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Do, 2016-05-26 16:53
Erfurt (dpa)

Nach Hass-Video gegen Moschee-Bau in Erfurt: 15-Jähriger stellt sich

Erfurt (dpa) - Ein 15-Jähriger hat sich als Produzent eines Hass-Videos gegen den in Erfurt geplanten Moschee-Bau zu erkennen gegeben. Die Polizei in der thüringischen Landeshauptstadt teilte am Donnerstag mit, der Jugendliche sei bei ihr mit einem Anwalt und zwei Angehörigen vorstellig geworden. In der Videosequenz hatte der Teenager den Hitlergruß gezeigt und dazu aufgerufen, die Moschee niederzubrennen. Die Polizei gab danach eine öffentliche Fahndung heraus.

Die Ermittlungen gegen den Jugendlichen wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und Volksverhetzung sind nach Polizeiangaben noch nicht abgeschlossen. Zu seinen Motiven habe der 15-Jährige keine Angaben gemacht, hieß es.

Die Ahmadiyya-Gemeinde will am Stadtrand von Erfurt eine Moschee mit Kuppel und einem elf Meter hohen Minarett bauen. Dagegen hatte es in der Bevölkerung heftige Proteste gegeben, an deren Spitze sich die AfD setzte.

Do, 2016-05-26 16:12
Kiew/Moskau (dpa)

Moskau begnadigt ukrainische Pilotin Sawtschenko: Chance auf Frieden?

Nach fast zwei Jahren in russischer Haft ist die ukrainische Pilotin Sawtschenko wieder in der Heimat - begnadigt von Kremlchef Putin. Aber der Ton zwischen Kiew und Moskau bleibt scharf.

Kiew/Moskau (dpa) - Die Begnadigung der ukrainischen Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko durch Russland hat Hoffnungen auf eine Entspannung im Kriegsgebiet Ostukraine ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßten die Heimkehr der 35-Jährigen nach Kiew nach zweijähriger Haft. In einem spektakulären Gefangenenaustausch ließ die Ukraine ihrerseits zwei russische mutmaßliche Soldaten frei.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, Russland hoffe auf verbesserte Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. «Eine Normalisierung muss früher oder später kommen, denn sie entspricht den gemeinsamen Interessen», betonte er am Donnerstag in Moskau. Allerdings wurde auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) im japanischen Ise-Shima deutlich, dass Russland nicht mit dem baldigen Aufheben der westlichen Sanktionen gegen Moskau rechnen kann.

Russland hatte die in einem umstrittenen Prozess wegen Mordes zu 22 Jahren Haft verurteilte Sawtschenko begnadigt und am Mittwoch an ihr Heimatland überstellt. Die Soldatin, die als Symbol für den Widerstand gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine gilt, wurde am Flughafen Borispol bei Kiew von Angehörigen und Parlamentariern begeistert empfangen.

Präsident Petro Poroschenko zeichnete Sawtschenko bei einem Treffen demonstrativ mit einem hohen Orden aus. «So wie wir Nadeschda zurückgeholt haben, werden wir auch den Donbass und die Krim zurückholen», sagte der prowestliche Staatschef kämpferisch. Kremlsprecher Peskow wies dies zurück. Die Krim sei eine russische Region, sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin in Moskau.

Im Gegenzug für die Soldatin entließ Kiew zwei mutmaßliche russische Soldaten, die wegen Teilnahme an Kämpfen im Kriegsgebiet Donbass zu je 14 Jahren Haft verurteilt worden waren. Russland bestreitet Vorwürfe, dass reguläre russische Truppen in der Ostukraine kämpfen.

Die EU-Außenbeauftragte Fedrica Mogherini rief die Konfliktparteien auf, den Gefangenenaustausch als Ansporn für weitere Schritte zur Entspannung zu nehmen. US-Außenminister John Kerry betonte, mit der Freilassung Sawtschenkos erfülle Russland «einen wichtigen Teil» seiner Verpflichtungen. Noch immer sitzen in der Ostukraine auf beiden Seiten zahlreiche Menschen in Haft, darunter auch Zivilisten. Zudem hat Russland Ukrainer wie den Regisseur Oleg Senzow inhaftiert.

Bundesaußenminister Steinmeier sagte, Sawtschenkos Freilassung könnte ein Signal für eine Annäherung beider Länder sein. Er hoffe auf «einen Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen der Ukraine und Russland». Auch Putin sprach bei einem Treffen mit Hinterbliebenen von Reportern, für deren Tod die russische Justiz Sawtschenko verantwortlich macht, von möglichen positiven Auswirkungen.

Sawtschenko schlug jedoch scharfe Töne an. «Ich bringe nicht die Toten zurück, aber ich bin weiter dazu bereit, der Ukraine mein Leben auf dem Schlachtfeld zu opfern», sagte die Kampfpilotin nach ihrer Heimkehr. Sie war in Abwesenheit 2014 ins ukrainische Parlament gewählt worden und sitzt künftig im Sicherheitsausschuss. Sawtschenko kündigte für diesen Freitag eine Pressekonferenz an.

Der Gefangenenaustausch sei ein positives Zeichen von Russland, sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrej Melnyk, dem Deutschlandfunk. Die Ukraine hoffe, dass diese Dynamik andauere.

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten Putin und Poroschenko unter Vermittlung Merkels und des französischen Präsidenten François Hollande im Februar 2015 Vereinbarungen für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts getroffen. Dabei geht es unter anderem um Wahlen im Kriegsgebiet. Der ukrainische Politologe Viktor Neboschenko sagte, Sawtschenkos Freilassung sei «kein Geschenk Putins an Poroschenko» gewesen. «Vielmehr setzt der Kreml damit Kiew noch mehr unter Druck, Wahlen im Donbass zu erlauben», meinte er in Kiew.

Do, 2016-05-26 16:36
Washington (dpa)

AP-Bericht: Trump hat die nötige Zahl der Delegierten erreicht

Washington (dpa) - Donald Trump hat nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP die für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner nötige Zahl der Delegierten erreicht. Der New Yorker Unternehmer komme nun auf 1238 Delegierte, berichtet die AP am Donnerstag. Die Agentur hat mehrere ungebundene Delegierte selbst befragt. Offizielle Angaben dazu gibt es nicht. Der Präsidentschaftskandidat wird auf einem Parteitag im Juli offiziell gekürt. Bei den noch ausstehenden Wahlen am 7. Juni wird Trump auf jeden Fall über die nötige Grenze von 1237 kommen.

