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Fr, 2016-02-12 10:13
Duisburg (dpa)

Panda-Neuzugang Jang im Duisburger Zoo vorgestellt

Duisburg (dpa) - Der Duisburger Zoo hat am Freitag das Panda-Männchen Jang der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Neuzugang gehört zur Art der Kleinen Pandas, von denen weltweit nur noch weniger als 10 000 Exemplare existieren. In Duisburg hofft man, dass Jang Interesse an der Panda-Dame Pushpa entwickelt, die seit 2014 in dem Zoo lebt. Nachwuchs könnte die gefährdete Art gut gebrauchen.

Kleine Pandas unterscheiden sich mit ihrem rotbraunen Fell und der geringeren Körpergröße deutlich von den schwarz-weißen Großen Pandas. Sie gehören zu den Marderverwandten und erinnern von der Statur her weitaus mehr an Waschbären. Eines vereint beide Panda-Arten: die Vorliebe für den Bambus.

Fr, 2016-02-12 10:51
Paris (dpa)

Renault mit kräftigem Gewinnplus - Ghosn: Bei Abgas nicht betrogen

Renault-Chef Ghosn freut sich nach Jahren der Krise über dicken Gewinn. Im Abgasskandal sieht sich der französische Autobauer weiter ohne Tadel. Ghosn betont: Renault hat nichts verdeckt.

Paris (dpa) - Der französische Autobauer Renault hat dank des Rückenwinds aus seinem starken Europageschäft und neuer Modelle ein kräftiges Gewinnplus erzielt. Renault-Chef Carlos Ghosn sprach am Freitag in Paris von einem «guten Jahr für Renault».

Der Überschuss legte 2015 um rund die Hälfte auf 2,8 Milliarden Euro zu. Der Umsatz wuchs um gut zehn Prozent auf rund 45,3 Milliarden Euro. Das verlustreiche Geschäft der russischen Tochtermarke AvtoVAZ war einer der wenigen Wermutstropfen in der Bilanz des Herstellers: Renault musste 225 Millionen Euro auf den Wert des russischen Marktführers abschreiben. Ghosn bezeichnete die Marktlage in Russland und Brasilien als weiter schwierig.

Im Skandal um falsche Abgaswerte hat sich Renault aus Sicht von Ghosn nichts vorzuwerfen. «Es gibt keinen Betrug vonseiten Renaults», sagte der Vorstandsvorsitzende. «Alle unsere Modelle respektieren die Grenzwerte der jeweiligen Märkte.» Renault sei den Vorgaben gefolgt, «die nicht von uns gemacht worden sind», sondern von Regierung und EU-Kommission. Bei Renault gebe es kein System, das andere Werte anzeige als die tatsächlich vorhandenen. «Wir sind sehr transparent und sprechen mit der Regierung», sagte Ghosn.

Bei Überprüfungen in Frankreich nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen waren bei Fahrzeugen von Renault und mehreren nicht-französischen Marken Überschreitungen von Abgasnormen festgestellt worden. Bei den Norm-Verstößen geht es um Werte für Kohlendioxid und Stickoxid. Paris hatte die Zufalls-Tests angeordnet, nachdem 2015 bekanntgeworden war, dass Volkswagen mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert hatte.

Im laufenden Geschäft blieb auch wegen des laut Ghosn erfolgreich laufenden Sparprogramms ein größerer Teil vom Umsatz als operativer Gewinn übrig. Mit einem Plus von 44 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro übertraf der Wert die Schätzungen von Analysten deutlich. Die operative Marge stieg um 1,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent. Damit erreichte Renault sein Ziel bei der Profitabilität laut Ghosn «früher als geplant».

Auch eine weitere Umsatzsteigerung nimmt sich der Autobauer vor. So sieht Europachef Stefan Müller Renault auch «in Deutschland auf dem richtigen Weg». Dort will der Autobauer laut Müller in den beiden nächsten Jahren deutlich wachsen.

Fr, 2016-02-12 10:48
Brüssel (dpa)

EU verhängt Einfuhrzölle für Stahlprodukte aus China und Russland

Brüssel (dpa) - Um die heimische Stahlbranche vor Billigkonkurrenz zu schützen, belegt die EU-Kommission bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig mit Einfuhrzöllen. Es geht um sogenannte kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse, wie die Brüsseler Behörde am Freitag mitteilte. Bei drei weiteren Stahlprodukten aus China leitete sie Anti-Dumping-Untersuchungen ein. Dabei soll festgestellt werden, ob ausländische Erzeugnisse in Europa zu einem künstlich niedrigen Preis verkauft werden.

Die Zölle für die chinesischen Importe liegen zwischen 13,8 und 16 Prozent, für russische Einfuhren zwischen 19,8 und 26,2 Prozent. Die EU-Kommission könnte später entscheiden, sie rückwirkend schon ab Dezember 2015 anzuwenden.

Die europäische Stahlbranche leidet unter einem Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise, besonders Branchengrößen wie ArcelorMittal und Thyssenkrupp haben zu kämpfen. Deutschland und sechs weitere Länder forderten die EU kürzlich in einem Brief auf, gegen «unfaire Handelspraktiken» vorzugehen.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström betonte mit Blick auf die aktuellen Entscheidungen: «Wir können nicht zulassen, dass unfaire Konkurrenz durch künstlich billige Importe unsere Industrie bedroht.» Die Europäische Union hat nach Auskunft der Kommission bisher handelsrechtliche Schutzmaßnahmen für 37 verschiedene Stahlprodukte getroffen, neun Untersuchungen sind im Gange.

Fr, 2016-02-12 10:44
Essen (dpa)

Thyssenkrupp wieder im Minus - Hoffnung auf Erholung beim Stahl

Thyssenkrupp ist wegen der Turbulenzen beim Stahl zum Start des neuen Geschäftsjahres wieder in die roten Zahlen gerutscht. In der Branche wächst jedoch die Hoffnung auf eine Erholung in der Krisenbranche.

Essen (dpa) - Der rasante Verfall der Stahlpreise hat den Aufwärtstrend bei Thyssenkrupp gestoppt und dem Industriekonzern einen Millionenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2015/2016 (30.9.) ein Fehlbetrag von 23 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen am Freitag in Essen mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Industriekonzern mit einem Überschuss von 50 Millionen Euro noch schwarze Zahlen geschrieben.

Thyssenkrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff wies auf erste Anzeichen einer Besserung bei den Stahlpreisen hin. Während der Rückgang in Europa gestoppt scheine, seien in den USA und auch in China bereits Tendenzen für einen erneuten Anstieg der Preise zu beobachten, sagte er. In der vergangenen Woche hatte auch der Konkurrent ArcelorMittal nach einem Rekordverlust die Hoffnung geäußert, dass das Schlimmste im Stahlgeschäft vorerst vorbei sei.

Seit dem vergangenen Sommer waren die Stahlpreise weltweit unter neuen Druck geraten, weil China angesichts der gesunkenen Nachfrage im eigenen Land massenhaft billigen Stahl auf den Weltmarkt wirft. Zum Schutz der europäischen Stahlbranche belegte die EU nun bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland mit Einfuhrzöllen. «Wir können nicht zulassen, dass unfaire Konkurrenz durch künstlich billige Importe unsere Industrie bedroht», begründete EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Freitag die Maßnahme.

