahmen liefen, habe er eine zweite Fassbombe abgeworfen. Bei Fassbomben handelt es sich um mit Sprengstoff und Metall gefüllte Behälter. Wenn sie explodieren, erzielen sie eine breite Streuung. Das Regime setzt regelmäßig Fassbomben gegen Rebellen-Gebiete ein.

Sa, 2016-08-27 15:38
Berlin (dpa)

Bundesregierung und BND öffnen für Tausende Besucher ihre Türen

Sie lassen sich von der spätsommerlichen Hitze nicht abhalten: Viele Bürger kommen, um mal die Bundesregierung von innen kennenzulernen. Besonders viele Gäste kommen zum Bau in der Willy-Brandt-Straße 1.

Berlin (dpa) - Bei strahlendem Sonnenschein haben Bundesregierung und Bundesnachrichtendienst (BND) in Berlin den Bürgern Einblick in ihre Dienstgebäude gewährt. Zum 18. Tag der offenen Tür kamen zahlreiche Menschen, um Kanzleramt, Bundespresseamt, die Ministerien und den Auslandsgeheimdienst zu besuchen. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das Thema «Migration und Integration». Die Veranstaltungen wurden überschattet von einer Protestaktion einer rechten Gruppierung gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung auf dem Brandenburger Tor.

Beim Tag der offenen Tür gab es zahlreiche Informationsstände und Bühnenprogramme. Außerdem konnten bei simulierten Pressekonferenzen Minister befragt werden. Geöffnet war auch das Haus der Bundespressekonferenz mit zahlreichen Medien. Wegen der großen Sommerhitze warb zum Beispiel das Auswärtige Amt auf Twitter damit, dass es bei ihnen auch Liegestühle, DJs und Eis gebe.

Traditionell ziehen besonders das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt viele Interessierte an. Aber auch beim BND, der dieses Jahr mit seinem Neubau dabei ist, bildete sich gleich zu Beginn eine lange Schlange. Wegen der gründlichen Sicherheitskontrollen mussten Besucher sich auf Wartezeiten einrichten.

Insgesamt werden am Wochenende deutlich mehr als 100 000 Besucher erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt am Sonntagnachmittag persönlich die Gäste im Kanzleramt und im dahinter gelegenen Park. Am Samstag konnten bereits der Regierungshubschrauber und der Dienstwagen der Kanzlerin besichtigt werden. An beiden Tagen locken zusammen knapp 800 Programmpunkte.

Aktivisten der rechten «Identitären Bewegung» besetzten am Samstag kurzzeitig das Brandenburger Tor. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung teilte auf Facebook mit, sie habe den Tag der offenen Tür der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt «Migration und Integration» zum Anlass genommen. Die rechte Gruppierung warf der Regierung einen angeblichen Rechtsbruch in der Flüchtlingspolitik vor. Nach etwa einer Stunde kamen die Besetzer nach Aufforderung der Polizei herunter. Vor dem Brandenburger Tor wurden spontan Sprechchöre wie «Nazis raus» gegen das Auftreten der «Identitären» skandiert.

Sa, 2016-08-27 15:30
Istanbul (dpa)

Kämpfe zwischen Rebellen und von Kurden geführter Allianz in Syrien

Istanbul (dpa) - Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen sind im Norden Syriens mit Kämpfern eines von Kurden angeführten Militärbündnisses zusammengestoßen. Ein Kurdensprecher erklärte am Samstag, es gebe heftige Gefechte der Rebellen mit den Demokratischen Kräften Syriens (SDF). Auch mehrere Rebellengruppen berichteten über die Zusammenstöße in der Nähe des Ortes Tel al-Amarna.

Dieser war zuvor von Jets und Artillerie der türkischen Armee angegriffen worden. Der Ort liegt südlich der Grenzstadt Dscharablus, den die türkische Armee und syrische Rebellen in dieser Woche von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingenommen hatten. Die türkische Regierung will, dass sich die Kurden aus dieser Region zurückziehen.

Sa, 2016-08-27 14:23
Istanbul (dpa)

Türkei greift in Nordsyrien Ort unter kurdischer Kontrolle an

Die türkische Armee setzt ihren Einsatz in Syrien fort. Sie will, dass sich die syrischen Kurden auf ein Gebiet östlich des Euphrats zurückziehen. Kommt es zu Gefechten zwischen beiden Seiten?