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Do, 2016-05-26 16:50
Beni (dpa)

Polizei geht im Kongo mit Gewalt gegen Demonstranten vor

Beni (dpa) - Bei landesweiten Protesten im Kongo ist es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Mit Tränengas und Warnschüssen ging die Polizei am Donnerstag gegen Tausende Oppositionelle vor. Nach Augenzeugenberichten sollen mindestens zwei Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen sein. In der Hauptstadt Kinshasa und anderen Städten gingen die Menschen für eine planmäßige Abhaltung der Wahl auf die Straße. Diese ist für November vorgesehen, doch die Regierung will die Abstimmung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Demonstranten berichteten außerdem von mehreren Festnahmen. Zwar war die Demonstration in Kinshasa angekündigt und genehmigt worden. Sicherheitskräfte gingen dennoch gegen die Demonstranten vor, weil diese angeblich von der erlaubten Route abgewichen seien. In der Stadt Goma im Osten des Landes gab es Straßenblockaden.

Der bei einem früheren Protest verletzte oppositionelle Präsidentschaftskandidat Moïse Katumbi ist in der vergangenen Woche nach Südafrika gebracht worden, wie einer seiner Berater mitteilte. Mitglieder der Opposition befürchten, dass die Regierung von Präsident Joseph Kabila seine Rückkehr in den Kongo unterbinden könnte.

Do, 2016-05-26 16:46
Dresden (dpa)

Hugo II gewinnt Wettlauf der Riesenschildkröten

Dresden (dpa) - Hugo II ist der Schnellste! Zumindest im Frühjahrswettlauf der Seychellen-Riesenschildkröten im Dresdner Zoo hatte der 121,4 Kilogramm schwere Schildkrötenmann die Nase vorn. Für den etwa 150 Meter langen Marsch, den die Tiere jedes Jahr von ihrem Winterquartier in die Außenanlage zurücklegen müssen, brauchte Hugo II knapp 20 Minuten, teilte der Zoo am Donnerstag mit. Damit lag er um Panzerlängen vor seinen Artgenossen, denn erst etwa eine Viertelstunde später traf Hugo III ein. Danach folgte Hugo I vor dem weit abgeschlagenen Hugo IV, der fast eine Stunde benötigte. Allerdings hat er mit 212,6 Kilo Körpergewicht auch die größte Last zu tragen und ist mit dem Geburtsjahr 1949 zudem der Oldie im Hugo-Quartett.

Die Seychellen-Riesenschildkröten lebten schon zu Zeiten der Dinosaurier vor 150 Millionen Jahren. Heute findet man sie auf einigen Seychelleninseln und dem Aldabra-Atoll. Die Reptilien fressen Gras, Kräuter, Blüten, Früchte, manchmal auch Aas. Sie können 250 Kilogramm schwer und 200 Jahre alt werden.

Do, 2016-05-26 16:02
Paris (dpa)

Angst vor dem Stillstand - Frankreichs Reformstreit spitzt sich zu Von Sebastian Kunigkeit, dpa

Mit einer Radikalisierung ihrer Proteste zwingt die Gewerkschaft CGT der Pariser Regierung eine Kraftprobe auf. Der Konflikt wirft auch einen Schatten auf die Vorbereitungen der Fußball-EM.

Paris (dpa) - Barrikaden vor Treibstoffdepots, Streiks in Raffinerien und Atomkraftwerken - die französische Gewerkschaft CGT schlägt mit der Faust auf den Tisch. Der schnauzbärtige Arbeiterführer Philippe Martinez hat dem Land eine Kraftprobe um die umstrittene Arbeitsmarktreform aufgezwungen und droht mit einer «Generalisierung der Streiks». In einem ohnehin angespannten Klima schürt die Zuspitzung zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft Sorgen vor einer Lähmung des Landes.

So musste Innenminister Bernard Cazeneuve sich bei der Vorstellung seines Sicherheitskonzeptes für die EM schon fragen lassen, ob neben Hooligans und Terrorismus nicht auch die soziale Lage im Land eine Bedrohung für das Sportfest sei. Der Politiker wies das entschieden zurück. In einer Hinsicht hat Martinez jedenfalls bereits Erfolg gehabt: Die zwischenzeitlich etwas verloren wirkenden Proteste gegen die Neufassung des Arbeitsrechts sind wieder in aller Munde.

Seit Tagen bestimmen Warteschlangen vor Zapfsäulen die Fernsehnachrichten, bis zu ein Drittel aller Tankstellen kam zeitweise wegen Versorgungsengpässen in Schwierigkeiten oder saß auf dem Trockenen. Tipps für spritsparendes Fahren und Karten der betroffenen Regionen machen die Runde. Wirtschaftsvertreter fürchten bereits um den fragilen Aufschwung. «Das sind unverantwortliche Methoden, die auf eine Schwächung des Landes und letztlich auf Arbeitslosigkeit hinauslaufen», wettert der Chef des Unternehmerverbands Medef, Pierre Gattaz.

«Wir schädigen die Wirtschaft schwer», sagt die CGT-Verantwortliche für die Energiebranche ganz offen mit Blick auf die durch Streiks gedrosselte Stromproduktion in den Atomkraftwerken, die mehr Importe nötig macht. Das Argument der Gewerkschaften: Nur so könnten sie sich Gehör verschaffen - denn die Regierung habe auf stur geschaltet.

«Man kann nicht ein Land blockieren», hält Premierminister Manuel Valls dagegen - und verweist darauf, dass die Regierung ihre Vorschläge nach Protest ja bereits deutlich zurückgeschraubt hatte. Er deutet allerdings auch an, dass «Verbesserungen» möglich seien - an der «Philosophie des Textes» will er aber festhalten.

Die Reform der Regierung soll das starre und komplexe Arbeitsrecht aufweichen. Ein zentraler Punkt: Mehr Regelungen, vor allem im Hinblick auf die Ausgestaltung der Arbeitszeit, sollen direkt auf Unternehmensebene ausgehandelt werden können. Die Regierung spricht von einer Stärkung des sozialen Dialogs - der allerdings in Frankreich keine echte Tradition hat, wo zwischen Gewerkschaftern und Managern oft Misstrauen herrscht.