Trotz der Sorgen im Stahlgeschäft bekräftigte Konzernchef Heinrich Hiesinger, am eingeschlagenen Kurs festzuhalten. «Die solide Entwicklung der Industriegütergeschäfte bestätigt uns, dass der Weg zum diversifizierten Industriekonzern richtig ist», sagte Hiesinger einer Mitteilung zufolge. Damit trat er erneut Forderungen nach einer möglichen Abspaltung des schwankungsanfälligen Stahlgeschäfts entgegen.

Thyssenkrupp rechnet in diesem Jahr auf vergleichbarer Basis - also etwa um Wechselkurseffekte bereinigt - mit einem stagnierenden Umsatz. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro landen, der Überschuss deutlich zulegen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern operativ 1,7 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 42,8 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich war der Überschuss um fast 50 Prozent auf 309 Millionen Euro gewachsen.

Vor allem wegen der schwierigen Lage beim Stahl war der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Einen wichtigen Beitrag zur erwarteten Besserung im Gesamtjahr von 850 Millionen Euro sollen weitere Einsparungen liefern, davon erreichte der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Quartal 250 Millionen Euro.

Als Stütze erwies sich im ersten Quartal wieder einmal das Industriegütergeschäft. Der Aufzugbau und die Autokomponentensparte steigerten ihren operativen Gewinn weiter. Im Großanlagenbau blieb es fast stabil. In diesem Geschäft rechnet der Konzern demnächst mit einigen neuen Großaufträgen.

Thyssenkrupp hatte sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit harten Sparanstrengungen aus einer tiefen Krise gekämpft. Diese war durch den misslungenen Bau von neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA entstanden - das kostete den Konzern Milliardensummen.

Fr, 2016-02-12 10:58
Berlin (dpa)

Iraks Ministerpräsident Al-Abadi: Zeit für Sieg gegen IS ist gekommen Interview: Jan Kuhlmann und Hans Dahne, dpa

Haidar al-Abadi ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden: Als Iraks Regierungschef ist er für den Kampf gegen den IS verantwortlich. Dabei brechen dem Staat gerade massiv die Öleinnahmen weg.

Berlin (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - auf Arabisch auch Daesh genannt - kontrolliert große Teile des Iraks. Doch zuletzt konnte die Armee die Provinzhauptstadt Ramadi wieder einnehmen. Als nächstes will sie die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes zurückerobern. Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi zeigt sich optimistisch.

Frage: Sie haben sich diese Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin getroffen. Sind Sie zufrieden mit dem Treffen?

Antwort: Sehr zufrieden. Sie hat eine sehr positive Unterstützung für den Irak gezeigt. Es gibt natürlich noch viele Probleme in der Region, die auf den Irak selbst ausstrahlen. Aber der Fortschritt, den wir am Boden gemacht haben, ist sehr wichtig. In diesem Jahr ist die Zeit gekommen, in der wir Daesh im Irak militärisch ein Ende setzen. Dabei benötigen wir jede erdenkliche Unterstützung.

Frage: Nach dem Treffen mit Merkel haben Sie gesagt, es laufe die letzte Phase, das ganze Land vom IS zu befreien. Werden wir in diesem Jahr die Befreiung der IS-Hochburg Mossul und des Irak erleben?

Antwort: Das ist das, was wir vorhaben. Wir haben mit unseren Plänen in der vergangenen Woche begonnen und unsere ersten Kräfte nach Mossul entsandt. Sie sind jetzt dort. Wir planen, wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten, um die Stadt wiedereinzunehmen. Ein Feldzug hat bereits begonnen. In der vergangenen Woche haben wir einige Orte zurückerobert.

Frage: Es hat lange gedauert, Ramadi zurückzuerobern. Mossul ist eine Millionenstadt. Woher kommt ihr Optimismus, dass sie in diesem Jahr vom IS befreit werden kann?

Antwort: Daesh ist noch immer in Mossul und kontrolliert noch immer die Grenze zwischen uns und Syrien. Die Kämpfer kommen aus der Türkei nach Syrien und aus Syrien in den Irak. Sie schmuggeln noch immer Öl. Aber wir haben in der Schlacht um Ramadi und in anderen Schlachten erlebt, dass Daesh unseren Kämpfern nicht die Stirn bieten konnte. Ihr Widerstand ist zusammengebrochen, obwohl sie sehr hart gekämpft haben. Sie waren nicht erfolgreich. Es gibt ein neues Selbstvertrauen in unsere militärischen Kräfte. Wir sind einen langen Weg gegangen und jetzt dabei, unser Ziel zu erreichen.

Frage: Was wünschen Sie sich von Deutschland?

Antwort: Wir haben Deutschland um Training und Ausrüstung gebeten, um Sprengsätze zu beseitigen. Diese behindern unsere humanitären Bemühungen, die Menschen zurück in die befreiten Städte zu bringen. Wir brauchen da eine große Anstrengung. Deutschland hat die Expertise und die Ausrüstung. Sie sind darin sehr gut. Andere Länder bilden die Polizei aus. Wenn Deutschland die Polizei trainieren kann, dann werde ich das sehr willkommen heißen.

Frage: Der IS ist auch das Ergebnis dessen, dass sich viele Sunniten im Irak nicht mehr von der Regierung vertreten fühlen. Sie fühlen sich von einer von Schiiten dominierten Regierung diskriminiert. Wie möchten Sie sie zurückgewinnen?

Antwort: Wir reichen anderen die Hand und beziehen sie mit ein. Die Popularität der Regierung ist unter der sunnitischen Bevölkerung größer als die Popularität vieler sunnitischer Führer. In der ganzen Region gibt es Konfessionalismus, nicht nur im Irak. Und jeder nutzt ihn für sich selbst. Saudi-Arabien und die Türkei sind auf der einen Seite. Sie konkurrieren mit dem Iran um die regionale Kontrolle. Sie nutzen Konfessionalismus für ihre Ziele. Das kostet unsere Leben und macht unsere Aufgabe viel, viel schwieriger. Wenn der Konfessionalismus zunimmt, wird Daesh mehr Menschen rekrutieren.

Frage: Welche Auswirkung hat der syrische Bürgerkrieg?

Antwort: Syrien ist ein großer Stachel in unserem Kampf. Wir müssen eine politische Lösung finden. Dazu gibt es in Syrien keine Alternative. Wir müssen darauf dringen. Eine politische Lösung in Syrien will alle zusammenbringen im Kampf gegen einen Feind, das ist der Terrorismus, das ist Daesh.

Frage: Was bedeuten die niedrigen Ölpreise für den Irak?