Istanbul (dpa) - Türkische Jets und Artillerie haben in Nordsyrien nach Angaben von Aktivisten erneut von Kurden angeführte Milizen angegriffen. Die Armee habe auf einen Ort unter der Kontrolle der Demokratischen Kräfte Syriens südlich der Grenzstadt Dscharablus gefeuert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Ein Sprecher der syrischen Kurdenpartei PYD bestätigte den Angriff auf Tel al-Amarna südlich der Grenzstadt Dscharablus.

Bei den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Unterstützt wird es dabei von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition.

Die Türkei fordert, dass sich die Kurden aus der Region um Dscharablus auf ein Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten den Grenzort in dieser Woche bei einer Bodenoffensive vom IS eingenommen. Die türkische Armee beschoss danach bereits am Donnerstagabend Stellungen der Kurden in Nordsyrien mit Artilleriegranaten.

Die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren richtet sich gegen den IS und die YPG. Die Kurden kontrollieren in Nordsyrien bereits große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbtverwaltung errichtet.

Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die kurdische Autonomiebestrebungen im eigenen Land. Die Kurdenpartei PYD und die Miliz YPG sind eng mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden, die von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird.

Syrische Rebellen erklärten, sie hätten am Samstag südlich von Dscharablus mehrere Dörfer vom IS eingenommen. Sie rückten damit weiter auf Gebiet zu, das von Einheiten der SDF kontrolliert wird.

Weiter östlich überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze. Sie begleiteten Baumaschinen, die auf syrischem Boden begannen, einen Graben auszuheben, wie ein Kurdensprecher berichtete. Die Türkei wolle eine Bockade über die Region verhängen.

Die USA und Russland verständigten sich unterdessen grundsätzlich über Schritte zu einer Waffenruhe zwischen Anhängern des Regimes und Rebellen, die sich in anderen Regionen Syriens gegenüberstehen. Besonders umkämpft ist dabei die nordsyrische Stadt Aleppo.

Allerdings müssten bis zu einer Waffenruhe noch eine Reihe von Einzelheiten geklärt werden, sagten die Außenminister beider Länder am späten Freitagabend nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen in Genf. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei «lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden». Experten beider Länder sollten jetzt offene Fragen klären.

«Wir wollen keine Vereinbarung, die nicht durchsetzbar wäre», sagte US-Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow. Zu den offenen Fragen gehört nach Angaben beider Politiker das Vorgehen gegen terroristische Gruppierungen wie die Miliz Dschabhat Fatah al-Scham, die bis vor Kurzem unter dem Namen Al-Nusra-Front Teil des Terrornetzwerks Al-Kaida war.

Lawrow ergänzte, Russland habe erstmals von den USA eine Liste derjenigen syrischen Gruppen erhalten, die sich über die internationale Koalition einer Waffenruhe anschließen wollten. «Ohne eine Abgrenzung zwischen normalen, gesunden Oppositionskräften und Terroristen sehe ich keine Möglichkeit, eine wirklich dauerhafte und vollgültige Einstellung der Kampfhandlungen zu erreichen», sagte er.

In Syrien tobt seit 2011 ein blutiger Bürgerkrieg, in den das Regime von Präsident Baschar al-Assad, etliche Rebellengruppen, die Kurden und der IS involviert sind. Der Konflikt hat nach UN-Angaben rund 400 000 Menschen das Leben gekostet und Millionen in die Flucht getrieben. Zudem leben noch etwa 600 000 Menschen unter Belagerung.

Sa, 2016-08-27 14:37
Berlin (dpa)

Geheimdienst soll Bundeswehr-Bewerber ab Juli 2017 durchleuchten

Berlin (dpa) - Die Bundeswehr will ab Juli 2017 ihre Bewerber einer Sicherheitsüberprüfung durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) unterziehen. Extremisten, Terroristen und auch Kriminelle sollen so frühzeitig erkannt und aussortiert werden. Ein entsprechender Entwurf für die Änderung des Soldatengesetzes soll in der kommenden Woche im Bundeskabinett verabschiedet werden, wie die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet. Bislang durften nur bereits eingestellte Soldaten überprüft werden.

Das Verteidigungsministerium hatte die Initiative bereits angekündigt. Die Bundeswehr will sich so gegen Dschihadisten und andere Extremisten in den eigenen Reihen wappnen. Aktuell bearbeitet der Militärgeheimdienst MAD nach Informationen der «Welt am Sonntag» eine dreistellige Zahl von extremistischen Verdachtsfällen in der Bundeswehr: 268 Rechtsextremisten, 64 Islamisten und 6 Linksextremisten.