Letztlich stehen sich zwei kaum vereinbare Positionen gegenüber: Die Regierung will die Regeln ein stückweit lockern und Unternehmen mehr Flexibilität geben. Sie hofft, dass diese dann eher bereit sind, neue Mitarbeiter einzustellen und diesen unbefristete Verträge zu geben - vor allem junge Leute müssen sich oft von einer Befristung zur nächsten hangeln. Die stramm linke CGT und ihre Mitstreiter will dagegen bestehende Regeln bewahren und fürchtet, dass weichere Vorschriften genutzt werden, um das Sozialniveau zu drücken.

Nun gehören gewisse revolutionäre Rituale in Frankreich zum politischen Protest wie das Croissant zum Frühstück. Und trotz der Versorgungsengpässe, Ausfällen bei Zügen und Flugverbindungen: Von einem Stillstand oder Generalstreik kann bislang noch nicht die Rede sein. Zumal seit die Regierung einige Blockaden mit Gewalt geräumt hat. «Die Situation hat sich im Westen und im Norden verbessert», versichert Verkehrs-Staatssekretär Alain Vidalies am Donnerstag.

Vor der Eskalation war die Teilnehmerzahl bei den Demos weit von den Millionenprotesten entfernt, die 2006 schwächere Kündigungsschutz-Regeln für Berufseinsteiger zu Fall brachten. Doch die Kritiker setzen nun ganz klar auf eine Strategie, bei der zentrale Wirtschaftsbereiche mit großen Auswirkungen für das Land gestört werden.

Ob die Protestaktionen an den Raffinerien und Treibstoffdepots nach dem nationalen Aktionstag am Donnerstag weitergehen sollten, war noch unklar. Für die kommenden Wochen sind aber bereits weitere Streiks bei Bahn und Fluglotsen angekündigt. Eine Gewerkschaft hat für den 10. Juni zum Streik bei der Pariser Metro aufgerufen - just an diesem Tag will Gastgeber Frankreich die Europameisterschaft im Stade de France eröffnen. Und vier Tage später ist eine Großkundgebung in Paris geplant. Es könnte ein heißer Sommer werden.

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Do, 2016-05-26 15:40
Kiew/Moskau (dpa) 

Ukraine verweigert Gorbatschow Einreise für fünf Jahre

Kiew/Moskau (dpa) - Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow darf wegen seiner Unterstützung der Krim-Annexion durch Russland für fünf Jahre nicht mehr in die Ukraine reisen. Das Verbot verhängte der Nationale Sicherheitsrat in Kiew am Donnerstag. Eine Sprecherin begründete dieses mit der Zustimmung des Ex-Sowjetpräsidenten zur Einverleibung der Halbinsel. Eine Stellungnahme lehnte Gorbatschow ab: «Sie (die Journalisten) sollten das kommentieren», sagte er der Agentur Tass.

Gorbatschow hatte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der «Sunday Times» die Eingliederung der Krim unter der Führung von Russlands Präsident Wladimir Putin gelobt. «Er sagte, er hätte nicht anders gehandelt», zitierte das Londoner Blatt Gorbatschow indirekt. Russland hatte sich die Krim im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum und unter internationalem Protest einverleibt.

Gorbatschow gilt als einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. In der UdSSR hatte er Ende der 1980er Jahre mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) tiefgreifende Reformen eingeleitet. Viele Russen kritisieren den 85-Jährigen als «Totengräber der Sowjetunion».

Do, 2016-05-26 15:48
Bagdad (dpa)

Kampf gegen IS: Im Westirak droht humanitäre Katastrophe

Nicht nur in Syrien brauchen Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe - auch im Irak sind unzählige Zivilisten in großer Not und Gefahr. Im westirakischen Falludscha spitzt sich die Lage jetzt zu.

Bagdad (dpa) - Nach dem Beginn einer irakischen Offensive auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen des Landes warnen Helfer vor einer humanitären Katastrophe. In der vom IS gehaltenen Stadt Falludscha etwa 70 Kilometer westlich von Bagdad seien rund 50 000 Zivilisten eingeschlossen und befänden sich in einer «extremen Notlage», sagte die lokale Sprecherin des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Becky Bakr Abdullah, am Donnerstag.

In der Region gebe es heftige Kämpfe. «Wir sind äußerst besorgt, dass die Menschen unter Feuer geraten könnten», sagte Bakr Abdullah. Sie müssten sich von getrockneten Datteln ernähren und Wasser aus dem Euphrat trinken. Es gebe Berichte über extremen Hunger. Seit September seien keine Hilfstransporte mehr in die Stadt gekommen.

Auch die UN-Nothilfekoordinatorin im Irak, Lise Grande, warnte, die Menschen in Falludscha seien in «extremer Gefahr». Nahrungsvorräte in der Stadt seien begrenzt und unter strenger Kontrolle. «Die Medikamente sind verbraucht, und viele Familien haben keine andere Wahl, als schmutziges Wasser zu trinken», erklärte Grande.

Dem NRC zufolge sind in den vergangenen Tagen rund 550 Menschen aus Falludscha geflohen. Sie ständen unter Schock. Eine Flucht sei nur unter großer Gefahr und ausschließlich nachts möglich. Es gebe Berichte, dass IS-Kämpfer Flüchtlinge attackierten, damit sie die Stadt nicht verließen, sagte Bakr Abdullah.

Falludscha ist nach der nordirakischen Stadt Mossul die wichtigste Hochburg des IS im Irak. Die Armee und Milizen hatten Anfang der Woche unterstützt von US-Luftangriffen eine Offensive begonnen, um die sunnitischen Extremisten aus der Stadt zu vertreiben.

Regierungstreue Kräfte stießen nach Angaben von Ministerpräsident Haidar al-Abadi weiter auf Falludscha vor. Die Region um den Ort Al-Karma nördlich der Stadt sei befreit worden, teilte Al-Abadi mit.

Die Militärkampagne ist umstritten, weil an der Offensive auch schiitische Milizen beteiligt sind - Falludscha und die dazugehörige Provinz Al-Anbar sind jedoch eine sunnitische Hochburg. Die Spannungen zwischen den beiden großen muslimischen Konfessionen sind im Irak seit langem groß, weil sich die Minderheit der Sunniten von der Mehrheit der Schiiten diskriminiert fühlt. Davon profitiert die sunnitische IS-Terrormiliz, die sich den Unmut zunutze macht.