Antwort: 2015 sind unsere Öleinnahmen auf ein Drittel des Niveaus gesunken, das wir vor zwei Jahren hatten. In diesem Jahr sind es 15 Prozent von dem, was es früher war. Das ist ein enormer Rückgang, besonders vor dem Hintergrund, dass sich unser Budget zu 90 Prozent auf das Öl stützt. Das ist eine Herausforderung für uns, weil wir den Krieg führen müssen. Und wir müssen den Menschen etwas liefern. Wir haben ein sehr großes Programm, um die Wirtschaft und den Staat zu reformieren. Das ist jetzt die Zeit, um es zu machen. Es kann schmerzhaft sein. Deshalb brauchen wir die Unterstützung der G7. Wir sind bereit, harte Maßnahmen zu treffen.

Frage: Die Flüchtlingskrise ist ein großes Problem für ihr Land und für andere Länder wie Deutschland. Was können Sie tun, damit die Menschen das Land nicht verlassen?

Antwort: Wir müssen in die Lage versetzt werden, die Leute sehr schnell in die befreiten Städte zurückbringen zu können, indem wir die Gebiete stabilisieren. Andere Menschen sind noch immer in Flüchtlingslagern. Unser Problem ist, dass unsere Unterstützung wegen der Ölpreise drastisch zurückgegangen ist. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele gehen wollen. Wenn man ihnen genug Unterstützung im Irak gibt, wie Schulunterricht oder medizinische Versorgung, wenn man das Problem an der Wurzeln anpackt, dann wird es weniger Anreiz für die Menschen geben zu gehen. Und es gibt kriminelle Banden, die ihre Hände nach Zivilisten ausstrecken. Das ist wie ein globales Netzwerk von Menschenschmugglern. Das muss angegangen werden.

Frage: Wie sehen Sie Europas Rolle im Kampf gegen die Menschenschmuggler?

Antwort: Jeder bekämpft sie nur mit seinen eigenen Mitteln. Aber es muss eine konzertierte Aktion geben. Ich kann keine konzertierte Aktion sehen. Ich kann interne Streitigkeiten zwischen den europäischen Ländern sehen darüber, wer für die Flüchtlinge verantwortlich ist. Jeder versucht, das Problem an den anderen abzuwälzen.

ZUR PERSON: Der Schiit Haidar al-Abadi steht seit 2014 an der Spitze der irakischen Regierung. Der 63 Jahre alte studierte Elektroingenieur lebte lange in England und kehrte erst nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 zurück. Im Kampf gegen den IS und die weit verbreitete Korruption bemüht er sich um Reformen, stößt aber auf massive Widerstände im Land.

Fr, 2016-02-12 10:52
München (dpa)

Bundesregierung sieht bei Münchner Vereinbarungen Russland in Pflicht

München (dpa) - Die Bundesregierung hat an Russland appelliert, die Zeit bis zu einer Waffenruhe in Syrien nicht für Angriffe auf gemäßigte Gegner des Assad-Regimes zu nutzen. Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz begrüßte am Freitag die Vereinbarungen der jüngsten Syrien-Konferenz in München. «Den Worten müssen nun aber auch Taten folgen. Hier sieht die Bundesregierung in erster Linie Russland in der Pflicht», sagte Wirtz.

Es gebe nun ein «Quantum Hoffnung» für den Friedensprozess. Die Umsetzung des vereinbarten Waffenstillstands sei nun «Gebot der Stunde». Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien hatten sich in der Nacht in München auf eine Feuerpause binnen einer Woche geeinigt. Die Islamistenmilizen Islamischer Staat und Al-Nusra-Front sollen jedoch weiter bekämpft werden können.

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Fr, 2016-02-12 10:40
Brüssel (dpa)

EU verhängt Einfuhrzölle für Stahlprodukte aus China und Russland

Brüssel (dpa) - Um die heimische Stahlbranche vor Billigkonkurrenz zu schützen, belegt die EU-Kommission bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig Einfuhrzöllen. Es geht um sogenannte kaltgewalzte Flachstahlerzeugnisse, wie die Brüsseler Behörde am Freitag mitteilte. Bei drei weiteren Stahlprodukten aus China leitete sie Anti-Dumping-Untersuchungen ein. Dabei soll festgestellt werden, ob ausländische Erzeugnisse in Europa zu einem künstlich niedrigen Preis verkauft werden.

Die Zölle für die chinesischen Importe liegen zwischen 13,8 und 16 Prozent, für russische Einfuhren zwischen 19,8 und 26,2 Prozent. Die EU-Kommission könnte später entscheiden, sie rückwirkend schon ab Dezember 2015 anzuwenden.

Die europäische Stahlbranche leidet unter einem Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise, besonders Branchengrößen wie ArcelorMittal und Thyssenkrupp haben zu kämpfen. Deutschland und sechs weitere Länder forderten die EU kürzlich in einem Brief auf, gegen «unfaire Handelspraktiken» vorzugehen.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström betonte mit Blick auf die aktuellen Entscheidungen: «Wir können nicht zulassen, dass unfaire Konkurrenz durch künstlich billige Importe unsere Industrie bedroht.» Die Europäische Union hat nach Auskunft der Kommission bisher handelsrechtliche Schutzmaßnahmen für 37 verschiedene Stahlprodukte getroffen, neun Untersuchungen sind im Gange.

Fr, 2016-02-12 09:55
Bamako (dpa)

Zwei Tote bei Angriff auf UN-Lager in Mali

Im Norden Malis häufen sich Anschläge gegen UN-Truppen und das Militär. Jetzt haben unbekannte Täter ein UN-Lager mit Raketen beschossen - nur wenige Stunden vor einem Besuch von Bundespräsident Gauck im Land.

Bamako (dpa) - Kurz vor dem Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Mali haben mutmaßliche Islamisten ein Lager der UN-Friedenstruppen im Norden des Landes mit Raketen angegriffen. Mindestens zwei Blauhelme seien bei dem Angriff in der Stadt Kidal am frühen Freitagmorgen getötet worden, sagte ein Mitglied des Militärs der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um Soldaten aus dem westafrikanischen Guinea. Mindestens 30 weitere Menschen seien teilweise schwer verletzt worden.

Augenzeugenberichten zufolge wurde auch ein UN-Hubschrauber von Schüssen getroffen. Olivier Salagado, der Sprecher der UN-Friedensmission in Mali (Minusma), bestätigte den Angriff, gab aber zunächst keine weiteren Details bekannt.

Am Vortag hatten unbekannte Angreifer bei einer Attacke auf ein Zollamt im nördlichen Ort Hombori einen Soldaten und zwei Zivilisten getötet. Am Dienstag waren in der Region bei der Explosion einer Sprengfalle drei malische Soldaten getötet und zwei weitere schwer verletzt worden.

Am Freitag will Bundespräsident Joachim Gauck in der Hauptstadt Bamako im Süden des Landes mit Vertretern der Friedensmission und mit deutschen Soldaten zusammentreffen. Gauck soll auch eine Unterredung mit seinem malischen Amtskollegen Ibrahim Boubacar Keita führen.

Kidal liegt rund 350 Kilometer nordöstlich von Gao, wo demnächst bis zu 400 Bundeswehrsoldaten als Teil einer UN-Friedensmission stationiert sein werden. Die ersten 40 Soldaten trafen dort in der vergangenen Woche ein. Im stabileren Süden Malis sind bereits etwa 200 Bundeswehr-Angehörige an einem Ausbildungseinsatz beteiligt.