Durch die Gesetzesänderung sollen rund 20 000 neue Sicherheitsüberprüfungen pro Jahr notwendig werden. Der MAD benötige daher weitere 90 Planstellen, hieß es in dem Bericht. Für die Bundesverwaltung sollen rund 8,2 Millionen Euro Mehraufwand entstehen.

Sa, 2016-08-27 14:30
Berlin (dpa)

«Spiegel»: Merkel will Kanzlerkandidatur wohl erst 2017 bekanntgeben

Ist der Streit mit Seehofer Schuld, dass die Kanzlerin sich noch nicht zu ihrer politischen Zukunft geäußert hat? In Unionskreisen heißt es, dieser Zusammenhang sei frei erfundene Spekulation.

Berlin (dpa) - CDU-Chefin Angela Merkel will ihre Entscheidung, bei der Bundestagswahl erneut als Kanzlerkandidatin anzutreten, nach «Spiegel»-Informationen wohl erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Grund dafür sei, dass CSU-Chef Horst Seehofer erst dann entscheiden wolle, ob seine Partei Merkel wieder unterstütze, berichtete das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf CDU-Kreise. Die CDU-Spitze reagierte gelassen auf den Bericht. Aus der SPD gab es spöttische Reaktionen über eine angebliche Abhängigkeit Merkels von Seehofer.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Die Menschen erwarten, dass wir uns um die Probleme kümmern. Das tun wir. Das Sommerloch ist doch vorbei.»

«Der Spiegel» schrieb, für Merkel sei eine Entscheidung Seehofers über eine Unterstützung erst im Frühjahr problematisch, weil sie sich auf dem Essener CDU-Parteitag im Dezember für weitere zwei Jahre zur Vorsitzenden wählen lassen wolle. Dies könne sie gegenüber ihrer Partei aber nur bei einer erneuten Kanzlerkandidatur vertreten.

Laut «Spiegel» wird in Merkels Umfeld befürchtet, dass sie bei einer Ankündigung der Kanzlerkandidatur ohne Unterstützung Seehofers politisch Schaden nehmen könnte. Merkel habe bereits in diesem Frühjahr erklären wollen, ob sie noch einmal Kanzlerin werden möchte. Wegen der Flüchtlingskrise und des Streits mit der CSU habe sie dieses Vorhaben zunächst auf den Herbst verschoben. Doch auch dieser anvisierte Termin sei inzwischen überholt.

In Unionskreisen hieß es dazu am Samstag, bei der Darstellung der Hintergründe handele es sich um frei erfundene Spekulationen. Bei ihrer Sommerpressekonferenz Ende Juli hatte Merkel gesagt, sie werde sich «zum geeigneten Zeitpunkt» dazu äußern, ob sie erneut antrete. «Heute ist dieser Zeitpunkt nicht.» Mit Spannung wird erwartet, was sie an diesem Sonntagabend im ARD-Sommerinterview zu dem Thema sagt.

SPD-Vize Ralf Stegner sagte der dpa am Samstag: «Die Kandidatur von Angela Merkel hängt offenbar am seidenen Faden der Gnade von Horst Seehofer.» Um den Stolz der CDU «ist es längst geschehen, wenn über die Spitzenkandidatur der Union in München entschieden wird und ein Wahlkampf mit gemeinsamen Inhalten schwer vorstellbar ist». CDU und CSU seien tiefgreifend zerstritten. «Es gibt in der Union keine gemeinsame Linie, keine verlässlichen Absprachen, kein belastbares Vertrauen», sagte Stegner. «Das zeigt auch, dass der Ausgang der Bundestagswahl offener ist denn je.»

Die SPD hat auch noch nicht entschieden, wen sie 2017 als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken will. Geplant ist, Anfang 2017 den Namen des Kandidaten zu nennen und auf einem Parteitag Ende Mai über die Personalie zu entscheiden.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der dpa in Berlin: «Ich hoffe sehr, dass Frau Merkel ihre Entscheidung nicht von Herrn Seehofer abhängig macht. Und ich hoffe sehr, dass sie frei genug ist, zu entscheiden: will ich das, oder will ich das nicht.»

Merkel ist seit 2005 im Amt und damit Europas dienstälteste Regierungschefin. Die 62-Jährige regiert derzeit zum zweiten Mal in einer großen Koalition mit der SPD. Sollte sie erneut antreten, könnte sie Helmut Kohls Rekord-Kanzlerschaft von 16 Jahren einholen.