Do, 2016-05-26 15:10
Nürnberg (dpa)

Zahl der Heimtiere soll stabil bleiben - trotz wachsender Mobilität

Nürnberg (dpa) - Auch in Zeiten von wachsender Mobilität und mehr Ein-Personen-Haushalten dürften in den kommenden Jahren weiter rund 30 Millionen Haustiere in Deutschland leben. Das geht aus einer Prognosestudie hervor, die der Industrieverband Heimtierbedarf und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe am Donnerstag auf der Messe Interzoo in Nürnberg vorgestellt haben. Demnach spielen das Alter, das Einkommen und die Häufigkeit von Reisen keine Rolle bei der Entscheidung, sich ein Haustier anzuschaffen. Vielmehr hänge es vom Familienstand, der Lebensphase und der Wohnsituation ab, ob sich Menschen ein Heimtier hielten.

Der Studie zufolge werden 2025 circa 13 Millionen Katzen und acht Millionen Hunde in Deutschland leben - und damit jeweils zwei Prozent mehr als heute. Das stärkste Minus von sechs Prozent betrifft die Ziervögel, deren Bestand auf unter vier Millionen schrumpfen dürfte. Auffällig ist schon heute die gestiegene Zahl von Singles, die mit Katze, Hund und Co. zusammenwohnen: Machten Alleinlebende 1999 gerade mal 16 Prozent aller Heimtierhalter aus, sind es inzwischen 29 Prozent. Dennoch sind noch immer in mehr als jeder zweiten Familie (58 Prozent) Tiere Zuhause.

Die Heimtierbranche erlöste in Deutschland im vergangenen Jahr 4,6 Milliarden Euro mit Futter und Zubehör. Damit ist die Bundesrepublik nach Großbritannien der wichtigste europäische Markt. Die Interzoo gilt als die weltweit größte Fachmesse für Heimtierbedarf.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Do, 2016-05-26 15:32
Berlin (dpa)

Bauernverband verlangt schnelle Krisenhilfen beim «Milchgipfel»

Die Milchpreise sind im Keller - Tausende Landwirte geraten in finanzielle Not, weil die Erlöse seit Monaten abstürzen. Bei einem Krisengipfel will die Bundesregierung Linderung organisieren. Die Landwirte wissen schon, was am dringendsten ist.

Berlin (dpa) - Der Deutsche Bauernverband fordert vom «Milchgipfel» bei Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) schnell spürbare Krisenhilfen. «Wir erwarten konkrete, sofort wirksame Unterstützung für die Betriebe», sagte Vizepräsident Udo Folgart am Donnerstag in Berlin. Dringlich seien Liquiditätshilfen und etwa auch steuerliche Entlastungen. Generell müsse es eine bessere Mengensteuerung geben, die aber nicht staatlich geregelt werden könne, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. Auch der Handel müsse Verantwortung übernehmen. «Wir erwarten Unterstützung für die Milchbauern statt fortgesetzte Preisdrückerei im Einkauf.» Die Preise sind seit Monaten im Keller.

Schmidt stellte mit Blick auf den «Milchgipfel» an diesem Montag (30.5.) in Berlin «schnelle direkte Hilfen» in Aussicht. «Die Risiken des Milchmarktes müssen fairer verteilt werden», sagte er anlässlich eines Treffens mit protestierenden Milchbauern in seinem Wahlkreis. Nötig sei eine ehrliche und konstruktive Diskussion der Lage. «Für bessere Erzeugerpreise brauchen wir vor allem auch die Verbraucher.»

Bei dem Treffen soll mit Vertretern von Bauern, Milchwirtschaft und Handel über Lösungen beraten werden. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von «100 Millionen Euro plus X». Folgart machte deutlich, dass dieses X erheblich sein müsse. Krüsken sagte mit Blick auf die beschlossene milliardenschwere Förderung von E-Autos: «Was für Elektromobilität gut ist, muss für die Landwirtschaft auch recht sein.»

Gründe des Preisverfalls sind die schwache Nachfrage in internationalen Märkten, ein Importstopp Russlands als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und Produktionssteigerungen unter anderem in manchen EU-Ländern. Dadurch gibt es derzeit ein Überangebot.

Krüsken betonte, die Molkereien seien in einer zentralen Rolle, um das Angebot stärker zu steuern. «Nur an dieser Stelle kann auf wechselnde Nachfragesituationen marktgerecht reagiert werden.» Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte den Handel, der die Überschuss-Situation schamlos ausnutze. «Milch darf nicht länger unterhalb der Erzeugerkosten verramscht werden», sagte der Vorsitzende Hubert Weiger. Falsch sei auch, dass die Bundesregierung auf Wachstum und aggressive Exportpolitik setze.

In der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Freitag) brachte der Chef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, eine Sondersteuer ins Spiel. «Wenn der Staat etwas regeln will, dann soll der Staat es regeln. Durch eine Sondersteuer, die alle gleichermaßen trifft, sagte Gehrig. Zur Schwarz-Gruppe gehört unter anderem der Discounter Lidl.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner forderte von der EU eine Milliarde Euro Soforthilfe für in Not geratene Betriebe. Zudem solle es Steuererleichterungen geben, sagte der CSU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). So sollten Landwirte Geld, das sie in guten Jahren verdient haben, steuerfrei zurücklegen dürfen, um sich in schlechteren Zeiten selbst zu helfen.

In Nordrhein-Westfalen schätzt der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV), dass wegen der Milchkrise allein in diesem Jahr bis zu fünf Prozent der Betriebe - vor allem Milchbauernhöfe - in ihrer Existenz bedroht sind. Bei rund 36 000 landwirtschaftlichen Betrieben in dem Land wären das etwa 1800 Höfe.

Do, 2016-05-26 15:09
Berlin/Stuttgart (dpa)

Kanzleramt gibt weitere Dokumente zu Stuttgart 21 heraus

Berlin/Stuttgart (dpa) - Stuttgart-21-Gegner haben sich mit dem Bundeskanzleramt auf die Herausgabe weiterer bislang vertraulicher Informationen zu dem Bahnprojekt geeinigt. Drei für ihn wesentliche Passagen würden nun freigegeben, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Eisenhart von Loeper, der Deutschen Presse-Agentur. Im Gegenzug verzichte man auf die Freigabe einiger anderer Teile.

Damit hat sich das Gerichtsverfahren erledigt. Konkret ging es am Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht Berlin um Protokolle von Sitzungen aus den Jahren 2012 und 2013, die bislang in Teilen nur geschwärzt herausgegeben worden waren. Nach einer Kostensteigerung stand das Milliardenprojekt damals auf der Kippe. Die Kläger wollen belegen, dass das Kanzleramt massiv zum Weiterbau gedrängt hat.