Der Norden Malis war 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer Kämpfer gefallen, die nur durch eine Intervention der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zurückgedrängt werden konnten.

Fr, 2016-02-12 09:48
Beirut (dpa)

Syrische Opposition sieht Einigung auf Feuerpause skeptisch

Beirut (dpa) - Die syrische Opposition hat die in München verabredete Feuerpause für das Bürgerkriegsland vorsichtig begrüßt, sich zugleich aber skeptisch gezeigt. Prinzipiell sei die Waffenruhe gutzuheißen, teilte das von mehreren Oppositionsgruppen gegründete und in Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) am Freitag mit. «Aber wir wollen Taten statt nur Worte», betonte HNC-Sprecher Salim Al-Muslat. «Versprechen haben wir satt.»

Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien hatten sich zuvor nach stundenlangen Gesprächen in München auf eine Feuerpause in Syrien geeinigt. Die Islamistenmilizen Islamischer Staat und Al-Nusra-Front sollen jedoch weiter bekämpft werden können.

Rebellen äußerten sich ebenfalls skeptisch. «Das Regime und seine russischen Verbündeten sind entschlossen, den gesamten Norden Aleppos zu zerstören, ehe sie eine Feuerpause am Boden umsetzen», kritisierte Abu Terki, ein Kommandeur der Aufständischen in der Region. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung in Damaskus auf die Einigung in München gab es zunächst nicht.

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde
Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Helsinki soll Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

 

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Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA: Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen: Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Fr, 2016-02-12 09:20
Islamabad (dpa)

Fast 100 Islamisten in Pakistan festgenommen - Anschläge verhindert

Islamabad (dpa) - Mit der Festnahme von fast 100 sunnitischen Islamisten hat Pakistan nach Angaben der Streitkräfte Terroranschläge verhindert. 97 Männer seien in der Millionenmetropole Karachi in den vergangenen Monaten festgenommen worden, sagte der Sprecher der Armee, Asim Bajwa, am Freitag in einer landesweit übertragenen Pressekonferenz. Sie hätten gemeinsam Anschläge geplant.

Die Männer gehörten Al-Kaida, der pakistanischen Talibangruppe TTP sowie der Gruppe Lashkar-e Jangvi an, die vor allem Anschläge auf die Minderheit der Schiiten verübt. Einige der Verhafteten hätten geplant, den Mörder des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl, Omar Sayed Sheikh, aus dem Gefängnis in Hyderabad zu befreien. Pearl war 2002 enthauptet worden.

In der Millionenstadt Karachi haben Tausende Extremisten Unterschlupf gefunden. Jahrelang war die Gewalt dort eskaliert. Nach Einsätzen des Militärs seien gezielte Tötungen um 70 Prozent zurückgegangen, sagte Bajwa.

Die Armee steht seit einem Anschlag pakistanischer Taliban auf eine Universität nahe der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar vor drei Wochen unter Druck. 22 Menschen waren getötet worden. Im vergangenen Jahr hatte die Armee mehrfach verkündet, dem Extremismus im Land das Rückgrat gebrochen zu haben.

Fr, 2016-02-12 09:51
Wiesbaden (dpa)

Inflationsrate zum Jahresbeginn leicht gestiegen

Im Schnitt haben sich die Preise für Waren und Dienstleitungen kaum erhöht. Allerdings ist die weiterhin niedrige Inflation zu einem guten Teil allein auf die billige Energie zurückzuführen.

Wiesbaden (dpa) - Teurere Nahrungsmittel und höhere Mieten haben die Inflationsrate in Deutschland zu Jahresbeginn wieder leicht steigen lassen. Im Januar lagen die Verbraucherpreise 0,5 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete. Damit bestätigten sich vorläufige Berechnungen. Im Dezember wie im gesamten Vorjahr hatte die Jahresteuerungsrate noch 0,3 Prozent betragen.

Preisdämpfend wirkten sich erneut die niedrigen Energiepreise aus, die 5,8 Prozent unter dem Niveau aus dem Januar 2015 lagen. Allerdings schwächt sich der statistische Effekt des seit Juli 2014 anhaltenden Preisverfalls bei Kraftstoffen und Haushaltsenergie inzwischen ab. Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im Januar bei 1,2 Prozent gelegen.

Teurer wurden Waren, die von den Menschen besonders häufig eingekauft werden, wie zum Beispiel Obst (+5,0 Prozent) und Gemüse (+3,6 Prozent), Zeitungen und Zeitschriften (+4,9 Prozent) oder Tabakwaren (+3,8 Prozent). Auch der dickste Brocken in den privaten Konsumausgaben, die Kaltmiete, legte mit einem Plus von 1,1 Prozent überdurchschnittlich zu. Günstiger als vor einem Jahr waren unter anderem Molkereiprodukte (-4,1 Prozent), Telefongeräte (-3,9 Prozent) sowie Kaffee, Tee und Kakao (-2,1 Prozent).

Im kurzfristigen Vergleich zum Dezember 2015 fielen die Verbraucherpreise im Januar um 0,8 Prozent. Das lag unter anderem daran, dass Pauschalreisen und Kleidung nach Weihnachten regelmäßig deutlich billiger angeboten werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) betrachtet die geringe Teuerung in der stärksten Euro-Volkswirtschaft mit Sorge. Die Währungshüter streben für den Euroraum insgesamt mittelfristig eine Inflation von knapp unter 2,0 Prozent an. Mit einer Flut billigen Geldes versucht die Notenbank, die Inflation wieder in diese Richtung zu treiben. Dauerhaft niedrige Preis gelten als Gefahr für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie auf weiter sinkende Preise hoffen.

Fr, 2016-02-12 09:30
Bamako (dpa)

Zwei UN-Blauhelme bei Raketenangriff im Norden Malis getötet

Bamako (dpa) - Bei einem Raketenangriff mutmaßlicher Islamisten auf ein Lager der UN-Friedenstruppen sind im Norden Malis mindestens zwei Blauhelme getötet worden. Die beiden Soldaten stammten aus dem westafrikanischen Guinea, sagte ein Mitglied des Militärs der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Der Angriff in der Stadt Kidal kam wenige Stunden vor dem Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck in Mali, wo die Bundeswehr die Streitkräfte unterstützt.

Mindestens 30 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt. Augenzeugenberichten zufolge wurde auch ein UN-Hubschrauber getroffen. Olivier Salagado, der Sprecher der UN-Friedensmission in Mali, bestätigte den Angriff, gab aber zunächst keine Details.

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

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Fr, 2016-02-12 09:35
Janeiro (dpa)

 Der «Mehrfronten-Kampf» gegen Zika Von Georg Ismar, dpa

Nun soll das Militär Brasiliens «Staatsfeind Nummer 1», die Mücke Aedes aegypti, im ganzen Land bekämpfen. Die Zika-Angst verunsichert - doch die Mittel zur raschen Eindämmung sind begrenzt. Ein Überblick.

Rio de Janeiro (dpa) - Der Karneval ist vorbei, jetzt drängt mit aller Macht das Zika-Problem zurück in den Alltag der Brasilianer. Es fehlt noch der klare Beweis, dass eine durch Moskitostiche ausgelöste Zika-Infektion bei Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys auslösen kann. Aber die Gerüchte überschlagen sich, das löst teils panikartige Reaktionen in dem am stärksten betroffenen Land aus.