Sa, 2016-08-27 14:55
Stuttgart (dpa)

Ein heißer Sommer für Kretschmann Von Bettina Grachtrup, dpa

Geheime Nebenabsprachen zum Koalitionsvertrag, Spekulationen um Kretschmanns Zukunft und eine Debatte über Schwarz-Grün im Bund: Für den Regierungschef von den Grünen gibt es in diesem Sommer kaum Ruhe.

Stuttgart (dpa) - Das hat sich Winfried Kretschmann nach kräftezehrendem Landtagswahlkampf, einer schwierigen Regierungsbildung und holprigem Start der grün-schwarzen Regierung gewiss anders gewünscht. Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident verabschiedete sich eigentlich in einen mehrwöchigen Urlaub, doch mit Ruhe ist in diesem Sommer nicht weit her. Erst sorgen die umstrittenen Nebenabreden zum grün-schwarzen Koalitionsvertrag für Wirbel. Und nun schießen Spekulationen ins Kraut, Kretschmann könnte Bundespräsident Joachim Gauck beerben oder nach der Bundestagswahl 2017 Schwarz-Grün im Bund mit einfädeln.

Der «Spiegel» berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von einem Geheimtreffen zwischen Kretschmann und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 21. August. Nun ist bekannt, dass die beiden häufiger miteinander reden und ein recht gutes Verhältnis zueinander haben. Kretschmann stellte sich in der Flüchtlingskrise an Merkels Seite und ließ wissen, dass er jeden Tag für die Gesundheit der Kanzlerin bete. Doch so ein Treffen, im politischen Sommerloch und rund ein Jahr vor der Bundestagswahl, bietet viel Nahrung für Spekulationen.

Kretschmann, einer der bekanntesten und beliebtesten Politiker Deutschlands, wird als möglicher Kompromisskandidat für das Bundespräsidentenamt gehandelt - für den Fall, dass sich Union und SPD nicht einig werden. Der 68-Jährige dürfte sich geschmeichelt fühlen, dass ihm das Amt offenkundig zugetraut wird. Bislang äußerte er sich nicht konkret dazu. Doch eigentlich zeigte Kretschmann nie Ambitionen, aus Baden-Württemberg in die Hauptstadt zu gehen. Und für seine noch junge grün-schwarze Koalition in Stuttgart wäre sein Weggang ein dramatischer, wenn nicht existenzbedrohender Einschnitt.

Dass Kretschmann ein Anhänger von Schwarz-Grün im Bund ist, ist seit langem bekannt. 2013 gehörte er der Verhandlungsdelegation der Grünen an, die so ein Bündnis mit der Union auslotete. Doch letztlich trauten sich die Grünen nicht zu springen - zumal so ein Bündnis im eigenen linken Lager keine Freunde hat. Die moderne CDU-Politikerin Merkel und der bürgerliche Grünen-Politiker Kretschmann mögen gut miteinander auskommen. Aber Kretschmann ist nicht repräsentativ für die Grünen. Und die Partei im Südwesten tickt anders als im Bund.

In Baden-Württemberg hätte die Regierungszentrale den markanten Stichtag, an dem die neue grün-schwarze Landesregierung hundert Tage im Amt ist, am liebsten ganz ignoriert. Denn anders als zu Beginn der grün-roten Vorgängerregierung 2011 hat das Bündnis noch nicht viel vorzuweisen. Kretschmann erklärt dann gerne, dass sich Grüne und CDU, die die Koalition nicht anstrebten, erst einmal kennenlernen müssten. Und weil man sich eben nicht so richtig traute, vereinbarten die Grünen mit der CDU Nebenabreden zum Koalitionsvertrag, die erst geheim waren, dann aber über die «Südwest Presse» öffentlich wurden.

Seitdem ist das Image des ehrlichen, auf Offenheit und Transparenz setzenden grünen Regierungschefs arg ramponiert. Und die grün-schwarze Regierung, die nach den Worten ihrer Protagonisten mittlerweile «vertrauensvoll» zusammenarbeitet, muss damit zurechtkommen, dass sie wohl einen Verräter in den eigenen Reihen hat, der die Papiere an die Zeitung gab - wohlwissentlich, dass er damit nicht nur Kretschmann, sondern auch CDU-Regierungsvize Thomas Strobl schadet, der die Absprachen mit aushandelte.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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