Im März 2013 hatte der Aufsichtsrat der Bahn der Erhöhung des Kostenrahmens von Stuttgart 21 von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro zugestimmt. Damit rutschte das Projekt eigentlich in die Unwirtschaftlichkeit, womit die Förderung mit Steuermitteln nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Bahn rechnete mögliche Ausstiegskosten dagegen, deren Höhe aber von den Projektgegnern bestritten wird.

Die Projektgegner erstritten sich in der Folge die Herausgabe von - zum Teil geschwärzten - Protokollen verschiedener Beratungen.

Do, 2016-05-26 15:29
Ise-Shima (dpa)

G7 wollen Konjunktur ankurbeln - Keine Zusagen in Flüchtlingskrise

Kompromiss in Wirtschaftsfragen, Enttäuschung in der Flüchtlingskrise und Streit mit China. Der erste Tag des G7-Gipfels in Japan brachte gemischte Ergebnisse - und über allem wachte die Sonnengöttin.

Ise-Shima (dpa) - Die sieben großen Industrienationen (G7) haben sich auf gemeinsame Anstrengungen zur Ankurbelung der Weltkonjunktur geeinigt. Ungeachtet der Differenzen über Japans Forderung nach größeren staatlichen Ausgabenprogrammen wollen die Staats- und Regierungschefs zum Ende ihres Gipfels am Freitag im japanischen Ise-Shima eine «ökonomische Initiative» verabschieden. Hoffnungen Deutschlands und der EU-Spitze auf konkrete Finanzzusagen für die Flüchtlingshilfe wurden enttäuscht. Ärger gibt es mit Peking wegen des Streits um Inseln im Süd- und Ostchinesischen Meer.

Auf dem zweitägigen Gipfel in dem japanischen Ferienort berät die G7 auch über die Konflikte in Syrien und der Ukraine, das Atomprogramm Nordkoreas sowie den Kampf gegen den Terrorismus. Zum Auftakt besuchten die Politiker den berühmten Ise-Schrein. In dem wichtigsten Heiligtum der japanischen Ur-Religion Shinto wird die Sonnengöttin Amaterasu verehrt. Zu der G7 gehören Deutschland, die USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und zusätzlich die Europäische Union.

Die G7-Politiker zeigten demonstrativ Einigkeit, alles zur Ankurbelung der Weltwirtschaft tun zu wollen, doch blieben die konkreten Vorhaben ihrer «Initiative von Ise-Shima» unklar. Sie soll Konjunkturmaßnahmen, Strukturreformen, geldpolitische Schritte und anderen Bemühungen zur Belebung der Wirtschaft beinhalten. «Die Welt hat ein gewisses stabiles Wachstum, aber es gibt Schwächen, insbesondere bei den Schwellenländern und es gibt eine ganze Reihe von Risiken», sagte Kanzlerin Angela Merkel.

In den Diskussionen zeigten sich deutliche Gegensätze: Japans Premier Shinzo Abe setzt auf staatliche Ausgabenprogramme, doch will die Kanzlerin sparsam bleiben und lehnt schuldenfinanzierte Stimulusprogramme ab. Merkel betone «immer den Dreiklang aus Strukturreformen, Fiskal- und Geldpolitik mit der Betonung auf Reformen und Innovationsfähigkeit», verlautete aus informierten Kreisen. Jedes Land müsse seine eigenen Lösungen für mehr Wachstum finden, sagte auch US-Präsident Barack Obama.

Trotz des Aufrufs der Europäischen Union zu mehr internationaler Solidarität bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise rechnet die Kanzlerin nicht damit, dass die anderen G7-Länder sich auf weitere Finanzhilfen und die Aufnahme von zusätzlichen Migranten festlegen. «Ich erwarte jetzt nicht ganz konkrete Zahlen.» Sie habe aber den Eindruck, dass international das Ausmaß der Krise mittlerweile besser wahrgenommen werde. «Ich glaube, es ist etwas in Gang gekommen.»

Spannungen gibt es mit China. Ungeachtet von Drohungen aus Peking an die G7, sich aus den Territorialstreitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer herauszuhalten, mischt sich die Gruppe in den Streit ein. «Wir haben eine gemeinsame Haltung, dass wir den Konflikt friedlich lösen wollen», sagte Merkel. Auch sei man sich einig, dass internationale Institutionen «hier auch legitimiert sind», sagte Merkel über das Schiedsgericht in Den Haag, das voraussichtlich im Juni über Chinas Ansprüche entscheiden wird. Peking will das Urteil nicht akzeptieren.

«Die G7 sollte sich mit seinen eigenen Problemen beschäftigen anstatt sich in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen», sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Peking. China erhebt fast auf das gesamte Südchinesische Meer Anspruch und streitet mit den Philippinen, Brunei, Malaysia, Vietnam und Taiwan um die fisch- und rohstoffreichen Gewässer. Peking schüttete unter anderem künstliche Inseln auf und legte Landebahnen sowie Militäranlagen an, um seine Ansprüche zu untermauern.

Als erster amtierender US-Präsident wird Obama am Freitag die japanische Stadt Hiroshima besuchen - den Ort des ersten Abwurfs einer Atombombe durch die USA im August 1945. 70 000 Bewohner starben sofort, rund 70 000 bis 80 000 später. Mit seinem historischen Besuch will Obama die weiter bestehende Gefahr durch Atomwaffen hervorheben. «Ich will einmal mehr die sehr realen Bedrohungen unterstreichen und eine erhöhte Aufmerksamkeit bei uns allen dafür schaffen.»

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Do, 2016-05-26 14:20
Sofia (dpa)

Gaskrisen vermeiden: EU für Gas Hub in Bulgarien

Sofia (dpa) - Brüssel sieht Bulgarien als künftigen Umschlagknoten für Gaslieferungen - auch aus Russland. Die EU-Kommission unterstütze den Bau eines Gasverteilungszentrums in Bulgarien, erklärte EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete am Donnerstag in Sofia nach Gesprächen mit Regierungschef Boiko Borissow.

Der unweit der bulgarischen Schwarzmeerstadt Warna geplante «Gas Hub Balkan» soll neue Lieferquellen und -routen für Gas sichern, einschließlich aus Russland. Das Projekt sei nicht gegen Russland gerichtet, betonte Borissow: «Jeder die die EU-Regeln einhält, ist willkommen.»

Die EU wolle Gas-Krisen wie in den Jahren 2005 und 2009 vermeiden, betonte EU-Energiekommissar Cañete. Bei der angestrebten Sicherung der Gaslieferungen spiele Bulgarien eine Schlüsselrolle.