An diesem Samstag sollen nun 220 000 Soldaten in Brasilien ausschwärmen, um im Kampf gegen den «Staatsfeind Nummer 1», die Moskitoart Aedes aegypti, zu helfen. Mehrere Menschen sollen nach Behördenangaben schon an einer Zika-Infektion gestorben sein - im Normalfall führt das Virus nur zu harmlosen Symptomen wie Fieber, Hautrötungen, Kopfschmerzen. Was also tun, um die Epidemie, die sich inzwischen auf über 30 Länder erstreckt, in den Griff zu bekommen?

PUNKT 1: Man braucht rasch fundierte Forschungserkenntnisse. Der Druck gerade auf die brasilianischen Gesundheitsbehörden ist groß, denn die Spekulationen führen laut Ärzten zu immer mehr Abtreibungen. Die katholische Kirche warnt vor der vorschnellen Tötung ungeborenen Lebens und einer «Lex Zika», um Abtreibungen zu erleichtern. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, die USA und Brasilien arbeiten gemeinsam an einem Impfstoff. Bis zur Marktreife dürfte es Jahre dauern.

PUNKT 2: Sensibilisierung der Bevölkerung. Beim Aktionstag in Brasilien am Samstag geht es um ein Zeichen nach innen und nach außen. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen, den Bürgern erklären, dass sie selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermeiden müssen, da die Moskitos hier überall ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen. Nach außen soll demonstriert werden, dass man den «Krieg» gewinnen kann - gerade mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August. Allein in Rio werden daher 71 000 Soldaten eingesetzt.

PUNKT 3: Militär gegen Moskitos. In einer zweiten Etappe sollen in den nächsten Wochen 50 000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden Moskitos und Eiablageplätze eliminieren. Zudem soll in Tausenden Schulen über die Gefahren durch die Moskitoart aufgeklärt werden, die inzwischen auf 81 Prozent der Landesfläche Brasiliens aktiv ist.

PUNKT 4: Eine staatliche und private Besprühungsoffensive. Die Regierung hat seit Ausbruch der Epidemie 100 Tonnen an Chemikalien (Larvicidas) an die Bundesstaaten verteilt, die Gewässern beigemischt werden, um die Moskitovermehrung dort einzudämmen, dazu 550 Tonnen an Insektiziden, um Häuser Moskitofrei zu bekommen. Viele Bürger sind längst im persönlichen Anti-Moskito-Kampf. Der Moskitospray-Verkauf hat um rund 50 Prozent zugenommen, die Unternehmen produzieren 24 Stunden am Tag und sogar aus Argentinien muss Nachschub importiert werden. 14,7 Millionen Moskitoschutzmittel wurden der Zeitung «Globo» zufolge 2015 verkauft - 2016 dürfte ein neues Rekordjahr werden.

PUNKT 5: Neue Methoden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) setzt auf einen ganz anderen Ansatz: Sie will die Fortpflanzung der Stechmücken unterbrechen, sagt der Leiter des IAEA-Labors, Marc Vreysen. Dort werden männliche Moskitos radioaktiver Strahlung ausgesetzt und so sterilisiert. Sie werden dann freigelassen, um sich mit Weibchen zu paaren. Diese legen Eier, es schlüpft aber kein Nachwuchs. In Guatemala werden zum Beispiel derzeit massenhaft bestrahlte, unfruchtbare Fruchtfliegen freigesetzt, um die Bananenplantagen zu schützen. Andere Ansätze sind genetische Veränderungen oder Mücken mit einem Bakterium zu infizieren, das bei den Männchen die Spermien verändert und so die Fortpflanzung stoppt.

Aber: In der aktuellen «Moskitohochsaison», die bis etwa Mai dauert, dürfte ein großflächiger Einsatz solcher Methoden organisatorisch in Brasilien kaum zu schaffen sein. Die Regierung setzt vorerst auf die «Chemiekeule». Argentinische Ärzte bringen in diesem Zusammenhang aber nun die Möglichkeit ins Spiel, dass gerade dies für die Zunahme an möglichen Mikrozephalie-Fällen mitverantwortlich sein könnte - und gar nicht Zika. Dort wo das Insektizid Pyriproxyfen dem Trinkwasser zugesetzt worden sei, gebe es vermehrt Mikrozephalie-Fälle. So gebe es in Kolumbien zwar auch Zehntausende Zika-Fälle - aber nicht diese dramatische Häufung an möglichen Schädelfehlbildungen bei Babys.

Fr, 2016-02-12 09:41
Seoul (dpa)

Südkorea stoppt Stromversorgung für innerkoreanischen Fabrikpark

Seoul (dpa) - Nach der abrupten Schließung eines jahrelang mit Nordkorea betriebenen Industrieparks hat Südkorea den grenznahen Komplex im Nachbarland von der Energieversorgung abgeschnitten. Auch die Wasserzufuhr aus Südkorea für den Fabrikpark in Kaesong sei am Donnerstagabend eingestellt worden, nachdem Nordkorea alle dort noch verbliebenen Südkoreaner ausgewiesen habe, teilte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul am Freitag mit. Vereinigungsminister Hong Yong Pyo warnte Nordkorea vor der Schädigung südkoreanischer Vermögen in der Sonderwirtschaftszone. 

Mit der Schließung hatte Südkorea auf den jüngsten umstrittenen Raketenstart Nordkoreas am vergangenen Sonntag reagiert. Während Pjöngjang von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken sprach, sieht die internationale Gemeinschaft darin den verdeckten Test einer atomar bestückten Langstreckenrakete.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte als Vergeltung für die Schließung des Fabrikparks erklärt, alle dortigen Anlagen und Waren südkoreanischer Unternehmen zu beschlagnahmen. Die Sonderzone sei unter militärische Kontrolle gebracht worden.

Der 2004 geöffnete Fabrikpark war das einzige noch verbliebene größere Gemeinschaftsprojekt beider Länder. Zuletzt arbeiteten dort 54 000 Nordkoreaner für 124 südkoreanische Unternehmen. 

Fr, 2016-02-12 09:21
Juba (dpa)

Präsident des Südsudans ernennt Rivalen Machar zum Stellvertreter

Juba (dpa) - Der südsudanesische Staatschef Salva Kiir hat seinen bisherigen Erzfeind, den Rebellenführer Riek Machar, zum Vizepräsidenten ernannt. Mit dem unerwarteten Schritt bereitet Kiir eine im Rahmen eines Friedensabkommens ausgehandelte Teilung der Macht vor. Der bisherige Vizepräsident James Wani werde von seinen Aufgaben entbunden, hieß es am Donnerstagabend in einer im staatlichen Fernsehen verlesenen Ankündigung. 

Diplomaten mutmaßten, Kiir wolle Machar damit zu einer schnellen Rückkehr in den Südsudan bewegen. Der Rebellenführer hält sich bislang zumeist in Äthiopien auf. Sein Sprecher James Gatdet Dak bezeichnete den Schritt als überraschend, wie die Zeitung «Sudan Tribune» berichtete. Er begrüßte die Nominierung aber als einen weiteren Schritt zur Umsetzung des im vergangenen Jahr - unter internationalem Druck - ausgehandelten Friedensabkommens. 

Der erst 2001 unabhängig gewordene Südsudan wird seit Ende 2013 von einem blutigen Machtkampf der beiden früheren Gefährten Kiir und Machar erschüttert. Zehntausende sind ums Leben gekommen, knapp 2,5 Millionen Menschen sind vor der Gewalt geflohen. Rund 2,8 Millionen Menschen - etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung - benötigen UN-Angaben zufolge dringend Nahrungsmittelhilfe. 

Fr, 2016-02-12 09:33
Kigali (dpa)

Ruanda will burundische Flüchtlinge abschieben

Kigali (dpa) - Ruanda will Flüchtlinge aus Burundi in andere Länder abschieben. Die 75 000 seit April letzten Jahres nach Ruanda geflohenen Menschen führten zu nicht mehr tragbaren Problemen, erklärte Außenministerin Louise Mushikiwabo am Freitag. Es liefen Gespräche für eine Umsiedlung in sichere Drittstaaten, sagte die Ministerin. Sie machte keine Angaben, wohin die Flüchtlinge umgesiedelt werden sollen. Mit über elf Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die etwa der Brandenburgs entspricht, zählt Ruanda zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. 

Ruanda scheue sich nicht, Verantwortung für Flüchtlinge zu übernehmen, doch die Lage führe nunmehr zu «inakzeptablen internationalen Missverständnissen», sagte Mushikiwabo. US-Regierungskreise hatten jüngst Bedenken geäußert, dass Ruanda burundische Rebellen unterstütze und damit weiter zur Destabilisierung des Nachbarlands beitrage.

Die Krise in Burundi wurde vergangenen April von Präsident Pierre Nkurunzizas Ankündigung ausgelöst, für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren. Fast eine Viertelmillion Menschen sind seither aus Burundi geflohen, die meisten nach Tansania. Ein Bürgerkrieg mit rund 300 000 Toten war in Burundi erst 2005 zu Ende gegangen. 

Fr, 2016-02-12 10:00
Berlin (dpa)

Iraks Ministerpräsident Al-Abadi: Zeit für Sieg gegen IS ist gekommen Interview: Jan Kuhlmann und Hans Dahne, dpa

Haidar al-Abadi ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden: Als Iraks Regierungschef ist er für den Kampf gegen den IS verantwortlich. Dabei brechen dem Staat gerade massiv die Öleinnahmen weg.

Berlin (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - auf Arabisch auch Daesh genannt - kontrolliert große Teile des Iraks. Doch zuletzt konnte die Armee die Provinzhauptstadt Ramadi wieder einnehmen. Als nächstes will sie die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes zurückerobern. Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi zeigt sich optimistisch.

Frage: Sie haben sich diese Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin getroffen. Sind Sie zufrieden mit dem Treffen?

Antwort: Sehr zufrieden. Sie hat eine sehr positive Unterstützung für den Irak gezeigt. Es gibt natürlich noch viele Probleme in der Region, die auf den Irak selbst ausstrahlen. Aber der Fortschritt, den wir am Boden gemacht haben, ist sehr wichtig. In diesem Jahr ist die Zeit gekommen, in der wir Daesh im Irak militärisch ein Ende setzen. Dabei benötigen wir jede erdenkliche Unterstützung.

Frage: Nach dem Treffen mit Merkel haben Sie gesagt, es laufe die letzte Phase, das ganze Land vom IS zu befreien. Werden wir in diesem Jahr die Befreiung der IS-Hochburg Mossul und des Irak erleben?

Antwort: Das ist das, was wir vorhaben. Wir haben mit unseren Plänen in der vergangenen Woche begonnen und unsere ersten Kräfte nach Mossul entsandt. Sie sind jetzt dort. Wir planen, wahrscheinlich im nächsten Monat, eine volle militärische Operation zu starten, um die Stadt wiedereinzunehmen. Ein Feldzug hat bereits begonnen. In der vergangenen Woche haben wir einige Orte zurückerobert.

Frage: Es hat lange gedauert, Ramadi zurückzuerobern. Mossul ist eine Millionenstadt. Woher kommt ihr Optimismus, dass sie in diesem Jahr vom IS befreit werden kann?

Antwort: Daesh ist noch immer in Mossul und kontrolliert noch immer die Grenze zwischen uns und Syrien. Die Kämpfer kommen aus der Türkei nach Syrien und aus Syrien in den Irak. Sie schmuggeln noch immer Öl. Aber wir haben in der Schlacht um Ramadi und in anderen Schlachten erlebt, dass Daesh unseren Kämpfern nicht die Stirn bieten konnte. Ihr Widerstand ist zusammengebrochen, obwohl sie sehr hart gekämpft haben. Sie waren nicht erfolgreich. Es gibt ein neues Selbstvertrauen in unsere militärischen Kräfte. Wir sind einen langen Weg gegangen und jetzt dabei, unser Ziel zu erreichen.

Frage: Was wünschen Sie sich von Deutschland?

Antwort: Wir haben Deutschland um Training und Ausrüstung gebeten, um Sprengsätze zu beseitigen. Diese behindern unsere humanitären Bemühungen, die Menschen zurück in die befreiten Städte zu bringen. Wir brauchen da eine große Anstrengung. Deutschland hat die Expertise und die Ausrüstung. Sie sind darin sehr gut. Andere Länder bilden die Polizei aus. Wenn Deutschland die Polizei trainieren kann, dann werde ich das sehr willkommen heißen.

Frage: Der IS ist auch das Ergebnis dessen, dass sich viele Sunniten im Irak nicht mehr von der Regierung vertreten fühlen. Sie fühlen sich von einer von Schiiten dominierten Regierung diskriminiert. Wie möchten Sie sie zurückgewinnen?

Antwort: Wir reichen anderen die Hand und beziehen sie mit ein. Die Popularität der Regierung ist unter der sunnitischen Bevölkerung größer als die Popularität vieler sunnitischer Führer. In der ganzen Region Konfessionalismus, nicht nur im Irak. Und jeder nutzt ihn für sich selbst. Saudi-Arabien und die Türkei sind auf der einen Seite. Sie konkurrieren mit dem Iran um die regionale Kontrolle. Sie nutzen Konfessionalismus für ihre Ziele. Das kostet unsere Leben und macht unsere Aufgabe viel, viel schwieriger. Wenn der Konfessionalismus zunimmt, wird Daesh mehr Menschen rekrutieren.

Frage: Welche Auswirkung hat der syrische Bürgerkrieg?

Antwort: Syrien ist ein großer Stachel in unserem Kampf. Wir müssen eine politische Lösung finden. Dazu gibt es in Syrien keine Alternative. Wir müssen darauf dringen. Eine politische Lösung in Syrien will alle zusammenbringen im Kampf gegen einen Feind, das ist der Terrorismus, das ist Daesh.

Frage: Was bedeuten die niedrigen Ölpreise für den Irak?