Um das Projekt für den «Gas Hub Balkan» umzusetzen, werde Bulgarien Verbindungen zu den Gasnetzen der Nachbarstaaten Griechenland, Rumänien und Serbien aufbauen. Auch neun Jahre nach dem EU-Beitritt 2007 hängt der einstige Ostblock-Staat noch immer fast völlig von russischen Gaslieferungen durch die Ukraine ab.

Do, 2016-05-26 14:16
Amsterdam (dpa)

Niederlande dürfen französischen Terror-Verdächtigen ausliefern

Amsterdam (dpa) - Ein in den Niederlanden festgenommener Terror-Verdächtiger darf an Frankreich ausgeliefert werden. Das urteilte ein Gericht in Amsterdam am Donnerstag. Anis B. war im März auf Ersuchen Frankreichs in Rotterdam festgenommen worden. Frankreich verdächtigt ihn, an der Vorbereitung eines Terror-Anschlages beteiligt gewesen zu sein. Er soll nach Angaben der Justiz in den nächsten Tagen den französischen Behörden übergeben werden.

Eine Antiterror-Einheit der niederländischen Polizei hatte Anis B. festgenommen und in seiner Wohnung unter anderem 45 Kilogramm Munition sichergestellt. Der Mann hatte seine Auslieferung angefochten, da ihm in Frankreich nach eigenen Angaben eine lebenslange Haftstrafe und unmenschliche Behandlung im Gefängnis drohe. Das sah das Gericht als nicht erwiesen an.

Do, 2016-05-26 14:16
Berlin (dpa)

Bauernverband verlangt schnelle Krisenhilfen beim «Milchgipfel»

Die Milchpreise sind im Keller - Tausende Landwirte geraten in finanzielle Not, weil die Erlöse seit Monaten abstürzen. Bei einem Krisengipfel will die Bundesregierung Linderung organisieren. Die Landwirte wissen schon, was am dringendsten ist.

Berlin (dpa) - Der Deutsche Bauernverband fordert vom «Milchgipfel» bei Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) schnell spürbare Krisenhilfen. «Wir erwarten konkrete, sofort wirksame Unterstützung für die Betriebe», sagte Vizepräsident Udo Folgart am Donnerstag in Berlin. Dringlich seien Liquiditätshilfen und etwa auch steuerliche Entlastungen. Generell müsse es eine bessere Mengensteuerung geben, die aber nicht staatlich geregelt werden könne, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. Auch der Handel müsse Verantwortung übernehmen. «Wir erwarten Unterstützung für die Milchbauern statt fortgesetzte Preisdrückerei im Einkauf.» Die Preise sind seit Monaten im Keller.

Schmidt stellte mit Blick auf den «Milchgipfel» an diesem Montag (30.5.) in Berlin «schnelle direkte Hilfen» in Aussicht. «Die Risiken des Milchmarktes müssen fairer verteilt werden», sagte er anlässlich eines Treffens mit protestierenden Milchbauern in seinem Wahlkreis. Nötig sei eine ehrliche und konstruktive Diskussion der Lage. «Für bessere Erzeugerpreise brauchen wir vor allem auch die Verbraucher.»

Bei dem Treffen soll mit Vertretern von Bauern, Milchwirtschaft und Handel über Lösungen beraten werden. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von «100 Millionen Euro plus X». Folgart machte deutlich, dass dieses X erheblich sein müsse. Krüsken sagte mit Blick auf die beschlossene milliardenschwere Förderung von E-Autos: «Was für Elektromobilität gut ist, muss für die Landwirtschaft auch recht sein.»

Gründe des Preisverfalls sind die schwache Nachfrage in internationalen Märkten, ein Importstopp Russlands als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und Produktionssteigerungen unter anderem in manchen EU-Ländern. Dadurch gibt es derzeit ein Überangebot.

Krüsken betonte, die Molkereien seien in einer zentralen Rolle, um das Angebot stärker zu steuern. «Nur an dieser Stelle kann auf wechselnde Nachfragesituationen marktgerecht reagiert werden.» Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte den Handel, der die Überschuss-Situation schamlos ausnutze. «Milch darf nicht länger unterhalb der Erzeugerkosten verramscht werden», sagte der Vorsitzende Hubert Weiger. Falsch sei auch, dass die Bundesregierung auf Wachstum und aggressive Exportpolitik setze.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner forderte von der EU eine Milliarde Euro Soforthilfe für in Not geratene Betriebe. Zudem solle es Steuererleichterungen geben, sagte der CSU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). So sollten Landwirte Geld, das sie in guten Jahren verdient haben, steuerfrei zurücklegen dürfen, um sich in schlechteren Zeiten selbst zu helfen.

In Nordrhein-Westfalen schätzt der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV), dass wegen der Milchkrise allein in diesem Jahr bis zu fünf Prozent der Betriebe - vor allem Milchbauernhöfe - in ihrer Existenz bedroht sind. Bei rund 36 000 landwirtschaftlichen Betrieben in dem Land wären das rund 1800 Höfe.

Do, 2016-05-26 14:07
Madrid (dpa)

74 Stoßzähne von Elefanten in Spanien sichergestellt

Madrid (dpa) - Die Polizei hat in Spanien 74 Stoßzähne von afrikanischen Elefanten sichergestellt. Die Beschlagnahme sei nach mehrwöchigen Ermittlungen bereits im April in einem Haus in Colmenar de Oreja rund 50 Kilometer südöstlich von Madrid erfolgt, teilte die paramilitärische Polizeieinheit Guardia Civil (Zivilgarde) am Donnerstag mit.

Ein Mann, der vorgehabt habe, die 744 Kilogramm Elfenbein für rund 200 000 Euro zu verkaufen, sei festgenommen worden. Er habe den Beamten eine gefälschte Jagderlaubnis des südostafrikanischen Staates Mosambik aus dem Jahr 1970 präsentiert. Man habe bei den Ermittlungen eng mit spanischen Umweltbehörden und der internationalen Tierschutzbehörde Cites zusammengearbeitet, hieß es. 

Der afrikanische Elefant sei vom Aussterben bedroht, der Handel mit den Stoßzähnen der Tiere bis auf wenige Ausnahmen illegal, so die Guardia Civil. Nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation wurden 2015 rund 35 000 Elefanten in Afrika getötet.

Do, 2016-05-26 14:37
Gaza (dpa)

Hamas will fünf verurteilte Mörder vor Reportern hinrichten Von Saud Abu Ramadan, Maher Abukhater und Stefanie Järkel, dpa

Exekutionen durch die Hamas waren in den vergangenen Jahren selten. Nun sollen im Gazastreifen fünf Mörder hingerichtet werden - ohne Zustimmung von Präsident Abbas und vor Medien.

Gaza (dpa) - Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas will in der kommenden Woche fünf verurteilte Mörder hinrichten. Damit solle eine neue Verordnung in dem Palästinensergebiet in Kraft treten, sagte Hamas-Staatsanwalt Ismail Dschaber am Donnerstag. Acht weitere verurteilte Mörder sollen nach dem Fastenmonat Ramadan im Juli exekutiert werden. Die Vereinten Nationen verurteilten die Pläne.

Allerdings korrigierte Dschaber seine eigene Aussage vom Mittwoch, wonach die Hinrichtungen öffentlich stattfinden sollten. Sie könnten zur Abschreckung von potenziellen Mördern allerdings in Anwesenheit von Medienvertretern geschehen, sagte er.

Hamas-Abgeordnete hatten am Mittwoch eine entsprechende Verordnung gebilligt. Sie widerspricht dem Gesetz, nach dem alle Todesurteile von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gebilligt werden müssen. Bisher wurden zudem nur Menschen hingerichtet, die der Kollaboration mit Israel bezichtigt worden waren - zuletzt während des Gaza-Krieges vor knapp zwei Jahren.

Die gemäßigte Palästinenserorganisation PLO verurteilte die geplanten Exekutionen. Die Entscheidung sei «illegal und eine Verletzung des Gesetzes», sagte das führende Mitglied der PLO, Hanan Aschrawi. Sie kritisierte besonders den Plan von öffentlichen Hinrichtungen und forderte eine generelle Abschaffung der Todesstrafe durch Abbas.

Die Vereinten Nationen betonten, dass die Todesstrafe nur in extrem seltenen Fällen vollstreckt werden solle und nach einem fairen Verfahren. «Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Verfahren zu Kapitalverbrechen in Gaza diesen Standards entsprechen», sagte ein Sprecher des Hohen Kommissars für Menschenrechte.

Hinrichtungen im Gazastreifen gab es bisher üblicherweise in geschlossenen Innenhöfen von Polizeistationen. Die Verurteilten wurden dabei von einer Gruppe Polizisten erschossen.

Nach Angaben des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte gab es bereits seit 2007 insgesamt 19 Exekutionen im Gazastreifen ohne Zustimmung von Präsident Abbas. Seit 1994 seien insgesamt 176 Todesurteile von der Palästinensischen Autonomiebehörde verhängt worden, 146 im Gazastreifen und 30 im Westjordanland. 32 Exekutionen seien ausgeführt worden, 30 im Gazastreifen und zwei im Westjordanland.

Nach Aussage von Dschabber sollen die geplanten Hinrichtungen dazu dienen, soziale Gerechtigkeit herzustellen. In den vergangenen zwei Wochen waren Familien der Opfer vor das Parlament der Hamas gezogen und hatten die Hinrichtungen der Täter gefordert. Die Verurteilten sollen Frauen und Kinder getötet haben.

Die Entscheidung der Hamas wird damit nicht als Reaktion auf die Äußerungen von Israels designiertem Verteidigungsminister Avigdor Lieberman gesehen. Der ultra-nationale Politiker setzt sich für die Todesstrafe für Terroristen ein. Diese soll allerdings nur von Militärgerichten verhängt werden, vor denen fast nur Palästinenser angeklagt werden. Bisher gilt in Israel die Todesstrafe nur für NS-Verbrecher, sie wurde bisher ein einziges Mal vollstreckt, gegen Adolf Eichmann.

Do, 2016-05-26 14:53
Kabul (dpa)

Erster Gegner des neuen Talibanchefs verweigert Gefolgschaft

Kabul (dpa) - Nur einen Tag nach der Wahl des neuen Talibanchefs Mullah Haibatullah Achundsada meldet sich ein erster namhafter Gegner. Der Talibankommandeur Mullah Rassul verweigere dem neuen Anführer die Gefolgschaft, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Pajhwok unter Berufung auf eine Erklärung auf der Webseite Rassuls.

Mullah Rassul hatte sich bereits gegen den früheren Anführer der Hauptgruppe der Taliban, den am Samstag durch US-Drohnen getöteten Mullah Mansur, gestellt. In Gefechten zwischen den Lagern sterben immer wieder Dutzende Kämpfer. Es ist nicht klar, wieviele Männer Rassul befehligt. Die Zahlen sollen sich in den Hunderten halten.

In der von Pajhwok zitierten Stellungnahme hieß es, der neue Anführer sei nicht gemäß «afghanischen Traditionen» gewählt worden. Jene, die anwesend gewesen seien, seien «verdächtig».

Das «Wall Street Journal» hatte am Sonntag unter Berufung auf afghanische und US-Quellen berichtet, dass der afghanische Geheimdienst von den USA bereitgestellte Gelder nutzte, um Taliban- Splittergruppen zu unterstützen. Ziel sei, die Zersplitterung der Bewegung voranzutreiben und sie so zu schwächen. Auch Mullah Rassuls Gruppe habe Bargeld, Munition und Waffen erhalten.

Do, 2016-05-26 14:32
Leipzig (dpa)

Die Kirchen und das Kreuz mit der AfD Von Stefan Kruse, dpa

Passen Gott und die AfD zusammen? Die Kirchen tun sich mit den Rechtspopulisten schwer, und das gilt auch umgekehrt. Der Dialog findet über die Medien statt, nun wird der Konflikt schärfer.

Leipzig (dpa) - Die AfD ist beim Katholikentag nicht vertreten - dennoch ist sie beim Christentreffen in Leipzig in aller Munde. Zunächst sorgte für Unruhe, dass die Veranstalter die Rechtspopulisten nicht wie andere Parteien zu den Diskussionsforen eingeladen hatten. Menschenverachtende Positionen hätten auf dem Katholikentag keinen Platz, hieß es zur Begründung. Am Donnerstag platzte nun eine neue AfD-Attacke aus dem fernen München herein: Ihr bayerischer Landesvorsitzender Petr Bystron hielt beiden Kirchen und deren Wohlfahrtsverbänden vor, mit der Flüchtlingshilfe Milliardengeschäfte zu machen und für den Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften «saftige Rechnungen» an den Staat zu schreiben.