Antwort: 2015 sind unsere Öleinnahmen auf ein Drittel des Niveaus gesunken, das wir vor zwei Jahren hatten. In diesem Jahr sind es 15 Prozent von dem, was es früher war. Das ist ein enormer Rückgang, besonders vor dem Hintergrund, dass sich unser Budget zu 90 Prozent auf das Öl stützt. Das ist eine Herausforderung für uns, weil wir den Krieg führen müssen. Und wir müssen den Menschen etwas liefern. Wir haben ein sehr großes Programm, um die Wirtschaft und den Staat zu reformieren. Das ist jetzt die Zeit, um es zu machen. Es kann schmerzhaft sein. Deshalb brauchen wir die Unterstützung der G7. Wir sind bereit, harte Maßnahmen zu treffen.

Frage: Die Flüchtlingskrise ist ein großes Problem für ihre Land und für andere Länder wie Deutschland. Was können Sie tun, damit die Menschen das Land nicht verlassen?

Antwort: Wir müssen in die Lage versetzt werden, die Leute sehr schnell in die befreiten Städte zurückbringen zu können, indem wir die Gebiete stabilisieren. Andere Menschen sind noch immer in Flüchtlingslagern. Unser Problem ist, dass unsere Unterstützung wegen der Ölpreise drastisch zurückgegangen ist. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele gehen wollen. Wenn man ihnen genug Unterstützung im Irak gibt, wie Schulunterricht oder medizinische Versorgung, wenn man das Problem an der Wurzeln anpackt, dann wird es weniger Anreiz für die Menschen geben zu gehen. Und es gibt kriminelle Banden, die ihre Hände nach Zivilisten ausstrecken. Das ist wie ein globales Netzwerk von Menschenschmugglern. Das muss angegangen werden.

Frage: Wie sehen Sie Europas Rolle im Kampf gegen die Menschenschmuggler?

Antwort: Jeder bekämpft sie nur mit seinen eigenen Mitteln. Aber es muss eine konzertierte Aktion geben. Ich kann keine konzertierte Aktion sehen. Ich kann interne Streitigkeiten zwischen den europäischen Ländern sehen darüber, wer für die Flüchtlinge verantwortlich ist. Jeder versucht, das Problem an den anderen abzuwälzen.

ZUR PERSON: Der Schiit Haidar al-Abadi steht seit 2014 an der Spitze der irakischen Regierung. Der 63 Jahre alte studierte Elektroingenieur lebte lange in England und kehrte erst nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 zurück. Im Kampf gegen den IS und die weit verbreitete Korruption bemüht er sich um Reformen, stößt aber auf massive Widerstände im Land.

Fr, 2016-02-12 08:20
Tripolis (dpa)

Libyen - Zerrissen im jahrelangen Konflikt

Tripolis (dpa) - Das ölreiche Libyen kommt auch fünf Jahre nach den Aufständen und dem späteren Tod von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi immer noch nicht zur Ruhe.

Seit 2014 existieren zwei rivalisierende Regierungen und zwei Parlamente. Die international anerkannte Regierung sitzt in der ostlibyschen Stadt Tobruk und stützt sich auf die Armee. Ein von Islamisten dominiertes Abgeordnetenhaus hat seinen Sitz in Tripolis. Zudem wollen Hunderte Milizen ihre eigenen Interessen durchsetzen. Auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) breitet sich immer weiter aus.

Im Dezember hatten Delegationen der Konfliktparteien einen Friedensplan unterzeichnet. Eine unter UN-Vermittlung gebildete Einheitsregierung ist jedoch bisher wegen Widerstands beider Parlamente nicht eingesetzt worden. Das muslimisch geprägte ölreiche Land ist mit einer Fläche von etwa 1,76 Millionen Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Es befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise.

Fr, 2016-02-12 08:55
Osnabrück (dpa)

Start-up will Insektenburger groß machen Von Elmar Stephan, dpa

Burger sind hierzulande beliebtes Fastfood. In anderen Ländern lassen sich die Menschen Insekten schmecken. Ein junges Start-up aus Osnabrück will beides kombinieren: Käferlarven im Brötchen.

Osnabrück (dpa) - Ein Burger aus gemahlenem Buffalowurm - der Larve des Getreideschimmelkäfers. «Schmeckt wie Falafel», sagt Jungunternehmer Max Krämer. Der 30-Jährige und sein 28 Jahre alter Kollege Baris Özel wollen mit ihrer Osnabrücker Firma «Bugfoundation» in den kommenden Jahren Burger auf Insektenbasis europaweit etablieren - die «Bux Burger».

Der Burger sieht ganz normal aus: Eine Brötchenhälfte oben und unten, Salat, und in der Mitte ein Klops. Aber statt aus Rindfleisch ist der Belag aus pflanzlichen Bestandteilen - und eben aus Insekten. Bei einem Thailand-Aufenthalt vor einigen Jahren habe er zum ersten Mal Insekten gegessen, erzählt Krämer. «Ich habe in meiner Bachelor-Arbeit darüber geschrieben und bin dabei auf sehr viele Vorurteile über Insekten als Nahrungsmittel gestoßen.»

In Afrika, Asien, Australien - auf all diesen Kontinenten gehören Insekten zur täglichen Nahrung von zwei Milliarden Menschen, wie die Welternährungsagentur der Vereinten Nationen (FAO) feststellte. Im Westen sind gegrillte, frittierte oder gedünstete Grillen, Maden, Würmer oder Ameisen bislang eher ein Partygag.

Aber warum sollten Insekten auch in Europa eine größere Rolle in der Ernährung der Menschen spielen? «Der wichtigste Vorteil ist, dass Insekten gut schmecken», sagt Krämer. Es gebe rund 2000 Arten, die als essbar gelten und schmackhaft seien. «Das ist schon einmal die Grundvoraussetzung, um daraus ein Geschäft zu machen.»

Experten sehen in Insekten als Nahrungsmittel viele Vorteile. «Insekten sind sehr nachhaltig», sagt Sergiy Smetana, Doktorand beim Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück.

Insekten sind laut FAO gesund und nahrhaft, reich an Proteinen und gesunden Fetten, besitzen viel Kalzium, Eisen und Zink. Ihre Aufzucht ist deutlich weniger klimaschädlich als die der meisten anderen Tiere, sie belastet das Grundwasser weniger. Und sie sind effizienter: Um dieselbe Menge an Proteinen zu erzeugen, benötigen Grashüpfer zwölfmal weniger Futter als Rinder und halb so viel Futter wie Schweine oder Hähnchen. Außerdem benötigen Insekten weniger Land. «Insektenaufzucht ist daher auch besonders für urbane Regionen gut geeignet», sagt Smetana. Ein wichtiges Argument, da weltweit immer mehr Menschen in Städten leben.

Mit einem Wort: Nahrungsmittel aus Insekten sind umweltfreundlicher als tierische Produkte. Gesünder seien sie ohnehin, sagt Krämer. «Die Proteine werden sehr gut vom Körper aufgenommen.» Anders als Rind- und Schweinefleisch enthalten sie kaum gesättigte Fettsäuren, die für viele Zivilisationskrankheiten mit ursächlich sind, und sind reich an Vitamin B12, wie Krämer sagt.

So weit die Vorteile. Der Nachteil: In der Europäischen Union ist das Essen ganzer Insekten zwar erlaubt, nicht aber der Genuss von verarbeiteten Tieren. Gemahlene und zu Burger-Klopsen verarbeitete Insekten gelten als neuartige Lebensmittel (Novel Food). «Es ist ein neues Nahrungsmittel, und das muss erst auf seine Verträglichkeit getestet werden, sagt DIL-Experte Smetana. Viel Forschung sei noch nötig, weil nicht jedes Insekt für die menschliche Nahrungsaufnahme geeignet sei.

Die Konsequenz ist, dass der Verkauf der «Bux Burger» in Europa im Moment verboten ist. Allerdings sei die entsprechende Verordnung der EU zum 1. Januar geändert worden. «Wir müssen nun intensive Forschung treiben und beweisen, dass unsere Burger nicht gefährlich sind», sagt Baris Özel. Mit Partnern aus Belgien, Holland und Deutschland sollen in den nächsten zwei Jahren Forschungsergebnisse gesammelt werden.

Allerdings gibt es schon zwei Restaurants in Belgien, die die Burger anbieten - offenbar sind die Gesundheitsbehörden in Belgien nicht so streng wie die deutschen. Die Nachfrage sei zwar noch nicht hoch, aber diejenigen, die ihn essen, gäben ein gutes Feedback, sagt Özel. «Der Burger wird pro Tag mindestens zweimal gekauft, und er wird aufgegessen.»

Eine dreimonatige Testphase sei gut verlaufen. Das nächste Ziel für das junge Start-up im niedersächsischen Osnabrück: «Wir wollen bis Mitte des Jahres 30 bis 40 Restaurants in Belgien beliefern.»

Auf eine Feststellung legen die beiden Jungunternehmer Wert: Das Ziel sei nicht, Fleisch vom Markt zu verdrängen. «Eines unserer Ziele ist es, eine weitere Kategorie neben Fleisch, Fisch oder der vegetarischen Ernährung aufzustellen», sagt Krämer. Auch DIL-Experte Smetana sagt, es gehe nicht darum, dass sich die Welt allein von Insekten oder Pflanzen ernähren solle. «Wir müssen unsere Ernährung diversifizieren.»

Fr, 2016-02-12 08:20
Tripolis (dpa)

Libyen nach den Aufständen 2011 - Chaos und Ringen um den Frieden

Tripolis (dpa) - Vor fünf Jahren begannen in Libyen Aufstände gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Bis heute kam das Land nicht zur Ruhe. Ein Rückblick.

15. Februar 2011: Die Proteste aus Tunesien und Ägypten greifen auf Libyen über. Bei Zusammenstößen in Bengasi zwischen Aufständischen und Gaddafi-Anhängern gibt es viele Verletzte. Blutige Kämpfe folgen.

27. Februar: Vermutlich Tausende Menschen sind tot oder verletzt. Ein Teil der Aufständischen gründet den libyschen Nationalrat in Bengasi. Die Kämpfe gehen weiter.

17. März: Der UN-Sicherheitsrat billigt eine Flugverbotszone ohne Einsatz von Besatzungstruppen. Deutschland enthält sich. Gaddafi droht mit einem Blutbad.

19. März: Spitzenpolitiker aus aller Welt stimmen in Paris das weitere Vorgehen ab. Kurz danach starten die USA, Frankreich und Großbritannien einen ersten Luftangriff gegen Libyens Armee.

24. August: Gefechte in Tripolis und anderen Orten. Gaddafi ist verschwunden.

20. Oktober 2011: Gaddafi wird in seiner Geburtsstadt Sirte von Rebellen getötet.

7. Juli 2012: Die liberale Allianz der Nationalen Kräfte geht als Sieger aus der ersten libyschen Parlamentswahl hervor.

14. Oktober 2012: Das Parlament wählt nach wochenlanger Verzögerung den Abgeordneten Ali Seidan zum Ministerpräsidenten.

9. Juni 2013: Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Milizen kommen in Bengasi mindestens 31 Menschen ums Leben. In den folgenden Tagen gibt es weitere Gefechte mit Todesopfern.

26. Februar 2014: Extremisten behindern erneut die Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung. Es war bereits der zweite Anlauf.

11. März 2014: Das libysche Parlament setzt Regierungschef Ali Seidan per Misstrauensvotum ab.

13. April 2014: Übergangsregierungschef Abdullah al-Thinni kündigt nach Drohungen von islamistischen Milizionären seinen Rückzug an.

4. Mai 2014: Der Unternehmer Ahmed Maitieg wird Ministerpräsident. Im Juni erklärt das Oberste Gericht Libyens die Wahl wegen Unregelmäßigkeiten für verfassungswidrig.

25. Juni 2014: Die Libyer wählen unter geringer Beteiligung ein neues Parlament: das Abgeordnetenhaus in Tobruk löst den alten Nationalkongress ab.

25. August 2014: Teile von Libyens ehemaligem Parlament treten in Tripolis als islamistisches Gegenparlament zusammen.

15. Februar 2015: Ein Video zeigt, wie Anhänger des Islamischen Staates (IS) in Libyen 21 koptisch-christliche Gastarbeiter aus Ägypten köpfen. Ähnliche Grausamkeiten verübt der IS mehrfach.

17. Dezember 2015: Nach mehr als einem Jahr Verhandlungen unterzeichnen Delegationen der libyschen Konfliktparteien einen Friedensplan. Das Papier sieht die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor. Die Einsetzung der Regierung scheiterte bis heute am Widerstand aus Tobruk und Tripolis.

8. Januar 2016: Die Terrormiliz IS bekennt sich zu einem Anschlag auf eine Polizeieinrichtung in Libyen mit mehr als 70 Toten.

Fr, 2016-02-12 08:55
Osnabrück (dpa)

Start-up will Insektenburger groß machen: Käferlarven im Brötchen

Osnabrück (dpa) - Zwei Jungunternehmer aus Deutschland wollen Insekten als Nahrungsmittel groß herausbringen: Max Krämer und Baris Özel haben einen Burger auf Insektenbasis entwickelt. Derzeit bietet das Unternehmen Bugfoundation im niedersächsischen Osnabrück den «Bux Burger» nur in der belgischen Hauptstadt Brüssel in zwei Restaurants an. Im Laufe des Jahres wollen Krämer und Özel bis zu 40 weitere Restaurants in Belgien beliefern. In Deutschland darf der Fastfood-Happen noch nicht verkauft werden, weil er als neuartiges Lebensmittel gilt und die beiden Unternehmer erst in Testreihen die Unbedenklichkeit beweisen müssen.

Der Burger besteht aus pflanzlichen Bestandteilen - und gemahlenem Buffalowurm, der Larve des Getreideschimmelkäfers. Insekten gehören weltweit für zwei Milliarden Menschen zur täglichen Ernährung. Experten beurteilen Insekten als Nahrungsmittel als ökologisch und ernährungsphysiologisch vorteilhaft im Vergleich mit Rindern, Schweinen oder Geflügel.

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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