Den Bischöfen platzte daraufhin der Kragen. Ihr Sprecher Matthias Kopp wies Bystrons Äußerungen ungewohnt undiplomatisch als durch nichts belegtes «Gequatsche» und «unreflektiertes Gerede» zurück, Berlins Erzbischof Heiner Koch sprach von einer Unverschämtheit. AfD-Vize Albrecht Glaser schloss sich den Worten seines Parteifreundes zwar nicht an und sagte: «Das würde ich so nicht formulieren.» Dennoch stichelte er gegen die Kirchen: Diese seien beim Thema Flüchtlinge von einem «naiven Humanitarismus beseelt».

Der neue Clinch ist der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, der schon lange anhält. AfD-Politiker bis hin zur Vorsitzenden Frauke Petry machen seit Monaten Front gegen evangelische und katholische Kirche. Diese setzen sich für Religionsfreiheit und Flüchtlinge ein und stellen - angetrieben vom christlichen Gebot der Nächstenliebe - Hilfe für Menschen in Not, darunter viele Muslime, nicht in Frage.

«Nicht die Würde der Deutschen ist unantastbar, sondern die Würde eines jeden Menschen», formulierte der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, gerade erst in Leipzig. «Das ist für Christen nicht verhandelbar.» Kölns Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki mahnte beim Fronleichnams-Gottesdienst in der Domstadt weitere Hilfe für Flüchtlinge an: «Wer Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt Gott ertrinken.»

AfD-Politiker begegnen dieser Haltung und Protestaktionen von Bischöfen, die etwa in Erfurt oder Köln bei AfD-Kundgebungen die Kirchenbeleuchtung ausschalten, mit harscher Kritik, Schmähungen, teils Beleidigungen. Petry nannte die Position der Kirchen in der Flüchtlingspolitik «verlogen»: Sie kümmerten sich eher um Muslime als um ihre unterdrückten Glaubensbrüder. AfD-Vize Alexander Gauland warf den Kirchen in Sachen Flüchtlingspolitik den Versuch vor, «den Staat zu manipulieren». Und AfD-Rechtsaußen Björn Höcke wird in Medien mit den Worten zitiert, Funktionsträger in der Kirche seien «verrottet».

Die Gräben zwischen der AfD und den Kirchen scheinen immer tiefer zu werden, zumal Bischöfe auch klare Kante gegen Rechtspopulismus zeigen. Christen dürften Hetze und Rechtsextremismus nicht dulden, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strom, jüngst mit Blick auf AfD- und Pegida-Demos. Wer dort mitlaufe, legitimiere Hetzparolen.

Doch hier liegt auch das Problem. Denn die AfD, der vor allem im Osten viele Konfessionslose, aber durchaus auch Protestanten und Katholiken angehören, ist inzwischen durch den Wähler legitimiert. Sie sitzt in acht Landtagen und strebt im kommenden Jahr auch in den Bundestag. Mit einer Linie wie beim Katholikentag, nicht mit ihren Vertretern zu sprechen, bietet die Kirche da auch Angriffsfläche, die die AfD ausnutzt. «Ausgrenzung hat uns immer nur stärker gemacht», sagte AfD-Vize Gauland der neuen «Zeit»-Beilage «Christ und Welt».

«Wir müssen auf jeden Fall (...) das Gespräch suchen», meinte vor diesem Hintergrund denn auch Berlins Erzbischof Koch, der bis zum Vorjahr das Bistum Dresden-Meißen leitete. Indes: «Ich habe es schon in Dresden versucht, und das war nicht immer sehr erfolgreich.»

Do, 2016-05-26 14:14
Bagdad (dpa)

Helfer warnen vor humanitärer Katastrophe im irakischen Falludscha

Bagdad (dpa) - Nach dem Beginn einer irakischen Offensive auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen des Landes warnen Helfer vor einer humanitären Katastrophe. In der vom IS gehaltenen Stadt Falludscha etwa 70 Kilometer westlich von Bagdad seien rund 50 000 Zivilisten eingeschlossen und befänden sich in einer «extremen Notlage», sagte die lokale Sprecherin des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), Becky Bakr Abdullah, am Donnerstag.

In der Region gebe es heftige Kämpfe. «Wir sind äußerst besorgt, dass die Menschen unter Feuer geraten könnten», sagte Bakr Abdullah. Sie müssten sich von getrockneten Datteln ernähren und Wasser aus dem Euphrat trinken. Es gebe Berichte über extremen Hunger. Seit September seien keine Hilfstransporte mehr in die Stadt gekommen.

Dem NRC zufolge sind in den vergangenen Tagen rund 550 Menschen aus Falludscha geflohen. Sei ständen unter Schock. Eine Flucht sei nur unter großer Gefahr und ausschließlich nachts möglich. Es gebe Berichte, dass IS-Kämpfer Flüchtlinge attackierten, damit sie die Stadt nicht verließen, sagte Bakr Abdullah.

Falludscha ist nach der nordirakischen Stadt Mossul die wichtigste Hochburg des IS im Irak. Die Armee und Milizen hatten Anfang der Woche unterstützt von US-Luftangriffen eine Offensive begonnen, um die sunnitischen Extremisten aus der Stadt zu vertreiben.

Do, 2016-05-26 13:29
Ise-Shima (dpa)

G7 trotzt Chinas Drohung und mischt sich in Inselstreit ein

Ise-Shima (dpa) - Trotz der Drohungen aus China sprechen sich die sieben großen Industrienationen für eine gewaltfreie Beilegung der Territorialkonflikte im Süd- und Ostchinesischen Meer aus. «Wir haben eine gemeinsame Haltung, dass wir den Konflikt friedlich lösen wollen», sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag auf dem G7-Gipfel im japanischen Ise-Shima.

Auch sei sich die G7-Gruppe einig, dass internationale Institutionen «hier auch legitimiert sind», sagte Merkel mit Blick auf das Schiedsgericht in Den Haag, das voraussichtlich im Juni über Chinas Ansprüche entscheiden wird. Peking hat bereits erklärt, dass es die Zuständigkeit des Schiedshofes nicht anerkennt und dessen Entscheidung nicht akzeptieren wird.

Zuvor hatte Chinas Staatsagentur in einem Kommentar die Forderung der chinesischen Führung in Peking bekräftigt, dass die G7 sich aus dem Konflikt heraushalten soll. Am Ende des Gipfels wollen die Staats- und Regierungschefs dennoch eine volle Erklärung veröffentlichen.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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